mit, es sei ein aus Adowa vom 3. d. Mts. datirtes Telegramm des Admirals Hewett eingegangen, welches besage, daß seine Mission von Erfolg begleitet gewesen sei und daß er am 4. ds. die Rückreise anzutreten beabsichtige. Es sei ein Vertrag unterzeichnet worden, welcher Abyssinien freien Handels-Transitverkehr durch Mafsowah gewähre, auch ein Vertrag über den Sclavenhandel sei unterzeichnet worden.
— Die „Daily News" wollen wiffen, daß die englischen Truppen bis zum 1. Januar 1888 in Egypten bleiben würden, falls nicht inzwischen nach dem Ermessen der englischen Regierung die Regierung des Khedive festen Fuß gefaßt haben sollte. Nach dem erwähnten Zeitpunkte werde der Abzug der englischen Truppen aus Egypten nur mit einstimmiger Genehmigung der Mächte erfolgen. Die Besetzung Egyptens werde indeß am 1. Januar 1888 noch nicht ausgehoben werden, wenn die englische Regierung mit Zustimmung auch nur einer europäischen Macht die Fortsetzung derselben wünsche.
— Bei dem gestrigen Jahresbanket des liberalen Vereins in Marylebone erklärte der Präsident des Local Government Board, Dilke, die in dem bekannten Artikel der „Fortnightly Review" ausgedrückten Anschauungen seien von den Ansichten der Regierung ebensoweit entfernt, als von denjenigen Lord Salisbury's.
— Eine Depesche der „Times" aus Waby Halfa von gestern wiederholt, daß sich Berber den Aufständischen ergeben habe und daß fast die ganze Garnison nieoergemacht worden sei.
Das Iugendturnen.
Im Herzen Gott, voll Muth die Brust;
Voll Kraft ein jedes Glied!
Für's Gute rege Sieb’ und Lust, Im Mund ein deutsches Lied.
So heißt es in einem alten Turnerliede und treffender kann in so kurzen Worten die hohe körperliche und sittliche Aufgabe des Turnwesens nicht ausgedrückt werden. Nahezu eine Vtertelmillion Deutscher erstreben als Mitglieder des mächtigen Verbandes der deutschen Turnerschaft in Beherzigung des unumstößlich richtigen Wahrspruches „Nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohnen" die Ausbildung und Kräftigung ihres Körpers, des Tempels der Seele und des Geistes und viele Lausende vorher an ihrem Zustande der körperlichen und geistigen Ermattung Verzweifelnde preisen die Turneret als Retterin und Erhaltertn ihres Daseins. Nur Gleichgiltigkeit und körperliche Trägheit find noch des Turnens Feinde.
Laßt fahren die Gleichgültigkeit, wenn es gilt, für den Kampf des Lebens den Leib gesund und stark zu machen und zu erhalten, fort mit der Trägheit und Bequemlichkeit, damit fie nicht auch das Herz und die Sinne anstecken; hinweg mit allen Standesoorurtbeilen, denn die Turneret beschränkt Keinen in der Ausübung seiner Pflichten und in seinen Gedanken.
Wie der Mensch das Wiedererwachen der Natur freudig begrüßt, daS Herz sich dehnt und hinaus sehnt nach Wald und Feld, so sollte bet dem lebhaften Wunsche, die wundervolle Wiederkehr des Frühlings noch recht häufig genießen zu dürfen, ein Jeder vor Allem die wichtigste Vorbedingung zur Erfüllung dieses Wunsches, die Pflege seines Körpers, seiner Gesundheit als seine wichtigste Lebensaufgabe betrachten.
Und so rufen wir Euch zu: „Tretet ein in unsere Reihen, die Ihr dis jetzt der Turnsache gleichgültig oder mit falschen Begriffen gegenüber standet, kommt auf unsere Turnplätze, übt und stählt Eure Kräfte in edlem Wetteifer mit Gletchgefinnten, bleibt jung mit der Jugend und der sichere Lohn, der Euch winkt, ist ein gesunder Körper und ein frisches fröhliches Herz!
