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Vermuthungen haben sich auch wirklich bestätigt. So z. B. liegt ein Fall vor, wo man tn dem Keller drS früheren SptcerelhändlerS Spielmann tn Wmdeckcn auf Petroleum gestoßen ist. Anfängl ch war man ungläubig, man nahm an, daß durch Auslaufen eines Fsffrs das Petroleum in den Keller gekommen fei. Dem war jedoch nicht so, denn datz Petroleum nahm an der betreffenden Stelle immer zu, so daß nun­mehr, wie wir hären, wettere Nachforschungen geschehen sollen. Ein eigenthümlicher Fall liegt aber auch gegenwärtig m Hochstadt vor. Dortselbst besitzt der Sprcerel- händler Hensel einen Brunnen, der j-doch wegen des übelriechenden Wassers schon vom Tage der Herstellung vor drei Jahren nicht benutzt werden konnte. Bei dem gegenwärtigen Wassermangel in Hochstadt, dem immer noch nicht durch eine zweck, entsprechende Einrichtung abgeholfm ist, wurde auch dieser Brunnen bis auf den Grund geleert und die letzten Eimer, die gezogen wurden, enthielten zur allseitigen Über­raschung zum vierten Tbeile Petroleum. Man machte sofort eine Probe und das auf dt.se Weise gewonnene Petroleum brannte, trotz seines unreinen Zustandes, ganz aus­gezeichnet. ES liegt die V-rmuthung nahe, daß ganz in der Nähe, auf dem sogen.

Äcpf*, Petroleum vielleicht gefunden werden kann, denn der dortige Boden enthält Braunkohlen, Eisensteine, schwefelhaltige Körper u. s. w. Es werden nächster Tage ge­nauere Untersuchungen angestellt werden. (Fr. Journ.)

Köln, 5. November. Der am vorigen SamStag tn einem Pistolen»Duell schwer verwundete Infanterie-Hauptmann Hirsch von hier tst tn der verflossenen Nacht seinen Verwundungen erlegen.

Bremen, 5. November. (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schtffbiüchtger.j Rettung aus Scegefahr.

Der Vorstand der Rettungsstation auf der Insel Amrum, Herr Capitän A Schau, berichtet: _

Den 26. October, Abends 7Vr Uhr, wurde mir durch einige vom Strande zurück- ikehrende Männer und auch zugleich durch den LcUchtthurmwärter Chrtstianfen gemeldet daß ein Schiff auf Kntepsanb gestrandet sei und Nothsignale zeige. Ich ließ sofort den Vormann der Rtttungtzstat on Kniephaoen, Flor, davon benachnchtigen und eilte selbst mit dem Vormann der Süd - (Station, Meyer, dem Seefahrer Martin QuendeS und dem Strandoogt I. W. Jenssen an den Strand, wo wir von der West-Düne aus ein Schiff beim Durchbruch auf Kniepsand liegen sahen. Da sich inzwischen noch einige zur Rettungsmannschaft gehörende Männer eingefunden hatten, wurde das Rettungs­boot der Station Kniepsand, »Theodor Preußer", sogleich bemannt und flott gemacht. Nachdem daS Boot mit vieler Mühe, trotz deS herrschenden Unwetters dem Orte der Strandung nahe gekommen war, sprang der Wind, welcher bisher W.-S.-W. gewesen, nach W.-N-W. um mit solcher Gewalt, daß menschliche Kraft dagegen machtlos war. Zudem war eS ganz finster geworden und ein heftiges Gewitter zum Ausbruch ge­kommen. Das unglückliche Schiff saß hart am Rande d-.S tiefen ConalS. Dn Ver­änderung des Windes verursachte, daß daS Schiff durch die Brech-Seen vom Strande ab und tn den Canal getrieben wurde, wo eS versank- Als die Ferur am Schiffe erlöschten, füllte eine hohe See das Rettungsboot und trotzdem wir 2 Anker auswarfen, trieben wir doch dem Strande zu, wo die Mannschaft sichdurch über Bordspringen" tn Sicherheit bringen mußte. m _

Das Rettungsboot wurde bei eiittretender Ebbe geborgen. Von dem gestrandeten Schiffe war nichts mehr zu sehen, al« die zahlreichen Trümmer, welche den Strand bedeckten und noch umherschwammen. Die Mannschaft ist leider ertrunken. Zwei Leichen sind an den Strand getrieben, darunter die des Capitän.S. Einem angdriebenen SresahrtSbuche nach hieß daS SchiffGrettna", Capitän Joosten von Großensehn.

