Lehvev-Confevenz
des Conferenz-Bezirks Gießen: 'Mittwoch den 12. März, Vormittags 11 Uhr, in Gieße«.
des Conferenz-Bezirks Lich-Hungen: Donnerstag den 13. März, Vormittags 10 Uhr, in Hungen.
Gießen, den 8. März 1884. Büchner, Kreisschulinspector.
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Deutschland.
Darmstadt, 8. März. Die zweite Kammer bewilligte die von der Regierung geforderten Mittel zu der Enquete über oie Verschuldung des land- wirthschaftlichen Grundbesitzes und nahm den Antrag an, die Negierung um Sie Errichtung einer Bodenkredit-Anstalt zu ersuchen.
— Die zweite Kammer vertagte sich auf unbestimmte Zeit, nachdem sie in der heutigen Nachmittags-Sitzung die Gesetzvorlage, betr. die ErbschaftS- und Schenkungssteuer, angenommen.
_1. Darmstadt, 8. März. sZwelte Kammer der Landstäa»e.j Nachdem die Kammer In der gestrigen Morgen - Sitzung die Linien (pos. 1 und 2 des Art. 1) von StockbOm über Ortenberg und Hirzenhain nach Gedern und von Hungen nach Laubach mit Abzweigung nach Frtedrichshütte genehmigt hatte, wurde» in einer Nachmittags- Sitzung weiter die 3. Position des Art. 1 der Regierungsvorlage, die Bahnstrecke von Nidda noch Schotten, nach kurzer Befürwortung Seitens des Abg. SturmfelS angenommen. Bet B-rathung der pos. 4 des Art. 1, die Strecke von Ranstadt, Station der Oberhessischrn Eisenbahn, nach Nieder-Wöllstadt, Station der Main-Weser-Bahn, verwendete sich Abg- Weith besonder« für bl« Regierungsvorlage. Abg. Jöckel vlatdirte jedoch für den Ausschutzantrag, der bekanntlich die Einmündung dieser TranS- »ersalbahn bet Friedberg vorschlSgt, und wurde nach einigen wetteren Debatten aus die Erklärung Großh. Finanzministeriums hin, datz Untersuchungen nochmal? über die Hweckmänigkett dieser oder jener Einmündung angestellt werden sollen, sowie, daß die wetteren diesbezüglichen Anträge les war etn Antrag von Setten des Abg. Ellenberger gestellt worden rc.) und berührten Bahnlinien mit in diese Untersuchungen einbegriffen werden würden, der Antrag der Majorität deS Ausschusses auf Strich dieser Linie
accepttrd^ 5 beg ar( z Bahn von Eberstadt (Station) nach Pfungstadt wurde ohne Debatte^ g^h^ 8^ Antrag eingebracht hatte behuss besserer Berücksichtigung des Odenwalds, zog nunmehr denselben zurück, um ihn als selbstständigen Antrag nächstem Landtag wiederum zu unterbreiten, beantragte jedoch das Ersuchen, diejenigen Linien, welche heute keine Annahme gesunden, Großh. Regierung zur thunlichsten Berücksichtigung auf nächstem Landtag zu empfehlen. Auch Abz. Arnold nahm von seinen Anträgen in gleichem Betreff Abstand bet dieser Vorlage und stellte den besonderen Antrag, an Großh. Regierung das Ersuchen zu richten, diese von ihm pro- jectirte Linie dem nächsten Landtag vorzulegen, indem er zugleich den südlichen Odenwald der Großh. Regierung zum erforderlichen Wohlwollen empfiehlt.
Schließlich wird die Regierungsvorlage in den 3 wetteren Projecien angenommen, d. h. die Linien von Reinheim über Groß-Bieberau und Brensbach nach Reichelsheim, von Osthofen nach Westhofen und von Sprendlingen in Rheinhessen noch Wöllstein einstimmig zum Bau genehmigt.
Der hierher gehörende 2. und 3. Theil des in voriger Sitzung mitgetheilten Antrags Rack« wurde weiterhin mit 27 Stimmen acceptirt.
Art. 2 wurde nach den Anträgen des Ausschusses und gemäß den Consequenzen teer vorherigen Abstimmungen zu Art. 1 genehmigt.
Den Art. 3 nahm di« Kammer, da der Minoritäts antrag lErbauung von drei weiteren rheinhesstschenBahne») durch denAbg. Schröder zurückgezogen worden war, «ach dem Anträge de« GesammtausschusseS an und occeptirte folgenden Zus«tz, daß, wenn sich innerhalb Jahresfrist ein Eisenbahnunternehmer zu dem Bau und Betrieb der bestimmten Bahne« nicht finden sollten, derselbe von der Regierung übernommen wird rc., welchem Antrag die Regierung, nachdem er durch den Abg. Metz in dieser Weise verschärft worden war, nicht sympathisch gegenüberstand.
