der bildenden Künste und einer großen Volksmenge stattgesunden. In den Straßen, durch welche sich der Trauerzug bewegte, brannte in den mit Trauerflor umhüllten Kandelabern Gas. Dem Leichenwagen folgten drei Wagen mit Kränzen. Aus dem Central-Friedhofe hielt der Maler Graefe die Grabrede.
Nach längerer Pause sind die Operationen der Franzosen in Ost- Asien wieder in vollem Gange und zwar sowohl in Tongking als auch in den chinesischen Gewässern. Dort hat zwischen französischen Kanonenbooten und chinesischen regulären Truppen bei Lochnan ein ernstes Rencontre stattgefunden, wobei beide Theile ziemliche Verluste erlitten; Pariser Blätter bezeichnen das Treffen von Lochnan als das Vorspiel der angeordneten Operationen und dürfe man einen Zusammenstoß des französischen Expeditions'Corps mit den Chinesen in aller Kürze erwarten. In den chinesischen Gewässern hat Admiral Courbet den Kampf in erfolgreicher Weise wieder ausgenommen, indem ihm noch in voriger Woche gelungen ist, Keelung aus der Insel Formosa, wenn auch erst nach heftigen Kämpfen, zu besetzen. Fast zur gleichen Zeit hat sein Unterbefehlshaber , Admirals LeSpös, den ebenfalls auf Formosa gelegenen Hasen Tamsui nach vorausgegangenem Bombardement besetzt. Frankreich wäre also im Besitz der reichen Kohlengruben von Keelung und Tamsui und damit zugleich Besitzer eines Faustpfandes gegenüber China, falls dasselbe sich noch länger halsstarrig erweisen sollte. In dieser Beziehung meldet indessen die „Times" aus Peking, daß China geneigt sei, in den Differenzen mit Frankreich sich einem Schiedssprüche zu unterwersen; vorerst muß jedoch diese Nachricht mit großer Reserve ausgenommen werden. Jedenfalls dürste aber die Lage in Ost-Asien bis zur Eröffnung der französischen Kammern sich hinreichend geklärt haben, um den Conseil- Präsidenten Ferry in den Stand zu fetzen, sich etwaiger Angriffe der Opposi- tions-Parteien ohne große Mühe erwehren zu können.
Ungleich raschere Fortschritte, als die französische Action in Ost-Asien, macht die militärische Degagirung Englands im Sudan. Die Wiedereroberung des strategisch wichtigen Berber ist wohl der schwerste Schlag, den General Gordon der Sudan-Rebellion hat versetzen können und erscheint hiermit letzterer die Spitze abgebrochen zu sein. Trotzdem hält man englischerseits an der projectirten Nil-Expedition fefl; die Kunde von der Rückberufung Wolseley's nach England hat sich nicht bestätigt, vielmehr ist derselbe in Wadyhalfa eingetroffen, wo er mit den schon dort anwesenden englischen Generälen Carle und Wood conserirte, auch Lord Northbrook hat sich nach Oaer-Egypten, nach Assuan, begeben.
In Dänemark steht man unter dem Eindrücke des nationalen Unglückes, als welches der Brand des Kopenhagener Residenzschlosses, der Chn- stlansborg, zu betrachten ist. Unter dem Eindrücke dieser Katastrophe vollzog sich am Montag die Eröffnung des dänischen Reichstages, welche im Festsaale der Universität vor sich ging, da der Sitzungssaal des Reichstages im Schlosse Chrrstmnsborg durch den Brand ebenfalls vernichtet worden ist. Der König berührte in der Thronrede auch diese Katastrophe und sagte, das königliche Schloß, welches den Vertretern der Nation bisher zum Obdach gedient, liege in Trümmern und es müsse dies zum ernsten Nachdenken stimmen, zugleich aber als eine ernste Aufforderung betrachtet werden, in Eintracht für das Wobl des Landes und des Volkes zu arbeiten. Der Reichstag vertagte sich schließlich -nach der Wiederwahl der bisherigen Präsidien auf 4 Wochen.
Lokale».
0 October Nicht oft hat man Gelegenheit, eine Aloe (Agave) in r2s00*- die Pflanze blühe nur einmal alle hundert Jahre, daß
Mcht so selten geschieht, ionn man in den nächsten Tagen im Botanischen y)arren leyen.
