Preffe verbreitet und dabei nicht blos die Neugier des großen Publikums befriedigt, sondern auch bet guter Gelegenheit eine kleine Reclame für dies oder^ jenes Etsenbahn- papterchen mit angehängt, in welchem VanderbM angeblich große Käufe oder Verkäufe angeordnet hat oder anzuordnen gedenkt. Der Amerikaner schluckt solche kleine Anhängsel gern mit hinunter, wenn er sich nur an der Idee erqu den kann, daß Amerika auch in Bezug auf den Reichthum seiner Monopolisten vor allen anderen Ländern der Erde den ersten Rang einnimmt.
— DaS Hofleben des Mahdi wird von drei Militärs geschildert, welche in jüngster Zeit aus El-Obeid entflohen sind. Der räthselhatte Mann, der den Briten so viel Kopfzerbrechen macht, scheint sich die Herrscherrolle schon vortrefflich zurecht gelegt zu hoben- Der Abgesandte Gordon Pascha's wurde von dem falschen Propheten sehr gastfreundlich empfangen und mit einer rothen Uniform, zwei Elcphantenzähnen, einem Talisman, sonne 14 Maria Theresien-Thalern und zwei Medschwies beschenkt- Beim Hauptmahl, an welchem in der Regel gegen 200 Personen theilnehmen, nahm der Abgesandte den Ehrenplatz zur Rechten des MahdiS ein. Während des Gesprächs unterließ es der Mehdi nicht, wiederholt Gordon Pascha's lobend zu erwähnen. Am letzten Tage wurde der Abgesandte zum Mahdi gerufen, der ihm die Antwort auf das Schreiben Gordon's in einem roihledernen Beutel e'nhändigte. Als Reisegeld wurden dem Abgesandten 5 Maria-Theresien-Thaler und 4 Mcüsch'd-es ausgefolgt. Als derselbe Abschied nahm, verrtchtet^n der Mahdi und feine Derwische ein Gebet für sein Wohlergehen. Der Mahdi leibst führt ein sehr regelmäßiges Leben. Seine Kle'dung besteht aus einem rothen Unterkleide, einem grünen Mantel und einem Turban mit weißem Schleier. In der Hand hält er stets eine Art Rosenkranz, der aus Elfenbeinkügelchen gebildet ist. Täglich spricht er auf öffentlichem Markte Recht, indem er die Parteien anhört und sodann seinem W<ktl die Ausführung seines Urtheiltz anbefiehlt. So oft er in sein Haus zurückkehrt, durchschreitet er ein Spalier; auch wird ihm Weibrauch gestreut. Nach dem sogenannten Hischa Gebete, 2Vr Stunden nach Sonnenuntergang, besteigt er eine Art Tribüne, um die verschiedenen Stammeshäuptlinge zu empfangen und ihre Geschenke entgegenzunchmen, welche aus Datteln. Kleidern, Schafen und Ziegen bestehen. Hundert Männer mit brennenden Fackeln begleiten ihn, wenn er sich zur Ruhe begibt.
— Vom „alten Fritz" weiß der „Bär" in feiner jüngsten Nummer folgende charakteristische Anecdote zu erzählen, die noch wenig bekannt ist. Friedrich der Große begegnete eines TageS einem Menschen, der ein Glas zu viel getrunken hatte und euch in feinem Anzuge ziemlich lüderlich aussah. Friedrich war b?r Meinung, diesen Mann schon in der Kanzlei emeS seiner Minister gesehen zu haben und sein treues Gedächtwß, wie auch sein scharfer Bktck hatten ihn nicht getäuscht. Höchst aufgebracht über ein solches Aussehen eines preußischen Beamten, r?ef er ihn an und fragte mit zorniger Stimme: „Wie heißt Er und wo bient Er?" Mit dem Muthwillen eines Trunkenen antwortete der Gefragte: „Er — heißt die dritte Person in der Declination der persönlichen Pronomina und Er bient in her Kanzlei des Grasen Herzberg." — „Er Schlingel! Will mir die deutsche Grammatik lehren und Er weiß nicht einmal, daß der Eigenname, sobald er den Artikel vor sich hat, nicht gebeugt wird?" Bet diesen Worten, die der König in höchstem Zorne, seine Augen fest auf den Trunkenbold gerichtet, sprach, gelangte der Trunkene augenblicklich zu seiner vollen Fassung und mit einer Geistesgegenwart, die den Fürsten in Erstaunen setzte, er,tfle[:n<?te er unter einem Wahrhaft diplomatischen Kratzfuße: »Vor Ew königlichen Majestät muß sich Alles beugen, eS mag einen Artikel vor sich haben oder nicht!" „Nun, nun!" antwortete Friedrich lächelnd, „Er weiß Einen zufriedenzustellen; aber zum Friedensrichter möchte ich Ihn doch nicht hoben, denn er versteht mir zu gut. die eigentliche Bedeutung der Worte zu figürlichen zu machen. Nun geh' Er graben Weges nach Hause und beuge Er hinfüro das Gläschen nicht so!"
