Ausgabe 
13.12.1884 Zweites Blatt
 
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Bekanntmachung

Emil Fischbach

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faktur" votbwendig? Wir hören aus sehr guter Quelle, daß Herr v. Mayr h-ute noch die Geschäftsführung der Manufaktur durch Vermittelung des RegierungscommissarS, Mtniftertalrath Keetmann, gerade so beeinflußt ober vielmehr dtrect leitet wie früher, so lange der RegierungSrath Dr. Roller bet der Manufaktur funcltontrte. Die eigent­liche Leitung der Manufociur ist demnach dieselbe geblieben; sie hat nur ihre Organe und, wie es scheint, ihre geschäftlichen Grundsätze gewechselt. Den geschäftlichen Nieder­gang vermag j-doch nichts aufzuh-ilten; die Verhältnisse erweisen sich stärker als der Wille eines einzigen, wenn auch noch so hochstehenden Beamten. Die beiden Dtrec- toren kommen dabei nach Allem, was bekannt geworden, gar nicht tn Betracht. Für sie sind lediglich die höheren Weisungen und Intentionen maßgebend. Dazu kommt noch, daß ein ersprießliches collegtales Zusammenwirken beider schon dadurch auSge- schloflen ist, daß von Anfang an MthheUrgkeiten zwischen ihnen ausgebrochen sind und sie fortgesetzt auf einem sehr schlechten Fuß stehen. Also auch in dieser Beziehung scheint die Reorganisation ihren Zweck verfehlt zu haben.

ES ist begreiflich, daß Herr Unterstaatssecretär v. Mayr wünschen muß, daß der status quo möglichst lange aufrecht erhalten bleibt. Ob dies aber so, wie einmal die Verhältnisse l egen, für daS Interesse des LandeS ersprießlich ist, möchten wir bc- zwrifkln. lieber kurz oder lang wird doch eine einschneidende und durchgreifende Aenderung mit der Manufaktur nothwendtg werden. Wird sich dann Herr v. Mayr tn unzweideutigerer Weise zu der seitherigen Geschästslettung bekennen, alS er eS tn der Landesausfchuß-Sesfion 188283 bet den Angriffen auf den früheren RegterungS- commissar und administrativen Director gethan hat? Im Interesse des Lande« und seiner Finanzen müssen wir wünschen, daß der KrankhrttSproc.ß der Tabakmanufaktur nicht chronisch wird, sondern daß durch eine rechtzeitige energische Operation größerer Schaden verhütet wird. (Straßb. Post.)

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Zur Herstellung de« elektrischen LtchteS für Experimente tn Schulen gelangte bisher meistenthells die Bunsen'fche Batterie tn der geringsten Stärke von 6-8 Elementen zur Anwendung. Der verhältntßmäßig hohe Preis der Letztem, die Unbequemlichkeit, welche die Salpetersäure verursacht, die nolhwendige Reinigung der Bunsen'sche» Elemente na» jedesmaligem Gebrauche stehen in keinem Verhältniß zu dem dadurch erzielten Effect. Hierzu kommt der Umstand, daß eine mit Schwefel- und Salpeter, säure gefüllte Batterie sehr schwer transportabel ist. Diesen Uebclständen hilft der vom Mechaniker I. C. Schloesser in Königsberg t. Pr. coustruirte Glühltchtapparat ab. Er besteht au8 zwei Thetlen, einer Tauchbatterte qIB ElektricitätSquelle und der Glühlampe selbst, die eine Lichtstärke von fünf Normalkerzen besitzt. Die Tauchbatterie wird durch 8 kleine Zinkkohlenelemente gebildet, die an einem hölzernen Deckel befestigt find, in 8 tn einem Holzgestelle befindlichen Gläsern stecken und durch Heben und Niederlassen des Deckels tn die Gläser gesenkt und wieder auS denselben gezogen werden können. Ein sehr niedriger Preis (22,50 JL) für Batterie und Glühlampe, verschwindend geringe Kosten für die Füllung, welche durch Ausdünstung keinerlei Beschwerden ver­ursacht und ein überraschend starker Lichteffect sind die Vorzüge dieses sorgsam auS- geführten Apparats. Derselbe ist gering botirten Schulen. Liebhabern physikalischer Experimente, namentlich aber als interessantes Festgeschenk für größere Knaben zu empfehlen. x _______________________

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Die kaiserliche Tabakmanufaktur.

