1884
Samstag den 15. November
Nr. 268.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit »ritigrrMtl Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar? SS» M
Erscheint tftglig mit ««Snchme M MO«i«sS
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ein Conflict ausgebrochen ist, der aus Differenzen zwischen dem Mimster-Präsi- denten und deln Referenten Frank Chanveau zurückgesührt rotrb, in Folge deren ersterer es abgelehnt hat, ferner in der Commission zu erscheinen. — Die neuesten Cholera-Bulletins aus Paris lasten noch immer eine Zunahme der Seuche erkennen. So kamen am Montag in der Stadt und den Hospitälern 83 Chol-ra-TodeSsälle vor, während zugleich 119 Cholerakranke in bte ®o4pt< tüler eingeliesert wurden und befanden sich in ihnen außerdem 190 Cholerakranke in ärztlicher Behandlung.
In ver Londoner Guildhall hat am Montag das Lordmayors. Banket stattgefunoen, das deshalb eine besondere Bedeutung besitzt, weil sich bei dieser Gelegenheit die theilnehmenden R-gierungs-Bertreter über die schwebenden politischen Fragen zu verbreiten pflegen. Dieser Aufgabe unterzog sich diesmal Lord Granville, der Minister des Auswärtigen, welcher sich über Den frdnjolild;. chinesischen Conflict, die egyptische Frage und die Congo-Conferenz aussi-ß. Be- züalich ersterer Angelegenheit betonte Granville die Nothwendlgkeit der Wiederherstellung des Friedens zwischen Frankreich und China, wobei er durchblicken ließ, daß die Vermittelung Englands nicht den gewünschten Erso g gehabt habe und zugleich aus Nordamerika und Deutschland, als die geeignetsten Vermittler, hinwies. Anlangend di- egyptische Frag-, so bemerkte der Minister, es werde dem General Wolseley hoffentlich nicht nur gelingen, Kordon zu befreien, son- dern auch eine dauerhafte Regierung im Sudan einzurichten; dagegen vermied er es, nähere Mittheilungen über Die Ergebnisse der egyptijchen Mission Lord Rorthbrook's zu machen. In Bezug auf die Congo-Conferenz endlich constattrte der Minister die Uebereinstimmung Deutschlands mit England. Aus die inneren politischen Angelegenheiten ging dagegen Lord Granville nicht näher ein.
^n Gens, wo das radikale Element von jeher vorherrschte, hat daffelbe bei den Wahlen zum Großen Rath wiederum die Majochat gehabt. Wie amtlich festgestellt worden ist, wurden in den Großen Rath 51 Radikale und 49 Conservative gewähtt. ,, .
Die belgische Kammersession ist am Dienstag ohne Thronrede eröffnet worden. Der Senat wählte das frühere Bureau wieder, zum Prasi- denten Aüethan, zu Vicepräsidenten Merode und Kind.
Aus New -Jork meldet man". Die officiellen Berichte über die Waylmännerwahl für die Präsidentenwahl, welche nunmehr aus " Graf- schäften des Staates New-York vorliegen, wetsert fast durchweg daMbe Zahlen- ergebniß auf, das in den bisherigen nichtamtlichen Berichten zu Gunsten der Wahl Cleveland's angeführt wurde.
Politische Ueberfkcht,
Gießen, 14. November.
Der Kaiser ist von seinem jüngsten Unfall, durch Den er sich übrigens •n xeiner Weise in der gewohnten Erledigung der lausenden Negierungsgeschäste und Entgegennahme von Meldungen und Vorträgen hat stören lasten, nunmehr wieder vollständig hergestellt. Nachdem der hohe Herr seit einigen Tagen feine reaelmäßmen Ausfahrten wieder aufgenommen hat, steht auch seine Betheiligung an einer der nächsten Hosjagden zu erwarten. Aus Koblenz wird gemeldet, daß sich die Kaiserin des besten Woblbefindens erfreue.
