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26®. Mittwoch dm 12. November 188L

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Sch«kOr«ße 7. Erscheint tL-ttH tmt WettUfl#. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Wart M Ps.

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An die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.

Die auf Martinitag dieses Jahres fälligen Domanialgelder, als:

1) Landsiedel-, Lebens- und Zeitpächte der Oberförstereien Gießen, Schiffenberg, Lich und Treis a. d. Lda.;

2) Holz- und Grummetgrasgelder der Obersörstereien Schiffenberg und bezw. Gießen;

3) Beiträge zu den Forstdienerbesoldungen;

find bis zum 25. d. Mts. bei Meidung der Mahnung anher zu bezahlen.

Sie wollen Ihren Gemeindeangehörigen hiervon in geeigneter Weise Kenntniß geben.

Gieren, den 10. November 1884. Großherzogliches Rentamt Gießen.

verstummen. Nachdem die Cholera in Südfrankreich erloschen, tauchte fie plötz­lich im Norden des Landes, in der Umgegend von Rouen, auf, setzte dann nach dem Westen, nach Nantes, über, wo sie noch Opfer fordert und hat nun auch ihren Einzug in die Hauptstadt selbst gehalten. Bis Ende voriger Woche wurden in Paris etwa 40 Cholerafälle constatirt, von denen die Hälfte einen tätlichen Ausgang nahm. Die Polizei hat die Desinficirung sämmtlicher Häuser der Stadt angeordnet, auch soll zweimal täglich ein ofsicielles Bulletin ausgegeben werden. Ein am Donnerstag schleunigst zusammengetretener Ministerrath be­schäftigte sich mit den zu treffenden Gesundheits-Maßregeln und sind alle Vor­bereitungen getroffen, um einem Umsichgreifen der Epidemie entgegenzutreten. Die Aerzte drücken die Hoffnung aus, daß es gelingen werde, der Epidemie bald Herr zu werden, namentlich in Hinblick auf die eingetretene kältere Jahres­zeit und man kann nur aufrichtig wünschen, daß die Aerzte sich in dieser An­nahme nicht täuschen. Der Epidemieherd scheint in der Straße Saint Mar- guerite zu sein, in dem Quartier Saint Anton, wo die Bevölkerung unter ui^ünstigen sanitären Verhältnissen zusammengedrängt ist.

In England hat das unerwartete Himcheiden des dortigen General- Postmeisters Fawcett allseitig die größte Teilnahme hervorgerusen. Die Verdienste Fawcett'S um die Hebung und Vervollkommnung des englischen Post- wesens sind hervorragender Art und namentlich hat er in Bezug aus die technische Vervollkommnung und volkswirtschaftliche Nutzbarmachung des Post- wesens viel geleistet. In der Unterhaussitzung vom 6. November gab North- cote, der Führer der Conservativen, dem Bedauern über das Hinscheiden Faw­cett'S aus, wofür der Marquis v. Hartington dankte. Namens der irischen Partei sprach Justin Macarthy die Theilnahme derselben aus.

Die Pforte beginnt jetzt in der Angelegenheit der Orient­bahnen einzulenken. In Folge persönlicher Intervention des Sultans ist die der Eisenbahn-Gesellschaft für die Orientbahnen angedrohte Sequestration unter­blieben. Der Sultan hat der Pforte (Gesammt-Ministerium) den Auftrag ertheilt, mit der Eisenbahn-Gesellschaft von Neuem in Verhandlung zu treten. Diese Schwenkung der türkischen Regierung in der Orientbahnfrage dürfte wohl zum guten Theile auf eine von Oesterreich ausgeübte Pression zurückzu- sühren sein.