Wie unseren Lesern erinnerlich, hat die kaiserliche Tabakmanufaktur im Sommer 1882 durch ein Rundschreiben, tn welchem sie ihren Kunden Cigarren in Kistchen ohne Etiketten und ohne Firma, oder m t beliebig n Etiktten anbot, großes Aufsehen erregt und die erbittertste Polemik in der Presse hervorg-rufen. In Folge btrecten Eingreifens des kaiserlichen Statthalters wurde jenes Anerbieten nach kurzer Zett wieder zurückgezogen. Heute erfahren wir zu unserem größten Erstaunen, daß es inzwischen dennoch in der Manufaktur Geschäftsbrauch geworden ist, solche Lieferungen zu machen und zwar geschieht dies nach zuverlässiger Information mit Billigung des obersten Leiters der Manufaktur, UnterstaatSsecretärS Dr. v. Mayr.

Ein weiteres eigenthümliches Mittel zur Forderung des Absatzes der Manu- sakturfabrikate ist zu unserer Kcnntniß gelangt: Die Tabakmanufaktur si ht sich im <>a&re 1884 veranlaßt, für ihre Rauchtabake thellweise wieder Etiketten oder Streif­bänder in französischer Sprache drucken zu lassen. Bekanntlich herrscht ein ziemlich reger Tadakschmuggcl über die Vogesen nach Frankreich. Daß sich hierzu die Rauch, tabake tn Packeten mit französischer Aufschrift besser eignen und daß deßhalb Nach­frage nach solchen Tabaken vorhanden ist, leuchtet ein. Ebenso verständlich ist es, wenn die Prtvattndustrie derartigen Verhältnissen unter Umständen Rechnung tragt Ganz anders würde sich die Sache bei einem kaiserlichen Institute beurteilen, welches bet ferner Geschäftsführung nicht auf das Niveau einer kleinen Privatfabrik herabsteigen darf. Die Lage der Manufakur mag so schlimm sein, wie sie will; dennoch wird sie Anstand nehmen müssen, einer Nachfrage nach Rauchtabaken in Packeten mit franzö­sischer Aufschrift entgegenzukommen, nachdem schon vor Jahren die französische Sprache auf den Etiketten und Streifbändern durch die deutsche ersetzt worden ist. Kleinliche Mittel helfen ja ohnedies dem daniederliegenden Absatz gewiß nicht nachhaltig auf. Vollends unbegreiflich ober ist eS, wie gerade unter der gegenwärtigen Leitung solche Aenderungen Vorkommen können, da Herr v. Mayr doch früher im Landesausschuß und in der officiellen Presse das Verdienst für sich in Anspruch genommen, daß die Manufaktur ihre Fabrikate unter eigener Firma tn den Handel bringe, und erklärt hat, daß an Stelle der französischen Etiketten u. s. w. solche tn deutscher Sprache gesetzt worden sei. wie dies den veränderten Verhältnissen entspreche. Wie steht damit heute? Wodurch ist der grundsätzliche Wechsel veranlaßt worden?

Wir haben dafür nur eine Erklärung: Seit Monaten wird und daraus machen die oberen Beamten der Manufaktur gar keinen Hehl - in der Manufaktur mit effectioem Verlust gearbeitet. Man versucht also die letzten Mittel, um den Ab, satz einigermaßen zu heben; daß damit der Manufaktur auf die Dauer nicht mehr ge­holfen werden kann, ist dem einen ober andern der Bethetttgten und speciell den tech­nischen Beamten längst zur traurigen Gewißheit geworden, aber man tröstet sich: wenn es nur noch eine Zeitlang fortgeht." Der W'lle der Regierung, oder wahr­scheinlich dcS Herrn v. Mayr, hält den Betrieb aufrecht, heute nach anderen Grund­sätzen als früher. War dazu etwabfe Reorganisation der kaiserlichen Tabakmanu­

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Die Interessenten werden daher aufge­fordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu le- gitimiren.

Die Herren Bürgermeister werden er­sucht, dieses in ihren Gemeinden auf orts­übliche Weise.bekannt machen au lassen.

Gießen, am 27. November 1884.

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