Die jetzt osficiell bekannt gegebene Einberufung des neuen Reichstages aus Donnerstag den 20. November hat allen hieraus bezüglichen Fragen und Vcrmuthungen ein Ende gemacht. Der Reichstag wird bei seinem Zusammentritt bereits genügendes Material zur Beschäftigung vorsmden, denn außer dem Etat werden ihm gleich nach seinem Zusainmentntt die Dampfer- Subventions-Vorlage, das Postsparkaffen-Gesetz und die Novelle zum Unfallversicherungs-Gesetz zugehen. Diese Vorlagen sollen aber erst die Genehmigung des Bundesraches erhalten. Nachdem indesten die Entwürfe bekanntlich dem preußischen StaatSrath vorgelegt worden sind, hält es der Bundesrath für an» gezeigt, erst besten Begutachtung abzuwarten. In Regierungskreisen hofft man, daß die Gesetze nach so gründlicher Durchberathung und Durchuebung eine derartig vollendete Gestalt gewonnen haben werden, daß die Arbeiten des Reichs- taaes dadurch erheblich erleichtert und abgekürzt werden. Denn diese Absicht war für Fürst Bismarck, als er das Wiederaufleben des Staatsrathesm Vorschlag brachte, mit eine leitende, und man darf sich wohl der Hoffnung hmgeben, daß Die Arbeiten des Staatsrathes die parlamentarischen Schwierigkeiten vermindern und die Ausdehnung der bevorstehenden Session nicht unerheblich ver- rmgern^werden.b Physiognomie des neuen Reichstages anbelangt, so muffen erst die Resultate der noch ausstehenden Stichwahlen abgewartet werden, ebe sich hierüber ein endgültiges Urtheil fällen läßt. Doch kann man jetzt schon erkennen, daß einentheils die rechte Seite des Hauses eine nicht unbedeutende Verstärkung ausweisen wird, während anderntherls auch bie linke Seite durch die Abnahme der Deutschsreisinnigen und die Zunahme der Socialdemokraten ein verändertes Aussehen gewonnen hat. Letztere haben überhaupt, wie schon im ersten Wahlgange, so auch bei den engeren Wahlen im Verhältmß zu ihrer bisherigen Stärke im Reichstage das beste Geschäft gemacht. .Elberfeld-Barmen, »ranffurt a M Offenbach, die beiden Breslauer Wahlkreise, Solingen und nunmehr auch Berlin Vsi ergänzen di- sociald-mokratischen Erfolge vom 28 October und die Leiter der socialdemokratischen Bewegung dürfen mit diesem Erfolge vorläufig zufrieden sein. Dagegen haben die Stichwahlen den National, liberalen manche Enttäuschungen gebracht und es ist kaum mehr daran zu denken, daß die Nationalliberalen es im Reichstage aus 60 Sitze bringen werden, wie von ihnen nach dem für sie relativ günstigen Ausgange der Hauptwahl-n erwartet wurde. Alt- Wahlkreise, wie Kehl-Off-nburg und Kaiserslautern, find den Nationallib-ralen verloren gegangen und die leise Hoffnung, andere Wahl, kreise zu erobern, wie z. B. Köln, hat sich ebenfalls nicht erfüllt. Immerhin werden aber die Nationallib-ralen im Verein nut den Freiconservatlven stark genug sein, um den Einfluß der Mittelparteien im neuen Reichstage m hmlang. sicher Weise zur Geltung zu bringen. .
