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hiernach bei Einführung der Kapital-Rentensteuer, als einer im Jntereffe der ausgleichenden Gerechtigkeit unumgänglichen Vorwegbesteuerung fundirten Ein­kommens, mit aller Nachsicht verfahren worden, so läßt das Gesetz nebenbei, außer einer Reihe wohlthätiger und sonstiger Anstalten, alle diejenigen Personen, deren steuerbare Zinsen die Summe von 100 JL (entsprechend einem Kapital von 2500 X) nicht erreicht, von der Steuer frei und trifft hinsichtlich der Wittwen, elternlosen Minderjährigen und erwerbsunfähigen Per­sonen entschieden milde und weittragende Bestimmungen. Die Ver­gleichung mit der Vorwegbesteuerung des Grund- und Gebäudebesitzes und Ge­werbebetriebs hat den Kammern der Stände nicht zulässig erscheinen laffen, in den beiden letzteren Beziehungen noch mildere Rücksichten walten zu laffen.

Die Veranlagung der Kapitalrentensteuer hat, wie in anderen Ländern, nach Art. 14 des Gesetzes auf Grund einer Erklärung zu geschehen, welche, nach einem von dem Finanzminister festgesetzten Formular, jeder Steuerpflichtige über den Jahresbetrag seiner Zinsen, sowie der etwa zum Abzug geeigneten Lasten, bei der hierzu berufenen Eiuschätzungscommission (durch Vermittelung der betreffenden Bürgermeisterei) abzugeben hat. Der dem Formular bei­gedruckte Auszug der hauptsächlichsten einschlägigen Gesetzesbestimmungen und die weiter beigedruckte kurze Anweisung für die Kapitalrentensteuererklärung sind ohne Zweifel geeignet, für die Ausfüllung der Erklärung die nothwendigste Anleitung zu bieten. Die Unterscheidung des Zinseinkommens in 7 ver­schiedene Kategorien, auf welche die Steuerverwaltung nicht verzichten kann, wird dem Besitzer zinstragender Kapitalien selbst zur Klarstellung seiner Ver­pflichtung dienen. Zweifel über die Behandlung einzelner Erträgnisse können von dem betreffenden Steuercommiffär oder andern sachverständigen Personen in den meisten Fällen wohl leicht beseitigt werden. Beispielsweise kann bei Schuldverschreibungen von Lotterieanlehen die Wertherhöhung, welche sich aus der Differenz der geringsten Preise in den nächsten Ziehungen für das Jahr ergibt, bei jedem Bankier mit Leichtigkeit erfragt werden. Sollten ungeachtet alles dessen einzelne Bedenken hinsichtlich der Abfassung der Steuererklärung bestehen bleiben, so empfiehlt es sich für den Declaranten, die Erklärung nach seiner Auffassung aufzustellen, zugleich aber aus Seite 2, wo für etwaige nähere Darlegungen hinlänglich Raum geboten ist, entsprechend der erlassenen Anweisung, die wirkliche Sachlage darzustellen und dabei etwaigen Zweifeln Ausdruck zu verleihen, wodurch die Veranlagungscommission in den Stand ge­setzt wird, die richtige Anwendung des Gesetzes herbeizuführen.

Es versteht sich von selbst, daß der Pflichtige gegen ihm nicht zusagende demnächstige Festsetzungen der Commission den Weg der Remonstration, bezw. Reclamation betreten kann, wobei ihm zur Geltendmachung seiner Auf­fassungen volle Gelegenheit geboten ist.

Einleuchten dürfte, daß es der Steuerverwaltung nicht möglich ist, für die Behandlung jedes einzelnen sich ergebenden Falles neben dem Gesetz her im Voraus eine bestimmte Anleitung zu geben.

Die Nothwendigkeit, mit der umfassenden Regulirung der directen Steuern pro 188586 rechtzeitig zu beginnen, hat für diesmal die Anberaumung einer verhältnißmäßig nur kurzen Frist zur Einlieferung der Kapital-Rentensteuer-Erklärungen erfordert. Temporär Abwesende und sonstige Pflichtige, welchen die Einhaltung des auf den 20. d. M. fest­gesetzten Endtermins nicht wohl möglich ist, werden sich indeß deßhalb Un­annehmlichkeiten nicht auszusetzen haben, insbesondere wird die Steuerbehörde, in mildester Handhabung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen, mit dem Strafverfahren in allen denjenigen Fällen, in welchen die Erfüllung der gesetz­lichen Bestimmungen auf anderem Wege herbeizuführen ist, nicht vorgehen. In den folgenden Jahren sind der Regel nach von der Verpflichtung zur Steuer­erklärung diejenigen Steuerpflichtigen entbunden, welche im unmittelbar voraus­gegangenen Jahre bereits zur Kapital-Rentensteuer zugezogen waren, auch in­zwischen ihren Wohnsitz nicht gewechselt und keine den Betrag von 100 jährlich erreichende Einkommensverbesserung aus Kapitalzinsen erlangt haben.

