ȀW
eosrsi
1SS4
Moitt Schulstraße 7.
Gießen, den 8. October 1884.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
(Sieben, 12. October.
lieber den Herbstaufenthalt des Kaisers in, Baden-Baden laufen fortgesetzt die befriedigendsten Nachrichten ein. Der greise Monarch hat sich in dem lieblichen Thale der OoS von den Anstrengungen der Manövertage und Festivitäten am Rhein rasch erholt und erfreut sich zur Zeit des allerbesten Wohlseins, lieber den Tag seiner Rückkehr nach Berlin sind endgiltrge Bestimmungen bis jetzt noch nicht getroffen, doch dürfte dieselbe gegen den 24. October zu erwarten sein, da der Kaiser, wie bekannt, am 21. d. Mts. erst noch an der Feier der Goldenen Hochzeit des Fürsten und der Fürstin von HohenzollerN in Sigmaringen Lheilzunehmen beabsichtigt. Zu letzterer werden großartige Vorbereitungen getroffen und wird das seltene Familienfest am Hofe von Sigmaringen einen glänzenden Kreis gefürsteter Gäste versammeln; u. A. erwartet man auch die sächsischen und die rumänischen Majestäten.
An eigentlichen „Ereignissen" macht sich in unserer inneren Politik schon seit längerer Zeit ein gewisser Mangel fühlbar. Indessen tritt dieser Mangel immer weiter zurück, je mehr wir uns dem Tag der Wahlen nähern und geben letztere ja hinreichend Stoff zu eingehenden Erörterungen. In dieser Woche herrschte jedoch die leidige Wahlsrage nicht ausschließlich vor, sondern auch andere Angelegenheiten beschäftigten die öffentliche Diskussion. Bemerkenswerth sind die Dementis, welche die „Rordd. Allg. Ztg." den bezüglich verschre- dener schwebender Tagesfragen im Umlaufe befindlichen Gerüchten zu Theu werden läßt und aus denen zu entnehmen ist, daß in den Conserenzen des Reichskanzlers in Friedrichsruhe mit den Vertretern überseeischer Unternehmungen keine bestimmten Beschlüsse gefaßt worden sind, daß in den kirchenpolttrschen An- aeleaenheiten trotz des Wiedereintreffens des Herrn v. Schlözer aus seinem römischen Posten noch Alles auf dem alten Fleck steht und daß im drplomatr- schen Dienst keinerlei Veränderungen zu erwarten sind. Endlich präcisrrt das ossiciöse Blatt auch die den preußischen Staatsrath zunächst erwartenden Auf- gaben, als welche es die Begutachtung der Dampfer-Subvention, die Erweiterung der Unfallversicherung und die Einführung des Postsparkaffen-Systems tm ganzen Reich bezeichnet. ., r
Aus Sybillenort in Schlesien kommt bie Nachricht von der Erkrankung des dort weilenden Herzogs von Braunschweig; das hohe Alter des Herzogs läßt seine Erkrankung als nicht unbedenklich erscheinen.
Die Hochwild-Jagden, welche der österreichische. Kaiser zu Ehren seiner hohen Gäste, des Königs Albert von Sachsen, des Prinzen Wilhelm von Preußen und des Prinzen Leopold von Bayern, in der Steiermark veranstaltet hatte, haben in dieser Woche, und zwar am Donnerstag, ihr Ende erreicht. König Albert ist bereits am Freitag von Wien nach Dresden zurückgereist, während Prinz Wilhelm erst am Samstag Abend die Rückreise nach Berlin anzutreten beabsichtigte, da er zuvor noch Kronprinz Rudolf und dessen Gemahlin zu begrüßen wünschte. 2fL ,,
$ er aus Ostasien auf’s Neue herüberdnngende „Schlachtenlarm beweist, daß der französisch-chinesische Conflict vorläufig noch immer seine kriegerische Seite herauskehrt. Auch jetzt documentirt sich wieder die Ueberlegen- heit der französischen Waffen. Dank den letzten Erfolgen des Admirals Courbet weht jetzt die französische Tncolore aus der Insel Formosa, während gleichzeitig das Expeditions-Corps des Generals Briöre in Tongking den Chinesen eme empfindliche Niederlage beigebracht hat. Eine 600 Mann starke französische Abtheilung hat, unterstützt von 3 Kanonenbooten, die Chinesen am Flusse Loch- nan vollständig geschlagen. Die Franzosen, welche im Ganzen 24 Mann verloren, setzten hierauf ihren Vormarsch fort. In welchem Smne diese neueste Niederlage die Machthaber in Peking beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Was
§ 2.
