2S8. Samstag den 11. October M8L
iehcner Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Hheil.
Bekanntmachung.
Droschkenbesitzer Heinrich Huhn hat unter dem Heutigen die Erlaubniß erhalten, der seither in Betrieb gestellten Droschke statt der Nummer 6 die Nummer 1 zu geben und eine weitere Droschke mit der Nummer 2 in Dienst zu stellen.
Gießen, den 8. October 1884. Großherzogliches Polrzeiamt Greßen.
Fresenius.______________________________
zwischen 3 und 5 Uhr gestellt werden. Gießen, den 4. October 1884.
Großherzogliches Amtsgericht Gießen.
Langsdorfs.
Bekanntmachung.
Abgesehen von dringenden Fällen und selbstverständlich von Vorladungen stnd die Amtsrichter nur Mittwochs zu sprechen. Anträge bei unseren Gerichts schreibereien können Mittwoch» und Saw»tag» Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, an den übrigen Wochentagen Nachmittags
gez. Augusta.
Berlin, 9. October. Der hiesigen Stadtverordneten - Versammlung ist auf ihre an Ihre Maj. die Kaiserin gerichtete GeburtStagS-Glückwunsch-Adresse folgendes Allerhöchste Antwortschreiben zugegangen: „Die Zuschrift der Stadt- verordneten an Meinem Geburtstage beantworte Ich mit herzlichem Dank. Ich erkenne darin den Beweis der ausrichtigen Thellnahme für Alles, was Mich betrifft und es ist Mir wohlthuend, daraus zu ersehen, daß sowohl Meine durch Gottes Hülfe ermöglichte Betheiligung an den Kaisertagen in Westfalen und Rheinland, wie die jüngst kundgegebene Thätigkeit der Vereine vom Rothen Kreuz in Genf auch in fernen Kreisen als Eindrücke empfunden werden, die Mein Herz freudig bewegen. Das neue Lebensjahr beginne Ich wie immer mit der Versicherung warmen Antheils an Allem, was die Wohlfahrt der Hauptstadt und ihrer für dieselbe thätigen Vertreter betrifft.
Baden-Baden, 2. October 1884.
Telegraphische Depesche«.
Wolff'» tslegr. Lorresporrdeirr-Bvitsa«.
Die deutsche Kolonie Kamerun*).
In südlicher und südwestlicher Richtung, daS säst ausschließlich mit Urwald bedeckte Land durchbrechend, münden in den Golf von Guinea, da wo die herrliche Insel Fernando Po aus den blauen Fluthen des Atlantik sich erhebt, zwei Flüsse, der
*) Wir verdanken diesen fesselnden Aufsatz der Güte des Herrn vr. Anton Neichenow, welcher Kamerun aus. eigenem achtjährigen Aufenthalte auf das Ge- riaueste htmt.
Hamburg, 9. October. Den „Hamb. Nachr." geht aus Friedrichsruh die Mittheilung zu, daß bei dem gestrigen Diner Fürst Bismarck die in letzter Zeit durch die Preffe gegangenen Gerüchte, betr. Differenzen zwischen ihm und dem gegenwärtig als Gast in Friedrichsruh weilenden Botschafter, Grasen Münster, unzweideutig widerlegt habe.
Braunschweig, 9. October. Nach bis heute Abend eingegangenen Nachrichten war eine Besserung in dem Befinden des Herzogs nicht eingetreten.
Olmütz, 9. October. Gestern Nachmittag fand im Emma-Schachte des Bergwerkes in Polnisch-Ostrau eine Explosion schlagender Wetter statt, wodurch etwa 20 Bergarbeiter gelobtet, andere verletzt wurden. Die Zahl der letzteren ist nocö nicht sestgestellt.
Prag. 9. October. Der heute im Landtage vertherlte Antrag der Commission zur Berathung der Zuckerfrage verlangt Erleichterung bezüglich der Entrichtung der Nübensteuer, sowie directe oder indirecte Unterstützung der Zuckerfabriken Seitens der Regierung während der Krisis durch Beleihung der Waare oder Warrants. Die vom Abgeordnetenhause angeregte Enquete-Commission solle unverzüglich einberufen werden, um über die Sanirung der Zucker- Industrie zu berathen, die Regierung solle womöglich Vereinbarungen mit Deutschland über die Regelung der Besteuerung der Zucker-Industrie treffen.
