Ausgabe 
12.1.1884
 
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1884

Samstag den 12. Januar

Nr. io

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Burea«r Schulstraße 7.

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Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

Politische Ueberficht.

Gießen, 11. Januar.

Dem Kaiser ist, wie herkömmlich, anläßlich des Jahreswechsels ein Glückwunsch-Schreiben Seitens der beiden Berliner städtischen Collegien zuge­gangen. Die Antwort besonders, welche der Kaiser dem Schreiben des Magi­strats hat zugehen lassen, erscheint bemerkenswerth, da aus ihr die hohe Zuversicht des greisen Monarchen auf die fernere Erhaltung des Friedens her- vorleuchtet. Nachdem in der kaiserlichen Antwort an die Einweihung des Niederwald-Denkmals und an das Luther-Jubiläum erinnert worden ist, heißt es in dem betr. Schreiben wörtlicheZur größten Befriedigung gereicht es Mir, daß der Jahreswechsel sich unter Verhältnissen vollzogen hat, welche die Hoffnung auf eine ruhige und ungetrübte Zeit begründen, und Ich lebe der Zuversicht, daß unter dem gesegneten Schutze des Friedens, dessen Erhaltung durch den persönlichen Verkehr mit den befreundeten Fürsten eine neue Bürg- schäft erhielt, die Nation auch ferner einer gedeihlichen Entwickelung entgegen­geht." Diese Worte, aus dem Munde des mächtigsten Monarchen Europas, bieten eine sichere Garantie für die Fortdauer der allgemeinen friedlichen Ver- hältniffe im neu begonnenen Jahre und werden darum überall da, wo man aufrichtig die Erhaltung des Völkerfriedens Europas wünscht, mit Genugthuung begrüßt «erden.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat am Dienstag ferne durch die Weihnachtspause unterbrochenen Arbeiten wieder ausgenommen. Die Berathungen am genannten Tage boten wenig allgemeines Jntereffe dar und betrafen lediglich verschiedene Etatstheile. Es wurden ohne wesentliche Debatte die Budgets der Verwaltung der directen und derjenigen der indirecten Steuern, die Einnahmen aus den Reichssteuern und schließlich der ganze Etat der allge­meinen Finanzverwaltung genehmigt. In der nächstfolgenden Sitzung am Mitt­woch sollte ursprünglich die Berathung des vielgenannten Centrumsantrages auf Wiederherstellung der drei aufgehobenen Versaffungs-Paragraphen stattfinden; da indeffen das Centrum beschloffen hat, den Antrag erst am 16. Januar auf die Tagesordnung setzen zu lassen, so beschäftigte sich das Haus am Mittwoch mit der zweiten Berathung der Eisenbahn-VerstaatlichungS-Vorlage.

Die Grundzüge des neuen Unfallversicherungs-Gesetzes sind jetzt bekannt gegeben worden. Wer nicht ein blindwüthiger Gegner der Socialpolitik des Fürsten Bismarck ist, wird sich gestehen müssen, daß diese Grundlage sich durchaus als Boden für die Verständigung zwischen Bundesrath und Reichstag eignet und daß darum die Chancen der Annahme der neuen Vorlage im Reichstage günstigere sind, als im vorigen Jahre. Als Kernpunkt des neuen Gesetzes kann man wohl die Einsührung der Berufsgenossenschaften der Unternehmer mit obligatorischem Beitritt bezeichnen, diese erscheinen als die ' Hauptträger der Versicherungspflicht, der Zankapfel des Reichszuschuffes ist ganz weggelaffen worden. Die Garantiepflicht des Reiches tritt nur ein, wenn eine Genossenschaft leistungsunsähig wird; ganz neu ist die Einsetzung des Reichs­

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Versicherungsamtes. Die Arbeiter haben keinerlei Beitrag zur Unfallversicherung zu leisten; die Auszahlung der Entschädigungen soll durch die Post erfolgen, welche den Genossenschaften die auszuzahlenden Entschädigungs-Beträge vor­schießt. Heber die Betheiligung der Arbeitnehmer an der Untersuchung der einzelnen Unfälle, an der Feststellung der Entschädigungen und an dem Erlaffe der Vorschriften behufs der Unfallverhütung sind die genauesten Bestimmungen getroffen, überall ist das Bestreben zu bemerken, den Betheiligten, und in erster Linie den Arbeitnehmern, jede durch ihre Interessen gebotene Mitwirkung zu sichern und so darf man wohl hoffen, daß sich die neue Unfallversicherungs- Vorlage die Sympathie aller billigdenkenden Arbeiter erwerben werde.

