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Rr. 237. Freitag den 10. October 1SS1
ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Ty ei L
Bekanntmachung.
Betreffend: Den Herbstfaselmarkt des landwirthschastlichen BezirkSvereins zu Friedberg pro 1884.
Der diesjährige Herbstfaselmarkt des landwirthschafllichen Bezirks-Vereins Friedberg soll Mittwoch den 29. Oktober L I. zu Friedberg abgehalten werden. Die aufgetriebenen Fasel werden durch eine hierzu bestellte Commission gemustert und wird den Eigenthümern der als preiswürdig erkannten Thiere eine Geldprämie bewilligt. Der landwirthschaftliche Bezirks-Verein und die Kreisstadt Friedberg haben hierzu entsprechende Beträge zur Disposition gestellt. Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Eigenthümer erscheint nicht als eine Bedingung der Prämiirung. Von der Preisbewerbung sind Gemeindefasel ausgeschlossen, desgl. Fasel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind. Für Fasel, welche als tauglich befunden, aber nicht prämiirt werden, wird auf Verlangen eine Weg-Vergütung ausgezahlt. Nicht genügend gefesselte Thiere werden von dem Platze weggewiesen werden. Die zum Abschlüsse kommenden Verkäufe wollen dem Großh. Bürgermeister, Herrn Steinhäuser dahier, zur Anzeige gebracht werden. Zu recht zahlreichem Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen. , ,
Triedbera den 2 October 1884. Der Direktor des landwirthschastlichen Bezirks-Vems Friedberg.
y a Dr. Braden.
Generalversammlung des landwirthschastlichen Vereins von Oberhessen pro 1884.
Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des landwirthschastlichen Vereins von Oberheffen soll
Dienstag den 21. Oktober l. I., Bormittags 11 Uhr,
int Gasthaus „Zum Einhorn" in Gießen abgehalten werden.
Als Gegenstände der Verhandlungen find vorgesehen:
1) Rechenschaftsablage.
2) Kann bei den jetzigen niedrigen Fruchtpreisen (Weizen 50 Kllo i 8 30 H, Korn 8 05 auf dem Grünberger Frucht-Markte
vom 6. September l. I.) durch Getreidebau überhaupt noch eine entsprechende Bodenernte erzielt werden, — und wenn nicht, — was ist da zu thun? L .
3) Welches ist das richtige Verhältnis zwischen Brod- und Getterde-PrerS?
4) Welche Getreidearten widerstehen dem Rost am Besten, — welche Erfahrungen sind mit dem Rostpilz gemacht worden, — und giebt es Mittel zu dessen Bekämpfung?
5) Was kann zur Förderung der Obstbaumzucht geschehen? .
6) Wie erklärt es sich, daß die kleinen Landwirthe nut verhältmßmäßrg nur geringer Thierzahl die landw. Preisvercheilungen beschicken und was kann dagegen geschehen?
7) Bestimmung des nächstjährigen Versammlungsortes. „ „
Nach § 32 der Vereins-Statuten hat jedes Mitglied das Recht, m der Versammlung Vorschläge zu machen, und mündlich Vortrage zu halten, muß jedoch, wenn solche nicht im Laufe der Diskussion im Zusammenhang mit einem Gegenstand der Tagesordnung geschehen, vor dem Anfang der Versammlung dem Präsidenten darüber Anzeige machen. Schriftliche Mittheilungen, welche ein Mitglied zur Kenntniß der Versammlung zu bringen wünscht, sind wenigstens 5 Tage vorher dem Präsidenten einzusenden. , , t , ,,, r ,, r . , , . nr P„ . . r
Der Unterzeichnete ladet hiermit alle Vereinsmitglieder, sowie Freunde der Landwirthschast zu dieser Versammlung mit dem Anfugen em, daß um Einleitung der Verhandlungen zu Nr. 2 und 3 der Tagesordnung Herr Professor Thaer in Gießen, Nr. 4 Freiherr Adolf von Rabenau in Friedel- hausen, Nr. 5 Herr Gutsbesitzer Sch lenke auf dem Hardthof, — und zu Nr. 6 Herr Landwirthschastslehrer Leith ig er in Alsfeld ersucht werden wird.
Friedelhausen, am 30. September 1884. Der Präsident des landw. Vereins von Oberheffen.
Adalbert Nordeck zur Rabenau.
Politische Ueberficht.
Gießen, 9. October.
Heber den Zeitpunkt der Rückkehr Kaiser Wilhelms von Baden-Baden nach Berlin liegen noch keine bestimmte Mittheilungen vor. Jedenfalls wird der hohe Herr vorher der Goldenen Hochzeitsfeier des Fürsten und der Fürstin von Hohenzollern in Sigmaringen beiwohnen. — Gegen Mitte dieses Monats wird Kronprinz Rudolf von Oesterreich in Berlin erwartet, um alsdann in Gemeinschaft mit Prinz Wilhelm von Preußen an den Jagden aus Elchwild im Bezirk der Oberförsterei Jlbenhorst, Regierungsbezirk Gumbinnen, theilzunehmen.