Es liegt in der Natur der Sache, daß bei Ausführung eines neuen Steuergesetzes gewisse Schwierigkeiten auftreten, deren Beseitigung nur durch vereinigte Bethätigung von Veranlagungsbehörden und Pflichtigen erzielt werden kann. Die neue Steuergesetzgebung schließt sehr erhebliche Verbesserungen des bisherigen Systems in sich, und wenn insbesondere durch Einführung der Vor­wegbesteuerung der Kapitalrenten, wie eine solche bei dem Einkommen aus Grund- und Hausbesitz und Gewerbsbetrieb bisher schon stattfand, die Steuer­befreiung der allerdürftigsten Volksklassen mit ermöglicht und dem Princip aus­gleichender Gerechtigkeit, wie längst dringlichst gefordert wurde, in höherem Maße Genüge gethan wird, so dürften sich kleine Schwierigkeiten und Unan­nehmlichkeiten im Einzelnen ohne Zweifel um so leichter überwinden lassen.

Telegraphische Depeschen.

Wolss'S telegr. Eorrespondem-Burea«.

.,. . , 12. August. DieNordd. Aüg. Ztg." fügt, daß die Angaben ver-

schiebener Blätter über Schritte der Regierung wegen des seeräuberischen Attentats ouf den HandelSkutterDiedrich" nothwendtg verfrüht seien, da das auswärtige Amt über die fraglichen Vorgänge bisher keine amtlichen Mittheilungen erhalten hat, sondern nur Zeitungsnachrichten darüber bis jetzt vorliegen. 1

. DerPol. Corr." wird aus Konstantinopel gemeldet, daß

Helt befinde" ^ubern führte österreichische Unterthan Binder bereits wieder in Frei- Derselben Corresponbenz aus Alexandrien gemeldet wird, fand vor- ^Versammlung von Personen statt, welche berechtigt sind, Schaden­ersatz für die ihnen durch das Bombardement von Alexandrien zugefügten Beschädig- SfiSS,

lÄÄJiäSäÄÄI

mit dem Feuer einer am Ufer ausgestellten Batterie die Blockade zu beantworten.

ba8 Feuer und brachte die Batterie zum Schweigen, ohne daß Jemand getödtet oder verwundet wurde. Eine Compagnie wurde sodann ae- b r }ü vernageln, diese Operation wurde schnell ausgeführt, die hierbei einen Tobten und zwei Verwundete. Die Flottenbivtffon des Admirals Lespes blieb vor Keelung vor Anker liegen, um die chinesischen Schiffe am Koblenetnnehmen zu verhindern. Die Flottendtvtsion des AdmiralsEo"rbet de- bt8 °Uf Dfcr welche vor Woosung an der Einfahrt des ShanshaMusses Stellung genommen Haden, um event. die Reklamationen Patenotre's ju uuivijiuycn»

12. August. Der »Daily T-l-graph« erfährt, hast die Nealeruna 1000 Ruderboote ,ur Beförderung der Expedition, welche den Entsatz Gordon's be- wirken soL, beft-llt babe. Die Expedition, welche Anfangs October aufbrechen wird, ö »TÄeÄ'ntriten- ®'n D6tr6efe61 Ü6<r bUfdbe -°'rd wahrscheinlich

«om, 12. August. In den bereits mfickrteu Ortschaften sind 8 neue Cbolrra, fälle vorgekommen, von welchen 2 tödtlich verliefen. Außerdem starben von den au den vorhergehenden Togen erkrankten Personen 2. Daß in Borgotaro in Parma eia Cholerasall vorgekommen sei, wird für unbegründet erklärt.

London, 12. August. Nach einer Depesche derTimes" aus Peking vom gestrigen Tage hätte der Tsungli-Damen bei den Mächten Protest erhoben gegen das Vorgehen des französischen Geschwaders gegen Keelung.

(Unterhaus). Fitzmaurice theilte mit, die Vertreter Englands in Rom und Konstantinopel seien angewiesen, den betr. Regierungen für die Unterstützuna der enaUschen Vorschläge auf der Conferenz zu danken.

m 12- August. Die Räucherung der in die Schweiz eintretenden

Reisenden ist an den betr. Eingangsstationen eingestellt worden.