AJa.v? (Ve58c,h»ffelti), bfe seit 16 Jahren im Besitze d-z Herrn Wilson gewesen ist, hat innerhalb weniger Tage einen mehrere Meter hohen Blüthenschaft ae- trieben, an d-m die Blüihen schon ziemlich enlmltf-tt und eS ist zu erwarten datz sich die herrlichen Blüthen im Warmhause des Botanischen Gartens ganz entfalten werden was zu sehen für Liebhaber gewiß interessant wäre. *
TelegraWM Depesche«.
Baden-Baden, 8. October. Se. Maj. der Kaiser besuchte heute Nachmittag das Armee-Rennen in Iffezheim. Se. Majestät fuhr in einem offenen Vierspänner mit der Großherzogin von Baden; in einem zweiten Vierspänner folgten der Großherzog unv der Erbgroßherzog von Baden, sowie die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und der Großfürst Sergius von Rußland. k1 Äeflät wurde sowohl bei seinem Erscheinen auf der Rennbahn, wie bei der Rückfahrt von der zahlreich herbeigeströmten Bevölkerung mit enthusiastischen Zurufen begrüßt.
München, 8. October. Der König und die Königin von Rumänien sind gestern Nacht mit Extrazug von Wien hier eingetroffen. Die Weiterreise erfolgt am Donnerstag.
,a 8. October. In der heutigen Sitzung de« Prov!nziallandtageS kam
d" Ethans über die Deckung der Kosten deS Landek-KrtegerdenkmalS auS kommunalständtschen Fonds zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen der Welfen- denNattoualltberaleu. Grote warf Bennigsen und dessen Partei vor, daß sie ^n^"^H°""ooeraner alS Retchsfetnde und Franzosenfreunde bezeichneten. Bennigsen r e entschieden. Herr v. Lenche erklärte die Behauptung der Reichsfetndschaft ^n-?^?wdung und erhielt deßhalb vom Btcepräsidenten, Stadtdirektor Haltenhoff, Ordnungsruf, den jedoch die Versammlung nicht billigte. Schließlich wurde bewilligt^ bc6 Anetts von 7500 JL gegen wenige Stimmen der ersten Kurte
Brüssel, 8. October. Gestern Abend kam es nach der öffentlichen Versamm- lunsder liberalen Vereinigung zur Wahl von Kandidaten für die am 19. dss Mts stattftndenden Communalwahlen zu einem heftigen Wortwechsel zwischen den Führern ^-^rgArlttenen und gemäßigten Linken, welche bet der Versammlung zugegen S! f ^eren balten die Candtdatur Janson's nach den Wahlen vom 10 Juni fürchten, daß Arbeiter-Candidaturen den Erfolg bet den Wahlen auf S Spiel setzen würden. 1
r8 Oktober. Die Budgetcommisston berteth heute eingehend über ver- c^erft,eSun0 be8 Gleichgewichts des Budgets, namentlich über eine A"?"tsirung oder Emitttrung einer Anleihe; sie beschloß aber
«egen den Voranschlag ein Gesammtmtnus von 47 Millionen. «3 8
10 lihtSTh in SÄ’a o?nrber Seit von vorgestern Abend 10 bis gestern Abend l5n<Jn ^dersonen, in der Zeit vom 6. dS. Mts., Mitternacht bis bebun^de-^^no^'cr!! h^CospcI 4 derson-n an der Cholera gestorben. — Die Aufhebung b^8 Sanitäts-CordonS um Spezzia ist angeordnet worden.
brühte aerfl^t^unb W rTumTnftüw Wtt Ä
aUS b™ £tß“Ä Äabtn »trb'aüf b2°Ä vorgekommen^^ 8' Ddo6er' ber ^coviuz Alicante sind heute 4 Cholera-TodeSfälle
au b^^rehn Jahren und vier Monaten Zwangsarbeit in den Bergwerken Sibiriens.
r. , 8. October. Em Telegramm aus Hanoi vom heutigen Taae M ^btheilung französischer Truppen, bei welcher
I- rriß ^bfand und welche von drei Kanonenbooten unterstützt wurde bat die Chinesen am Lochnan nach sechsstündigem Kampfe vollständig geschlagen.