— (Bluthunde als Zuchthauswächter.) Mit Bluthunden wurden einst die flüchtigen Sklaven im Süden der Union eingefangen und mit Bluthunden werden jetzt die Zuchthäusler in Texas, denen es gelingt, aus dem Staatszuchthause in der dortigen Stadt Huntsville zu entkommen, meist schnell wieder zur Stelle gebracht, auch wenn sie keine „Niggers", sondern „Weiße" stad. Düse Hunde sind so gcsürchtet, daß nur rwch wenige Zücktlinge eine Flucht wagen. Ein Augenzeugr schildert die Dressur der
jungen Bluthunde im Zuchthause zu Huntsville so: Zuchthausbeamte, Hundewärter und Zuschauer traten tnß Freie. Em Sträfling wurde herbeigerufen, um sich von den jungen Hunden jagen und fangen zu lassen. Es ward ihm tln Vorsprung von einer halben Meile (englische) gegeben, woraus die Hunde auf seine Fährte gesetzt wurden. Sie stürmten, laut heulend, mit der Nase auf dem Boden, vorwärts, erst über ebenes Feld, bann über Umzäunungen, durch Gestrüpp und Büsche, ohne daß ihr Geheul aufhörte. Hin und wieder, wenn der Flüchtling eine scharfe Wendung gemacht hatte, verloren die Hunde die Fährte, doch nur für einen Augenbl'ck; bald stürzten sie wieder auf der richtigen Fährte vorwärts. Der Sträfling war ein ausgezeichneter Läufer, aber der feuchte Boden hemmte seinen Lauf und als er das Ende der ihm voige- fchriebenen Bahn erreichte, schien er zu ermatten. Die Hunde kamen schnell näher und waren ihm bald auf den Fersen. Es wurde ihm befohlen, einen Baum ober Pfahl zu erklettern, damit die Hunde seine Spur verlören. Zuerst versuchte er einen hohen Zaunpfabl zu et klettern, doch waren die Hunde zu dicht hinter ihm, so daß er in einem Wagen Schutz suchen mußte. Die Hunde kamen wenige Augenblicke später an dem Zaun an, blieben unentschlossen stehen, schnupperten auf een Wegen herum und bann sprangen sie aus den Wagen zu, wo sie den Mann keuchend versteckt liegen sahen. Er wickelte sich eine alte Decke um den einen Arm und sprang auf die Erde. Die Hunde stürzten sofort auf ihn zu; doch erwehrte er sich ihrer mit dem umwickelten Arm. Schließlich biß sich einer derselben in dem Beinkleid des Sträflings fest und ließ nicht los, obgleich er beständig im Kreise herumgeschwungen wurde. Die Wache trieb alsdann bte Hunde wieder in den Zwinger und der Sträfling entfernte sich.
— (Eigcnihümliche Hautaffectton.j In der letzten Sitzung der Berliner Medi- cinischen Grscllsckaft wurde ein junger Mann vorgestellt, der eine ganz eigenartige HoutLffection besitzt. Derselbe hatte ärztliche Hülfe nachgesuckt wegen eines sehr lästigen Hautjuckens, für welches trotz eingehendster Untersuchung kein rechter Grund zu finden wer. ES zeigte sich jedock, daß der junge Manu überall da, wo die Haut seines Körpers mit dem Fingernagel ober irgend einem andern beliebigen stumpfen Gegenstände übsrstrichen wurde, wollartige Erhebungen bekam, die sich zu weißen Leisten ausbildeten, während bte umgebenden Hautstellen sich t'.efroth färbten. Nach einiger Zett verloren sich diese Erscheinungen, ohne Beschwerden irgend welcher Art zu hinterlassen. Dieses merkwürdige Verhalten der Haut wurde von dem behandelnden Arzte der Gesellschaft erläutert, indem er mit dem Fingernagel auf die Haut des Kranken mathematische Figuren, die Jahreszahl 1884, einzelne Buchstaben rc. schrieb, welche auch binnen wenigen Minuten in der geschilderten Weise vollkommen deutlich heroortraten. Verschiedene Aerzte, welche sich persönlich von dieser eigenartigen Hautaffcciion übers zeugen wollten, schrieben ebenfalls mit dem Fingernagel einige Buchstaben und Striche auf die Haut des jungen Mannes und alsbald glänzten auch ihnen ihre „Manuscripte" entgegen. Der also „Gezeichnete" trug an diesem Abend eine ziemlich reichhaltige „Autographen-Sammlung" auf Brust, Rücken und Unterleib davon, und er wird es gewiß bedauert haben, daß diese interessante „Handschriften" so schnell wieder verschwinden. Die Affection selbst, welche von den Aerzten „Urticaria factiti*“ genannt wird, ist sehr selten und ihrem Wesen nach noch sehr wenig bekannt.
— Das hier sehr übliche „Seilspringen" der kleinen Mädchen wird von ärztlichen AutoritSten als unbedingt verwerflich, weil gesundheitsschädlich, erklärt, da es häufig Verrenkungen, Knochenbrücke und Verletzung der inneren Organe zur Folge hat. Im vorigen Jahre zog sich in Dortmund (Westfalen) ein Mädchen durch das Seilspringen ein Fersenübel zu, das eine schwierige und gefährliche Operation nöthig machte und gleichwohl n'Cbt geheilt werden konnte. Kinder, welche dieses Spiel treiben, Hagen häufig über Uebelkeit und bekommen Erbrechen, Kopfschmerzen, Gliederreißen, ohne daß sie ober die Eltern die Ursache davon kennen oder vermuthen.
— (Eine vorsichtige Mutter.) (Frau zu ihrem Jungen): „So, nur schnell herunter mrt dem Zeuge." — Mann (nach Hause kommend): „Aber, Frau, was machst Du denn, unser Junge ist seit drei Tagen so wie so nicht wohl, und nun läffeft Du ihn in dieser Zugluft sich ausziehen, da muß er sich ja erkälten." — Frau: „Gerade expreß, die Kleider müssen noch in der Minute aus dem Hause, der Doctor war eben hier und sagte, es sei Diphtheritis im Anzuge."
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