Der 1. Theil des Antrags Rackö kam sodann zur Diskussion und wurde derselbe trotz der befürwortenden Ausführungen der Abgeordneten Schröder, Wasserburg und Rack6 nach Wunsch der Regierung abgelehnt.
Fortsetzung der Berathung findet heute Nachmittag statt.
—I. Darmstadt, 9. März. (Zweite Kammer der Landstände.j Gestern Morgen fuhr die Kammer in der Berathung über die Secundärbahnen fort und zwar wurde zuerst der von de« Ausschuß beantragte Zusatzartik-l 3 a, wonach die Regierung den Communalverbänden und Gemeinden diejenigen Geldbetiräge, welche dieselben zu dem Bau der in Frage stehenden Bahnen übernehmen ober zu übernehmen haben, aus der Landesculturrentenkasse unter den üblichen Bestimmungen vorzuschieben ermächtigt ist, angenommen und zwar aus die Erklärung der Regierung hin, daß im Staatsministerium eine Berathung stattgefunden habe und nunmehr es keinem Anstand unterliege, daß diese Bestimmung in Kraft trete. Auch den Art. 4 occeptirte die Kammer, nachdem in einer Diskussion, °n welcher sich die Abgeordneten Wasserburg, Frank, Wolfs- kehl, Dittmar, v. Rabenau, Arnold, Heinzerling und Schröder be° theiligten, als selbstverständlich hingestellt worden war, daß eine zu rechtfertigende lieber» schreitung des in diesem Artikel der Regierung zur Verfügung gestellten Credits von 28500 M„ insoweit es sich um Prüfung derjenigen Prostete handelt, welche der Regie, rung bet Gelegenheit der Berathung in den letzen Sagen überwiesen worden, stattfiuden dürfe. Die Übrigen Artikel des Gesetzentwurfs unterlagen keinem Anstand und wurden einstimmig ebenso wie das Gesetz im Ganzen von der Kammer genehmigt. Weiter wurden sämmtliche noch zur Berathung stehenden Projeete, Vorstellungen und Anträge aus Errichtung von Secundärbahnen der Regierung zu geeigneter Berücksichtigung übermittelt
Außerdem kam der Antrag des Abg. v. Rabenau, die Errichtung einer Landes- Creditkasse betr., zur Berathung.
Abg. Lautz wendete sich in längerer Rede gegen den Grundsatz der Amortisation und vertrat die Ansicht, daß eine solche von der landwirtschaftlichen Bevölkerung gar nicht gewünscht werde, die lieber nach freiem Ermessen abtrage und nicht Kinder und Kindesktnder noch mit der Abtragung behelligen möchte. Wenn man auf der einen Seite dem verschuldeten Landwirth mit dieser Kasse eine solche Erleichterung ge- rvähre, muthe man auf der andern Seite den sparsamen Landwirthen, die an einer Sparkasse beteiligt sind, eine Herabsetzung ihres Zinseneinkommentz zu, da die Sparkassen naturgemäß durch eine solche Anstalt beeinträchtigt würden- Gegen diese Ausführungen plaibtren die Abgeordneten Wasserburg und Franck, während Abg. Jockel zwar auch für den Antrag Rabenau stimmen wird, ober die Ansicht des Abg. Lautz doch nicht so unbedingt verworfen Haden möchte, besonders aber gibt er der land- wirthschaftlichen Bevölkerung zu bedenken, damit sie sich nicht übertriebenen Hoffnungen hingeben solle, daß diejenigen Landwirthe, die nicht creditfähig sind, auch von dem fraglichen Institut keinen Credit eingeräumt bekommen würden. Abg. v- Rabenau betrachtet eine solche Kasse als eine sociale Nothwendigkeit und auch die Abgeordneten Ellenberger und Möhn, sowie die Abgeordneten Jost und Walz erklären sich mit dem Antrag einverstanden, der nach befürwortendem Ausspruch des Berichterstatters Haas zur Annahme gelaugt, d. h. nach der Fassung des Ausschusses die Großh. Regierung ersucht wird:
„Baldthunlichst und jedenfalls auf dem nächsten Landtag den Landständen einen, die Errichtung einer staatsseitig garanttrten allgemeinen Bodencredit- anstalt mit Psaudbrief-AmortisationSsystem bezweckenden Gesetzesentwurf zugeben lassen zu wollen".