ES thut unS allen sehr leid, diesen Bericht einreichen zu müssen. Wir haben olleS Mögliche zur Rettung der Schiffbrüchigen gelhan, aber wenn ein Weiter ras't, wie am 26. October, zwischen 10 Uhr biS Mitternacht, tst menschliche Hülfe nur zu oft machtlos.

II.

Der Vorstand der Station Wangeroog, Herr Bade-Commtssar Rösing, berichtet:

Am 27. October, Morgens 7Vr Uhr, wurde mir durch den LeuchtihurmswSrter Burrow die Nachricht, daß eine Tjalk auf hiesiger Rhede Nothflagge zeige. Nachdem ich mich von der Richtigkeit dieser Meldung überzeugt hatte, ließ ich sofort die Rettungsmannschaft zusawmenrufen, welche um 8 Uhr in voller Anzahl beim Rettungs- schuppen versammelt war.

Die Abfahrt vom Schuppen war insofern eine schwierige, als der unter der neugeleglen AbsahrtSstraße frisch aufgebrachte Sand durch den sehr hohen Wasser- ftanb der letzten Nacht durchweicht war, so daß die Pferde und Räder deS Wagens lief r'nfanten und eS nur mit Hülfe von HülfSmavnfchaften gelang, den Bootswagen frei zu machen.

DeS gänzlich durchweichten Sandes wegen konnte auch die be'rn Schuppen be­findliche Ausfahrt durch die Dünen nicht benutzt werden, wir mußten vielmehr beim ölten BootSfchuppen und dem Kurhause vorbei und beim siebten Logirhause heraus- fahren, wobei eS zwischen dem neuen und alten Bootsschuppen tief durch's Wasser ging, da daS Außenwasser wieder hoch durch die Dünen eingedrungen war.

Dem W.-N -W.-Winde, bei Windstärke 9, fast entgegen und unter starken Hagel­böen, ging es zum Watt, wo daS Boot gegen 83/4 Uhr zu Wasser kam. Es wurde versucht, zur Tjalk, welche die Nothflagge zeigte, aufzukrruzen, w lcheS aber nicht ge­lang, da das Boot bei dem Sturme nicht durch den Wind zu bringen war. Die Segel mußten herunter und es wußte aufgerudert werden, welches aber auch nicht gleich gelang, da eine starke See das Boot wieder ganz zum Strande zurückwarf. Nun blieb nur übrig, daS Boot durch Rudern und Schieben so hoch nach Westen aufzu- bringen, bis mit dem Winde zur Tjalk abgerudert werden konnte. Dieses Manöver

gelang und als die Tjalk erreicht wurde, zeigte es sich, daß es dieAnna Margaretha", Capitän F. L. Rcuttr von Jheringsfehn, mit Dachziegeln von Kl. Soltburg nach Hooksitt bestimmt, fet. DieAnna Margaretha" hatte in der Nacht mehrmals ge­stoßen, war dadurch schwer leck geworden und da die Mannschaft glaubte, sich mit Pumpen nicht über Wasser halten zu können, so fctzie sie Nothflagge.

Die Besatzung der Tjalk berianb aus dem Schiffer F. L. Reuter und seinem Sohne F. F. Reuter, w lche dos Rettungsboot aufnahm. Dann wurde zurück­gerudert und der Strand um 12 Uhr erreicht. Kurz nach der Rettung versank die Tjalk.

Theater.

6. Gießen, 12. November 1884.

Die Aufführung vonKabale und Liebe", als Festvorstellung zu Schillers Ge­burtstag, ivar im Ganzen eine der Feier des Tages würdige. Dee ächte Poesie des Dichterwerkes und der flammende Genius des Gefeierten geleiteten Auge und Ohr des Zuschauers mit leichter Hand über einzelne Lücken in Scenerie und Darstellung hin­weg; und da das Stück dem eigentlichen Nepertoir der Gesellschaft ferne liegt, so be­trachten wir cs nicht als unsere Ausgabe, auf den Unterschied hinzuweisen, der bestehen muß zwischen einer idealen Aufführung dieses Trauerspiels und einer solchen, die mit gegebenen Verhältnissen zu rechnen gezwungen ist. Wir conftatiren, daß die Darstellung reichen Beifall fand, und daß auch bei den Mitwirkenden etwas von jener Begeisterung zu finden war, die die Wiedergabe eines wahren Kunstwerkes dem wahren Künstler einzuflößen pflegt.

