Ausgabe 
15.5.1884 Zweites Blatt
 
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Midhat Pascha, der bedeutendste türkische Staatsmann der Gegen- wart, ist am Sonntag in Folge eines Karbunkel-Leidens in Konstantinopel ge­storben. Midhat Pascha, geboren 1822, eröffnete seine glänzende amtliche Lauf­bahn als Kassevar (Siegelbewahrer) des Großkanzler-Amtes,, wird hieraus Gouverneur verschiedener Provinzen und unter Abdul Aziz Großwessir. An der Spitze der unzufriedenen Softa's hals Mwhat Pascha 1876 den unfähigen Abdul Aziz stürzen, wurde von dessen Nachfolger Murad V. zum Präsidenten des Hohen Rathes und unter Abdul Hamid II. wieder zum Großwessir ernannt, als welcher er der Türkei seine berühmte constitutionelle Verfassung verlieh. Seiner weiteren reformatorischen Thätigkeit wurde aber durch seine 1877 plötzlich nach dem Auslände erfolgte Verbannung ein Ziel gesetzt und obwohl Midhat Pascha später die Rückkehr nach Konstantinopel gestattet wurde, hat er doch nie wieder eine Rolle im türkischen Staatsleben gespielt.

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Die nächste Generalversammlung soll Ende Mai in Gießen abgehalten werben, welcher u. a. über Wanderbaumgärtner gesprochen werden soll.

Hiermit wird die Generalversammlung geschlossen.

Der Director: Der Secretar:

Nover. Frrhr.

DMtische Nsbexstcht.

Gießen, 14. Mai.

Der dem Reichstag in den nächsten Tagen zugehende Gesetz­entwurf, bett, die Einrichtung directer Postdampfer-Linien von deutschen yafen mach Ost-Asien und Australien, hat in der öffentlichen Meinung eine recht qünstiqe Aufnahme gesunden. Den Werth, den solche Dampfer-Verbmdungen für die politischen, commerciellen, postalischen und Marine-Juteresien Deutsch­lands haben, wird allseitig anerkannt uno es wird auch zugegeben , daß als Ersatz für die Anforderungen, welche die Post- und Marine-Verwaltung, zum Theil für offenbar staatliche Zwecke, erheben muffen, eine staatliche Subvention gerechtfertigt ist. Vom privaten Unternehmungsgeiste allein kann man eine Lösung dieser Aufgabe nicht erwarten, es muß eben der Staat mit fernen mach- tigen Mitteln eingreifen und da ist es denn erfreulich, daß selbst in Kreisen, wo man für gewöhnlich von Staatshülse und Staatseinmischung nichts wissen will, die geplante Einrichtung der genannten Dampfer-Linien eine günstige Be- urtbeilung erfährt. In einem Schreiben an den Fürsten Hohenlohe-Langenburg lagt Fürst Bismarck, daß er in Erwägung der im Reichstage vorherrschenden Tendenzen auf eine sofortige Annahme des betr. Gesetzentwurfes kaum rechne. Was den Reichskanzler zu dieser Aeußerung veranlaßt, ist nicht recht verständ­lich, denn eine ähnliche Vorlage ist dem Reichstage noch nie gemacht worden und auch in der liberalen Presse findet die gegenwärtige Vorlage fast ausnahms­los eine sympathische Aufnahme. Bei der durch unsere Nation heutzutage gehenden Strömung ist überhaupt jedes Unternehmen wärmster Sympathie sicher, in welchem man einen Keim und Anfang einer activeren überseeischen und kolonialen Politik erblicken zu können glaubt. Inwiefern der Postdampser- Vorlage dieser Charakter innewohnt, inwieweit fie zu weiteren Consequenzen in dieser Richtung führen wird, läßt sich heute noch nicht übersehen. Thatsache ist aber, daß gerade unter diesem Gesichtspunkt einer activeren kolonialen und über­seeischen Politik die Vorlage in weiten Kreisen freudig begrüßt worden ist.

In Wien hat amSamstag die feierliche Beisetzung der Leiche der Kaiserin Maria Anna in der Kaisergruft der Kapuzinerkirche stattgefunden. Der Trauerseier wohnte u. A. als Vertreter des deutschen Kaiserhauses Graf v. d. Goltz, General-Adjutant des Kaisers Wilhelm, bei.