Die Nachrichten über den Ausfall der Wahlmänner-Wahlen in der nordamerikanischen Union lassen noch immer nicht erkennen, ob der demokratische oder der republikanische Präsidentschasts Candidat den Sieg davongetragen hat. Allerdings meldete eine New-Yorker Depesche, daß Cleoeland, der Candidat der demokratischen Partei, im ausschlaggebenden Staate New-Dark gegenüber seinem republikanischen Gegner Blaine eine Majorität von 1000 Stimmen erhalten habe, so daß Cleveland als gewählt anzusehen sei und hiermit stimmen biß Be­richte sämmtlicher republikanischer Journale überein. Dagegen bleibt die republi­kanischeTribüne" bei ihrer Behauptung, daß Blaine gewählt sei, und zwar habe er, und nicht Cleveland, in New-York eine Majorität von 1000 Stimmen erhalten; es müssen also noch weitere Meldungen abgewartet werden. Jeden­falls wird aber die Majorität, sei es für Blaine, sei es für Cleveland, nur eine sehr geringe sein.

Giessen.

Darmstadt, 9. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 1. November den Staatsminister i. P. Wirkl. Geheimenrath Julius Rinck Freiherrn v. Starck, den Ministerial-Präsidenten i. P. Wirkl. Geheimen­rath August Schleiermacher, sowie den Commerzienrath Stephan Karl Michel zu Mainz zu lebenslänglichen Mitgliedern der ersten Kammer der Stände zu ernennen. nYfv

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 29. October den Brückenwärter Johannes Heiles zu Offenbacy auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treugeleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. November d. Js. ab in den Ruhestand und

den Kreisbauaufseher bei dem Kreisbauamt Dieburg Hemrich Fischer in gleicher Diensteigenschaft an das Kreisbauamt Bensheim zu versetzen.

Darmstadt, 10. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: M ,

Am 31. Ottober den Hauptsteueramts-Assistenten 2. Klaffe bei dem Hauptsteueramte Mainz Leonhard Petry zum Steueramts-Controleur bei dem Steueramte Bensheim . in

den Finanzaspiranten Ludwig Seitz aus Nidda zum Hauptsteueramts- Assistenten 2. Klaffe bei dem Hauptsteueramte Mainz zu ernennen;

den Hauptsteueramts-Assistenten 1. Klasse bei dem Hauptsteueramte Offen-

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Politisch- U-b-rflcht.

GieHeu, 11. November.

Der Kaiser hat die Folgen seiner jüngsten Unfalles nahezu vollständig und jedenfalls soweit überwunden, daß die Aerzte ihm eine Ausfahrt am Freitag Nachmittag gestatten konnten. Auch das Allgemeinbefinden des greisen Monarchen wird als ein vortreffliches bezeichnet, wenngleich auch seine Stimmung durch die notwendig gewordene Abänderung des festgestellt gewesenen Jagd-Programmes eine leite Beeinträchtigung erfahren hat. Dem Aufenthalt bei der Gras Stol- berg'schen Familie in Wernigerode, den dortigen Jagden, sowie der am Freitag bei Springe stattgesundenen Hofjagd hatte der Kaiser mit besonderer Erwartung entgegengesehen.