Der Antrag des Abg. v. Rabenau und Genossen ist damit erledigt.
lieber die neulich an den Ausschuß zurückoerwiesene Schenkungssteuer hatte sich der Ausschuß inzwischen schlüssig gemacht und beantragt derselbe unter der von der Kammer gewillten Berücksichtigung des damaligen Antrags des Abg. Osann, der den Gerichten die Feststellung der Nachlässe wie seither übertragen wissen w'll, Modificationen bei den Art. 44a und folgenden. Der Berichterstatter Muhl erklärte, daß nur die Minorität des Ausschusses sich für die Modificattonen gemäß dem Antrag Osann ausgesprochen habe und eröffnete der Präsident daraufhin nochmals eine Generaldiskussion, während welcher die Abgeordneten Jöckel, Schröder, Franck, Wasserburg und Arnold sich für die Uebertragung der Feststellung der Nachlässe u- s. m an die Ge
richte auösprechrn, dagegen Abg. Küchler und Oberfinanzrath Krug den Entwurf vertraten, der bekanntlich die Steuerbehörde mit dieser Arbeit zu befassen beabsichtigt.
Nachdem ein Antrag auf Schluß der Debatte acceptirt wordca war, vertagt der Präsident die Kammer Nachmittags 3 Uhr.
Karlsruhe, 8. März. Der Landtag nahm nach dreitägiger Berathung die Novelle dur Städteordnung unter Ablehnung aller anderweitigen Anträge nach den mit der Regierung vereinbarten Anträgen der Commission an.
Telegraphische Depeschen.
Wolg'S telegr. Torrespsrr-errr-Vrrrea«.
Berlin, 9. März. Die ,,Nordd. Allg. Ztg." erfährt au- England: Zur selben Stunde, als auf der Victoriabahn-Station in London eine Höllenmaschine explodirte, eine andere auf der Paddington-Station befindliche aber versagte, befand sich Prinz Heinrich in Begleitung des deutschen Botschafters aus dieser letzteren, und zwar in einem Zimmer gerade über dem Raum, wo jene Maschine lagerte. Diese versagte lediglich deshalb, weil das Del in der Uhr zu dick geworden war. Sobald der untersuchende Polizeibeamte den Koffer, der die Maschine enthielt, berührte, begann die Uhr wieder zu gehen und die kleine Pistole, welche die Explosion hervorgerufen haben würde, war gespannt, so daß bei regelmäßigem Gang des Uhrwerkes die Vernichtung des Zimmers, in dem sich unter Anderen Prinz Heinrich und Graf Münster befanden, unvermeidlich gewesen wäre.
— Der Kaiser ertheilte heute Mittag dem Präsidenten des Reichstags von Levetzow und den Vicepräsidenten von Franckenstein und Hoffmann eine. Audienz.
-London, 9. März. Zn Brighton starb gestern Admiral DacreS.
Lokales.
Gietzen, 9. März. Heute Morgen wurde der 44. Turntag des Gaues Hessen im kleinen Saale des Wenzel'schen Gartens abgehalten. Anwesend waren 56 Vertreter von 23 Vereinen.
Es hatten sich seit dem letzten Gauturntag neue Turnvereine gebildet und wurden wie nachstehend in den Gau ausgenommen: Büdingen mit 26, Grünberg mit 64, Lollar mit 40, Neustadt mit 40 und Vilbel mit 70 Mitgliedern.
Die Rechnung schloß mit einem Saldo am 1. Januar 1884 zu,Gunsten der Kasse mit 37,60 JL und einem Restanten mit 5,75 <X
Die Einnahmen betrugen im vergangenen Jahre von 2286 Mitgliedern ä 23 Psg............ 525,78 J4
Cassa am 1. Januar 1883 ......... 120,14 „
Emnahme bet der Gauturnsahrt am 10. Juni 1883 nach dem Nauheimer
Hochwald.......... 32.88 „
Summa aller Einnahmen 678,80 Die Ausgaben betrugen pro 1883:
Beitrag für den MtttelrheinkreiS........114,30 JL
desgl. für den deutschen Verband........ 68,58,,
Drucksachen............ 139,38 „
Botenlohn . . . . 1,— „
Diäten für den deutschen Tmntag am 24.-27. Juli in Eisenach an den Gauvertreter.......... 33,50 „
Diäten für den Gauturntag am 1. April 1883 in Gießen . . . 93,15 „ Diäten für die Vorturner stunden am 29. April und 3. Juli 1883 in Gießen 133,55 „ sonstige Diäten für Reisen des Gauturnwarts nach Lauterbach, Nauheim rc. 13,— , Briefporto rc............ 38 99 „
Summa aller Ausgaben 635,45 »
Einnahme 678,80 Jt
Ausgabe 635,45 „
43,35
Aus dem Bericht des Gauvertretei s geht hervor, daß der Gau nunmehr 31 Vereine mit 2556 Mitgliedern zählt. Davon sind praktische Turner 956, Vorturner 141. Vorturnerstunden wurden im verflossenen Jahre 452 abgehalten und geturnt wurde an 2381 Abenden mit zusammen 60095 Theilnehmern. Von den 31 Vereinen desthen 11 Vereine eigene Turnplätze und 4 Vereine eigene Turnhallen.
