lassung, die gedachten Beamten seiner besondern Zufriedenheit mit ihrem Verhalten und ihrer dienstlichen Thätigkeit ausdrücklich zu versichern.
— Se. Maj. der Kaiser nahm Nachmittags um 5 Uhr gemeinsam mit der Kaiserin mit gutem Appetit ein Diner ein und empfing darauf den Besuch l)e6 Prinzen Heinrich. Er brachte die späteren Stunden im Arbeitszimmer zu und begab sich erst um 10 Uhr zur Ruhe.
Oesterreich.
Wien, 10. April. Die „Politische Correspondenz" erfährt: Der russische Militärattache Kaulbars, welcher dem Kaiser den Ausdruck der freundschaftlichen Gesinnungen des Czaren au überdringen beauftragt war. ist mit der gleichen Mission auch an den Kronprinzen Rudolf betraut und von diesem bereits empfangen worden.
Prag, 10. April. Ein Telegramm der Prager Abendblätter meldet auS Weiß- kirchen ver Leplitz, daß vergangene Nacht mehrere als Gerichtsdiener verkleidete Männer tn der Schwetzermühle bet Tepl'tz den Müller aufforderten, oorgebend. sie fden ßl8 GerichtSkommfffion entsendet, sämmtltche Werthpapiere auszuliefern, da der Müller «eaen Fälschung von Staatspapteren und als Soctalist angeklagt fei. Der Müller folgte 40,000 Gulden Obligationen und 200 Gulden tn Baar aus, worauf die Räuber sich entfernten, nachdem sie vorher sämmtltche Knechte und Mägde tn die Zimmer einsperrten.
Irankreich.
Paris, 10. April. Im Kohlenbecken von Anzin hat sich die Hahl der Arbeiter, welche die Arbeit wieder ausnahmen, gemehrt, Ruhestörungen sind neuerlich nicht vorgekommen. In der Umgebung von Condö wurden 11 Per- fonen, weil sie der ArbeitSsreiheit Hindernisse in den Weg legten, verhaftet. — Der „Tempö" erklärt die Behauptungen des „Standard", daß Frankreich zu einem Meinungsaustausch unter den Mächten bezüglich Egyptens die Initiative ergriffen habe, formell für unbegründet.
— Das „Journal des Debats" wendet sich gegen den Vorschlag der „Times", ein Protektorat Englands über Egypten zu begründen, und meint, eine französische Negierung, die sich .dem nicht widersetze, würde ihre Pflicht versäumen.
Paris, 10. April. Aus Sontay vom 9. d. Mts. wird gemeldet: General Briöre verließ Sontay am 8. d. Mts. in der Richtung aus Honghoa. General Negrier wird mit dem General Millot zugleich ausbrechen und am Damm des Rothen Fluffes entlang marschieren. Die Kolonnen Briöre's und Negrier's sollen den Schwarzen Fluß am 10. d. Mts. überschreiten.
England.
London, 10. April. Heute wurde hier von Detectivbeamten ein Fenier Namens Fitzgerald unter der Anschuldigung des HochverrathS verhaftet. Derselbe soll heute Abend nach Dublin gebracht werden.
Aegypten.
Kairo, 10. April. Die Differenzen zwischen Nubar Pascha und Clifford Lloyd sind nunmehr, wie es heißt, in besriedigender Weise beigeleg?. Beide würden auf ihren Posten verbleiben und würde Clifford Lloyd seine Thätigkeit auf die Funktionen eines UnterstaatSjecretärs beschränken und zwar als egypti- scher Beamter, nicht als englischer.
Meu.
Shanghai, 10. April. Die Kaiserin von China hat 5 Mitglieder des geheimen Raths, darunter den Prinzen Kung, wegen ihrer Politik in der Tongkmg - Angelegenheit öffentlich degradirt und aller ihrer Würden entsetzen lassen. •
Telegraphische Depeschen.
Wolst'S telegr. Eorvrspo«-em*Bareau.
Wien, 11. April. Die „Polit. Corresp." veröffentlicht einen Ministe- rial-Erlaß, durch welchen die Verordnung der niederösterreichischen Statthalterei, betr. die Vieheinfuhr aus Ungarn, aufgehoben wird, da dieselbe durch die beruhigenden Ausklärungen Ungarns in Betreff der Handhabung der Veterinärpolizei gegenstandslos geworden sei.
Paris, 11. April. Das „Journal ossiciel" veröffentlicht den Beschluß des Minister-Conseils, durch welchen die Verbreitung des in Gens erscheinenden Blattes „Explosion" verboten wird.