Seit Donnerstag stehen rott mitten m der Aera der Stichwahlen, deren Ausfall man allseitig mit kaum geringerer Spannung entgegensieht, als Bem der Wahlen vom 28. October. Wie bei diesem, so scheint auch bei dem weiten Wahlgange der relative Ersolg der Socialdemokraten das hervor­stechendste Charakteristikum bilden zu wollen. Elberfeld, Frankfurt a. M., Offen­bach und die beiden Breslauer Wahlkreise haben sich bereits für die socialisti- ithen Candidaien entschieden und ohne Zweifel werden die weiteren Stichwahlen di- Zahl oer socialdemokratischen Mandate noch vermehren. Es find dies die Früchte des blinden Partei-Fanatismus und der gegenseitigen Verbitterung und erscheint leider noch sehr fraglich, ob die staatserhaltenden Parteien dis bitte« len Lehren der diesjährigen Reichstagswahl-Campagne für die Zukunft beher- siflpn werden. Weitere bis jetzt bekannte Stichwahl-Resultate sind: Darmstadt, wo der nationalliberale Ulrich, Mainz, wo Rackä (Zentrum) gewählt wurden, Hanau wo Hellwig (conservativ) seinen socialistischen Gegner Frohme schlug, der 9 württembergische Wahlkreis, wo Schwarz (deutschfreifinnig) gegen Burk« bard (nat -liberal) gewählt wurde; ferner der 2. Wahlkreis des Regierungs­bezirks Wiesbaden, in welchem Schenck (deutschfreisinnig) gewählt wurde. Weiter wurde in Mannheim - Schwetzingen der Demokrat Köpfer gegen den nationalliberalen Eckhard gewählt; in Alzey «Bmgm ist Bamberger (deutsch- freifinnia) gegen den nationalliberalen v. Schaub gewählt worden. In Köln sollen die Socialdemokraten geneigt fein, für den nationalliberalen Candidaien Len-ndecker gegen den Centrums-Candidaien einzutreten, da es heißt, daß in Hannover bei der Stichwahl zwischen dem Welfen Bruel und dem Social- Demokraten Meister dis Nationalliberalen für Letzteren stimmen wurden. Wir geben diese Nachricht unter aller Reserve wieder, da es uns nicht glaublich erscheinen will, daß man auf nationalliberaler Seite, wo inan doch stets gegen Stimmenschacher und Tauschgeschäfte bei den Wahlen geeifert hat, nun selbst ein solches entriren will. Jedenfalls würde aber alsdann die stolze Bemerkung derNationalllb. Correfp.", daß die Nationalliberalen auch °u« den Stichwahlen mit reinem Schild hervorgehen würden, eine eigenthumliche Illustration erhalten.

Der König von Sachsen empfing am Freitag den braunschweigischen Kammer-Nräsidenten v. Hantelmann zur Entgegennahme von Mittheilungen in der braÜnschroeigffchen Erbschasts-Angelegenhest. Wie bekannt ist König Albert von dem verstorbenen Herzog von Braunschweig zum Erben der Allodral- *TSSÄÄ....»«w.1 istu A auch die Entscheidung über die Bremer Zollanschluß-Angelegenheit ge- Men Der Bremische Bevollmächtigte hatte unter der Voraussetzung, daß der an Bremen zu zahlende Reichsbeitrag reichsgesetzlich genehmigt werde, beantragt, den AnMuß Bremens an das Zollgebiet zu beschließen. Dieser Antrag sand le ne Erledüiung durch die Annahme des von den Ausschüffen gestellten Antra- ne«,V die von den Ausschüffen für den Vollzug des ZollanschluffeS von Bremen vorgesehenen Modalitäten zu genehmigen. Doch soll dieser Beschluß erst nach reichsgesetzlicher Genehmigung des erwähnten Reichsbeitrages in Wirkiam- teit treten. Erklärungen, welche jüngst Graf Kalnoky im Subgeb Ausscbuffe über die auswärtigen Beziehungen Oesterreich-Ungarns abgegeben bat und die wegen ihrer Offenheit überall berechtigtes Aussehen erregt haben, f-nb in bemselben Ausschüsse Auseinandersetzungen bes ReichSfinanzmmlsters b Kalnokn über die Lage in den occupirten Provinzen gefolgt. Aus den Dar- stellungen des Herrn v. Kalnoky, welcher bekanntlich auch Minister sür Bosnien nnb hie Serz-aowina ist, erhellt, daß das Räuberunwesen aufgehort hat, daß das R krusirunasgeschä t glatt von Statten geht und daß Montenegro sich loval verhält Auch die wirthschaftlichen Verhältniffe bet occupirten Provinzen entwickeln sich nach den Darstellungen Kallay's in günstigster Wei ,

mie Ebolera ist in Paris! Dieser SchreckenSrus laßt m Frank- . aeich selbst die Erörterungen über den Streit mit China für den Augenblick |