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FMtlicher Hheit.

Steckbrief.

Der unten näher bezeicknete Musketier Albert Stein der 5. Compagnie Infanterie-Regiments Nr. 98 wird seit dem 30. Mai 1884 vermißt und ist daher der Fahnenflucht dringend verdächtig.

Ein Jeder, der von dem Aufenthalt des rc. Stein Kenntniß hat, wird hierdurch aufgefordert, davon der nächsten Polizei- oder Militärbehörde Anzeige zu machen. Gleichzeitig werden alle Civil- und Militärbehörden dienstergebenst ersucht, auf den -c. Stein zu vigfliren, ihn im Betretungsfalle verhaften und an die nächste Militär-Behörde abliesern zu lassen, welche den weiteren Transport desselben zum untengenannten Bataillon Übernehmen wolle.

Metz, den 6. Juni 1884. Königl. Kommando des 2. Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 98.

Signalement: Vor- und Zunamen: Albert Heinrich Stein, geboren am 25. December 1862 zu Keddingen, Kreis Schotten, Provinz Oberhesien. Profession: Fabrikarbeiter. Religion: evangelisch. Größe: 1 m 64 c. Haare: blond. Stirn: frei. Augenbrauen: blond. Augen: blau. "Nase: spitz. Mund: klein. Bart: keinen. Kinn: gewöhnlich. Gesichtsbildung: rund. Gesichtsfarbe: gesund. Statur: schlank. Sprache: deutsch. Besondere Kenn­zeichen keine. An Bekleidungsstücken hat derselbe mitgenommen: 2 Unterhosen, 1 Waffenrod, 1 Tuchhose, 1 Halsbinde, 1 Hemd, 2 Paar Stiefel, 1 Leib­riemen mit Schloß, 1 Seitengewehr Nr. 248.___

Ieutschtarrd.

Berlirr, 7. Juni. Wie verlautet, wird der Transvaal-Deputation, be­stehend aus dem Präsidenten Krüger, dem militärischen Führer General Smit und dem Regierungs-Mitgliede Dutoit, welche morgen hier eintreffen soll, ein sehr freundlicher Empfang bereitet. Der Kaiser würde, wie es heißt, die Ver­treter der südafrikanischen Republik nicht nur in Audienz empfangen, sondern auch zur kaiserlichen Tafel ziehen und es würden ihnen während ihres Aufent­haltes in Berlin Hofwagen und kaiserliche Dienerschaft zur Verfügung gestellt werden. Der Präsident Stephanus Krüger, ein Mann von 58 Jahren, hat sich durch staatsmännische Tüchtigkeit im Frieden und durch persönliche Tapfer­keit im Felde hervorgethan. Der Kriegsminister General Jacobus Smit war die Seele des Unabhängigkeits-Krieges von Transvaal und hat bei Langsneck und Sugago gegen die Engländer gefochten. Beide sind holländischer Abkunst; Herr Dutoit dagegen stammt aus einer französischen Protestanten-Familie, die nach der Aushebung des Edicts von Nantes aus Frankreich ausgewandert war. (Die drei Herren sind bekanntlich bereits in England, Holland, Belgien und Frankreich gewesen).

Es ist das Gerücht verbreitet, daß der Reichstag nach Erledigung der dringlichsten Arbeiten eine Sommerpause machen und im Herbst nochmals zu einerNachsession" zusammentreten werde. DieNat.-Liberale Correspondenz" bemerkt dazu:Das Gerücht gründet sich offenbar auf die neuen Vorlagen, Stempelsteuer, Zolltarif, Zuckersteuer, bezüglich deren nicht abzusehen ist, wie die Zeit zu ihrer Erledigung ohne außergewöhnliche Maßnahmen gefunden werden soll. Der Reichstag ist über den Juni hinaus unmöglich zusammenzuhalten, die Zeit bis dahin tfi schon überreich in Anspruch genommen und es bleibt für die neuen Vorlagen nichts übrig. Verzichtet die Regierung nicht Angestchts der herrschenden Geschäftslage von selbst auf die Durchberathung ihrer neuesten Entwürfe in der zu Ende gehenden Legislaturperiode, so wird allerdings der Gedanke einerNachsession" sich aufdrängen. Wir wollen hoffen, daß das Erstere geschieht. Die Zumuthungen an die Arbeitskraft der Abgeordneten haben denn doch ihre Grenze."

Die CorvetteLeipzig", die bekanntlich am 9. April an der Nord­ostküste Borneos auf ein Korallenriff stieß und mit Mühe Singapurs erreichen konnte, scheint auf ihrer Fahrt vom Mißgeschick verfolgt zu werden. Wie nämlich die in Singapore erscheinenden Straits Times vom 7. Mai berichten, sind dort etwa 70 Mann von der Besatzung unserer Corvette am Fieber erkrankt und in klimatisch günstiger gelegenen Ortschaften untergebracht worden. Falls die Krankheits-Erscheinungen nicht bald wieder geschwunden sind, dürfte dieLeipzig" die auf den 1. Juni angesetzte Reise nach Kapstadt noch nicht an­getreten haben.

Berlin, 7. Juni. Der Kaiser, der Kronprinz und die Großherzogin von Baden besuchten am heutigen Sterbetage des Königs Friedrich Wilhelm III. das Mausoleum in Charlottenburg und verweilten einige Zeit zu stiller Ge- dächtnißfeier.