Die Aussichten für eine friedliche Auseinandersetzung Frankreichs mit China wegen Tongking gestalten sich recht günstig. Die Kaiserin von China, deren Wort am Peking-r Hofe anscheinend ausschlaggebend ist, hat sich mit der Denkschrift des chinesischenReichskanzlers", Li-Hung- Chang, welche eine sofortige Verständigung mit Frankreich empfiehlt, im Wesent­lichen einverstanden erklärt und ist somit anzunehmen, daß die Friedenspartei am Pekinger Hofe den Sieg über die Kriegspartei davongetragen hat. Auch in den leitenden Pariser Kreisen ist man von dem Wunsche beseelt, mit China endlich zu einer Einigung zu gelangen. In einer Privataudienz, welche Präsi­dent Grövy am Samstag dem chinesischen Gesandten Li-Fong-Pao und dem ihn begleitenden Obersten Tscheng-Kitong ertheilte, sprach Gröoy seine Befriedi- gung über die Ernennung Li - Fong - Pao^s aus mit dem Bemerken, er hoffe, daß dieselbe dazu beitragen werde, den gegenwärtigen Conflict zwischen Frankreich und China einer günstigen Lösung zuzuführen. Bei den am vorigen Sonntag stattgefundenen Municipal-Stichwahlen sind in Paris 3 Conservative, 18 Oppor­tunisten oder unabhängige Republikaner und 11 Radikale gewählt worden.

Der Wunsch des Khebive, Egypten auf der Conserenz durch einen Delegirten mit berathender Stimme vertreten zu sehen, ist von den Mächten abschlägig beschieden worden. Es hätte den Verhandlungen der Conserenz, nota bene, wenn dieselbe überhaupt zu Stande kommt, gerade nichts geschadet, wenn ihnen ein Vertreter der egyptischen Regierung beigewohnt haben würde, er würde vielleicht über manche Punkte in der Verwaltung Egyptens haben Aufklärung geben können, über welche sich England wohlweislich hütet, den Mächten nähere Mittheilungen zu machen. Daß es die Mächte abgelehnt haben, Egypten zur Conferenz zuzulaffen, dürste wohl auf englischen Einfluß zurückzu­führen sein, denn England kann nur daran gelegen sein, Egypten in seiner Un­mündigkeit möglichst lange zu erhalten. Im Uebrigen ist die Vorfrage, ob die Conserenz in London ober, wie die Pforte will, in Konstantinopel stattfinden soll, noch unentschieden; möglich, daß schon hieran das ganze Project fcheitern wird.

Eine, oppositionelle Manifestation, welche am. Samstag in Bukarest stattfinden sollte, ist von der Polizei noch rechtzeitig verhindert worden. Am genannten Tage war von der vereinigten Opposition eine ziemlich stürmische Versammlung abgehalten worden, die durch eine Manifestation vor dem könig­lichen Palais ihren Schluß finden sollte. Die Polizei schritt aber rasch gegen diese unpassende Demonstration ein und zerstreute die Tumultuanten, von denen Lwei verhaftet wurden.

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Franksuri Hamburger Fischla:

-rmd die Mitglieder desselben sollten fie benützen, dadurch würden auch andere Land- E^Herr"Schle"ncke meint, daß Diejenigen, welche verdienen wollten, .auch die Ge­schäfte übernehmen müßten; der landw. Verein könne das urcht, vielleicht bilde sich hiezu eine^Genoffensch f^^b^au bezweifelt das, letztere, es sei fiur dann möglich, wenn der landw- Verein solche Bedingungen stelle, daß sich eine Genossenschaft bilden ^"^'Bürgermeister Pracht macht daraus aufmerksam, daß man mit einer Maschine nicht so viel reinigen könne, als Frucht zu Ma^t gebracht wurde.

Nachdem nock verschiedene Ansichten über den Gegenstand geäußert worden inartn erklärt der Vorsitzende, daß die Sache, wie er sehe, heute nicht endgiltrg sestaestellt werden könne- Es sei räthlich, zunächst Erkundigungen einzuziehen, wie e§ in der Vrobstei gehalten werde. Dann sei nut dem Stadtvorstand von Grimberg weiter zu verhtndeln>^nd sooann die Sache in der nächsten Versammlung nochmals zur Spr°-^ru bringen $agt§oxb ift.Di- beste Arider Vi-H-

iütterung" Referent Herr Gutsbesitzer Schlencke vom Hardthofe bei Gießen. , ^ D-rs-lb-sagt, dass er nichWabsichtigt hab-, üb« das gestellt- TH-ma -m-n Cortina u Balten, sondern -r wolle blos di- non Herrn Landwerthschaf sl-hr-r Krocker über diesen Gegenstand herausgegebenen Bncfe empsehlew Sw seren so 5orMlich abgefaßt daß er wünsche, ein jeder Landwirth möge diesetben besitzen norzugna) avg g.iaben(JU faßt/ daß er die Briefe auch erhalten hab-, er

könne üe ebenfalls empfehlen, sie müßten aber alsbald bestellt werden- rönne st^evenmu ^/^merkt, daß der Bestellungstermin zuerst bis 1- Februar fest-

