Ausgabe 
11.5.1884 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

rann

Offiziersfamflie aus Danzig von Verwandten eine briefliche Benachrichtigung, daß die Kinder der letzteren an Scharlach erkrankt wären. Der jüngste Knabe der genannten Familie erhielt den Umschlag des Briefes zum Spielen. Nach 6 dis 7 Tagen erkrankte derselbe am Scharlach, später erkrankten tn Zwischenräumen von 14 Togen bis 3 Wochen noch zwei Geschwister. Die Uebertragung durch den erwähnten Brief gewinnt deshalb an Wahrscheinlichkeit, als am hiesigen Orte und in nächster Umgegend seit 5 lns 6 Monaten kein Fall von Scharlachfieber vorgekommen war und weder die Familien- mitgUeder selbst, noch auch die Hausgenossen mit Scharlachkranken rc. zusammenge- kommen waren. Alle drei Erkrankungen hatten einen milden Charakter."

Aus dem Eisenacher Oberlande, 6. Mai. Ein sehr beklagenswecther Unglücksfall macht seit gestern viel von sich reden und findet die allgemeinste Thetl- nahme. In dem Dorfe Gehaus bei Vacka wurden am Sonntag drei Mädchen im Alter von 68 Jahren vermißt und nach langem vergeblichen Suchen gestern Vor­mittag tn einer tn einer Scheune stehenden großen Kiste erstickt vorgefunden. Die Kinder, welche zwei Wtttwen angehörten, hatten in der Scheune gespielt und waren dabet auch in die leerstehende Kiste gestiegen. Der Deckel derselben fiel aber zu und zwar so, daß die armen Kinder ihn nicht heben konnten und bann, wahrscheinlich unter schrecklichen Qualen, erstickt sind. Die Theilnahme für die armen Mütter ist allgemein.

Bamberg, 4 Mai. Der langjährige Cassier des hiesigen Vorschußvereins, Niedermater, hat vorgestern Abends gegen 9 Ubr tn seiner Badstube durch Oeffnen der Pulsader seinem Leden ein Ende gemacht. Ntederwaier befand sich seit 8 Tagen in Karlsbad zur Kur. Während dieser Zeit ist ermittelt worden, daß er sich grobe und beträchtliche Veruntreuungen zu Schulden kommen ließ. Die bisher ermittelten Veruntreuungen, nach deren Entdeckung Niedermater durch zwer Vorstandsmitglieder des Vorschuß-Vereins in Karlsbad abgeholt wurde, beziffern sich auf ca. 175,000 Zur Ausgleichung derselben wird der Reservrfond des Vereins tn Höhe von 60,000 und die (Kaution des Ntedermaier verwendet werden; einen Thetl des Restes zu tilgen haben Hessin Verwandten übernommen, das übrige werden die Mitglieder zu decken haben. Bei dem «nspruchsiosen Leben des Niedermaier ist selbst Solchen, welche demsilben nahe standrn, röthselhaft, zu weichen Zwecken er die deftaudirten Summen verwendet hat. Hierüber werden vielleicht die wetteren Ermittelungen Aufklärung br ngen. Wie vorläufig festgestellt wurde, wurden die Unterschlagungen dadurch er­möglicht, d«tz Niedermater ihm übergebene Anthetlschein-Formulare, welche von den Vorständen in blanco gezeichnet waren, auf Namen von Mitgliedern ausstellte, sie als Plandpiptere in deposito bedielt und die als Darlehn gebuchten Beträge in feinem Nutzen verwendete. E neN Ausschußmitgliede waren die zum Theile hohen Darlehne aufgefallen. Er benutzte daher die Abwesenheit des Niedermater, um die Sache genau zu constattren. Sein Verdacht wurde dadurch genährt, daß die beliehenen Antheil- sch-ine in einem besonderen Cassaschrank aufbewahrt lagen und Niemand Schlüssel zu demselben hatte. Bisher hatte die Kasse gestimmt, Bücher und Belege waren tn Ordnuns gewrsen. Durch das vom Defraudanten gemachte Geständniß ist nun fest­gestellt, daß er seit 11 Jahren in der angegebenen Weise manipulrrt hat. Daß die Entdeckung nicht früher emtrat, liegt rum The l an dem großen Vertrauen, welches Ntedermaier genoß, demzufolge ihm schon früher Unregelmäßigkeiten, allerdings anderer Art, nachgcwtesen wurden. Es ist dieselbe Ursache, welche bet anderen Vorschuß- Vereinen unsägliches Elend herbeiführte. Wie bet allen derartigen traurigen Ange­legenheiten, so meldeten sich auch heute eine große Anzahl Personen im Comtotr des Vorschuß-Vereins, welche ihre Spareinlagen und Depositen zurückverlaugten und erhielten. Es sind über 200,000 dafür ausgezahlt worden.