Der Herzog von Cumberland hat sich durch fern, von der „NoU>d. Mg Qtg." veröffentlichtes Rundschreiben vom 4. November .an ine deutschen «Dürften nochmals mit seinen Ansprüchen aus den braunschweigischen Thron m Erinnerung ' gebracht. An dieser neuesten Kundgebung des welfischen Thron- Prätendenten ist nur das Eine bemerkenswerth, daß sie eben in dem genannten osficiösen Blatte abgedruckt wird, trotzdem der von Cui^erland, wie er selbst betont, dem Kaiser, dezw. dem König von Preußen, das Schriftstück nicht geschickt hat. Man wird also wohl die Veröffentlichung desselben durch das Organ des Reichskanzlers als Antwort der übrigen deutschen Bundesfursten zu ^^^D'ie^we'stafrikanische Conserenz tritt nunmehr bestimmt am 15. Noaemb-r in Berlin zusammen. . ,
Aus Oesterreich ist nur zu melden, daß die Berathungen der in Pesth versammelten Delegationen beider Reichshälsten einen raschen Fortgang nehmen. Der Budg-t-Ausschuß der österreichischen Delegation hat bis jetzt das Orbinatium und das Extra.Orbinarium des Budgets des H-ereS und d-r Kriegs, marin- durchgängig nach den R-gi-rungS.Vorschläg-n erledigt Am Mittwoch hielt die österreichische Delegation eine Plenarsitzung ab, in welcher das Budget des Auswärtigen und der Occupations-Kredit zur Beraihung standen. Da sich »wischen den beiderseitigen Delegationen voraussichtlich ferne wesentlichen Dfffe- renseri Herausstellen werden, so dürfte der Delegationsschluß tn nächster Woche eriotgen. ^^zösisch-chinesisch- Affair- ist, sowohl was die kriegerischen Vorgänge in Ostasien als auch die diplomatische Seite bet Affaire anbe- lanqt zur Reit in ein gewisses Dunkel gehüllt, in welches erst bte bevorstehende Tonqking'Dchatte in der sranzösischen D-putirtenkammer Licht bringen wird. <.n Devutirlenkr-isen herrscht ein begreiflicher Unmuth darüber, daß sich[ bie UÄSeÄdt fo in bie Länge zieht und man sieht deshalb Sei ens der Regierung der Tongking-D-batte nicht ohne Besorgniffe entgegen. Dieselben w-rdm no?°ab»rch °-rm-hrt, daß zwischen F-rry und bet Tongking-Comm.ssion
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Darmstadt, 13. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allerg^digst geruhter Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Zwingers erg, Eduard Seriba, zum Landrichter bei dem Landgerichte der Provinz Star- k-nbu^n"d-msii-Tag- d-n Staatsanwalt bei bem Landgerichte d-r Provinz Oberhessen, Dr. Hermann Lahr, zum Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Zwm- genberg_-^8U^mnnen^^t @t0^erj0g haben Allergnädigst geruht.
Am 8. November den Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Groß-Umstab , Ernst Wickel, zum Oberamtsrichter bet dem Amtsgerichte Ulrichstein, nut Wirkung vom 1. D-c-mber l. Is., zu ernennen. , , , .
Gera, 13. November. Der Zoologe Dr. Adolf Brehm (auch in Gießen durch seine belehrenden Vorträge rühmlichst bekannt) ist in R-nth-nborf bei Gera geftotben._____________ _
Telegraphische Depeschm.
sr?nnember Rum Besten eines für Karl Maria von Weber in seiner @Sab? 6u?in”u errl^nben, an dessen ^tj-hrig-m^GebuNstag^u
SSSSSS» 161 ^°aiİ13^N^ö"mb°r'^Camtvi sprach bei der heutigen Jnspicirung der Brigg 5Rooe*ib«n au b=rf”bm befindlichen Osfizi-r-n und Mannschaften der a-ftb-ft-tt-n ^Undine- für ihr braa-S Verhalten die kaiserltche An-rk-nnung auS. Ein Osfizter und zwei M°tt°s°n wurd-n^c°rirn Cvusistor.um leisteten di- neuen KardinSl-
rMWZMHWMW sich d-r italienische Vertreter an TungUgan-n --rlang-n d ß n Staates Seitens der
be8 itaÄeD1360Smber. Gestern sind in Dran zwei, in Toulon ein Cholera- todeSfall vorgekommen.
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