Vermischtes.
i snM7„,&a«L\$ o? landwirths-vaitiich- Lehranstalt In Worms beginnt am 1. November ihren 23.Jahrgang. Fast sämmtliche bet ihrer Begründung etngetretenen
♦ Uno bltei] llnterricht erstreckt sich über alle Gegenstände, ,cJne8 ^bildeten Landwirths auSmachen. Ganz insbesondere hat sich n?^n^t!-n G!!lcb fe#t fahren eine stark besuchte Specialschule für Müller verbunden tfi, für die erwachseneren Söhne der wohlhabenderen Lavdwiltbe 0 r °a?ea °IJcn' ^dlche ihre Existenz als Guisoerwalter suchen. Besucht war diese Anstalt während ihres Bestehens von ca. 2000 jungen Männern auS allen Theilen Deutschlands und des Auslandes. 1 ß annern
Worfinimnafnhir C be.r Pfennig-Sparkaffen, welche Herr H. Klein, der
hnf?2' |er?eneF $f™ni6fpatWfenoerdnS aufaestellt bat, ersehen wir, n»1? iS? CrbebanbeIttn 336 Pfennigsparkassen auf Preußm 66, auf ®T? 61 b u m Hessen 168 entfallen. Die resttrenden ?uf die übrigen deutschen Staaten. Die Einwohnerzahl des
Kasten ist auf 4.533.335 angenommen, so daß bei dem Wertbe der verkauften Sparmarkev von 1 300 733,10 <AL, auf den Kopf der Ein- m “ ab nA8,nur ©ömmtßen von 28.7 Pfg. entfällt. Für Preußen allein RwrJSrrß/ ^^selnlage 32 Pfg., (1,755,743 Einwohner mit einem Verkaufswerthe von o53^7,64 ^) für Sachsen nur 14 Pfg. (1,458,358 Einwohner mit 207 091,27 J4), während dieselbe für Hessen auf 1,11 jü (295.606 Einwohner mit 316,474,79 steigt
Der Verlust der Franzosen betrug 4 Tobte, darunter ein Kapitän und 20 Verwundete, darunter ein Lieutenant. Der Vormarsch der Franzosen dauert fort.
— Der Superiorin der Schwestern am Militär-Hospital in Marseille ist Jüc ihre Verdienste um die Pflege der Cholera-Erkrankten der Orden der Ehrenlegion verliehen worden.
fiatto, 8. October. Das Gerücht von der Ermordung des französischen Konsuls Herbin aus Khartum beruht auf Vermuthung und ist darauf zurückzuführen, daß General Gordon gemeldet hatte, er beabsichtige die Konsuln Englands, Oesterreichs und Frankreichs mit dem Obersten Stewart sofort nach Berber zu senden, lieber Stewart's Schicksal sind weitere Nachrichten noch nickt ein- gegangen.__"
Die Entstehung der Credit-Anstalten.
.a . (Nachdruck verboten.)
nnh Äre^3nßitut< und Kredit-Anstalten für die Handwerker
^FnJn hnm^ra affc Eanden in Drutschland in den vierziger und fünfziger ntf e5^ipbn?rtQ6?n WfAba8 Reich an einer verhältnißmäßtg großen Kapttslarmuth 1 . l“n(,en Äric9e verschuldeten eS, daß weder Handel
MkF? r°n k rton5te# und die tiefen geschlagenen wtrthschaftlichen Wundm
iE//" .w^osam- Und so kam eS, daß Deutschland lange noch nach dem dreißig, und zwar fast zwei Jahrhunderte hindurch, ein kapitalarmeS Land ge- wKar* die Kreditinstitute in's Leben gerufen wurden und so dem
?heh^f^HFnCrfiA M»Cbr ^mbEb Hund gegeben werden konnten, erst von da
‘Ü» »erbültniffe Deutschlands. Das war Var etwa fünfzig Jahren. btcfer Zeit hat Deutschland von Jahrzehnt zu Jahrzehnt einen fi*^eretl ^ukhetl an den WeltoerkrhrSmitteln gewonnen und die DarlehnSk. ssea ^VN.sicher einen großen Antheil zu dieser wirthschaftltchen Aufbesserung unserer ntrht m^UAbe ‘ Umstehen dieser Kredit-Anstalten war das schlechterdings
WnAfhinJ15', r 'ß>anJj?etfeLtn 4 fetl?en besonderen, leider noch heute bestehenden Kreditgewährung, fehlte es an den nöthigen Geldmitteln, an -R'"eln, die es ermöglichen, alle Roh- und Urstoffe billig einzuhandeln, bessrre Ardeits- unt) anbIÄ ^hlte Geld zur Haltung einer größeren Arbetterzahl.