Paris, 9. Octover. „Havaö" meldet auö Hanoi: Ncgcler ftteß gestern bet Kep auf 6000 chinesische Reguläre, welche ein von Verschanzungen umgebenes Central- schanzwerk besetzt hielten. Dre Chinesen begannen den Angriff und suchten die Franzosen zu umringen. Das Gefecht dauerte von früh 9 bis Nachmittags 2 Uhr und endete mit der Flucht der Chinesen und deren Rückzug nach der chinesischen Grenze; die Chinesen, vom Rückzüge abgeschnttten, flohen in vereinzelten Haufen in der Richtung nach Daognau und wurden verfolgt. In Kep, wo die Chinesen bemerkenswerthen Widerstand leisteten und welches die Franzosen umzingelten, mußte Bresche geschossen werden, daS Centralschanzwerk wurde mit dem Bayonnett genommen. In Kep allein verloren die Chinesen 600 Totste. Die Franzosen gingen sehr muthig vor und opertrten mit solcher Umsicht und Entschiedenheit, daß man sich der Rückzugsltnie deS Feindes bemäcktigen konnte. Das gesamwte Kriegsmaterial der Chinesen und eine große Anzahl von Maulthieren und Pferden fiel in die Hände der Franzosen. Von den Franzosen 1 Cavitän und einige 20 Mann tobt, 8 Officiere und 50 Mann verwundet, Negrier und 1 Ordonnanzofficier leicht verwundet. General Briere ist nach dem Schauplatz der Operationen abgegangen.
Alexandrien, 9. October. Das Journal „Phare d'Alexandrie" wurde wegen eines Artikels zu Gunsten der Wiedereinsetzung des Exkhedive Ismail Pascha auf drei Monate suSpendirt.
Catania, 9. October. Die Zahl der in Folge des Cyklon hier Verunglückten beträgt bis fitzt 27 Tobte und 350 Verwundete, welche aus den Trümmern der ein- gestürzten Gebäude ausgegrabkn wurden. Der Schaden beläuft sich hoher als bisher angenommen wurde, und wird jetzt auf 5 Mill. Lire geschätzt.
Kamerun und der Djamur oder Bimbiafluß. welche in einen spitzen Winkel rusammen- fließend, an ihrer Mündung ein weites, über dreißig Quadratmeilen umfassendes gemeinsames Delta bilden. Das von diesen beiden Strömen eingeschlossene Dreieck besteht auch oberhalb deS MündungSlandeS zum größten Theile aus sumpfiger Niederung und wird im Westen von einem vulkanischen, zu dem 12,000 Fuß hohen Kamerunptt ansteigenden und an seinem Südende schroff in das Meer abfallenden Gebirgszüge begrenzt. Durch Vereinigung zweier Quellströme, deS Wuri und Abu gebildet, ist der Kamerunfluß b-inahe in seinem ganzen, freilich verhältnißmäßigen kurzen, etwa sieben bi« acht deutsche Meilen betragenden Laufe schiffbar; nur an seinem oberen Theile, dicht unterhalb deS genannten Zusammenflusses, wo er sich in drei durch QuerkanSle miteinander in Verbindung stehende und somit zahlreiche Inseln bildende Arme theilt, wird tr schmal, stellenweise flach und nur für kleinere Boote passirbar. So weit als der Kamerun daS Delta durchströmt, auf etwa 5 deutsche Mellen seines unteren Laufes, gleicht er eher einem tief in daS Land sich hineinzitheudeu MeereSbusen als einem F!vfl- indem er hier eine Brette von wohl 10btS 15 Kilometer zeigt. Das MündungS- land, entstanden durch Ablagerung der ungeheuren Schlammmaffen, welche Kamerun und Djamur, wie die meisten Flüsse WestafrtkaS, mit sich führen, wird von zahlreichen bretteren und schmäleren Kanälen durchzogen, welche bald größere Flußarme mit- einauber verbinden, balb enger und enger werden und alS Sackgassen schließlich im Sumpfe verlaufen. , Ä . , . . D . Q
In landschaftlicher Beziehung zeigt da« Delta eia sehr einförmiges, dürftige« Gepräge. Den Baumbestand bilden fast ausschließlich die Mangrove, deren Wurzeln netzförmig den kahlen, schlammigen Boden Überspannen. Nur an einzelnen hoher gelegenen Stellen finden sich Weinpalmen oder die stachligen Pandanen, deren lange, schilfförmige, mit starken Dornenhaken besetzte Blätter in einer Spirale um den Stamm geordnet sind, ziehen in dichten Hecken die Ufer sich entlang und bilden oft die prächtigsten BoSketS. Auch menschliche Ansiedelungen vermißt man im Delta Nur hin und wieder zeigt sich ein Fischerkanoe und an einer höheren Stelle deS Ufers steht wohl eine einsame Hütte, welche Fischer nach ergiebigem Fang aufsuchen, um zu rasten und ihre Beute an der Sonne zu trocknen.