— In dem Kohlenbecken von Anzin sind gestern keine Ruhestörungen vorgekommen, doch dauert die Ausregung noch fort. Es fanden 17 Versammlungen an verschiedenen Orten statt, wobei überall aufreizende Reden gehalten wurden.
— Der Chemiker Dumas, Mitglied der Akademie, ist heute Morgm in Cannes gestorben.
Petersburg, 11. April. Die „Deutsche Petersb. Ztg." erwähnt ein Gerücht, wonach nach Wc Mündigkeits-Erklärung des Großfürsten-Thronfolgers zum Vorstande des Hofstaates desselben der Admiral Schestakow ausersehen sei.
Lokales.
Gießen, 12. April. sSitzung der Stadtverordneten vom 10. Aprils Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Baist, Gail, Georgi, vr. Gutfletsch, Hoch, Kauf, Lüdektng, Aug. Noll, Petri, Schopbach, Sim o n, Vogt und Wortmann. In voriger Sitzung wurde beschlössen, an König!. Directton der Main- Wefer-Bahn das zur Erweiterung dsr Bahnanlagen an der Ausgerinnschleuße benöthigte Gelände bis auf je 6 Mtr. Entfernung links und rechts von derselben abzutreten. Bei der hierauf vorgenommenen Besichtigung des Geländes unter Gegenwart der Vertreter der Stadt und der Bahn wurde das abzutretende Gelände näher bezeichnet und erfolgt nach der der heutigen Versammlung vorliegenden Skizze die Genehmigung zur Abgabe des Geländes zum Preise von 7 pr. Klafter. — Auf diesfalls gestellten Antrag soll dem Metzgermeister Löwenstein ausgegeben werden, seine Verkaufsbude auf dem Vtehmarktplatze weiter nach der Lahn hin zu versetzen, sowie den nördlichen Dheil dieser Bade ganz zu entfernen. — Bezüglich der Gesuche von I. Stetn's Wwe. und Jul. Rosenbaum wird beschlossen, denselben die Errichtung von Verkaufsständen an Marktagen gegen die übliche Abgabe zu gestatten, im Falle beabsichtigter Errichtung ständiger Buden dagegen festzusetzan, daß deren Erbauung nach Angabe der Stadtverordneten gegen Zahlung einer zu bestimmenden jährlichen Pachlsumme zu erfolgen habe. — DaS Gesuch des Emanuel Meyer aus Butzbach um Errichtung einer Verkaufsstelle für Kaffee an Markttagen wird nicht genehmigt. — Der hierauf zur Vorlage kommende Voranschlag Über Straßenbauarbeiten am Neustädter Thor, Um- Lnderung einer Gosse am Eingang znr Hammslraße wird genehmigt. — Das westliche ThorhauS am Wallthor betr. wurde s. Z. Augenschein genommen infolge eines in Anregung gebrachten Tauschvertrages mit Herrn Pöschel, welcher das gen. ThorhauS gegen Abgabe entsprechenden zum Straßenausbau nöthigen Geländes erwerben will. Die Versammlung lehnt indeß das Gesuch des Herrn Pöschel, die Straßenlinte um
1 Mtr. östlich zu verschieben, ab und soll demzufolge die Verpachtung des TborhauseS demnächst ausgeschrieben werden. — Auf ein Gesuch deS Bauunternehmers C. Koch um käufliche Ueberlasfung städtischen Geländes geht die Versammlung nicht ein. — In einer Eingabe der Bewohner der Ltndengasse werden die Unzuträgltchketten dargelegt- unter welchen diese Gasse durch den unter derselben hinziehenden Canal ,zu leiden hat. Da die Entfernung deS Canals indeß nicht thunltch, so wird auf Antrag beschlossen, Voranschlag über Legung eines CementrohrS einzufordern. — Das Gesuch deS Schreiner- meisterS I. L. Bernhardt um Bauerlanbnitz wird dem Anträge der Baudeputatton entsprechend, unter Festsetzung einer im Falle nicht etngehaltener Frist zur Erbauung deS Vorderbauses zu erlegenden Cautton genehmigt. — In einer früheren Sitzung wurde der Antrag gestellt, zwecks Erwerbung anderweitigen Geländes zur Erbauung eines Schlachthauses als daS ursprünglich vorgesehene, Erhebungen anzustellen. Uebcr die dieserhalb mit den Herren Aug. Noll 1L, Heinrich Schomb er unt> Caspar Sckomber eingeleiteten Verhandlungen wurde in heutiger Sitzung berichtet. Vor weiterem Verfolg dieser Angeleglnhe-t sollen jedoch erst Gutachten hiesiger Metzger eingefordert werden, inwieweit sie mit der Wahl des Platzes einverstanden sind.
