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Amtlicher HH eil.

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Telegraphische Depescherl.

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Brüssel, 12. Juni. DerMoniteur Belge" meldet, daß alle Minister Könige gestern ihre Entlassung überreicht haben.

England.

z z London, 9. Jun^. Die Grundsteinlegung zum deutschen Reichstagsgebäude bietet demStandard" Anlaß zu einem für Deutschland äußerst sympathischen Artikel in welchem eS u. a. heißt:Wir hören oft, daß Deutschland durch den Militarismus ruinirt werde. Dies ist einfach Unsinn. Seit 13 Jahren hat Deutschland keinen Schuß abgefeuert und keinen Soldaten im Felde verloren. Wie kommt dies? Weil Deutsch­land stark und gefürchtet ist. Es ist vorbereitet auf den Krieg und genießt den Frieden. Dabct ist es der Schiedsrichter Europas! Fürst Bismarck hat nicht ein Bataillon mobil gemacht, während das friedliebende Gladstone'sche Cabinet zwei Kriege geführt hat- England hat da viel zu lernen. Deutschland und Oesterreich haben sich als die conservatioen Mächte erwiesen und sind darum die natürlichen Bundesgenossen Englands. Das deutsche Volk muß sich aber unserer Bewunderung für seine Errungen­schaften, seine Friedensliebe, seine Stärke und seinen conservatioen Geist versichert halten und weiter glauben, baß wir seine Freundschaft jener des barbarischen Rußlands und des eitlen Frankreichs vorziehen."

Amerika.

Washington, 11- Juni. Der deutsche Gesandte v. Eisendecher überreichte heute dem Präsidenten Arthur sein Abberufungs-Schreiben.

Politische UeLerflcht.

Gießen, 13. Juni.

Die Wieder-Eröffnung der Plenar-Verhandlungen des Reichstages nach der Pfingstpause hat bereits eine recht lebhafte Debatte gebracht. Es handelte sich um den vom Abg. Ackermann Namens der Conser- vatioen emgebrachteu Antrag auf Abänderung von § lOOe der Gewerbeordnung (Innungen) und bezweckte der Antrag, denjenigen Meistern, welche keiner Innung beitreten, das Halten von Lehrlingen von einem bestimmten Zeitpunkte an zu untersagen. Derselbe wurde vom Antragsteller mit dem Hinweis auf dre Forderungen der Handwerksmeister begründet, denen durch den Entwurf Be­friedigung verschafft werden solle. Eine reactionäre Maßregel sei das nicht, da nicht generell den Nicht-Jnnunngsmeistern das Recht, Lehrlinge zu halten, versagt, fondern der Behörde nur die Befugniß beigelegt werden solle, im gegebenen Falle eme^derartige Maßregel anzuordnen. Von liberaler Seite wurde der Antrag, dadurch denselben die discretionären Polizeigewalten vermehrt würden, lebhaft bekämpft; da aber die Redner des Centrums für den Antrag eintraten, so erfolgte bei namentlicher Abstimmung mit 157 gegen 144 Stimmen der Par- leren der Linken die Annahme desselben. Am Schluß der Sitzung entspann ttch noch eine kurze Geschäftsordnungs-Debatte, aus welcher der Präsident die Mtttheilung machte, daß die zweite Lesung der Unfallversicherungs-Vorlage au: me Tagesordnung für diesen Samstag gesetzt sei. Am Mittwoch beschäftigte Nch der Reichstag mit dem Anträge Ackermann auf Errichtung von Gewerbe- tammern und dem Windthorst'fchen Anträge auf Aushebung des fort. Erpa- triirungs-Gesetzes.

Das Reichsgericht zu Leipzig hat die Rechtsnachfolger Richard Wagner s mit ihrer Klage gegen die Stadtgemeinde Leipzig auf Anerkennung des ausschließlichen Urheberrechts bezüglich der OpernRienzi",Tannhäuser", der fliegende Holländer" undLohengrin" abgewiesen. Die Stadtgemeinde Lerpzig darf also die genannten Opern ohne Tantieme-Zahlung aufführen lassen.

In dieser Woche haben die Wahlen zum ungarischen Reichstage rhren Anfang genommen. Eine wochenlange, unbeschreiblich wüste Agitation, bei welcher nicht nur Knittel und Todtschläger, sondern sogar Säbelhiebe, Messerstiche und Flintenkugeln eine hervorragende Rolle spielten, bildete die Einleitung zum Wahlacte und läßt von den Wahlen selbst nur gleiche schlimme Excesse befürchten, wie sie Ungarn jetzt tagtäglich zur Schau gegeben hat. Die vom Ministerpräsidenten Tisza in Aussicht gestellten strengen Maßregeln zur Unterdrückung weiterer Excesse scheinen jedenfalls auf die leidenschaftlich erregten Wähler-Massen noch nicht den geringsten Eindruck gemacht zu haben. Von dem in Wien eingesetzten Ausnahmegerichte ist der Anarchist und Raubmörder Stellmacher zum Tode verurtheilt worden.