Oberhalb des MündungSlandes verengt sich der Strom, wenngleich er auch hier noch eine viertel oder halbe deutsche Meile Breite hat und für große Seeschiffe befahrbar ist. Während das rechte Ufer noch flach und sumpfig bleibt, von Oelpalmen- waldungen bedeckt, zeigen sich auf dem linken stark ansteigende Hohen, auf welchen in ununterbrochener Folge und recht malerischer Gruppirung eine Reihe Negerdorfer sich hinzieht, während vor denselben im Flusse eine Anzahl Schiffe, die Wohnungen^und Depots der europäischen Kaufleute, verankert liegen; denn hier ist die Handelsstation „Kameruns", über welcher jetzt die schwarz-weiß-rothe Fahne weht.
Die Ortschaften der Neger gewähren einen recht Mündlichen Anblick. Ü berall herrscht die größte Reinlichkeit und Sauberkeit. Die niedrigen, auS Mattengeflecht. nicht aus Lehm hcrgestellten Hütten stehen zerstreut, umgeben von üppigen Ptsang- und Bananenplantagen. Hin und wieder erhebt sich eine schlanke Kokospalme, die mit ihren langen Fiederblättern die Strohdächer schattet, beleb: von goldgelben Webervögeln, deren künstliche Beutelnester an den^Blotisp-tzen düngen Jams- und Kassave(Maniokan) -Felder schließen an die Ortschaften sich an, so west das Hügelland reicht; dann aber hemmt dichte, dunkle Oelpalmenwalbung die Schritte- In üppigster Fülle, aus Büschen, Stauben unb Punzen gebildet, schießt das Untersolz auf und verwirrt sich zu einem unburdjbrtnpWn : faftiße.u^l^tt.dge Äanna^rten, Farren m4t ihren zarten, mehrfach unb mannigfach ^fieberten Blättern, Orchibeen, welche die mobernbrn Reste alter Baumstämme bedecken, dazwischen da« Heer der Lianen, der Schlingpflanzen, welche balb bünn wie Zwirnssäben, bald starken Aesten gleich in phantastischen Wiuburigm die Stämme umschlingen, Baum und Zweige ver- btnben, alles wie mit einem dichten Netzwerke umspannen.
Uebereinstimmenb mit der Ueppigkeit der Vegetation entwickelt sich die Thierwelt in großer Manntgfalttgkelt. Auf den Lichtungen im Walde, aufden schmalen, sich hindurchzichenben Pfaden, wo die Sonne das dichte Laubbad) durchbricht unb die duftenden Pflanzen und Sträucher öffnet, schwärmen zahllose Schmetterlinge in jeMjer Farbenpracht. Wespen mit metallisch schimmernden Flügeln, bunte Käfer, narmntlich die Familie der Bockkäfer, sind reich vertreten. Gewandt laufen iEichbornchen die Baumstämme hinauf, um von den Früchten zu naschen. Groß F ebermäuse hängen an den äweigen unb streichen aufgeschreckt im Zickzack burch bte Luft, um sofort tn dichtes Gebüsch wieber einzufallen. RothsLnäbellge KönigSsischer fitzen träumerisch auf trockenen Baumwipfeln. Die kleinen Honigsauger ober Sonnenvogel, deren Gefieber in allen Metallfarben glänzt unb prächtig Im Sonnenschein funkelt, die Vertreter der Kolibris in ber alten Welt, schaukeln sich in ben ©Ältnauflanjen ""d Hetzen flatternd vor ben Blüihen, bte sie mit ihren langen feinen Schnäbeln nach Käfern burchsuchen Auf Insekten lauernd, sitzen an ben Baumstämmen große Eidechsen, die Agameno, bei unserem Erscheinen bedächtig mit ben feuerroten Köpf-n uickenb- Laut krächzend streichen Schaaren von Graupapageien über bte Baumw pfil, während die Zibetkatze durch bas D'cktcht schleicht und auf die zierliche weißgrfleckte Buschanmope lauert im Gestrüpp das größte Raubthier ber Kamerungegenb, ber geschmeidige Leopard. Neben diesen interessanten Firmen beherbergt der Urwald unter fe*nner^ aber auch viele, welche dem Europäer sowohl wie dem Eingeborenen zur !Sroßttn Plage werden. Die Mücken oder Mosquitos gehören natürlich zu ben‘ scheinungen. Viel lästiger aber als btefe werben bte Sanbfliegen, ^nikroSkovifch kleine Insekten, welche zu Tausenben ihre Opfer überfallen, Gesicht unb Hänbe schwarz bedecken und ein unertrSaltches Jucken auf der Haut erzeugen. , -
Ein anderes Jnsect, welchem der Beherrscher ber Erbe ohnmächtig entgegentritt