Präsess°°/o"°°Ps u°?ffricht sich zunächst für einmalige Anschaffung aus. Man müsse-das Werk erst kennen lernen. Wenn es empfohlen werden könne, sei der Ausschuß ux ermächtigen, es weiter nach Möglichkeit anzuschaffen.

Der Vorsitzende erklärt, daß die 20 Briefe angeschafft und einer Commission überwiesen werden sollen, welche dieselbe prüft- Die Versammlung genehmigt die Ans chaffun g.

WermLschLes.

Darmstadt, 12. Mai- Folgendes Ist der vorläufige Entwurf einer Zetteln» theilung für die diesjährigen Herbstübungen der Großherzogttchen (25.) Division:

Das 1. Großh- Inf-- (Leibgarde-) Rgt. Nr. 115 hält seine Nsgimsmsübungen vom 27. August bis 1. September bet Darmstadt ab. Ebendaselbst und zur selben Zeit übt auch bas 2. Großh. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116, welches zu diesem Zwecke am 26. August mit der Eisenbahn von Gießen eintcifft. Das 3. Großh. Jnf.- Ngt. (Leib-Rgt.) Nr. 117 exercirt vom 28. August bis 2 September bei Mainz, das 4. Großh. Jnf.-Rgt. (Prinz Carl) Nr. 118 vom 29. August bis 3. September bet Gau- Algesheim. Das 1. Großh. Drag.-Rgt- (Garde-Drag.-Rgt.) Nr. 23 und das 2. Großh. Drag.-Rgt. (Leib-Drag.-Rgt.) Nr. 24 haben ihr Regtments-Exercieren vom 20. August bis 2. September bet Darmstadt abzuhalten. m .

Die Brigade-Exereitlen finden in der Weise statt, daß die 49. Jnf.-Brtgade vom 3. bis 8. September bet Darmstadt, die 50. Jnf.-Brigade vom 5. bis 10. September bei Gau-Algesheim, die 25. CaoaUerie-Brtgade vom 4. bis 8. September bei Darmstadt Übt. t .

Für die DetachementSübungen gelten folgende Bestimmungen. Die dem Commando hes Generalmajors Freiberrn v. Locquenghien unterstellte, aus den Infanterie-Regi­mentern Nr. 115 und 116, dem Drag.-Ngt- Nr. 23 und der II. Abteilung des Großh. Feld-Art-Rgts. Nr. 25 (Großh. Artillecie-Corps) combtnirte 49. Brigade übt vom 12. bis 16 September bet Westhofen; während dieser Zeit werden -3 Bivaks mit dm Vorposten bezogen. Die von dem Generalmajor v. Werder befehligte 50. combtnirte Brigade besteht aus den Jnf.-Regimentern Nr. 117 und 118, aus dem Drag.-Regimenl Nr. 24, der I. Abteilung des Feld-Artillerie-Regimenis Nr. 25, der 1. Compagnie des Hess. Pionier-Bataillons Nr. 11 und einem Train-Detachement. Seine Hebungen finden, ebenfalls vom 12. bis 16. September und ebenfalls mit 3 Bivaks der Vorposten, bet Ober-Htlbershetm statt. r r r , . .

Die Dioisionsmanöver find vom 18. bis 24. September bei Flonheim angeordnet, mit 1 Bivak der ganzen Division und 3 Bivaks von je einem Drittel der Division. Am letzten Manövertag findet ein Manöver gegen einen maiflrten Feind statt.

Am 24. September noch kehren die Infanterie-Truppen per Eisenbahn in ihre Garnisonen zurück, die Pionier-Compagnie per Fußmarsch; die Cavallerte, die Artillerie und der Train treffen am 27. per Fußmarsch in Darmstadt ein, die Dragoner in Babenhausen am 28-, die Dragoner in Butzbach am 30. September.