Der Stern des französischen Ministerpräsidenten Ferry leuchtet in unverminderter Helligkeit fort. In der innern Politik ist Ferry -erst in voriger Woche anläßlich der dreitägigen Discussion über die Verwaltung Korsikas wieder ein glänzendes Vertrauensvotum von der Kammer zu Theil geworden und für die ostasiatische Politik des Cabinets Ferry bedeutet die bedingungslose Anerkennung und Unterzeichnung des mit Anam abgeschlossenen Vertrages Seitens des Hofes von Hue eine neue Errungenschaft. Weit bedeu­tungsvoller erscheinen aber die Erfolge, welche der leitende französische Staats­mann in den Verhandlungen mit England über die egyptische Frage davonge­tragen hat. Die Fixirung der englischen Occupation Egyptens auf 3 Jahre und bie_ Einrichtung einer internationalen Finanzcontrole in Egypten sind Zuge- ständnisse Englands an Frankreich, welche einen entschiedenen Triumph des französischen Cabinets über das englische bedeuten, und daß es dem festen Auf­treten Ferry's gelungen ist, die französischen Forderungen in der Conferenz- Angelegenheit durchzusetzen, wird Herrn Ferry jedenfalls hoch angerechnet werden.

Im Gegensatz zu seinem Collegen an der Seine ist der eng­lische Ministerpräsident, Mr. Gladstone, durch die Zugeständnisse an Frankreich in eine ziemlich bedenkliche Klemme gerathen. In allen Schichten der englischen Gesellschaft selbst die liberalen Kreise nicht ausgeschlossen empfindet man die Convention mit Frankreich als eine nationale Demüthigung und trotz aller Versuche der Londoner Regierungsblätter, die Abmachungen mit Frankreich als nicht bindend hinzustellen, greift die allgemeine Mißstimmung gegen die egyptische Politik des Cabinets Gladstone immer weiter um sich. Unter dem Eindrücke dieser erregten Stimmung will der englische Premier in kommender Woche dem Parlamente die officielle Mittheilung von dem Abschluß des Ver- träges mit Frankreich machen und dann steht mit Sicherheit ein Sturm zu

AeutMand.

, Darmstadt, 11. Juni. Am 29. Juni wird hierselbst eine allae- merne Versammlung der nationalliberalen Partei in Hessen abgehalten werden.

Italien.

Genua, 11. Juni. In der vergangenen Nacht explodirten zwei Dyna- mttpatronen vor der Kirche der unbefleckten Empfängniß, eine dritte neben der Kathedrale San-Lorenzo. Der Schaden ist unbedeutend. Menschen sind nicht umgekommen.

Gestern Abend zogen Volksmassen unter Singen und Schreien durch die Hauptstraßen der Stadt, wobei es wiederholt zu Schlägereien kam. In einer katholischen Buchhandlung zerschlug ein Volkshaufen die Fensterscheiben, riß die Fensterladen herunter und drang in das Haus ein, wo verschiedene Gegenstände demolirt wurden. Fünf Personen sind verhaftet worden. Die ge­richtliche Untersuchung gegen die Ruhestörer ist eingeleitet.

Petersburg, 12. Juni. Der dänische Gesandte, General v. Kjaer, wurde gestern von dem Kaiser zur Ueberreichung des Beglaubigungs-Schreibens empfangen und demnächst auch dem Thronfolger" vorgestellt.

London, 12. Juni. Unterhaus.. Unterstaatssecretär Fitzmaurice theiltz

erwarten, der vielleicht das Ministerium Gladstone mit einem Schlage über den Haufen wirft. Bezüglich der viel erörterten Gerüchte über die von England ^Ae)chlagene Entsendung türkischer Truppen nach Egypten oder dem Sudan erklärte Gladstone m der Dienstagssitzung des Unterhauses, daß dieselben durch­aus unbegründet seien.

Die Befürchtungen, mit denen die belgischen Liberalen nach dem für sie so ungünstigen Ausgange der Provinzialwahlen den Neuwahlen zur Neprä- sentantenkammer'entgegensahen, sind durch die Ereignisse in vollem Umfange geremtsertigt worden. Bei den am Dienstag stattgefundenen Kammerwablen haben die Liberalen 26 Sitze an die Klerikalen verloren, welche in der neuen Reprasentantenkammer nunmehr die Mehrheit in einer Stärke von 32 Stimmen besitzen. Die im liberalen Lager zwischen den gemäßigten und fortschrittlichen Elementen herrschende Spaltung hat der ultramontanen Partei den Sieg wesent­lich erleichtert. 15 1

, , Der Sturm im Glase Wasser, als welchen man den serbisch- bulgarychen Confüct betrachten kann, dauert fort. Da Bulgarien es ablehnte me vwr Serbien verlangte Genugthuung zu leisten, hat der serbische Agent am Drenstag die bulgarische Hauptstadt verlassen und nur sein Secretär ist zur Erledig -'g der dringendsten laufenden Geschäfte in Sofia zurückgeblieben. Die Befürchtung, daß hieraus ernstere Verwickelungen auf der Balkanhalbins'el ent­stehen könnten, wird indessen allseitig zurückg-ewiesen.

rx A". Nachrichten über das Scheitern der Mission des enqli- scheu Admirals Hewett in Abyssinien stellen sich jetzt als unbegründet heraus.

London ist eine Depesche des Admirals eingelaufen, in welcher er von einer befriedigenden Unterredung mit König Johannes berichtet und seine baldige Rückkehr anzeigt. y

Betreffend: Das Landgestüt, insbesoüdere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbcschäler 12' 3um 1884

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

ßSi bis Grotzhsx-sglichen BürgerMeistereien des Kesises.

Wir sehen der Einsendung der Verzeichnisse der von Ihnen ausgestellten B-deckscheine binnen 8 Tagen entgegen.

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