Herr Halm spielte den Ferdinand mit edler Wärme und verstand es, in feiner Leidenschaft und mit seinem Organ das rechte Maß zu halten, ein Lob, das wir nicht jedem Darsteller d'eser Nolle ertheilen können- Sehr gut waren die Herren Hendrich (Miller) und Herrmann (Kalb); eine gelungene und wohlstudirte Charactermaske bot Herr Joseph (WuruU, der leider im Anfang etwas übertrieb. Herr Schwarz (Präsident' gefiel besonders in der großen Scene mit seinem Sohne. Die Nolle der Luise war in den Händen eines Gastes, Frl- Belgard, und wurde recht gutdurch- gesührt; die Dame spielt sicher und verfügt über eine sympathische Stimme. Frl. Barnow spielte die Lady Milford mit Hoheit und Begeisterung Daß Frau Größer als Frau Miller in das Beste leistete, war nicht anders zu erwarten.

Die Musik stand unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Krausse und leistete recht Gutes; besonders das Mendelssohn'fche Duett wurde rein und ausdrucksvoll gespielt.

Der Schluß zeigte uns ein von Herrn Herrmann arrangirtes lebendes Bild, das die Hauptpersonen aus Schillers Dramen vereinigte; das Bild fand außerordent­lichen Beifall, doch wurde die Wirkung durch das zu beschleunigte Fallen des Vor­hangs etwas beeinträchtigt.

Die Regie der Tragödie hatte HerrHendrich, der sich als umsichtiger Regisseur erwies; der bekannte blaue Stift war mit Verständniß und Maß gehandhabt; wir geben zu, daß die hübsche Duellscene zwischen Ferdinand und Kalb nicht unterzu­bringen war.

f Unter den modernen Lustspittdtchtern nimmt G. von Moser einen vor­nehmen Rang ein; er tst entschieden der beliebteste unter ihnen, well er es wie Lin Anderer verneht, unsere Lachmuekeln tn dauernde Bewegung zu setzen und weil er seinen komischen Figuren fi<t6 einen gewissen Anstrich besonderer Originalität zu geben weiß, wodurch dteselden rasch populär werden. Wir erinnern hier nur an die köst­lichste Figur, die er geschaffen, an seinen Lieutenant Reif, die seinen Ruhm übers Meer getragen. Auch das neue LustspielHarun al Raschid" oder: »Der Khallf tn tausend Aengsten", welches unS am Freitag vorgeführt werden soll, gehört zu den wirksamsten und drastischste, bte Moser geschrieben und hat dieses Stück noch den besonderen Vorzug aufzuweisen, daß hier der Dichter seine größte Sorgfalt nicht nur auf eine einzige Figur verwendet hat, sondern daß Alle mit gleich peinlicher Sauberkeit tn charakterisirender Detatlmalerei ausgearbeitet sinD und das Ganze von einem so liebenswürdigen Humor belebt und nut so komischen Situationen, bte durch die köst­lichsten Qui pro quos herbesgeführt werden, ausgestaiiet ist, daß der Zuschauer bis zum Schluß rhatsächlich nicht aus dem Vergnügen herauskommt.

Schiffsnachrichten.

Bremen, 10. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Donau. Capt. R- R ngk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 26 October von Bremen und am 29. October von Southampton abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

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Frankfurt a. M. (Karlorahe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, «Hs auch hineichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicheif Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath erthellt

Von der städtischen S>

am

Schiffenbergerweg und von einem städtischen Graben am Leisertsrod soll die EiÄnutzung für den Winter

1884/85

Samstag den 13 d. Mts., Vormittags 11 Uhr, auf dem Bürgermeisterei - Bureau öffentlich versteigert werden.

Gießen, den 1t. November 1884. Großßerzogl. Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm. 7463

Steckbrief.

Gegen den Taglöhner Friedrieb Viemer aus Mendorf a b. Ulm, zuletzt in Gießen, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Ver­gehens gegen §§ 242, 263, 123, 74 Str -G.-B. verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu ver­haften und in das Gefängnis zu Wetzlar abznliefern. 7500

Wetzlar, den 10. November 1884.

Königliches Amtsgericht.

Allgemeiner Anzeiger.

Wetisels

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