Aus Anlaß der morgen erfolgenden Investitur des Prinzen Heinrich mit dem spanischen Orden vom Goldenen Vließ wird bei Sr. Maj. dem Kaiser ein Diner stattfinden, an welchem außer den Mitgliedern der Königl. Famllie die Staatsminister, Feldmarschälle, Generäle der Infanterie und Kavallerie, sowie der spanische Gesandte und die heute früh hier eingetroffene Transvaal- Deputation theilnehmen werden.

Fürst Bismarck mit Gemahlin und Söhnen ist heute früh hier einge­troffen, vom Publikum aus dem Bahnhofe lebhaft begrüßt.

DerReichs-Anz." schreibt: Da die Hoffnung, die Kaiserin bei der Grundsteinlegung des Reichstags-Gebäudes gegenwärtig zu sehen, sich voraus­sichtlich nicht verwirklichen wird, will der Kaiser nicht nur für sich, sondern danach auch für die Kaiserin drei Hammerschläge aus dem Grundstein vollziehen.

Kaffel, 7. Juni. Der Präsident des Oberlandes-Gerichts Mager hier- selbst ist heute Vormittag gestorben.

Bremen, 7. Juni. Der Nordd. Lloyd-DampferMain" passirte heute Mittag Lizard im Schlepptau des zu seiner Aufsuchung ausgesandten Dampfers Gamecock" auf dem Wege nach Falmouth.

Oesterreich.

Agram, 7. Juni. In der heutigen Sitzung des kroatischen Landtages forderte Josipovic den Abg. Stracevic zur näheren Erklärung, eventuell zur Zu­rücknahme seiner in ver gestrigen Sitzung gebrauchten Ausdrücke auf, durch die sich die Majorität für beleidigt erachte. Starcevic antwortete ausweichend, worauf Josipovic erklärte, daß er sich auf anderem Wege Genugthuung ver­schaffen werde. Der Präsident ertheilte Starcevic wegen Beleidigung des Hauses eine Rüge.

SranLreich.

Paris, 7. Juni. DieAgence Havas" meldet: Wir glauben zu wissen, daß bei der gestrigen Unterredung Lord Granville's mit dem Botschafter Wad ^ngfon ein Einrerständniß Frankreichs und Englands in der Conferenz- frage erzielt worden ist.

Weitere Meldungen aus Hue besagen: Die anamitische Negierung nahm den Vertrag mit Frankreich ohne Aenderungen an. Anam wird unter französisches Protectorat gestellt und in seinen Beziehungen zu den fremden Mächten durch einen französischen Residenten vertreten. Cochinchina, Anam und Tongking treten zu einer Zollunion zusammen. Die Ausführung der öffent­lichen Arbeiten, Post, Telegraphenwesen, Finanz- und Zollverwaltung stehen unter einer einheitlichen Verwaltung, welche der Direction eines französischen diplomatischen Agenten untersteht. Der Gesandte Patenotre beabsichtigt sich am 25. Juni von Hue nach Hongkong zu begeben.

England.

Loudon, 7. Juni. Der Staatssecretär des Auswärtigen, Lord Gran­ville, hat gestern im Auswärtigen Amte eine längere Conferenz mit dem fran­zösischen Botschafter Waddington gehabt.

Wie der ^Standard" erfährt, erwartet das englische Cabinet am Montag von der französischen Negierung eine wichtige Mittheilung in Betreff der Conferenz-Vorschläge.

Meldungen hiesiger Zeitungen aus Kairo von gestern zufolge hat Admiral Hewett am 27. Mai eine Unterredung mit dem Könige von Abyssinien gehabt und beabsichtigte am 1. Juni die Rückreise anzutreten. Die Mission des Admirals sei erfolgreich gewesen.

Türkei.

Konstantinopel, 7. Juni. In Aleppo hat gestern Vormittag ein ziemlich heftiges Erdbeben, das etwa 6 Secunden anhielt, stattgefunden. Men­schenleben sind nicht verloren gegangen.

Aegypten.

Kairo, 7. Ium. Die ZeitungDer Egyptische Bosporus" will, ent­gegen den Meldungen in Londoner Blättern, wissen, daß die Mission des Ad­mirals Hewett bei dem Könige von Abyssinien keinen Erfolg gehabt habe. Letzterer habe bestimmt abgelehnt, den Garnisonen im Sudan durch seine Trup­pen zu Hülfe zu kommen oder den Durchmarsch englischer Truppen zu gestatten.

Ein weiteres Bataillon der egyptischen Armee hat Ordre erhalten, nach Suakim abzugehen; in Unter-Egypten wird alsdann nur noch ein Ba­taillon stehen.

Port Said, 7. Juni. Auch der Rest der hier stationirten Marine- Infanterie hat Ordre erhalten, nach Suakim abzugehen.

Telegraphische Depeschm.

Wolff'S telegr. Eorref-oVdenz-B«Lrrru»

Paris, 8. Juni. Zwischen dem korsikanischen Deputirten Arene und dem Redacteur derFrance" Judet fand anläßlich der über die korsikanische Angelegenheit unter ihnen entstandenen Differenzen heute früh ein Duell auf Degen statt, bei welchem Aröne an der Hand verwundet wurde.

Kairo, 8. Juni. Im Widerspruche mit den jüngst aus Dongola ein­gegangenen Nachrichten, welche die Lage von Berber als günstig darstellten, sagen officielle Meldungen aus Suakim, Berber habe sich den Aufständischen