sEine Berichtigung.) Kürzlich wurde ein zu Zuchthausstrafe Verurtheilter per Eisenbahn nach Spandau transportirt. Dort angckommen, öffnete der Schaffner das Coups, in dem der Sträfling mit seiner Begleitung saß und rief die üblichen- Worte:Svandau, 6 Minuten Aufenthalt" Der Verurthetlte aber erwiderte:Ach nein, mein Jutester, drei Jahre:"

nach »roßen Kriegen, wenn st! selbst mit einer Niederlage geendigt haben, ble Be- völkeruug intensiver als vorher wächst und das Erwerbsleben kräftiger als zuvor em­porblüht. Und dieselben Wirkungen muß, wenn auch hier die Bedingungen für scharfe Beobachtung nicht so günstig liegen, eine vermehrte Auswanderung hervorbrtngcn. Eine Hauptsache aber ist es, die Ausmanderermassen nicht zu ziel- unb planlos fort zu lassen, damit sie im großen Westen verschwinden. Die auswandernden Ardettskräste, wie bte mit sortzieh-aden Kapttalkräste müssen möglichst dem Mutterlande erhalten bl-ib-n, und das kann nur geschehen, wenn die Auswanderung gehörig geleitet und geführt wird, menn ganze Staat.n mit deutschen Ansiedlern bevölkert werden, die In sortwahrmben staatlichen und kommerziellen Beziehungen zur Heimath bleiben. Dann wird ble Aus­wanderung von Segen für die Zurückdleibenden, wie sür ble Fortzrehenben fein.

Wenn aber nun die Folgen der Auswanderung wohlthätige sein können, so w isen die Ursachen derselben in den meisten Fällen auf Schäden in unserem hetmath- licken socialen Leben hin. Es muß deßhalb das unausgesetzte Bemühen unferer (Staats» Einfluß auf diese Wunde im Volkskörper auszuüben. Von Seiten der neueren Gesetzgebung ist bereits manches geschehen, um das Lsos der arbeitenden Klassen zu verbessern. Das zarte Alter, welches sich ntcpt selbst gegen die nachthetltgen Einflüsse allzusehr angespannt«: Arbest oertheidtgen kann, ist durch Gesetz geschützt worden. Fabrikinspretionen sind m s Leben gerufen worden, welche auf Beseitigung aller derjenigen Einrichtungen hinwtrkiN müssen, welche d e (Sefunbbelt und das Leben auch der erwachsenen Alberter bedrohen. Ferner hat die le Suna bte Haftpflicht der Arbeitgeber für von ihnen verschuldete Arbesterunfälle 2E: »dMflefdl vom 15. Juni 1883, die Krankenversicherung der

Arbeiter betreffend, ist einem weitgehenden Bedürfniß adgeholfen worden. DaS Fach­schulwesen ist ganz besonders gefördert worden, wodurch vermehrte Ausbrlduvg der Ädeiter und Erringung höherer Löhne gewährleistet wird. Und namentlich die ver­mehrtAusbildung "kommt nicht nur den hier bl-tbcnden Arb-ttskrästen zu gute, auch dem auswandernden Arbeiter ist, fern von der Heimath, eine höhere gewerbliche ober technische Bildung ein Kapital von unberechenbarem Werth.

