Ausgabe 
11.11.1884
 
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Bekanntlich sind die Gelehrten ja nicht darüber einig, ob Friedrich von Schiller, unser Diättsrheros, am 10. oder 11. November im Jahre dcs Heils 1759 das Licht dec Welt erblickt hat. Dir Thester-Direction hat sich nun der zweiten Annahme:- schlossen und begeht diesen Festtag durch eine Fett-Vorstellung, in der auch der Kapelle unseres 116. Infanterie-Regiments, unter persönlicher Leitung des Herrn Kapellmeisters Krauße. ein größerer Theil künstlerischen Mitwirkens zufSllt. Zur Aufführung gelangt:Kabale und Siebe", worin ein Gatt, Fräulein Adele Belgarv, die Rolle der Luise spielen wird. Auf diese Vorstellung wird, wie wir hören, besonderer Fleiß verwendet und wird der Reiz derselben erhöht durch neue Decoratlonen, die an diesem Abend zum ersten Male daS Licht des Gases erblicken sollen. Die Dekorationen sind auS dem rühmlichst bekannten Atelier des Herrn Paul Eberlein in Franko furt a. M. und sollen dieselben einen überraschend schönen Anblick gewähren. Zum Schluß wird sich der Vorhang noch einmal heben, um unS unter den Klängen der Musik ein bengalisch beleuchtetes Tableau zu zeigen, das von Herrn Director Herrmann arrangirt, dem Ganzen jedenfalls einen würdigen feierlich erhebenden Abschluß verleihen wird.

maßregeln getroffen, denn die gesammte verfügbare Mannschaft war aufgeboten worden. Die Polizei wurde aber der Tausende, die sich in den Straßen angesammelt hatten, n cht Herr und mußte schließlich die Waffen ziehen; besonders war es dem energischen Vorgehen deS Herrn Polizei-Jnspectors PretoriuS zu verdanken, daß der Sturm, so gut eS eben ging, beschwichtigt wurde. Die Polizei allein blieb aber machtlos und so mußte schließlich eine Abtheilung des 117. Jnfanterie-Regiments und die Gendarmerie rcquirirt werden, um die Straßen zu säubern. Der südöstliche Theil unserer Stadt befand sich in Folge dieser Vorgänge in hochgradiger Aufregung und bis um 4 Uhr des Morgens durchstreiften Polizei und Militärpatrouillen die Straßen der Stadt. Im Laufe des gestrigen Abends und der Nacht wurden 11 Personen, theilS wegen Aufruhr, theils wegen groben UnfugS verhaftet. Herr Prooinzialdirector Küchler erschien selbst iu der Nacht in den Straßen, um sich von dem Thatbestand zu über­zeugen und, wenn nothwendig, Maßregeln zu treffen.

Eine h.itere Wahlgeschichte wird auS LudwigSdorf bei Görlitz erzählt. Kommt da während des Wahlkampfes ein Mann eilenden Laufes die Landstraße her auf das Wahllocal zu, um daselbst sein höchstes politisches Recht auszuüben. Vor dem Local steht der Ortsvorsteher, welcher Stimmzettel veriheilt wie daS Gemeinde- Oberhaupt zu dieser Beschäftigung kommt und welche Namen die Stimmzettel ent« hielten, w.ssen wir nicht und drückt dem vorbeieilenden Landmann gleichfalls einen btrarttgen Zettel in die Hand, welchen derselbe nimmt und auch richtig abgibt. Nach erfüllter Wahlpflicht wurde der betreffende Wähler, auS dem Wahllocale herauStretend, von einem Bekannten gefragt, wen er eigentlich gewählt habe.DoaS weeß 'ch doch ni", entgegnete derselbe treuherzig,'s ja geheeme Woahl".

Ein merkwürdiger und zugleich sehr gefährlicher Streik steht der Stadt Paris bevor, eine Art innerer Belagerung. Der französische Handelsminister hat nämlich den Pariser Bäckern mit dem Hinweis auf die billigen Getteidepretse erklärt, wenn sie den Preis des BrodeS nicht herabsetzten, er am 6. dS. die Brodtoxe wieder einführen werde. Daraufhin beschlossen die Bäcker in einer 1800 Genossen starken Versammlung fast einstimmig, lieber den Betrieb einstellen zu wollen alS der Auf­forderung des Handelsministers Folge zu leisten.

sVacante Stellen für Mtlitäranwärter tm Bereiche deS 11. Armee-Corps.j Ort der Stationirung wird bei der Einberufung bestimmt; Bezirk des König!. Eisen- bahn-BetriebsamtS zu Wiesbaden, 18 Stationsaspiranten für den StationS- und Expedittonsdienst, anfänglich je 75 JL monatlich, steigend. Allstedt (Großherzogthum Sachsen), Postamt, Landbriefträger, 450 JL Gehalt und 60 JL WohnvngSgeldzuschuß. Frankfurt a. M, Postamt, Landbriefträger, 600 X Gehalt und 60 JL WohnungSgeld- zuschuß jährlich. Plettenberg, Postamt, Landbriefträger, 600 Gehalt und 60 JL WohnungSgelbzuschuß jährlich. Ziegenhain, König!. Strafanstalt, HilfSaufseher, 75 JL monatlich Remuneration, steigend. Daselbst, HilfSaufseher, 2,50 «X Diäten täglich.

