Einzelbild herunterladen

Im Hinblicke auf die schweren Nachtheile, welche seit Jahren die Sommer- Hochwasser für die Gemeinden der hessischen Rhetnniederung im Gefolge haben, und bet den noch größeren Gefahren für Leben und Etgenthum, welche mit den Winter- bochwassern der letzten Jahre verbunden waren, erlaubt sich der Unterzeichnete an Großh. Regierung die Anfrage zu stellen:

Ist Großherzogliche Regierung geneigt, noch der jetzigen Kammer eine Mit- theilung über den Stand der erwähnten Vorarbeiten, forotc der Ausarbeitungen der endgiltigen Vorschläge zu machen?"

Darmstadt, 6. Juni. Den kirchlichen Nachrichten aus dem Amtsblatt Nr. 13 Großh. OderconststortumS entnehmen wir folgendes Allgemeine:

Die erhobenen Collecten betrugen: a. für die kirchliche Armenpflege 26 982 JL 87 4, b. für die äußere Mission 2480 JL 89 4, g. für die innere Mission 2342 2 4,

d. für kirchliche Zwecke in Diasporagemeinden 2142 31 4, e. für die Gustav-Adolf-

Stiftung 2633 vM 19 4, k. für die Pfinastcollccte für Theologie-Studtrende 2331 JL 75 4, g für die Luthersttftung 4162 Jt. 41 4- An freiwilligen Beiträgen zur Prälat Dr. Köhler-Schmidt Stiftung gingen ein 697 10 4- Im Februar bestanden 2

und im Juli 6 Candidaten die Definitoriolprüfung. Aus dem Predigerseminar zu Friedberg wurden im Frühjahr 6 und im Herbst 2 Candidaten entlaßen.

Aus den speciellen Nachrichten auS den einzelnen Großh. Superintendenturen ist mitzutheilen:

Supertntendentur Gießen. Die Definitorialprüfung bestanden: Die Can- dtdaten Ferdinand Kayser aus Butzbach und Wilhelm Hermann zu Hoch - Weisel. Ordinirt wurden die Candidaten Kayser in Nieder - Wöllstadt, Hermann in Hoch- Weisel, Weiß in Stumpertenrod, Knodt in Ober-Widdershetm. Als Pfarrverwalter und Pfarrvicare wurden bestellt: Weiß für Stumpertenrod, dann für Muschenheim, Hermann für Hoch-Weisel, Kayser für Nieder-Wöllstadt, Knodt für Ober-Wtdders- heim, Medert für Herbstem, Pfarrer Hellwig für Hartershausen.

