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Nr. ISS Freitag den 13. Juni 1884

Gießener Anzeiger

Amts- md A«zeqebl«tt für den Kreis Gießen.

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Amtlicher Hßeil.

Gießen, den 11. Juni 1884.

Betreffend: Anfrage der französischen Regierung über die gewerblichen Verhältnisse des Großherzogthums.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen, welche noch im Rückstand sind, erinnern wir an die alsbaldige Erledigung unseres Ausschreibens vom 9. v. Ms. in obigem Betreff, das im Gießener Anzeiger enthalten ist.

Dr. Boekmann.

* Gießen, den 11. Juni 1884.

Betreffend: Die Bildung der für das Jahr 1884/85 nöthigen Weinsteuer-Einschätzungscommissionen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des KretseS.

Diejenigen, welche noch im Rückstand sind, erinnern wir an die alsbaldige Erledigung unseres im Gießener Anzeiger enthaltenen Ausschreibens vom 10. v. MtS. in obigem Betreff.

_______________ Dr. Boekmann._______________________________________________

" Lehrer-Con fee enz

des Conferenz-Bezirks Lich» Hungen: Mittwoch den 18. Juni, Vormittags 10 Uhr, in Lich.

Gießen, den 10. Juni 1884. ............... Büchner, Kreisschulinspector.

Dolieische Ueber-cht.

Gießen, 12. Juni.

Weit hin in allen deutschen Gauen hat man die erhebende Kunde von der glänzenden und würdigen Feier der Grundsteinlegung für das Reichs­tagsgebäude in Berlin vervommen und erfahren, wie in der kaiserlichen, bei der Feier vom Reichskanzler verlesenen und in den Grundstein gelegten Urkunde der Kaiser dem deutschen Volke verkündet, daß unter der begeisterten Hingabe der Nation und dem gegenseitigen Vertrauen der Bundessürsten das Reich in Macht und Glanz erstanden ist und die Pflege seiner Wohlfahrt in die eigene Hand genommen hat; daß, wie bisher bei der gemeinsamen Arbeit des BundesratheS und der Volksvertretung für die nationale Wohlfahrt, auch in dem neuen Reichstagsgebäude, dessen Grundstein gelegt worden ist, der Ordnung, der Frei­heit, der Gerechtigkeit und Liebe für alle Volkskreise diese Arbeit im Reichstage gewidmet ist. Im gleichen Sinne und Geiste sprachen auch ihre Segenswünsche bei der feierlichen Grundsteinlegung und der Darreichung von Kelle, Mörtel und Hammer an den Kaiser Namens des BundesratheS der bayerische Bevollmäch­tigte Gras v. Lerchenfeld und Namens des Reichstages der Reichstagspräsident v. Levetzow aus und mit beredtem Munde fügte der Oberhofprediger Dr. Kögel dem Reichstagsbau den Segenswunsch zu, dem er die Ehre Gottes, die Liebe zu Kaiser und Reich und die Einigkeit von Deutschlands Fürsten und Stämmen nach drei Bibelsprüchen zu Grunde legte.

Soll nun aber der Grundstein des bedeutsamen Reichstagsbaues ein dauernder Markstein im Herzen des deutschen Volkes werden, so gilt es, die Beklommenheit und Alltäglichkeit, aber auch die Kleinlichkeit und Haderlust, mit der unser öffentliches Leben nur zu oft durchtränkt ist, abzustreifen und sich zurückzuversetzen in die großen Tage, welche bereits vor 20 Jahren für Deutsch­lands politisches Glück begannen. Der Stein, der am 9. Ium 1884 als Sym­bol der deutschen Einheit und Kraft in den Grund gesenkt wurde, er wurde schon in's Rollen gebracht, als 1864 preußische Truppen die große dänische Zwingburg Düppel eroberten und der Welt verkündeten, daß auf deutschem Boden kein fremder Fürst mehr herrschen könne. Dann stockte die Weiterführung des Steines der Einheit an dem unglückseligen Dualismus Preußens und Oester­reichs im deutschen Bunde und leider gab es schließlich kein anderes Mittel, als die Auseinandersetzung durch das Schwert, die Preußen, den größten und mäch­tigsten deutschen Staat, in das natürliche Recht einsetzte, der führende Staat im neuen Bunde zu fein. Und wer noch daran zweifelte, daß der neue Bund und die neue deutsche Einigkeit unter Preußens Führung das Rechte, das Segensreiche für das deutsche Vaterland waren, der konnte semen Jrrthum erfahren, 1870/71, wo die unter Preußen geeinigten Stämme Abrechnung mit dem alten französischen Widersacher hielten, Alldeutschlands Unantastbarkeit aller Welt verkündeten, alte Stammländer dem neuen Reiche beifügten und dre stolze deutsche Kaiserkrone im helleren Glanze als je zuvor es der Fall war, wieder errichteten. Und der erhabene Träger der deutschen Kaiserkrone, er hat fern kaiserliches Wort von 1871 erfüllt, ein Schirmer und Mehrer des Reiches zu sein, nicht an kriegerischem Ruhm, sondern auf friedlichem Gebiete. Große Fortschritte hat Deutschlands innere Wohlfahrt seit 1871 gemacht und das deutsche Reich steht als von allen Staaten respectirtes Bollwerk des Friedens, als" ein Förderer der eigenen Wohlfahrt wie der gesammten Culturwelt da. Daran ma()iit der Grund- und Eckstein des Reichstagsgebäudes die deutsche Nation und ihre späteren Geschlechter! n _ ,