Bereits bestehende Magazine und Anstalten der fraglichen Art, welche nicht wenigstens 300 Meter von bewohnten Stadttheilen entfernt sind, dürfen nicht erweitert werden.
§ 3.
Personen, welche mit Lumpen handeln (Lumpenhändler), oder dieselben rum Zwecke des Handels sammeln (Lumpensammler) sind verpflichtet, die Räume, in welchen sie die Lumpen aufbewahren, binnen 10 Tagen nach dem Inkrafttreten dieser Verordnung oder nach Ingebrauchnahme der Räume zu dem gedachten Zwecke der unterzeichneten Behörde namhaft zu machen, sofern dies nicht schon früher geschehen ist.
Auf Grund des Art. 56 der Städteordnung und nach Anhörung Ministeriums des Innern und der Justiz vom 24. September 1884 zu Nr. M- § L
Lumpenmagazine und Anstalten zum Lumpensortiren, bezw. Lumpenzerkleinerung dürfen künftig nur in einer Entfernung von mindestens 300 Meter von bewohnten Stadttheilen angelegt werden.
Das Mitnehmen von Lumpen in Wohnräume behufs des Sortirens, sowie die Aufbewahrung von Lumpen in bewohnten Räumen ist verboten.
§ 5.
Die Lager- und Sortirräume für Lumpen müssen trocken und dem Luftzug ausgesetzt sein.
8 6.
Das Sortiren und Einpacken der Lumpen darf, wo hierzu nicht besondere Sortirräume bestehen, nur in den Lagerräumen oder auf geschlossenen Höfen vorgenommen werden. § ?
Übertretungen der vorstehenden Bestimmungen werden.mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Hast tritt, neben Entfernung der betreffenden Anlagen (s. § 1 und 2 dieses Reglements) durch polizeiliche Zwangsmaßregeln bestraft.
Nr. 239 Zweites Blatt. Sonntag den 12. October
. f Prei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Erscheint tögttH mtt Ausnahme W« Montag-. Aurch bie Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Sonft die französischen Angelegenheiten anbelangt, so ist aus dieser Woche nicht viel Bemerkenswerthes zu berichten. In Paris haben größere Straßen-Exceffs stattgefunven, welche gegen die Kirche von St. Nicolas des Champs gerichtet waren und auf eine bedenkliche Verwilderung des moralischen Sinnes gewisser Volksschichten schließen lassen. Die Explosion einer Dpnamit-Bombe m einer Lyoner Gensd'armerie-Kaserne beweist aus's Neue das bedenkliche treiben der in der zweiten Stadt Frankreichs hausenden revolutionären Elemente. Mit der auswärtigen Politik stehen nur zwei Meldungen in losem Zusammenhänge: das angekündigte Erscheinen eines Gelbbuches über die westafrikanischen Angelegenheiten und ein Dementi der dem Marineminister Peyron zugeschnebenen
In der inneren englischen Politik trat tn dieser Woche kem bedeutenderes Ereigniß hervor. Trotzdem herrscht aus diesem Gebiete Angesichts der bevorstehenden neuen Session des Parlaments eine lebhafte Bewegung, in welcher die Wahlreform-Frage die Hauptrolle spielt. Aus konservativer wie auf liberaler Seite erwägt man einen Compromiß, durch welchen dem Ober- Hause die Zustimmung zur Wahlresorm ermöglicht werden soll. Den Brennpunkt der auswärtigen englischen Politik bilden natürlich noch immer die egyp- tischen Angelegenheiten. Das Londoner Cabinet sieht sich jetzt nach einem Auswege aus der egyptischen Sackgasse um, in die es durch seinen Hmanzcoup gerathen ist. Als solcher soll wahrscheinlich das Rundschreiben dienen, welches Lord Granville an die Mächte richten will — nach einer neuern Version ist das Rundschreiben bereits erlassen worden — und in welchem angeblich dem Wunsche Englands, in Egypten nur in Gemeinschaft mit den Mächten vorgehen zu wollen, Ausdruck verliehen wird. , A