Paris, 12. August. Gestern von 10 Uhr Vormittags bis heute 10 Uhr Vormittags in Marseille 11 Cholera-Todte, in Toulon keiner. Nach den letzten Depeschen von Lespös verloren die Franzosen bei der Landung in Keeluna 2 Todte und 4 Verwundete. 9

Lokale-.

0. Gießen, 13. August. sSterbltchkeit in Gießen.) Die Sterblichkeit war vom 3. bis 9. August eine sehr geringe, waren tm Ganzen nur

3 Todesfälle zu verzeichnen. Eine Frau starb an Altersschwäche und 2 Kinder im ersten Lebensjahre an Darmcatarrh.

. Gießen, 13. August. Zur Ergänzung unserer Briefkasten-Notiz in Nr. 185 b. Bl-, betr. Aufnahme als Orts- und Staatsbürger im Großherzogthum, thetlen wir an dieser Stelle noch mit, daß eS lt. Ministerial-Amts-Blatt Nr. I. vom 2. Januar 1871 nicht nothwendtg ist, daß ein Angehöriger deS Deutschen Reiches, um das StaatS- bürgerrecht in Hessen zu erlangen, er in einem Orte deS Großherzogthums Ortsbürger werden müsse. Zur besseren Verständigung der ganzen Angelegen- hett und auch im Jntereffe der Leser, welche keine hessischen Staatsbürger, jedoch im

Zum Kapitel der Kebensmittelverfälschungen.

(Nachdruck verboten.)

,, . den Würmern, welche nicht sterben wollen, um mit BiSmarck zu reden ae- ö(Va /?pitcInDOn den Lebensmtttelverfälschungen. Ueberall, wo man'hm- ?ae9, roa8 man kauft, ist vermengt mit fremden Stoffen, und es in* n UEhmen, wenn man selbst von Eierfabriken und Kaffeefadriken hört

e®'eld&cr ft* einer besonderen Beliebtheit bei den Lebens- n lhc Waare, desto unverschämter ist die Fälschung

h .LC,8 9r* ° jQt)rictrt man jetzt Kaffeebohnen, die von dem ächten Pro-

ducte des Kaffeebaumes (oallsa arabica, Lin.) kaum zu unterscheiden sind. Diese nach, nrSC,n ?Än bestehen aus einem Gemisch von Wasser und Mehl und einer gelb- grünlichen Farbe, letztere je nach der Sorte Kaffee, welcher das Fabrikat beiaemtfcfit merben soll, variirend. Es werben bem Kilo ächten Kaffees oft 100 G gefälscäe be 8et?en*r ^cn nun den ächten Bohnen so täuschend ähn-

lich, baß nur burch sorgfältiges Probiren von ber Fälschung Kenntniß erlanat werden 'X' ,D'- nachgeb,lbeten Bohnen nämlich besitzen, enljegen" den ächt«? Bohne»! r^rLn n* m bL bI.° ^n?er Eragen, scharf begrenzte Oberflächen unb endlich lassen sich bie nachgemachten Bohnen bet stärkerem Druck mit ben Fingern zu Pulver zerreiben, welches gestoßenem Rhabarber nicht unähnlich sieht. Versetzt man bieseS Pulo-r mit Wasser und Job, so entsteht eine tiefblau-schleimig-Mas,- wie endlich durth das Kochen mit Brunnenwasser eine kleisterartige Substanz entsteht. Sind den achttn Bohnen nur wenige gefälschte beigesügt, so ist eS immerhin nicht so leicht den Betrug zu entdecken, weniger schwer fällt eS natürlich, je unverschämter der Fälscher m flnhn,nCÄfi» E'ne GewfchtSmenge pon 5 ft. g-säischt-n auf 100 Mächte ^dhnen wird sich, da die Farbennüavcirung dem achten Kaffee vollständig gleich

^wer ermitteln lassen, und ?a von einem SZerth ber die Rede sein kann, so wirft die Manipulation dem Fälscher recht an- stänbigen Gewinn in die Tasche. Hauptsächlich kommen diese gefälschten Producte von S/SLJ den Markt, nachdem zuvor durch mächtige schwindelhafte Annoncen auf die Billigkeit und riesigen Vorzüge aufmerksam gemacht wurde. Und es fallen viele auf diese Manöver herein, denn bekanntlich werden sie nie alle. Möchten doch nur unsere Hausfrauen bei anerkannt guten und soliden einheimischen Handlungen Kaffee beziehen, verschenken kann Niemand etwas. v 01 JrT6C