Erledigt sind: Leihgestern, Stumpertenrod, Udenhausen, Groß-Felda, Romrod, Ober-Gleen, Gelnhaar, Hain-Gründau, Httzkirchen, Lindhetm, Rohrbach, Usenborn, Bruchenbrücken, Nieder-Weisel, Ober-Rosbach II, Ostheim, Ehringshausen, Ermenrod, Groß-Eichen, Bellersheim, Holzheim, Langsdorf, Muschenheim, Münzenberg I, Wölfers­heim, Lauterbach II, Altenschlirf, Herbstein, Willofs, Blofeld, Heuchelheim, Gettenau, Schwickartshausen, Oberau, Nieder-Wöllstadt, Busenborn, Eschenrod, Gonterskirchen, Herchenhain, Ober-Seemen, Volkartshatn. Decanatssynoden wurden gehalten: im Decanat Gießen am 29. October, Alsfeld am 24. Octoder, Büdingen am 21. November, Friedberg am 24. September, Grünberg am 30. October, Hungen am 15. November, Lauterbach am 24. Oktober, Nidda am 30. October, Rodheim am 24. October, Schotten am 28. November. Kirchliche Feste wurden gefeiert: a. des Gustav-Adolf- Vereins in Gießen, Groß-Felda, Wenings, Dorheim. Nieder-Weisel, Veitsberg, Maul­bach, Grüntvgen, Eichelsdorf, Büdesheim, Bobenhausen II und Schlitz; b. der Mission in Gießen, Pohl-Göns, Kefenrod, Nteder-Erlenbach, Merlau, ArnSburg, Dorf Gill, Rodheim, Schlitz; c. Sedans- und Sylvester-Gottesdienste sanden an vielen Orten statt; d das Lutherfest wurde überall in mehr oder weniger solenner Weise unter sehr erfreulicher Betheiltgung gefeiert, die Gottesdienste waren außerordentlich besucht. Fast überall wirkten die bestehenden Gesangvereine mit. Kirchengesangvereine haben sich aus Anlaß der Lutherseier in AlSfeld, Assenheim, Burkhards und Münzenberg gebildet. Lutherschriftchen kamen zur Vertheilung. Lutherbäume 'wurden gepflanzt oder an älteren Bäumen Gedenktafeln angehestet, Bilder von Luther und Melanchthon, Altar- dibtl, neue Altar- und Kanzelbekleidungen rc. angeschafft. In Ltch verwilligte der Stadlvorstand 400 JL. zur Anfertigung eines gemalten KirchenfensterS mit den Btlb- nifsen von Luther und Melanchthon; in Vilbel beschloß man zum bleibenden Gedächt­nis die Gründung einer Kleinktnderschule. Von allgemeiner Bedeutung ist die Luther­stiftung in Gießen zur Unterstützung von Theologie-Studtrenden, für welche Sammlungen im ganzen Lande veranstaltet worden sind, deren Ertrag jedoch noch nicht feftgestellt werden kann. Kirchenvisitationm fanden statt: in Allendorf «. d. L, Beuern, Bleichen­bach, Crainfeld, Dortelweil, Eckartshausen, Ermenrod, Gedern, Geiß-Nidda, Gettenau, Gießen, Griedel, Herchenhain, Httzkirchen, Ilbeshausen, Kirchberg, Landenhausen, Lang- Göns, Lardenbach, Lauterbach, Lehrbach , Martenschloß - Rockenberg, Nieder-Eschbach, Nieder-Gemünden, Nieder-Rosbach, Nieder-Weisel, Oberau Ober-Eschbach, Ober-LaiS, Ober-RoSbach, Ortenberg, Queck, Ranstadt mit Effolterbach, Ruppertsburg, Schwarz, Stockhausen mit Rixfeld, Vilbel, Volkartshain, Wullernhaufen mit Feuerbach, Watzen­born mit Garbenteich, Wetterfeld mit RöthgeS, Willofs. Decanatssynoden wurden gehalten in den Decanaten Gießen, Lauterbach und Nidda.

Spanien.

Madrid, 8. Juni. I« einem 300 Meter langen Tunnel der asturi- Wen Eisenbahn-Linie sand ein Zusammenbruch statt, durch welchen 12 Arbeiter getSdtet wurden.

Bit Grundsteinlegung ;um Reichstagsgebäude.

Die feierliche Grundsteinlegung zum Reichstagsgebäude hat sich soeben glanzend und imposant abgespielt. Der Rahmen, innerhalb dessen die Feier sich vollzog, ist der denkbar prächtigste. Vom Brandenburger Thor bis zum Haupteingang des Festplatzes zog sich die von der Stadt glänzend hergerichtete via triumphalis, gebildet durch Flaggen­stangen in den Reichsfarben, durch reichen Gutrlandenschmuck miteinander verbunden. Erft innerhalb des Bauplatzes am Kaiserpavillon endete die via triumphalis. Der Kaiserpavillon, der den ganzen Festplatz überschaute, war im Wesentlichen ein von schlanken Säulen getragener purpurfarbener in die Kaiserkrone auslaufender Baldachin. In denselben Farben prangten auch die reich geschmückten, rechts und links den Pavillon stankirenden Tribünen. Auch die den Feftplatz begrenzenden Häuser der Sommerftraße hatten reichen Schmuck in Flaggen, Wappen und Blumendekoration angelegt. Vor dem Kaiserpavillon breitete sich der Festplatz aus angesichts des herrlichen Königsplatzes und der Siegessäule, im Süden begrenzt von den mtt frischem Grün herübergrüßenden Bäumen des Thiergartens. Schon stundenlang voc Beginn der Feier säumten dichte Menschenmassen die zum Festplatz führenden Wege, um die Auffahrt zu beobachten. Am stärksten war der Andrang Unter den Linden, am Brandenburger Thor, die via triumphalis entlang. Das Wetter war leider dem Fest nicht günstig. Von 11 Uhr ab regnete es ununterbrochen, doch vermochte das weder dem Andrang des Publikums, noch die Bethetligung aller Geladenen zu hindern.