Gefährlich aber ist es, wenn die Auswandet ung einen fieberhaften Charakter an- nimmt wenn wie dies ja oft genug vorgekommen ist, durch ein sogen.Auswanderungs- sieber"'die Arbeiterbeoölkerung ganzer Bezirke btcmirt und der Erwerb m d-ns.lven Lahm gelegt wird, daun können Mrttte Ncrchlhetle sehr schwerwiegender Art eintreten.

Vdie Anschauung berechtigt, daß der ausschlaggebende Grund sür Auswanderung den meisten Fällen darin besteht, daß sich die die Hrimath Verlassenden tri derselben ntd)t mehr wohl fühlen, so wird das am sichersten Heilung unb Besserung der Zustände versoreckende Mittel sein, wenn w c uns bestreben, denen, welche die Hauptmasse der Auswandernden stellen den Arbeitern - das Vaterland thmrer zu machen. Bleiben aber die Ausgewanderten mit dem Heimathland in engster Beziehung, sind sie auch in fernen Landen mit unauflöslichen Banden an das Vaterland verknüpft und besteht ein fortwährender Kreislauf von Beziehungen, ähnlich dem Blutkreislauf deS Körpers. io wird die Auswanderung niemals zum Schaden gereichen, sie wird im Gegenthell von den segensreichsten Folgen für die ganze Nation begleitet sein.

Vermischtes.

Mainz, 6. Mai. Ein Beispiel großartiger Fretgeblpkelt hat in dm letzten Tagen ein Bürger unserer Stadt gegeben. Der bekannte katholische Landtagsabkeordmte und Buchdruckereibesitzrr Johann Falk HL schenkte nämlich du- Summe von 60,000 zur Erbauung eines zweiten Klosters der FranziSkanermren nebst geräumiger Capelle in Mainz und zwar tn der Neustadt (Garrenield). Da der Bau einer großen Kirche, welche ia diesem weit ausgedehnten Stadttheil entstehen soll, wegen der spärlich fließenden Gelder erst nach Jahren in Argr.ff genommen werden kann, so hat Herr Falk d-n Entschluß gefaßt, dieser vielfach von Unbemittelten bewohnten Gegend schon in nächster Seit eine kleine Kirche mbst Niederlassung von armen Schwestern vom bl. Fcanriskus zu verschaffen. Genannte Schcvrste n vei pflegen die Kranken in den Häusern und werben somit für die von der Altstadt entfernt wohnende Bevölkerung von großem Nutzen sirn- ^chles. Ztg " hatte in einem Gesundhettsbericht von dem Fall einer Uebertragung dcs Scharlachfiebers durch ei neu Brief Mittheilung gemacht. W Erweise der Möglichkeit einer solchen Uebcrtriaguug schreibt ihr der Stabsarzt Dr. Aßmann in Wohlan folgendes:Ende März d. I. erhte^ eine hiesige

Schi ffsn ach richten.

Bremen, 8. Mai. sPer transatlantischen Telegraph ^ Der Postdawpfer Habsburg, Capt. Fr. Pfeiffer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 23. April von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten tn Baltimore ange- kommen.

IeilgeZoieues.

Iür Coufirmanden empfehle zu extra billigen Preisen: Sonnen seSsirme und täntmictä, Glace-Handschuhe, Krausen und Spitzen jeder Art.

3298 A. Fangmann.

Täglich frisch.

Dresdener Streusel- (Guß)-Kucheu,

Ttollett, pr. St. 25 u. 12

Frankfurter Eierweek

per Stück 10 empfiehlt 3161

August G^uhr,

Bahnhofstraße.