Vom Taunus. Gegenwärtig, wo die Kartoffeln in den Kellern stark aus- keimen, verfüttern viele Landleute die Kartoffeln m t den Keimen und fügen dadurch ihren Thieren (Rindvieh und Schweinen) großen Schaden zu. Bel Rindvieh, welches mit gekcimten Kartoffeln gefüttert wird, mögen dieselben roh oder gekocht sein, ist wiederholt in verschiedenen Stallungen eine eigenthümlicke Krankheit beobachtet worden deren Hauptmomente in vielen Fällen dieselben find. Es stellen sich nämlich in der Regel die folgenden Anzeichen ein: Die Thiere lassen auf einmal vom Fressen ab und stehen mit ausgespreizten Beinen und gesenktem Kopf wie beiöubt, der Puls ist davee stark beschleunigt und das Auge stier und die Bindehaut stark tnficirt. Werden sie zur Untersuchung aus dem Stalle geführt, so treten die Anzeichen einer fast vollständigen Lähmung der Bewegungsorgane hervor. Die Thiere taumeln von der einen Seite aus die andere, brechen nicht selten in den Sprung- und Fesselgelenken zusammen und sind sie sich selbst überlassen, so stürzen sie kopfüber zusammen. Zur Bekämpfung der Krankheit ist die Kartoffelfütterung schleunigst mit Heufütterung zu vertauschen und sind dem Vieh innerlich reizende und restaurirende Mittel zu verabreichen. In der Regel ist die Krankheit in diesem Falle nach einer Dauer von 6-8 Tagen gehovm und die Thiere sind vollständig wieder hergtstellt. ...

Sckopfloch (Württ.), 6. Mat. lieber ein schreckliches Brandunglück berichtet man demSchwäb. Merk." Um Mitternacht von Sonntag auf Montag brach in dem Gasthaus zur Sonne Feuer aus, welches so rasch um sich griff, daß ein großer Tye,» der Hausbewohner sich nickt mehr reiten konnte. Das Gasthaus war seither Ver­pflegungsstation für arme Reisende; in der Unglücksnacht hatten sich'etwa 12Reisende. Handwerksbursche und zum größeren Theil Eisenbahnarbeiter, daselbst ausgehMen. Die Havdwerksburschen, welche neben der Familie des Hausbesitzers im ersten Stock schliefen, haben mit dieser sich gerettet; achtEisenbahnarbetterdagegen, welche-imioberen Stock Quartier erhalten hatten, sahen den Flammentod vor Augen und faßten vm Verzwe'flungsenischluß, aus den Fenstern zu springen. Sämmtltche trugeni schwer« Verletzungen davon. Mit gebrochenen Beinen und Almen, andere mit Verletzungen des Schädels und der Wirbelsäule, so liegen die Bejammernswerthm da- Vor 2Tagev erst war eine Familie des Orts in das gen. Haus in Miethe gezogen. Dieselbe bewohnt einen abgelegeneren Theil des Gebäudes und scheint auch spater erst wach geworden zu sein, oder haben die Leute den ungewohnten Ausgang nicht gefunden. Die mit 2 Kindern wurde ein Raub der Flammen; ein weiteres Kind wurde^ noch' hervorgezogen, ist aber bald den Wunden erlegen; der Vater mit 2 anderen Kinverr hat den Ausgang noch erregt, liegt aber mit ihnen unter schrecklicken Schmerzen hoffnungslos darnieder. Die 3 erstgenannten sind bis zur Unkenntlichkeit verbrann,

Es werden dann von Seiten des Vorsitzenden noch verschledene geschäft­liche Mittheilungen gemacht. Zum Schluß wird die Rechnung für 1883 vorge^ legt und genehmigt, sowie der Voranschlag pro 1884 aufgestellt. Derselbe ergibt in Einnahme und Ausgabe J4 1174,89, die sich vertheilen wie folgt:

I. Einnahme.

1) Kassenvorrath

2) Beitrag des landwirthschaftlichen Provinzmloereins .

3) Von der Aachen-Münchener Feueroersicherungsgesellschaft .

II. Ausgabe.

1) Bureaukosten und Porto-Auslagen - *

2) Unterstützung zum Besuche eines Lehrcursus für Obstbaum­wärter, für Hufschmiede, oder zum Besuche einer Acker­bauschule

3) Beitrag an die Versuchs- und Auskunftsstation

4) An den Ober hessischen Bienenzüchteroerein

5) Für Culturen

6) Für Vorträge von Wanderlehrern -

7) Dem Verein zur Zucht und Veredlung der reinen Vogels­berger Rindviehrasse

8) Betriebsfond (für eventuelle Errichtung eines Saaten­marktes in Grünberg 200 J4, zur Beförderung einer Consolidation 300 «^)

9) Reseroefond

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Sonnens: ZW'Mbill. betten, E %e8«n.

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