Im Kaiserpavillon erschien als einer der Ersten Fürst BiSmarck in Galauniform der Cürassiere. Bald folgten die Prinzen Friedrich Carl, Leopold, Heinrich Wilhelm, die Prinzessinnen Margarethe, Victoria, Friedrich Carl und die Kronprinzessin, sich untereinander und mit dem Reichskanzler unterhaltend. Der Kronprinz und der Kaiser erschienen kurz hintereinander. Der Kaiser begrüßte die Prinzessinnen und Prinzen. Allgemein fiel sein gesundes Aussehen und die Leichtigkeit auf, mit der fcrnfl3Lberoe0te- Der BundeSrath, die Ministerien und die ©eneralüfit waren fast vollzählig.

Schon von 11 Uhr ab begann die Anfahrt der Abgeordneten, der geladenen Gäste, denen die Mitglieder der Reichsbehörden, später die deS HofeS folgten. Der Hof versammeltesich in dem kaiserlichen Pavillon, zu dessen Rechten zur Seile deS vor dem Pavillon liegenden eigentlichen Grundsteins sich allmälig die Feldmarschälle, Generäle, der Bundesrath, der Präsident und der Vorstand deS Reichstags gruppirtem Zur Linken stellten sich die Mitglieder der Reichsämter und preußischen Ministerien auf. Gegenüber dem Kaiserpavillon, also auf der andern Seite des Grundsteins, standcn auf dnem Podest die Abgeordneten, bereu Zahl auffallend gering war, kaum 150. Polen, Welfen, Elsässer und Socialdemokraten fehlten vollständig. Auch das Centrum war auffallend spärlich vectteten, doch sahen wir Windthorst, Schorlemer und Prinz Radziwill. 9

<m8 »Ä ®<Be° 12 Wuf "°°

»et Ankunst des Kaisers blies das Musikkorps eine Fanfare, Fürst BiSmarck Irat an bett Kaiser heran, der die Ctlanboiß zum Beginn der Feier et,heilte. Der «omchor fang einen Chor.

Der Reichskanzler trat an den Kaiser heran und erhielt die Erlaubniß zum Be­ginn. Hierauf verlas er die bestimmte Urkunde. Dieselbe lautet:

- . -^LWhelm, von GotteS Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen, thun «beschloffen haben, im Namen der Fürsten und Freien Städte des Reichs und in Gemeinschaft mit den verfassungsmäßigen Ver- ireteru des Deutschen Volkes den Grundstein zu einemW

der gemeinsamen Arbeit der gesetzgebenden Körper eine würdige Stätte bereiter werben soll.

Unter den glorreichen Waffenerfolgen der vereinten Deutschen Stämme ist durch Gottes Fügung das Deutsche Reich zu ungeahnter Macht und Herrlichkeit erstanden. AuS der Begeisterung des Volkes und aus dem gegenseitigen Vertrauen der Bundes­regierungen ist für Deutschland die Kraft erwachsen, seine Verfaffung und seine nationale Entwickelung aus eigener Macht zu schützen und die Pflege seiner Wohlfahrt in die eigene Hand zu nehmen. Diesem Schutze und dieser Wohlfahrt soll die Arbeit in dem Hause dienen, dessen Grundstein Wir legen.

Wir blocken, dankbar gegen Gott, auf das zurück, was die verbündeten Regier­rungen, in gemeinsamer Thätigkeit mit dem Reichstage, während der verflossenen Jahre Unseres Kafferlichen Waltens für Deutschland geschaffen haben, und sehen der Zukunsr mit der Hoffnung entgegen, daß unter Uns wie unter Unfern Nachfolgern die gemein­same Arbeit für da8 Vaterland von Einigkeit getragen und von Segen begleitet sein werbe. Der Ordnung, der Freiheit, der Gerechtigkeit, der gleichen Liebe für alle Kreise Unseres Volkes sei unverbrüchlich diese Arbeit gewidmet.

Möge Friede nach Außen und Innen den Bau dieses HauseS beschirmen! Auf immerbar sei datz Haus ein Wahrzeichen der unauflöslichen Bande, welche in großen und herrlichen Tagen die Deutschen Länder und Stämme zu dem Deutschen Reiche ver­einigt haben!