Die Cholera dictirt dem osficiösen italienischen Telegraph noch immer langathmige Berichte. Glücklicherweise lassen dieselben erkennen, daß die furchtbare Seuche auf der ganzen apenninischen Halbinsel im entschiedenen Abnehmen begriffen ist, sogar im bisherigen Hauptfeuchenherd, m Neapel, kamen in der Zeit vom 6. d. M., Mitternacht, bis zum i. d. M., Mitternacht, nur noch 4 Cholera-Todesfälle vor. Der um Spezzm gezogene Santtats- Cordon ist wieder aufgehoben worden. m ,
In Belgien platzen die Gegensätze innerhalb der lcheralen Partei aus- einander. In Brüssel kam es am Dienstag Abend nach Schluß einer liberalen Versammlung anläßlich der Wahl von Candidaten für die bevorstehenoen Lom- munalwahlen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Führern der radt- calen und gemäßigten Liberalen. Die letzteren furchten, daß Arbeiter- Candidaturen, wie sie von radicaler Seite geplant werden, den Elericalen auch bei den Cummunalwahlen zum Siege verhelfen könnten.
Der 9 October war ein bedeutungsvolles Datum, denn an jenem Tage wurde vor zehn Jahren zu Bern von den Postverwaltungen Europas der^Vereinigten Staaten und Egyptens der erste Postvertrag unterzeichnet. Der Weltpostverein konnte somit am Donnerstag fern ZehMhnges Jubiläum feiern und in diesen zehn Jahren hat diese außerordentliche Schöpfung hinreichende Beweise ihrer eminenten Lebensfähigkeit gegeben. „
Die Freude der Engländer über die Erzolge Gordon s ist durch die Trauerkunde von der Ermordung des Obersten Stewart, des treuen Waffengefährten Gordon's, durch verrätherische Araber, arg getrübt worden. Vielleicht dient aber diese Hiobspost dazu, den Abgang der Sudan^
Expedition zu beschleunigen, welche zur Zeit in Wadyhalfa und Assuan zu sammengezogen wird. Die Nachricht, daß zugleich mit Stewart.auch e französische Consul in Khartum, Herbin, ermordet worden sei, hat sich indessen bis jetzt noch nicht bestätigt.
Local-Reglement.
ff: Die Anlage von Lumpcnmagazinen und Anstalten für Lumpensortiren, bezw. Lumpenzerkleinerung, sowie den Handel mit Lumpen.
" ~ der Stadtverordnetenversammlung wird mit Genehmigung Großherzoglichew
I. 22835 für den Bezirk der Stadt Gießen verordnet was folgt:
Mota? i,b'" ' W® Verdienste
— 6697
Hgtn Platze eit
<*tions.
chäft
: mii beit Samen in uwchen, oon bet 'E den feinste». Em, in ber M schneller und billiger
Achtungsvoll a Meister, bergechaße 30.
*
-tolj
#36,
3
'Wttp
Anlegen. ' *ln b’r
vaaren
■t Mode umgeänbert. i)it alle in dieses Fach iten werden dchens
^retzschmar,
Mer, SeUerswcz 41,
in
altS •
KÜbttt Stloffer, perfect« ©rejet i ton bet whieiihiilte tn Wetzlar. ^
-Theater.
112. rktober 1884, mg 7*/i Uhr.
[ci juM|0‘
ober
Bildern
Snirried-
lnsport »£« mit u- ohne Umladung, । von Glas, Porzellan iUigst unter Garantie Ph. Müller, ieften, Löwengassi