Bei der in Göttingen stattgesundenen Reichstagsnach- wahl siegte Rittergutsbesitzer Goetz von Ohlenhusen (Welse) mit geringer Majorität über Commerzienrath Rabbethge (nat.-lib.). Die nutaufgestellten Candidaten der Fortschrittspartei und der Socialdemokratie erhielten nur wenig Stimmen.

Die Leiche Eduard Lasker's soll provisorisch in New-Dork beige­setzt und erst später nach Deutschland übergeführt werden.

Mit immer wachsender Spannung blicken die politischen Kreise Oesterreichs auf die im ungarischen Oberhause bevorstehende Endabstimmung über da« Mischehen-Gesetz, bei welcher sich um Sieg oder Niederlage des Ministeriums Tisza gegenüber der ungarischen Adelspartei handelt. Der Wahl­prüfungsausschuß des ungarischen Oberhauses ist vollauf nut Wahlprufungen beschäftigt, da natürlich die Regierungspartei wie die Opposition ihre Reihen au dem entscheidenden Tage möglichst geschlossen in's Treffen fuhren null. Am Montag erklärte der Veriftcationsausschuß 60 EmberusungSgesuche sur gult^, darunter eine Anzahl Gesuche österreichischer Kavaliere, welche das ungarische Jndigeuat besitzen. Man wird also das seltsame Schauspiel erleben, daß em Dutzend oder mehr österreichische Kavaliere nach dem Pesther Oberhause wall­fahrten, um ihre Stimmen in der Mischehen-Frage abzugeben was man bis jetzt eigentlich nicht erwartet hatte, so daß der ungarische Mfichehen-Strert durch die Betheiligung der österreichischen Adeligen eine gewisse Pikanterie gewinnt hat am Dienstag die neue Kammersession unter ziem­

lich günstigen Auspicien für das Ministerium Ferry begonnen. In Tongkuig kann daffelbe wesentliche militärische und diplomatische Erfolge verzeichnen, vor Allem den Sieg von Sontay und die Anerkennung des Vertrags von Huo Seitens des neuen Königs von Anam und auch in ben fragen ber tnnern Politik, welche allerdings in der vergangenen Session nicht sonderlich hervor- traten, hat sich das gegenwärtige französische Cabinet die Radikalen und Mo­narchisten vom Leibe zu halten gewußt. Die Wiederwahl des Gambettlsten Briffon zum Kammerpräsidenten mit 224 von 298 abgegebenen Stimmen kann. Herr Ferry gleichfalls in seinem Cabinet günstig auslegen, da daffelbe >a Gambettistisch gefärbt ist. Unter solchen Umständen ist es begreiflich, wenn die

Betreff: Beschwerde mehrerer Grundbesitzer wegen Beschädigung ihrer Wiesen in der Lichtenau.

Es wird hiermit zur allgemeinen öffentlichen Kenntniß gebracht, daß ein Weg über die in der Wenau längs ber Maln-Weftr-Bahn gelegenen bem Balthasar Schmidt, Georg Forbach, Heinrich Speyer, säurmtlich von WlSmar, gehörigen Wiesen nicht existrrt und das Gehen, Reiten oder wahren über diese Wiese verboten ist. r _ L . f v-,

Huwiderh andlungen werden gemäß § 368, pos. 9 des Reichs-Strafgesetzes zur Anzeige und Bestrafung gebracht.

Gießen, den 9. Januar 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius. _________

Zeigen.

Betreffend: Ausführung der allgemeinen Bauordnung. Gießen, am 9. Januar 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großberzoalicken Bürgermeistereien des Kreises (mit Ausnahme von Gießen).

Nachdem sich im abgelaufenen Jahre bei Erledigung von Baugesuchen durch Ausftihrung der neuen Bestimmungen der ^gemeinen Bauordnung und insbesondere wegen der vielfach erforderlichen ordnungsmäßigen Feststellung von Baufluchten für die Baulustigen mehrfach lästige Verzögerungen ergeben haben, empfehlen wir Ihnen, im laufenden Jahre auf eine möglichst frühzeitige Vorlage der in Aussicht stehenden Bauprozecte hinzuwirken. u «*....«*

v J ör. Boekmann.

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Bekanntmachung.

3n Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen fiir die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat December 1883 veröffentlicht:

' Hafer 15.60, Heu JL 7.-, Stroh 6.- per 100 Kilogramm.

Gießen, den 10. Januar 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

vr. Boekmann.

Bekanntmachung.

Abgesehen von dringenden Fällen, und selbstverständlich von Vorladungen, sind die Amtsrichter nur Mittwoch» zu sprechen - Anträge.bet unseren G-richtSschreibereien können Mittwoch» und Samstag», Vnnnittags zwischen 10 und 12 Uhr, an den übrigen Wochentagen Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr gestellt werden.

Gießen, am 5. Januar 1884. Großherzogliches Amtsgericht Großen.

Langsdorfs.

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