Die Vorbereitungen für die Reichstagswahlen absorbiren mehr und mehr das öffentliche Jntereffe, so daß für die übrigen Angelegenheiten des Reiches wenig Raum mehr übrig bleibt. Mit Dienstag, den 7. October, ist die letzte Frist für die Einsichtnahme in die öffentlich ausgelegten Wahllisten abgelausen und hoffentlich hat jeder Wähler, der es mit der Ausübung seines vornehmsten staatsbürgerlichen Rechtes genau nimmt, es nicht versäumt, sich zu überzeugen, ob sein Name u. s. w. in den Listen richtig eingetragen ist. Namentlich hinsichtlich des Namens des Wählers ist eine Prüfung der Wählerlisten geradezu geboten, da die Ausübung des Wahlrechts vor Allem von dem richtigen Namenseintrag in die Listen abhängig ist. Saumselige Wähler hätten sich da an den Berliner Arbeitern ein Beispiel nehmen können, welche am Sonntag sich zu vielen Taufenden an den Stellen einfanden, an denen die Wahllisten auslagen, um dieselben einer Prüfung zu unterziehen. Ueberhaupt ist die Wahlbewegung in Berlin weit intensiver, als in andern Orten des Reiches; eine Wahlversammlung nach der andern folgt sich in der Reichshauptstadt und besonders die Socialdemokraten entwickeln eine außerordentliche Thätigkeit. So hatten sie für vergangenen Samstag und Sonntag fünf große Wählerversamm- lungen geplant. Die Absicht, durch diesen die Maffen-Agitation zu Gunsten der socialistischen Candidaten einzuleiten, wurde jedoch vereitelt, indem vier dieser Versammlungen die polizeiliche Genehmigung überhaupt nicht erhielten, während die fünfte nach 5 Minuten aufgelöst wurde, wobei es zu tumultuarischen Scenen und in Folge dessen zu einigen Verhaftungen kam.
Nach der „Nordd. Allg. Zeitung" sind die Gesetzentwürfe, welche die Einaeziehung der Transport-Gewerbe und der Land- und Forstwirthschaft in den Bereich des Unfallversicherungs-Gefetzes bezwecken, bereits aufgestellt und befinden sich gegenwärtig in dem Stadium der vorbereitenden Durchberathung.
Die „Liberale Correfpondenz" hatte der Vermuthung Ausdruck verliehen, daß es sich hierbei nur wohl darum handle, aus die Wähler zu Gunsten der Regierung Eindnick zu machen, worauf die „Nordd. Allg. Ztg." auf die vom Staatsminister v. Bötticher und vom Reichskanzler am 14., resp. 15. März d. Js. im Reichstage gehaltenen Reden hinweist, in denen die baldige Erweiterung des Unfallversicherungs-Gesetzes durch die Einbeziehung der bei den Transport- Gewerben und bei der Land- uno Forstwirthschaft beschäftigten Arbeiter betont wurde.
Aus Wien kommt die bedeutsame und beglaubigte Nachricht, daß die österreichischen Bahnen das Berliner Uebereinkommen vom vorigen Jahre, betr. die Regelung des deutsch-österreichischen Eisenbahnverkehrs, gekündigt haben, um für die bevorstehenden Verhandlungen freie Hand zu haben. Die generelle Kündigung der bestehenden Verbandtarife ist ein weittragender Schritt und laßt befürchten, daß deutscherseits Nepreffalien ergriffen werden, welche die herrschende Verstimmung noch erheblich steigern dürsten. Da durch einen allgemeinen Tanf- Conflict zwischen den deutschen und den österreichischen Bahnverwaltungen nicht nur die Jntereffen der Bahnen berührt, sondern alle Kreise des Handels und des Verkehrs in Mitleidenschaft gezogen werden, so wäre es zu wünschen, daß die beiderseitigen Regierungen, welche sich auf rein politischem Gebiete so nahe stehen, sich zur Anwendung ihres begütigenden Einfluffes behufs Ausgleichs der bestehenden Differenzen veranlaßt fühlen möchten.
In dem Kampfe, welchen die Regierung des Grafen Ta affe gegen das liberale Deutschthum in Oesterreich führt, macht sich soeben ein neues Moment bemerklich. Der österreichische Handelsminister bezweckt die Auflösung sämmtlicher Handels- und Gewerbekammern, mit Ausnahme derjenigen von Prag und Triest, und die Vornahme von Neuwahlen auf Grund der neuen Wahlordnungen. Die österreichischen Handelskammern wählen bekanntlich Abgeordnete in den Reichsrath und in die Landtage und bisher gehörten ihre parlamentarischen Vertreter in den rein deutschen, wie in den gemischt-sprachigen Kronländern der Verfassungs-Partei an. Dieses Hebergewicht des deutschen Elements soll nun durch die neuen Wahlordnungen, welche auch den kleineren Gewerbetreibenden ausgedehntere Vertretung sichern, wenn nicht beseitigt, so doch vermindert werden und zwar anscheinend hauptsächlich zu Gunsten der Nationalitäts-Parteien. — In Wien hat am Montag Nachmittag das feieruche Leichenbegängniß Makart's unter überaus zahlreicher Vetheiligung aller Gesellschaftsklassen, der Mitglieder der Künstlergenossenschast, der Zöglinge der Akademie