Und vor Allem Ihr Eltern, Vormünder und Lehrmeister, die Ihr Eu : Kinder und Anbefohlenen zu braven und gesunden Menschen erziehen wollt, vergeßt es nicht, daß die Gesundheit des Menschen höchstes Gut ist. Schickt Eure der Schule entwachsene Knaben, die in den Jahren der Entwickelung der größten körperlichen Pflege bedürfen, in die Jugendabthetlungen der Turnvereine, wo sie unter strenger Zucht und Sitte an Gesetz und Ordnung sich gewöhnen, wo ihnen auf dem Turnplatz und im Spiel in Wald und Feld das Gefühl für Mannestugend und Wahrhaftigkeit erblüht, Selbstvertrauen, Muth und Entschlossenheit erweckt und der jugendliche Sinn erhalten bleibt, vor Allem aber in leiblicher Uebung die Entwicklung des Körpers mit der des Geistes gleichen Schritt halten kann.
Und gebt Ihr Euren Kindern und Anbefohlenen in gew ssenhafter Erfüllung Eurer erziehlichen Pflichten einen gesunden Körper mit auf den Lebensweg, sie werden es Euch sicher mehr danken, als wenn Ihr sie mit Geld und Gut bei krankem Körper und kranker Seele dem Kampfe um das Dasein preisgebt. Darum:
„Auf zum Turnen!" D.
Lokales.
Gießen, 13. Juni. Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen vom 2. Quartal 1884 beginnt am 16. Juni d. I. unter dem Vorsitze des Großh. Landgerichtsraths Herrn Wiener.
Zur Verhandlung kommen:
1. Montag den 16. Juni, Vormittags 9 Uhr beginnend, die Anklage gegen Christoph Meßner IV. von Mendorf a. Lda. wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit. Staatsanwaltsgeschafte: Erster Staatsanwalt Zimmermann. Verthetdiger: Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch.
2. Montag den 16. Juni, Nachmittags 3 Uhr beginnend: Anklage gegen Konrad Rohn von Ruppertenrod wegm desselben Verbrechens. StaatsanwaltSgeschäfte: Erster Staatsanwalt Zimmermann. Vertheidtger: Rechtsanwalt Labroisse.
3. Dienstag den 17. Juni, Vormittags 8 Uhr beginnend: Anklage gegen Konrad Stutter II. von Ober-Ohmen wegen Meineids. Staatsanwaltsgeschäfte: Erster Staatsanwalt Zimmermann. Verthetdiger: Rechtsanwalt Hirschhorn.
4. Mittwoch den 18. Juni, Vormittags 8 Uhr beginnend: Anklage gegen Kaspar Schepp II. von Saasen wegen Meineids. Staatsanwaltsgeschäfte: Staatsanwalt Dr. Lahr. Veriheidiger: Rechtsanwalt Metz.
5. Donnerstag den 19. Juni, Vormittags 8 Uhr beginnend: Anklage gegen Heinrich Klein II. von Landenhausen wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Staatsanwaltsgeschäfte: Erster Staatsanwalt Zimmermann. Vertheidtger: Rechtsanwalt Or. R o s e n b e r g. (Fortsetzung folgt.)
** Gießen, 13.Juni. fErstes Abonnements-Concert-j Das Programm brachte neben vielem Bekannten (aus Freischütz, Don Juan, Carmen, Der lustige Krieg rc.) auch manche noch nicht gehörte Nummer. Die Cavattne für Flügelhorn von Suppä bot Herrn Suffa Gelegenheit, alle Fähigkeiten seines Instrumentes erglänzen zu lassen.
Die Ausführungen des Orchesters zeugten von dem muflkalischen Streben der Mitglieder wie von der sorgfältigen Schulung seitens des unermüdlichen Dirigenten. Die Nüancen waren gut herausgefeilt, Licht und Schatten richtig abgemessen und die Präctsion des Zusammenspiels war nur bet einigen kleinen Verzierungen nicht «anz perfect
Die Totalklangwtrkung ist in dem neuen Musiktempel eine vorzügliche.
m „.Das Concert im Verein mit dem überaus günstigen Wetter hatte ein zahlreiches Publikum in den Wenzel'schen Garten gelockt. Hierbei ist ein erneuter Hinweis auf die schonen, geschmackvoll und behaglich eingerichteten neuen Räume des Etablissements, die allein schon einen Besuch werth sind, dem Berichterstatter eine angenehme Pflicht. Erst jetzt besitzt Gießen ein seiner Größe angemessenes öffentliches Lokal und an seiner. Bewohnern ist es, dies durch regen Besuch zu würdigen.
Vermischtes.