Dazu erflehen Wir den Segen Gottes.

Gegenwärtige Urkunde haben Wir in zwei Ausfertigungen mit Unserer Aller- böchstelgenhändigen Namensunterschrift vollzogen und mit Unserem größeren Kaiser­lichen Jnsiegel versehen lassen. Wir befehlen, die eine Ausfertigung mtt den dazu bestimmten Schriften und Münzen in den Grundstein befi Hauses niederzulegen, die andere in Unferm Archiv aufzubewahren.

Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt Berlin am neunten Juni deS Jahres Em Tausend Acht Hundert vier und achtzig."

In eine Kapsel aus Kupfer verschlossen wurden sodann die bereits bekannten Schriften und Münzen in die Vertiefung des Steins gelegt, wobei die Militärkapelle mit Musik einfiel. Daran schloß sich die Ceremonie der eigentlichen Grundstrinlegung. Der bayerische Bevollmächtigte zum Bundesrath, Graf Lerchenfeld-Köfering, richtetr bei Ueberreichuna von Kelle und Mörtel folgende Ansprache an den Kaiser, der mittler­weile ans dem Pavillon herausgetreten war:Gestatten mir Ew. kaiserliche Majestät im Namen des Bundesrathes der tiefgefühlten dankbaren Freude Ausdruck zu geben, welche btefe Körperschaft erfüllt, daß der erhabene Begründer deS Reiches auch den Grundstein zu dem Gebäude zu legen geruht, in welchem die Vertretungskörper des Reiches künftig zu wirken berufen fein werden. Möge zum Heile Deutschlands es Ew. kaiserlichen Majestät vergönnt fein, in nngeschwächirr Kraft die Vollendung des Baues zu sehen. Möge die einmüihige Arbeit der Vertreter der deutschen Regierungen und der gewählten Vertreter der Nation in seinen Räumen dem Vaterlande zum Heile werden! Mit diesen Wünschen überreiche ich Ew. kaiserlichen Majestät die Kelle und den Mörtel."

Der Hammer wurde dem Kaiser vom Reichstags-Präsidenten v. Levetzow mit folgender Ansprache übergeben:Ew. Majestät, deS Reiches erhabener Gründer, wollen geruhen, mit diesem Hammer den Grundstein zu befestigen für deS Reiches Haus. Das Haus erstehe und dauere, eine Stätte der Eintracht, der Weisheit, der Mäßigung, zu des Volkes Wohl, zu des Reiches Hort, zu der alten Kaiserkrone neuem Glanz! Rebe und Rath gehen von ihm aus. frei und treu, fromm und wahr, schlecht und recht! Es werde ein Denkmal großer Zeit und halte lebendig unter den Enkeln die dankbare Liebe, in welcher alle deutschen Herzen unferm tbeueren Kaiser schlagen. Auf dem Hause ruhe der Segen Gottes, welcher Ew. Majestät allewege sichtlich und wunderbar geleitet, daß alles wohl gelinge und bis an das Ende der Tage dieser Bau es der Welt verkünde:

Hie Kaiser und Reich!"

Der Kaiser führte drei Hammerschläge, dabei sprechend:Im Namen Gottes, zur Ehre des Reiches!"

~ «Hierauf folgten mtt je drei Hammerschlägen die Kronprinzessin, die Prinzeß Friedrich Karl, die Großherzogin von Baden, die obengenannten Prinzessinnen und Prinzen, sodann die Generäle, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, der Reichs­kanzler, der Bunbesrath, Präsidium und Vorstand des Reichstages, die Minister, die Chefs der Rcichsämter, die Baucommtssion, die Architecten.

Während dieser Zeit blieb der Kaiser tm Regen außerhalb deS Pavillons, einzelne der Hammsrschlagsührenben begrüßend und ihnen die Hand gebend, so Levetzow und Lerchenfeld.

Nach einem erhebenden Gesang deS DomchorS bestieg der Oberhofprediger Dr. Kögel die hinter dem Grundstein vis-h-vis dem Kaiserpavillon errichtete niedrige^ roth drapirte Kanzel und vollzog die kirchliche Wethe.

