nervösen Gereiztheit der Nationalitäten gegeneinander. Dieselbe kommt namentlich in den verschiedenen Landstuben zum Durchbruch; so klagen sich im böhmischen Landtage Deutsche und Czechen gegenseitig an und in der Laibacher Land- stube ist es zu einem parlamentarischen Strike gekommen, indem die deutsche Minderheit in Folge einer für sie beleidigenden Aeußerung eines slovenischen Abgeordneten den Sitzungssaal verließ. Mittlerwelle ist jedoch die Angelegen- heil beigelegt worden und sind die Deutschen im Landtage wieder erschienen. — Im ungarischen Oberhaus hat der Adreß-Ausschuß am Freitag den Adreß- Entwurf an den Kaiser-König vorgelegt. Der Entwurf weist aus die Wichtigkeit der in der Thronrede bereits gekennzeichneten Aufgaben des Parlamentes hin und äußert sich im Allgemeinen zustimmend zu der beabsichtigten Reorganisation des Oberhauses. Schließlich wird der Genugthuung über die ausgezeich- neten Beziehungen zu allen Staaten und besonders zu Deutschland, Ausdruck verliehen und die Nothwendigkeit des inneren Friedens betont.
Die ungünstige wirthschaftliche Lage der französischen Republik, die sich schon in den industriellen und gewerblichen Krisen, wie eine solche gegenwärtig wieder in Lyon herrscht, offenbart, tritt auch in dem fortwährenden Deficit hervor. Jetzt ist eines in der Höhe von 56 Mill. Frcs. vorhanden und es hat deshalb der Finanzminister Tirard in der Budget-Commission der französischen Deputirtenkammer einen harten Stand. Da der Ausschuß von neuen Steuern absehen will, so bleibt zur Minderung des Deficits nur übrig, die verschiedenen Etats des Budgets zu ermäßigen. Ob da der Kriegsminister Campenon mit seiner Forderung von 30 Millionen für die Befestigungsbauten an der Pyrenäengrenze viel Glück haben wird, ist noch sehr fraglich. Das von der chinesischen Regierung an die Mächte versandte Facsimile des Vertrages von Tientsin hat sich als eine Fälschung herausgestellt, wodurch der französische Unterhändler, Kapitän Fournier, zu der Erklärung veranlaßt worden ist, daß von ihm in der betr. Rote nichts geändert worden sei. Die Affaire hat außerdem bereits zu einem Duell zwischen ihm und Rochefort geführt.
Die englische Regierung hat neben den Schwierigkeiten, die ihr aus der egyptischen Frage erwachsen, nun auch noch mit Verlegenheiten in Süd- Afrika zu kämpfen. Am vorigen Mittwoch sind in dem in London abgehaltenen Cabinetsrathe die südafrikanischen Angelegenheiten der Gegenstand eingehender Erörterungen gewesen. Besonders die Beziehungen zwischen England und der Transvaal-Republik haben durch die Annexion des Betschuanen-Landes durch die Transvaal-Boern einen Grad von Spannung erhalten, von der biä zum Ausbruche offener Feindseligkeiten zwischen den Engländern und den Boern kem weiter Schritt mehr ist. Der von dem Cabinet Gladstone gefaßte Beschluß, sofort Maßregeln gegen das Vorgehen der Boern im Betschuanen-Land zu ergreifen, ist für die Lage in Süd-Afrika wohl hinlänglich kennzeichnend. Ob der Beschluß der Executive der Transvaal-Republik, die Zurückziehung der Proklamation der Protection über Montsira zu erklären, als Zeichen eines Emlen- kens Seitens der Boern zu betrachten ist, muß noch abgewartet werden.
In Italien ist der furchtbaren Katastrophe in Ischia Heuer ein anderes Elementar-Ereigniß gefolgt. Ein Wirbelsturm hat die Stadt Catania auf Sicllien heimgesucht und nicht nur Ungeheuern Schaden an Eigentyum —
Mittwoch den 15. October
1881
Nr. 211
iehener Anzeiger
für den Kreis Gießen
Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringrrlvhn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 56 Pf.
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Betreffend: Die Verwaltung der Oberförsterei Gießen. Gießen, am 13. October 1884.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
Betreffend: Die Verwaltung der Obersörsterei Schiffenberg. Gießen, am 13. October 1884.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der zur Oberförsterei Schiffenberg gehörigen waldbefitzenden Gemarkungen.
Wir benachrichtigen Sie, daß gemäß Verfügung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung vom 6. l. Mts. der Großh. Oberförster Georgi zu Gießen auf seinen Antrag seiner dienstlichen Funktionen bis auf Weiteres entbunden und dem Forstaccesststen Walther zu Gießen die Verwaltung der Obersörsterei Schiffenberg übertragen worden ist.
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an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der zur Obersörsterei Gießen gehörigen waldbefitzenden Gemarkungen.
Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß gemäß Verfügung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung, vom 25. v. M. der seitherige Verwalter der Oberförsterei Beerfelden, Forstaccessist Köhler, mit der Verwaltung der Oberförstern Gießen beauftragt
' — 28 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 8. d. M„ enthält:
sNr 1567) Allerhöchster Erlaß, betreffend die Ausnahme einer Anleihe auf Grund der Gefetze vom 16. Februar 1882 (Reichs-Gesetzbl. S. 39), Dom 2. Juli 1883 (Reichs-Gesetzbl. S. 148) und vom 12. April 1884 (Reichs-Gesetzbl. S. 21). Vom 29. September 1884.
Gießen, am 13. October 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
vr. Boek manu.___
Bekanntmachung.
Betreff: Das Einhalten der Tauben zur Saatzeit.
Diejenigen Einwohner von Gießen, welche Tauben halten, werden hiermit aufgefordert, dieselben ohne Ausnahme vom 15. October bis 12. November l. I. bei Meidung der in Art. 79 des Feldstrasgesetzes vorbestimmten Strafe in den Schlägen eingesperrt zu halten.
Gießen, den 13. October 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
___________ Fresenius. _____________
Politische Ueberfkcht.
Gieße«, 14. October.
West-Afrika nimmt fortdauernd das Interesse der politischen Welt in Anspruch. Gegenwärtig ist es die projectirte Conferenz zur Regelung der bezüglich Westafrikas schwebenden Fragen, welche in der in- und ausländischen Preffe lebhaft debattirt wird. Dieselbe wird von dem Pariser „Temps" signa- lisirt und zwar glaubt man allgemein, daß die betr. Mittheilung aus dem Pariser auswärtigen Amte stammt. Derselben zufolge hat Deutschland an alle Staaten, welche in West-Afrika politische oder commercielle Jutereffen besitzen, nämlich Frankreich, England, Spanien, Portugal, Holland, Belgien und die Vereinigten Staaten eingeladen, sich hierüber zu verständigen und zwar soll der Zusammentritt Ende November in Berlin ersolgen. Besonders bedeutsam ist hierbei die Mittheilung, daß sich Deutschland und Frankreich vorher über das Programm der Conferenz geeinigt haben sollen und zwar umfaßt daffelbe drei Hauptpunkte: Handelsfreiheit und freier Zutritt aller Flaggen auf dem Congo, Herstellung eines ähnlichen Regimes für den Niger und Feststellung des Occu- pationsrechtes von nicht unterworfenen Territorien. Die internationale afrikanische Gesellschaft ist, weil kein anerkannter Staat, nicht eingeladen, doch werden ihre Delegirten eventuell zugelaffen. Der Gedanke, die mannigfachen, gerade im Gebiete der westafrikanischen Riesenströme, des Niger und des Congo, sich kreuzenden Interessen der verschiedenen Staaten zu regeln und auszugleichen, ist entschieden von weittragender Bedeutung und seine Verwirklichung würde nur dazu beitragen, die gemeinschaftliche Culturarbeit der Nationen in jenen fernen Gegenden mächtig zu fördern. Unter diesem Gesichtspunkte ist auch die Nachricht freudig zu begrüßen, daß eine gewisse Commission zur Regelung der von englischen und deutschen Staatsangehörigen in Angra Peguena erhobenen, einander widersprechenden Ansprüche eingesetzt werden soll und bildet diese Angelegenheit gegenwärtig den Gegenstand eines Schriftwechsels zwischen der deutschen und der englischen Regierung.
Der Besuch des deutschen Botschafters in London, des Grafen Münster, in Friedrichsruhe beim Fürsten Bismarck hat allen Gerüchten über angebliche Differenzen zwischen beiden Staatsmännern und die hieraus resultirende Abberufung des Grasen Münster von seinem Londoner Posten ein Ende gemacht. Graf Münster ist von Seiten des erlauchten Gutsherrn von Friedrichsruhe mit größter Auszeichnung behandelt worden und hat Fürst Bismarck in unzweideutiger Weise hierdurch jene Gerüchte widerlegt. Graf Münster wird sich nach Erledigung einiger Privat-Angelegenheiten direct auf seinen Londoner Posten zurückbegeben und sind somit alle Mittheilungen über seine angebliche Ersetzung durch den Grasen Herbert Bismarck gegenstandslos geworden, um so mehr, als letzterer seinen Posten als diplomatischer Vertreter Deutschlands im Haag nunmehr angetreten hat.
In dem Befinden des erkrankten Herzogs von Braunschweig ist den neuesten Nachrichten zufolge eine leichte Besserung eingetreten und scheint eine unmittelbare Gefahr nicht vorhanden zu sein.
Die sonderbaren Früchte, welche in Oesterreich die Versohnungs- Politik des Grafen Taaffe zeitigt, zeigen sich deutlich auch in der steigenden