Gießen, 13. April. In aller Kürze wird unsere Stadt ein Hotel ersten RangcS mehr aufzuwesten haben. ES ist dteS unser allbekannter beliebter Vergnügungsort „Wenzel's Garten", welcher von nun an auch öen Namen „HotelBelleoue" tragen wird. Die bis dato fertiggestellten unteren Räume zeugen von einer solchen pompösen Ausstattung und Pracht, daß ein jeder Gießener, wenn der glotze Saal, sowie die oberen Hotelräume nächstens auch nur annähernd im gleichen Style ausgeführt sind, auf dieses Etablissement, welches im Verhältniß zur Größe der Stadt so großartig dasteht, mit Stolz blicken kann.
Herr Wenzel errichtet ferner einen neuen großen Musikttmpll in Form einer Muschel und vergrößert den prachtvollen Concertplatz. welcher mit einer total neuen Gaseinrichtung ausgestaltet wird. Das Ganze beweist, daß keine Opfer und Mühen gespart worden find, um dem Publikum einen angenehmen Aufenthalt zu bieten unb gereicht dasselbe unserem tüchtigen Unternehmer zur Ehre. Möge der Erfolg ihm nicht fehlen! ~b- ...
Vermischtes.
Grüningen. Beider am 9. bis. hier stattgefundenen 2. DürgermeisterwahL wurde Herr Wilh. Gilbert III. mit 69 Stimmen gewählt. Der seitherige Bürgermeister erhielt 59 Stimmen.
Wien. Ein Fräulein ou5 Bukarest, Namens Anna Schidloff, das seit einigen Tagen bei ihren Verwandten zum Besuche weilt, promenirte mit einem bejahrten Herrn, ihrem Oheim, gegen 10 Uhr Vormittags auf dem Schillerplatze, als sie plötzlich von einem heftigen Zittern befallen wurde und den Angstruf ausstieß: „@ott! Ist denn auf einmal eine Sonnensinsternitz!" lieber die Ursache des Schreies befragt, erklärte sie, daß eS ihr plötzlich ganz schwarz vor den Augen geworden sei. Erst nach längeren Auseinandersetzungen erhielt die Dame die traurige Gewißheit, daß sie von einer plötzlichen Erblindung befallen worden <et. Die Diagnose lautete, daß bet der Unglücklichen der äußerst selten vorkommende Fall einer plötzlichen Lähmung der Sehnerven und demzufolge des ganzen Sehvermögens stottgefunden habe, doch sei die Hoffnung keineswegs ausgeschlossen, daß eS der Kunst gelingen dürfte, dieses Leiden wieder zu heben. ,
— Der Rechnung- - Abschluß der Lebensverficherungs- und Ersparniß - Bank m Stuttgart lieferte abermals recht günstige Ergebnisse. Die Prämten-tzinnahme hat sich von JL 6 676.569. auf X 7,204 894., die Jahres - Einnahme von 8,446,803. auf 9,143,372. und der Bankfonds von Jk 40,737,908. auf 44688 248. gehoben. Darunter figurirt die Prämten-Rrserve mit JL 35 529,389. und die Extra Reserve mit jt 8,536,127. Erstere hat eine Zunahme um JL 3,344,041. und letztere eine solche um Jk 763,802. erfahren. Als Verwaltungs-Aufwand wurden nur 4,97 pCt. der Jahres- Einnahme gebeaucht, während sich der Durchschnitt der Verwoltungskosten der deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaften auf 12,03 im Jahre 1882 berechnete, und als reinen Ueberschutz hat da« Jahr 1883 die Summe von JL 2 211,234. ergeben.
Im Jahre 1884 kommt der Ueberschuß auS 1879/80 mit JL 1,559,779. an die Versicherten zur Bertheilung und entfallen hiernach an die lebenslänglich Versicherten auf oeren Prämie 35 pCt. und an die alternativ oder abgekürzt Versicherten auf deren. TodeSfall-Prämie 35 pCt. und auf die alternative Zusotz-Plämie 17Vz pCt. — 40 bis 60 pCt. auf die TodeSfall-Prämie. Die Versicherten mtt steigender Dividende erhalten gegen vorige» Jahr eine Erhöhung um 3 pCt. D« die Tarif-Prämien ohnehin sehr niedrig bemessen sind, werden solche durch diese verhältnißmäßig hohe Dividende auf das möglichst niedrige Maß reducirt. m
Der VersicherungSstand der Bank umfaßt Ende 1883 44,690 Policen mit JL 206,683.200. Nächst Gotha ist sie die größte auf Gegenseitigkeit beruhende deutsche LebenSverstcherungs-Gtsellschaft, welche unbedingtes Vertramn verdient und genictzt.