NB. Meine sämmtlichen Back- waaren sind mit der größten Sorg­falt bereitet und gelangen nur gute Materialien zur Verwendung._______

Eingemachte

grüne Schnittbohnen (hochsein) in allen Packungen empfiehlt

Lonis Scharmann jr.,

3296 Schloßgasse.________

"Brückenwaagen, Tafelwaagen, Schnellwaagen, Gewichte

___in allen Größen.

23ÄT Schöne Auswahl.

3194 A. Kröll,

Von vorziißläcSigtem Erfolge gegen alle catarrliallsehen

Eelden des ELehHkopfea, Rachens, mögens u. s. w. ist die

Emser Victoriaquelle,

welche sich vor allem durch ihren bedeutenden Geholt an Kohlensäure laiiszelehnet also für den häuslichen Gebrauch besonders empfehlens- ! werth ist.

Emser Fastillen Emser Quellsalz mit Bleiplombe. in flüssiger Form.

Zu beziehen durch die bekannten Mineralwasser-Handlungen und Apotheken.

[1427 König WHiielms Felsenquellers, Bad Ems.

1879

empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Möbeln aller Art, als Salon-, Wohn-, Schlaf- n. Eßzimmer-Einrichtungen. sowie Praninos und Kaffen- schränke von renommirten Firmen zu billigen Preisen und unter Garantie.

Wilhelm Klonk (Haiger, Nassau) KnNftfärkerei NKd chsm. WeLscharrftalt empfiehlt sich im Färben und chemisch Reinigen der Herren- und Damen- Garderobe jeder Art (unzertrennt), Uniformen, Teppichen, Stickereien, Läufer rc. Lieferzeit 8 Tage.

Färberei ä ressort für werthvolie Seidenstoffe.

Annahme für Gießen und Umgegend bei Herrn

3150 F. Herbert, Neuenweg Ur. oO.

Nur echt mit dieser Schutzmarke:

Mh-Extract u. (Karamdlen*) | g rrra ffW L'iranl v. L. H. Pietsch & Co., Breslau. feLLlgXyAMXlAMfcWä Die durch zahlreiche Dankschreiben aner- kannt, bewährtesten und besten diätetischen Genußmittel b^ Huften, Keuch- husten, Cataerh, Heiserkeit, Verschlci'nung, Halö- uniBrnstleide«, vorn einfach. Catarrh bis zur Lungenschwindsucht. tiutzei, r^eichcn Anerkennungen besitzen wir auch cm Dankichrelben Dr. Durchlaucht des deutschen Reichskanzlers, Fürsten von Bismarck.

*) Ertract b Flasche M 1,1,75 und 2,50. Karamellen b Beutel 30 und 50 Zu haben in Gießen bei Gg. Wilh. Weidig. 105

Selbstgeftrtigle lackirte Möbel

werden billig abgegeben. 2895

Fr. Weinhardt, Neustadt 55.

Prima Glycerin- u ManSrlskisk aus der Fabrik von Mouson & 60 pr. Pfund 60 Pfg» empfiehlt 3079

S. Btoo&r.

Comptoir-Utensilien

in großer Auswahl, Buchdruck-Arbeiten aller Art in feinster, billigster Ausführung eni=> stehlt H(il

H. Hühn,

Papierhandlung u. Buchbinderei.

Reines, Kräftiges

Kornbrod iU ^«8»..» SB»»». «M 3211 Seltersweg.

Ködersche Patent Heerde und Gußheerde bei 24

3, v H Bapst.

Be

2446

5

f

<$ L 5 « l |

kang' tuchen

garoa Xk® " .Clioc« mh St

ftfc MbLdeck

Niederlage ui v>

PorzÄsl

Wpfiehlt sch zur A Taffen, Lcindchch Thürscl mit einsa für Grab

Schnelle und Ferner halte

Stemgut-Wa

, Specialität: Aabvaagen, $ wühle».

1 fii

1 Vetj

deiner

S oulissem di, g Umtond c wen

A und creme e Wle neu her » Indem j emPlbhlen hg