Ti- Sehr häufig gibt man den geringeren Sorten der Kaffeebohnen durch künst- i ^eritekn"9 2lnfc^en üon beff^en Sorten, um hierdurch einen höheren Gewinn Ein sehr beliebtes Mittel, in der Farbe ungleichen oder bleichen Kaffee gleich grün zu färben, besteht darin, daß der Kaffee in Fässer gefüllt wird die eine größÄ Anzahl von Bkistücken enthalten. Durch anhaltendes Rollen der Fässer theilt sich die Bleifarbe den Bohnen mit und sie erhalten eine bläulich-grüne, recht hübsch ausübende ^se Fälschung laßt sich am leichtesten bann erkennen, wenn man bie ver­dächtigen Bohnen in verbünnte Salpetersäure (1,10 spec. Gewicht) legt und dann diele Schwefelwasserft^ff"prüst?9* üerbönnte Flüssigkeit auf die Wannte Weise mit

Mbemittel der Kaffeebohnen ist ein grünliches Gemenge, welches aus 35 Theilen chromsaurem Bleioxyd, 35 Tbeilen Thon und GypS, 15 Tbeilen Ser 15 Tbeile» Wasser besteht. Auch dies? Fälschun/kann nur durch e.n- xebe"des Probtren erkannt werden. Durch Abwaschungen verliert der Kaffee sein künstliches Aussehen und aus dem Bodensatz des Wasser« lassen sich die Farbesub- stanzen leicht ermitteln. Die Anwesenheit von Berliner Blau übrigens läßt sich Braun übergebt^ ü°" Äal<laU0e M°rt nachweisen, indem der Niederschlag sofort iu Kaffe, E" 6"östeüm (gebranntem) und gemahlenen Zustande wird sehr viel

Kaffee verfälscht, indem dann alle nur denkbaren Surrogate beigemischt werden. ^?Ä'^cken, Roggen, Gerste, Möhren. Erbsen. Reis, Runkelrübe.gelbe Rübe und «ÄÄ!£en2 "mV aUe müssen den Kaffee verfälschen helfen. Eines der be­

liebtesten Zusatzmittel aber ist der Cichorienkaffee, welcher auS den Wurzeln von Cichorium Intybus vorzugsweise hergestellt wird.

. c Aber damit nickt genug, auch der Cichorienkaffee wird wieder verfälscht, indem demselben gebrannte Rüben zugesetzt werden. 1 '

©Inen fremden Zusatz bei gemahlenem Kaffee erkennt man am leichtesten öann, wenn man den Kaffee in kaltes Wasser schüttet. Der ächte Kaffee sinkt Masse/erhalter? rUraer Sett unter' mährend sich Surrogate stundenlang auf dem ^cht interessante Fälschung wird auch mit der gestoßenen MuSkatblüihe (MaciSblume) getriebm, indem derselben beim Stoßen doppelt gerösteter Zwieback zu- gesetzt wird. Oft sind» dieser Waare 25-50 pCt. des Surrogats beigemischt, und aüch hier wirft es dem Fälscher guten Gewinn in die Tasche. 9

Auch den Rosinen wird durch ein Gemenge von Syrup, Rum und Wasser ein alanzeudes Aeußere verliehen und namentlich durch Rum quellen kleine und verdorrte Rosinen auf, daß sie daS Ansehen von frischer Waare erhalten. Die gleiche Procedur wird bei den Korinthen, ben sogenannten kleinen Rosinen, angewenbet. Js mehr Feuchtigkeit in ben Rosinen ist, desto schwerer wiegen sie, unb um so größer ist ber

Unb so könnten noch Tausende von täglichen Bebarfsartikeln aufgezählt werden die alle mehr oder weniger gefälscht in den Handel kommen. Nicht allein aber bie Gewinnsucht ber Verkäufer ist cs, daß bie Producte gefälscht werben, sondern auck die Sucht des Publikums, billig zu kaufen. Billig unb schlecht, bas ist baS alte Thema. Je billiger die Waare ist, desto schneller findet sie Absatz. Daß aber damtt teder einzelne Käufer betrogen wird, läßt sich der Zehnte kaum träumen, und nament­lich unsere Hausfrauen freuen sich königlich, wenn sie einmal einen recht billigen Kauf gemacht haben. Wenn sie aber bann am folgenben Tage bie Hälfte der Waare weg- wersen müssen, überlegen sie in den seltensten Fällen, wie theuer sie eigentlich gekauft a K m" billig und schlecht! Zahlt gute Preise für gute Waare. daS

sind die besten Einkäufe. x w.