Unter dem Eindruck der nationalen Feier vorn 9. ^unr sind zwei Feierlichkeiten, die am Tage vorher am kaiserlichen Hofe stattgefunden haben, etwas zurückgetreten, die aber trotzdem nicht mit Stillschweigen über­gangen werden können. Die erste derselben, die Investitur des Prinzen Heinrich von Preußen mit dem ihm vom König von Spanien verliehenen

Orden des Goldenen Vließes, war zwar nur ein mehr ceremonieller Act, trotz­dem legte er wieder Zeugniß von den ausgezeichneten Beziehungen ab, die zwi­schen Deutschland und Spanien fortdauernd obwalten und welche durch den vorjährigen Besuch des deutschen Kronprinzen in Madrid so günstig eingeleitet wurden. Die andere Feierlichkeit wmde durch den Empfang der Deputation der Transvaal-Republik durch den Kaiser gebildet. Die Abgesandten der südafrikanischen Boern - Republik sind nach Berlin gekommen, um mit dem deutschen Reiche einen Freundschaft^, und Handelsvertrag abzuschließen, und die freundliche Aufnahme, welche die Vertreter der töpfern Boers beim deutschen Kaiser und seinen Rathgebern gefunden haben, bürgt für den Erfolg ihrer langen und mühseligen Reise.

Der überaus stürmische Charakter der Wahlbewegung in Ungarn hat sich jüngst wieder in bedenklichster Weise gezeigt. Aus Gyöngyoes, Szent Miklos, Gnessing und besonders aus Mindszent werden die schlimmsten Exceffe gemeldet. In letztgenanntem Orte, wo der liberale Candidat, Markgraf Pallavicini, seine Programmrede halten wollte, kam es zu einem regelrechten Feuergefecht zwischen den Gensd'armen und dem Pöbel, wobei es mehrere Todte und zahlreiche Verwundete gab. Man kann unter diesen Umständen dem am nächsten Freitag beginnenden Wahlacte nur mit den größten Besorgnissen entgegensehen.

Nachdem sich die französische Deputirtenkammer drei volle Sitzungen hindurch mit der Verwaltung Korsikas beschäftigt, hat sie in dieser Woche ihre Aufmerksamkeit wieder nothwendigeren Dingen zugewendet. Die dreitägige Discussion über Korsika hat sich aus der bekannten Affaire oes Journalisten St. Eime unter viel Lärm und vielfach unangenehmen Zwischen­fällen zu einer Kritik der gesammten Verwaltung Korsikas und zugleich zu einem concentrirten Angriffe aller demokratischen, ultraradikalen und monarchi­stischen Elemente der Kammer auf das Cabinet Ferry entwickelt. Letzteres ist aber aus diesem Rencontre mit vollständig heiler Haut hervorgegangen und die am Samstag mit einer Majorität von über 100 Stimmen erfolgte Annahme des von Ferry verlangten Uebergangs zur einfachen Tagesordnung ist ein neues Vertrauensvotum der Kammermehrheit für die Regierung. In der folgenden Montagssitzung verlas der Depulirte Dreyfuß den Bericht der Commission für die Verfaffungs-Revisions-Vorlage, welcher die Annahme derselben durch die Commission erklärt. Entgegen dem Commissions-Antrage beschloß jedoch oie Kammer, die Weiterberathung über diesen Gegenstand erst nach Erledigung des RekrutirungS-Gesetzes vorzunehmen.

Nach mancherlei seltsamen Wendungen kann endlich das Schicksal der Londoner Conferenz als gesichert betrachtet werden. Die französisch-engli- schen Verhandlungen über die Vorfragen haben zu einem befriedigenden Abschluß geführt und erübrigt nur noch, den Termin für den Zusammentritt der Con­ferenz festzustellen. Die englische Regierung selbst scheint sich aber in einer ganz unnöthigen Geheimnißkrämerei zu gefallen, denn in der Montagssitzung des Oberhauses erklärte der Minister des Auswärtigen, Lord Granville, auf eine Anfrage, er könne noch keine bestimmten Mittheilungen über die Conseren; und die hiermit zusammenhängenden Fragen machen, hoffe aber, dies in nächster Woche tlmn zu können. Seine Herrlichkeit hätten gleich sagen können, daß es sich nur noch um die Zusammensetzung der internationalen Finanzcontrole handelt. Aehnliche unbestimmte Erklärungen, wie Granville im Oberhause, gab Glad­stone am gleichen Tage im Unterhause ab. .

Auf das von Serbien gestellte Ultimatum m Sachen des Conflictes mit Bulgarien ist am Montag die Antwort dec bulgarischen Regie­rung erfolgt. Dieselbe weist die serbischen Reklamationen als unbegründet Zu­rück, in Folge dessen die serbische Agentur in Sofia geschlossen worden ist und hat der serbische Agent am Dienstag Sofia verlassen.