Der Schluß seines Weihespruchs lautet:So erhebe sich und wachse dieser Bau für die Jahrhunderte: eine Burg der Treue, ein Herd der Eintracht, eine Warte für die Zeichen der Zeit, ein Bergungsort für das Erbe der Väter, ein Ausgangspunkt für gottgesegnetrs Thun! Amen!" Hierauf sprach er ein Gebet.

Die ganze Versammlung fang sodann zwei Verse des ChoralS:Nun danket Alle Gott"; feierlich tönten die Klänge über den weiten Platz, ein erhebender Moment. Unmittelbar daraus trat der ReichStagspräsident, Herr v. Levetzow, vor und brachte mit lauthin schallender Stimme bas Hoch auf den Kaiser aus, jubelnd fiel die ganze Feftorrsammlung ein, in ihre Rufe mffchte sich das Hvrrah des außerhalb des Fest­platzes dicht geschämten Publikums. Die Kapelle intonirte:Heil Dir tm Sieger- kränz". Die Versammlung und das Publikum fiel ein. Der Kaiser schritt nochmals an den Grundstein heran und führte drei Hammerschläge, laut sprechend:Für dis Kaiserin!" Die ganze Versammlung brach nochmals in Hochrufe aus. Der Kaiser und der Hof verabschiedeten sich hierauf.

TeleMaPhische Drptschrn.

WslA'S teLegs. GsVvesporrdrrrs-'VWLsa«.

Berlin, 9. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin hat an den Reichskanzler Fürsten Bismarck btn nachstehenden Erlaß gerichtet:

Die Grundsteinlegung des Reichstagsgebäudes durch den Kaiser ist eine so ernste Feier, daß Ich Meinem tiefen Bedauern über Meine Abwesenheit bei derselben, Ihnen gegenüber, Ausdruck zu geben wohl berechtigt bin- Aufrichtig bringe Ich dieser nationalen Feier treue Segenswünsche bar, für Kaffer und Reich, für inneren und äußeren Frieden, in Gegenwart und Zukunft, dem weiblichen Beruf entsprechend, der wahr: Vaterlandsliebe bedingt.

Baden-Baden, den 7. Juni 1884.

Augusta.

Berlin, 9. Juni. Die Abreise Sr. Majestät des Kaisers nach Ems wird, den getroffenen Dispositionen gemäß, Samstag Abend erfolgen.

Der Fürst Reichskanzler empfing heute Vormittag einen längeren Besuch Sr. K. Hoheit des Prinzen Wilhelm.

DerReichsanzeiger" berichtet über die gestrige Audienz der Transvaal- Deputation bei Sr. Majestät dem Kaiser folgendes: Die Ansprache des Präsidenten deS Transvaal-Landes an den Kaiser drückte die Freude über den freundschaftlichen Empfang aus. Sie hob ferner hervor, daß ein großer Theil der Bevölkerung de8 Transvaal-Landes und Südafrikas deutschen Ursprungs sei und gab der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck, daß das Verhältniß zwischen Deutschland und dem TranSvaal- Lande, ja zwischen Deutschland und Südafrika, stets ein freundschaftliches bleiben möge und baß die Handelsbeziehungen beider Länder zu einander jur Förderung der beider­seitigen Wohlfahrt zunehmen möchten. Der Kaiser sprach hieraus seine Freude auS^ die Vertreter eines durch alte StammeSgenoffenschast mit Deutschland verbundenen Gemeinwesens zu begrüßen; er freue sich umsomehr, daß die freundschaftlichen Be­ziehungen Deutschlands zu dem TranSvaol-Lande nunmehr auch einen vertragsmäßigen Ausdruck finden sollen und sei überzeugt, daß der wachsende Bei kehr zwischen Deutsch­land und dem Transvaal-Lande die zwischen beiden blutsverwandten Bevölkerungerr bestehenden Gefühle der Freundschaft und Sympathie steigern werde; erwerbe dieses Ziel fördern helfen.

- »,Eöien, 9. Juni. Heute hat der Prozeß gegen den Anarchisten Stellmacher cor dem Ausnahmegerichte seinen Anfang genommen, die Sitzung ist öffentlich, der Zu- tritt zu derselben wurde aber nur in beschränktem Maße gestattet. Während der Verlesung der Anklage trug der Angeklagte ein gleichgiltiges Wesen zur Schau. Unter den vorgeladenen 39 Zeugen befanden sich die Arbeiter, welche die Festnahme