Als Beitrag pro 1884 wurde festgesetzt pro Mitglied 15 H, hierzu für den Kreis 5 für den deutschen Verband 4 Summa 24 H
Der Antrag, für die Bezirksvorturnerstunde ebenfalls Diäten zu gewähren, wurde zurückgezogen, nachdem sich die Vereine verpflichtet hatten, mit der Wahl der Orte zur Abhaltung obiger Bezirksvorturnerstunde abzuwechseln, um die Kosten gleichmäßiger zu vertheilen. Die Zahlung per Postkilometer wurde festgesetzt für Hin- und Rückfahrt je 10 zÄ-
Bezugnehmend auf den Beschluß des deutschen Turntags, betreffend die anzu- ftrebende gesetzliche Dienstzeitverkurzung für solche Wehrpflichtige, die eine turnerische Ausbildung besitzen, wurde beschlossen: durch den Kreis beim deutschen Turnausschuß weiter zu beantragen, bei der nächsten statistischen Aufnahme festzustellen, welche actioeiv Turner in den Jahren 1880, 1881, 1882, 1883 mit 2jähriger und welche mit 3jähriger Dienstzeit entlassen wurden.
Schließlich wurde noch beschlossen, bei den Vereinen in dem Gau Hessen eine statistische Aufnahme mit Ende dieses Jahres vorzunehmen, worin festgestellt wird, welche Betrage von den einzelnen Vereinen in den Jahren 1881, 1882, 1883 für turnerische Zwecke aufgewendet worden sind, worin diese Aufwendungen hauptsächlich bestanden haben und ivelchen Procentsatz der Vereinseinnahmen der betr. Jahre dieselben vorstellen.
Anfang der Sitzung 10 Uhr Vormittags, Schluß Nachmittags gegen 3 Uhr, worauf ein einfaches AUttagessen die Vertreter noch bis gegen 5 Uhr zujammen hielt.
Gießen, 10. März. (Vom Theater.) Dem Publikum wird am Mittwoch Gelegenheit gegeben werden, eine drainatische Novität kennen zu lernen, die einen der hiesigen Gesellschaft angehörenden Herrn zum Verfasser hat. Es wird nämlich als Negie-Benesice für Herrn Oberregisseur Muss daß dreiaktige Genrebild „Das Kind vom Lande" von Adolf Müller zur Auffi'lhrung gelangen- Den Lesern der „Gartenlaube" ist der Herr^ Autor ohne Zweifel bekannt, und es wird sie darum um so mehr interessiren, seine ^chaffensgabe auch auf einem anderen Gebiet kennen zu lernen.
Die Räder'sche Posse: „Der Weltumsegler wider Willen" wurde am Sonntag unter dem jubelnden Beifall eines nahezu ausverkauften Hauses wiederholt.
Vermischte-.
Marburg, 8. März, Vormittags 10 Uhr. Soeben trifft die Nachricht ein, daß der des Nordecker Doppelmordes bringend verdächtige Schmied Hedderich von Roßberg festgenommen und zur Untersuchungshaft hierher gebracht worben ist. Der angestrengtesten Thätigkeit des Herrn Kreissecretärs Voß als Vertreter des Landraths, wie des Herrn Poltzeicommifsars Wohlrabe, der Gensdarmerte und deS noch requiririett Militärcommandos ist es zu danken, daß sowohl schwere Jndicien entdeckt wurden, die in dem Verhafteten unzwetselhast den Thäter erblicken lassen, als auch, baß dieser so bald seinem Richter zugesührt werden konnte.
KirchÜche Antigen der evangel. Gemeinde.
Heute, Montag, Abends 8 Uhr in der Kleinkinderschule: Bibelstunde, Apostelgesch. 9, 20—31, Pfarrer Dr- Naumann.
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