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d. Gießen, 10. November.

Der glänzende Empfehlungsbrief, mit dem die Berliner Kritiker, u. A- auch Oscar Blumenthal, dieLachtaube" Jacobsons in die weite Welt fliegen ließen, beruht, zum Theil wenigstens, auf einer wohlwollenden Ueberschätzung.

Gewiß hält sich die Posse von unsinnigen Uebertreibungen fern, aber der originelle",geniale" unddrastische" Witz ist doch auch nur recht spärlich vertreten, und gar manche jener sogenannten Glavzltchter deS Dialogs sehr r genau so aus, als ob sie aus der Rumpelkammer derFliegenden Blätter" heraufgeholt wären; daß auch Neues und Gutes darunter ist, soll nicht bezweifelt werden.

WaS die Musik anlangt, so müssen wir dem Componisten daS zweifelhafte Lob ertheilen, daß er mit seinen eigenen Ideen etwas allzu bescheiden hinter dem Berge hält und in edler Selbstverleugnung die Gedanken anderer Meister dem Staube der Ver­gessenheit entzieht.

Wir wissen recht wohl, daß zwischen den Theatern und Darstellern von Berlin und selbigen in Gießen ein Unterschied besteht; aber die übertriebene Reclame pries eben nur Dichtung und Musik und was eben diese anlangt, so wird sich der alte Randulf sein:Ich habe noch nie so gelacht" doch für eine bessere Gelegenheit aufheben.

Von dm Darstellern erwähnm wir alS recht gut Fräulein Sommer (Lach­taube) und Herrn Voigt (Lehmkuhl), der wiederum mit lebhaftm Applaus empfangen wurde; gut waren ferner die Herren Hendrich (Rämig), Herrmann (Kipferling) und Halm (Maler Temme).

Das Haus war bis auf den letzten Platz besetzt; daS Ganze wurde recht Bei« fällig ausgenommen, besonder« wurden die Lieder von Fräulein Sommer und Herrn Voigt lebhaft applaudirt; doch war von einem zündenden Erfolge wenig zu merken.

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Dienstag den 11. November: Zum ersten Male wiederholt: Trompeter von SSckingen.

Mittwoch den 12. November: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Die Braut von Messina. (Isabella: Frau Charlotte Lange alS Gast.) Außer Abonnement- Donnerstag den 13. November: Carmen.

Freitag den 14. November geschloffen.

SamStag den 15. November: Fidelio.

Sonntag den 16. November: Trompeter von SSckingen.

Schauspielhaus.

Dienstag den 11. November: Die große Glocke.

Mittwoch den 12. November: Die Entführung aus dem Serail.

Donnerstag dm 13. November geschlossen.

Freitag den 14. November: Die Rantzau.

Samstag den 15. November: Die große Glocke.

Sonntag den 16. November: Krieg im Frieden.

Montag den 17. November: Die große Glocke.

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Grünberg, 8. November. (Fruchtpreise.) Weizen JL 16.80, Korn JL 1620, Gerste 14.50, Hafer JL 13.00, Erbsen JL 16.10, Linsen JL 00.00, Lein X 26.00, Samen 23.00, Kartoffeln JL 3.00, Wicken 0.00.

Frankfurt, 8. November. Auf dem heutigm Markt kostete der Centner Heu JL 2.503.30, Stroh JL 2.002.30, Eier das Hundert JL 5406.00, Butter 1. Qualität JL 1.10, 2. Qualität JL 1.20, Kartoffeln per Centner JL 1.501.75, Kohlrabi 3-4 H pr. St-, Erbsen 100 Ka. 22.0030.00 <^L, Rothkraut pr. St. 1530 A. Poularden 00, Huhn«^L 1.002.00, 1 Ente JA 2.002.70, 1 Taube 4060 K Hahn 1.902.00, Gans JL 47.00, Welsche JL 5.00-8.00

Derfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinter­läßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen dieSchußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert) und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seiden-Fabrik- D6pot von 6. Henneberg (Königl. Hoflieferant) in Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke zollfrei in's Haus, ohne Zollberechnung. Ein Brief nach der Schweiz kostet 20 H Porto. 673o

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