Mainz 9. Juni. fGetreiderost.j Fast in unserer ganzen Provinz hat sich in den Getreidefeldern ein schlimmer Gast - der Rost eingefunden. Weite mit Korn bepflanzte Fluren erscheinen als ob sie mit Ocker überzogen seien- In den Gemark- ANgen in der Nähe unserer Statt trat der Rost zum letzten Male sehr heftig tm
Jahre 1846 auf. Diesmal fand man diese Rosterscheinungen zum ersten Male an dm Pfingsttagen, doch haben dieselben seit dieser Zeit sehr zugenommen. Ob der Schaden ein großer wird, kann zur Zeit noch nicht beftimmt werden. Die Landleute bezeichnen die im Frühjahr eingetretene Kälte als die Ursache dieser Erscheinung.
Mainz, 10 Juni. ^Grauenhafter Fund.j Bei den Erdarbeiten am Fuße der Citadelle stießen die Arbeiter am Samßtag Mittag auf ein Mauerwerk; alL dasselbe hinweggeräumt werden sollte, fand man in einer Nische des Mauerwerks das noch vollständig erhaltene Gerippe eines Menschen in hockender Stellung eingemauert.
Dortmund, 9. Juni. In den letzten Tagen sind in den westphälischen Bezirken wieder Lustmorde verübt worden und zwar in der Nähe von Rhynern bei Hamm an der 18 Jahre alten Dienstmagd Anna Hötte und an der 16 Jahre alten Dienft- magd Auguste Borrey in der Nähe von Bielefeld. Zum Glück ist es schon j tzt gelungen, wenigstens einen der Thäter zu verhaften. Es ist der Futterknecht Wilhelm Sauerbrei, der früher mrt der ermordeten Hötte auf einem Hose gedient hat. Der Mörder, welcher nur theilweise geständig ift, will die That mit einem anderen Manne, den er als „rother Heinrich" bezeichnet, vollsührt Haden. Die hiesige Staatsanwaltschaft verfolgt diesen „rothen Heinrich", welcher aus Eickel bet Wattenscheid fein soll und Heinrich Maaß heißt. Der zweite Lustmord, begangen an der Borrey, soll von einem Manne ausgeführt fein, der dem „rothen Heinrich", was Statur und Haare anlangk, ähnlich ift.
Biedenkopf, 10. Juni. Unser Gewerbefest mit der damit verbundenen Gewerbeausstellung (vom 6. Juli d. I. ab) naht heran. Schon jetzl erlauben wir uns, die Fremden von nah und fern hierzu freundlichst einzuladen, indem wir ihnen zu ihrer Orisntirung über das Sehens- und Beachtenswertheste unserer Stadt in historischer Beziehung auf das soeben tm Verlage der Elwrrt'schen Buchhandlung zu Marburg erschienene, von jeder anderen Buchhandlung zu beziehende, vortreffliche Büchlein des Herrn Landgerichtsraths E. Bork zu Marburg, „Streifzüge durch den Kreis Biedenkopf und seine Nachbarschaft", Preis 1 J4, empfehlen.
Unser Fest und unsere Ausstellung zu besuchen, können wir auch wegen unserer malerischen Gegend, die vielleicht Manchem noch unbekannt ist, dringend rathen. Die Reize der Natur, die sich über die nächste und wettere Umgebung Biedenkopfs in reicher Fülle entfalten, die Fernblicks, welche das Auge von hier aus genießen kann über grüne Matten und herrliche Waldungen, — alles bewirkt, daß unser, tn der Neuzeit von der Marburg-Cölbe-Laaspher Eisenbahn berührter Ort nach unserer Meinung für eine Gewerbeausstellung wohl geeignet ist. Die Einwohner Biedenkopfs werden gewiß ihr Möglichstes thun, den Gästen den Aufenthalt in unserer Stadt so angenehm wie möglich zu gestalten.
Wie wir hören, verspricht die Betheiligung an der Ausstellung eine ziemlich lebhafte zu werden. Bereits sollen 105 Anmeldungen von Ausstellern erfolgt sein.
Darmstadt, 9. Juni. fEin 13jähriger Mörder.j Georg Herrmann aus Bockenheim bei Frankfurt, ein Bürschchen, das schon mehrfach schlechte Streiche gemacht, stand heute vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts. Herrmann war, wie s. Z. berichtet worden ist, bei Bischofsheim mit von dort gebürtigen Knaben in Streik gerathm und hatte nach oorousgegangenen beiderseitigen Thätlichkeiten einem seiner Widersacher einen Stich in die Brust versetzt, dem der Verwundete bald erlag. Die Handlung erschien als Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg und erging ein auf 3 Monate lautendes Endurtheil. Dem Verurthetlten wurden indeß 8 Wochen Untersuchungshaft an dieser Strafe aufgcrechnct.