auszunützen, war er aus eben diesem Grunde nicht im Stande no 6 0Knm et,fe 8Ur Beschaffung billigeren Materials oder zweck- « knbtA2Bter/aeU0c? ?blte. tmmcr und immer wieder das Geld. Hauptsächlich Anfangs der fünfziger Jahre, in dieser social und politisch so bewegten anbSh/ ben ^eJbe' beJm* Kreditmangel aus allen Greifen,
hÄL? ? allgemeine und dringende, daß man sich zu dem so sehr be-
fb*r^64 k, ?ClU bc,m aanz verwerflichen Mittel der Darlehnskasscn entschloß. Wie oft diese Maßregel alS eine solche vorübergehende zur Ausführung ge- kommmist, we viele Staaten diese bedenklichen Anstalten in's Leben ge?ufm bekannt^— ®e 1 °^werfltch, fallen gelassen haben, ist hinreichend und genügend , m -Ran sann aber schon damals auf andere Mittel und so brachte im Jahre 1851 ♦L?£k" ?nr cüon ^ansemann gegründete Diskontogesellschaft den dortigen Gewerb- tre benden insofern eine Abhülfe, als diese Gesellschaft die Wechsel ber Beiheiligten btS ff m n bmT ?!"lage diSkontirte. Aber nicht nur Hansemann bemühte
sich' btc wirthschaftltchen Verhältnisse aufzub'ssern, auch Dr. Glaser, Lette und Bense- mnr Schulze-Delitzsch bemühten sich um das VolkSwohl. Namentlich J!! ue?Qr c8# ?ll/her eine auf das Princ v der Selbsthilfe und auf die Solidarität der Thetlnehmer gestützte Volksbank am 1. October 1850 in Eilenburg unter dem chußoeretns errichtete. Der in der damaligen Zett großartige und ^^iche Erfolg den der Eilenburger Vorschußveretn aufzuwetsen hatte, brachte eS mit sich, daß in viele« deutschen Städten ebensolche, auf gleicher Basis ruhende Ver- SAhin?Qh^en,‘mp^/6iP*d^tenuUUb durchschlagendsten Erfolg aber übten nach dieser 5ä*0erm lnit ungeheurer Erwärmung für das Volksleben gehaltenen
Schriften Schulze s. Diese Schriften stellten nicht nur allein die Theorie des ae» miflfFtf*fl^aeno C Cnlfonbcrn legten auch den praktischen Nutzen der
schastSgenoffenschafteu recht einleuchtend dar. Und so konnte es nicht ausdleiöen, b^ ln Folge her zündend geschriebenen Werke Schulze'S sich die Kreditveretne über ganz Deutschland und Oesterreich mit immmser Schnelligkeit verbreiteten.
Aber noch stand ihm sowohl als den Kreditbanken ein mächtiger Gegner gegm- über. da« war die ge ammte deutsche Presse. Nur ganz allmältg trat sie über; a bebte anfangs kühle Aufnahme und fast feindlich zu nennende Stellung derselben machte nach und nach einer lebhaften Anerkennung Platz, um endlich vollständig für ihn und ^ -.^^^en 'inzu re en Die größten Erfolge jedoch halten seine Reden. Ueberall, wo er seine Vorträge hielt, feierte die zündende Beredtsamkeit dieses VolksmanneS £Jbr e damaligen so schwerfälligen deutschen Landtage fanden sich
begeisterte Fürsprecher für die reformatorischen Werke Schulze's.
MA1, K IaBPe Stit jedoch währte es, ehe die Regierungen ihren Argwohn
vor den Schöpfungen eines demokratisch.« Parteiführers fallen ließen und den Vereinen den vollen Rechtsschutz durch ein Genossenschaftsgesetz erthetlten. Großen
U.m « Ck 2jBnßflute hat sich Lette mit erworben; seiner namhaften Unterstützung De<*anFm * bo^ aIIer Bedacht demokratischer Bestrebungen von den Re» gterungen wich.
Gegenwärtta stehen sowohl die Credttoereine als auch die übrigen Wirthschafts- und Erwerbsgenoffenschasten in Deutschland hochgeachtet da. Wohl hat auch hier die Gründer- und Schwtndelperiode arge Schäden angertchtet, aber die immerbrn noch wenig zu nennenden einzelnen Ausnahmen haben die Grundlage, die SchuUe-DeliNsck gelegt hat, nicht erschüttern können. Fest stehen diese Vereine, wenn sie gut geleitet werden und keine Ucberanspannung des Kredits etntritt. v 8 er
. . Dem Handwerker und kleinen Geschäftsmanne aber ist allezeit Gelegenheit ae- °°'-n.,mtt gtÖB.ren Saarmlttcln arbeiten zu kSun-n. wie er eudltch auch noch «ch oiel leichter im Stande ist, den Kampf mit dem Großkapital aufnehmen zu können ein Kampf, dem nur durch Astociation begegnet werden kann. E W. *