Auszug aus bett Standesamtsregistern des Standesamts Gießen
Attfgetzote. m ,
April: 9. Kutscher Johannes Müller, Wittwer, mit Marie Helene Bott.geb. Leinweber, Wittwe des Bremsers Kaspar Bott zu Gießen. 9. Kellner Jacob Wilhelm Sandmeister mit Eva Katharine Steinacker, Tochter des Leinwebers Grorg Steinacker zu Gießen. 10. Kaufmann Karl Theodor Georg Ludwig Philipp Stieber mit Susanne Marie Elisadethe Knispel, Tochter deS verstorbenen Hofchirurgen Johann Jacob Friedrich Knispel zu Gießen. 10. Der Schlosser an der Matn-Weser-Bahn Reinhard Kern mir Katharine Knatz, Tochter des verstorbenen Zimmermanns Johann JustuS Knatz zu Marburg.
Eheschließungen. ,,
April: 5. Der Second-Lieuttnant im Jnsanterie'Regiment Nr. 99 Georg Seid zu Posen mit Sophie Mathilde Katharine Bramm, Tochter deS Großherzogttchen Bürgermeisters August Bramm zu Gießen. 9. Fuhrmann Philipp Gans mtt Anna Margarethe Keßler, Tochter des Landwirths JohasneS Keßler II. zu Gießen. 9. Der Stations-Assistent Konrad Ernst Schalch, WMwer, mit Anna Marie Wolihcr, Tochter deS verstorbenen Sandgivßers Johan« Kraft WaNher zu Gießen.
Geborene. n
März: 29. Dem Kaufmann Friedrich Schaaf eine Tochter. April: 2. Dem Maurer Balentm Karl Heidelbach eine Tochter, Elisabeth Anna Christine. 2 Dem Büchsenmacher Heinrich Engel II. ZwillingSsöhne', Friedrich Otto und Kart Wilhelm. 2. Dem Taglöhner Johannes Kreilmg X. ein Sohn, Karl. 2. Dem Taglohner Konrad Hänel von Offenbach a. M- eine Tochter, Marie. 4. De» Schreiner Heinrich Demuw em Sohn, Karl Mox. 4. Dem Schreiner Johannes Euler eis Sohn, Vbil'pp. Steinhauer Karl Hesel ein Sohn, Philipp. 5. Dem Taglöhner Friedrich Alt ein Sohn, Gustav. 5. Ein Sohn von auswärts. 5. Dem Weichensteller Ludwig Korbacher etn Sohn. 9. Dem Dachdrckermeifter Louis Schwalb ein Sohn. 9. Ein Sohn von aus- wätts, Richard August. 10. Eine Tochter von hi«. 10. Ein Sohn von au3n*ts; August.
Gestorbene.
April: 4. Taglöhner Adam Althaus, 36 Jahre alt. von Bodenhausen. 4. Estsa- bethe Wasserhuhn, 61 Jahre alt. 4. Der Königlich Preußische Landrsgeologe und Prlvatdocevt Dr. Friedrich Mösta, 47 Jahre alt, von Marburg. 5. Hermann Mox, 5 Monate alt, Sohn des Drehers Ernst Mo»S. 6. Philipp, 2 Tage alt, Sohn des Schreiners Johannes Euler. 8. Elisabethe Katharine Leichiweis, geb. Helm, 76 Jahre Wittwe des Mamers Johannes Leichtwris. 8. Hermine Drttmann, ged. Drommershausen, 43 Jahre alt, Ehefrau drS KÜserS Karl Dittman« von Wellburg. 9. Dorolhecr Fink, geb. Keßler, 55 Jcchre alt, Ehefrau des SteueraufsehrerS Ludwig Fink.
Im ersten Quartal 1884 kamen bei Großh. StandeSamte Wetzen z«r Anmeldung 56 Aufgebote und 26 Eheschließungen wurden vorgenommen.
Geboren wurden 149 Kinder (70 Knaben und 79 Mädchen). Davon stad 49 Knaben und 54 Mädchen ehelicher und 21 Knaben und 25 Mädchen uuehelichrr Geburt-
Todtgeboren wurden 8 Kinder (6 Knaben und 2 Mädchen).
Im Ganzen starben 111 Personen (60 männlichen und 51 weiblichen Geschlechts). Davon sind 72 Erwachsene und 39 Kinder.
Unter den Verstorbenen befinden sich 33 ortsfremde Personen.