Paris, 9. Juni. Ein Schweizer Arzt, der sein ganzes Vermögen in Monaco verloren hatte und vergebens versuchte, sich die Mittel zur Heimreise zu verschaffen^, hat sich das geben genommen. Es sollen bis jetzt zweiunddreißig Fälle ähnlicher Art in dieser Saison dort vorgekommen fein.
— Die nächtliche Beleuchtung der Straßen und Plätze Pekings! geschah bis jetzt ausschließlich durch Papierlaternen. Dieselben haben die Gestalt eines viereckigen Käfigs, mit buntem Papier überzogen, und stehen auf einem vor den Hausthoren befindlichen Gestell. In einem solchen Käfig brennen gewöhnlich 2—4 kleine Wachskerzen. Die Entzündung dieser Kerzen erfolgt durch die Hauseigenthümer, und zwar immer erst nach Mitternacht, da sich um diese Zeit die Mandarinen, Polizeibeamten und Militärs in den kaiserlichen Palast begeben. Einem uralten Gebrauche gemäß empfängt nämlich der Kaiser von China seine Minister und Beamten erst um Mitternacht. Die chinesische Regierung hat jetzt einem Kaufmann in Peking gestattet, einige Straßen dieser Stadt probeweise mit Petroleumlampen zu beleuchten.
Handel rrrrd Verkehr.
— [herein „Creditreform" Gießens Derselbe zählt eben 188 Mitglieder einschließlich der auswärtigen tn Alsfeld, Gladenbach, Heuchelheim, Kinzenbach, Lich, Wetzlar und Wieseck.
Das Bureau besorgte bis zum 16. Mai d. I. 1988 Aufträge, von welchen erledigt resp. eingegangen sind 576 mit 10 425,46 und zwar auswärtige 284 mit 7600,63 cX und hiesige 292 mit 2824,83
Den Mitgliedern sind bis jetzt in den Monatslisten 612 säumige Zähler von hier und auswärts namhaft gemacht worden.
Sollte ein solches Resultat nicht jeden Kaufmann und Geschäftsmann bewegen, dem Verein beizutreten? Dazu kommt noch die Annehmlichkeit, daß durch das Bureau auch dos gerichtliche Verfahren besorgt wird.
Die Vereine Creditreform bestehen eben in 45 größeren Städten und bilden mit ihren Umgebungen einen Verband; monatlich treten Städte hinzu. Vorort für 1884/85 ist Mainz. Die Vereine unter einander unterstützen sich sowohl im Einziehen von Ausständen als auch in gewissenhafter Ertheilung von Auskünften. Jede Auskunft kostet 80 H, zehn Anfragezettel tn einem Heftchen 8 «X sind auf jedem Vereinsbureau zu haben nebst Legitimationskarten an alle Bureaus für Reisende. Auch von Orten, wo noch feine Vereine bestehen, werden zuverlässige Auskünfte rasch eingeholt. Gewiß liegt dieses verbesserte Auskunftswesen speciell im Interesse der Grossisten.
Verkäufe und Verpachtungen, Betheilignngen, Stellen-Vakanzen rc.
werden am sichersten durch Annoncen in zweckentsprechenden Zeitungen zur Kenntniß der bez. Reflektanten gebracht; die einlaufenden Offerten werden den Inserenten iZ Original zugesandt. Nähere Auskunft, ertheilt die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse, Frankfurt a. M-, Noßmarkt Nr. 3. Vertreter in Gießen: Heinrich Wallach, Marktplatz 8. 3975
Kirchliche Anzeigen der Stobt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
1. Sonntag nach Trinitatis, den 15. Juni. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Kinderkirche: Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.
Katechismuslehre für die Mädchen, Vormittags 11 Uhr, in der Friedhofskapelle, Pfarrer Dingeldey.
Bibelstunde Sonntag Abend 8 Uhr, in der Kleinkinderschule, Apoftel- gesch. Kap. 11. Pfarrer Dr. Naumann.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 15. bis 21. Juni besorgt: Pfarrer Dingeldey.
Katholische Gemeinde.
2. Sonntag nach Pfingsten.
Von 6 Uhr an: Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Commu- nion. VslO Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Andacht.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr> Samstag Abend 9" Uhr.
Wasserwärme der Lahn.
Am 13. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: 14« R. - Luftwärme 19° R.
Rübsamen.


