Ausgabe 
10.2.1884 Erstes Blatt
 
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Im Unterhause antwortete Gladstone Dyke, Granville habe mit Ein­willigung des Cabinets Rothschild auf Befragen erklärt, die Regierung sehe es gern, wenn er den Wünschen der egyptischen Negierung, betr. den Millionen- Vorschuß, entsprechen könne.

Petersburg, 8. Februar. Das Militärbezirksgericht sprach den frühe­ren Intendanten des Detachements Rustschuk, Oberstlieutenant Priorow, sowie den Transport-Unternehmer Auerbach wegen Ausfertigung, refp. Beglaubigung wissentlich falscher Dokumente über VerproviantirungS-Transporte schuldig und verurteilte sie zur Deportation nach Sibirien; der dritte Angeklagte, Kapitän Konkoff, wurde sreigesprochen.

Kairo, 8. Februar. Nubar Pascha, Baring und General Wood con- serirten Vormittags über die Mittel zur Vertheidigung Suakims. Es verlautet, der größere Theil der Truppen Baker Pascha's werde von Suakim zurückberufen werden, well unter denselben Unzufriedenheit herrsche und Baker Pascha in Folge dessen das Standrecht verkünden mußte.

Die Negierung beschloß, bereits morgen drei in der egyptischen Armee dienende englische Ossiciere nach Suakim abgehen zu lassen und aus der Elite der Negertruppen ein 500 bis 600 zählendes Bataillon zu bllden, welchem in Gemeinschaft mit englischen Marine-Soldaten die Vertheidigung Suakims anver­traut wird. Baker Pascha und die übrigen egyptischen Truppen in Suakim werden zurückberufen.

New-Uork, 8. Februar. Nach den jüngsten Meldungen aus dem Westen lassen die Regengüsse daselbst nach und ist der Wasserstand der Flüsse im Abnehmen begriffen. Für Pittsburg scheint die größte Gefahr vorüber zu sein. Die Zahl der in Pittsburg und Alleghany City unter Wasser gesetzten Gebäude wird auf 5000 bis 6000 angegeben.

Lokales.

Gießen, 8. Februar. fTHeaters Der Tag der Aufführung eines klassischen Stückes sollte ein Feiertag für die Darsteller und das Pubtckum sein. Beschäftigt man sich doch an einem solchen Tage mit dem Edelsten und Besten, was die Besten unseres Volkes den Künstlern und uns gegeben. Hundert Acte vonDr. Klaus" wiegen nicht einen ActDon Carlos" auf. Die Dtrectton eines aufrichtig der Kunst dienenden Instituts muß es daher auch erkennen lassen, daß sie, indem sie den Klassikern ihren Tribut zollt, daS Alltägliche einen Augenblick bei Seite schiebt und dem Theaterbesucher etwas ganz Besonderes bietet. Auch bet dem größten Wohlwollen und bet aller Milde und Nachsicht wird man nicht behaupten können, daß unsere Schauspieler, viel­leicht mit zwei bis drei Ausnahmen, sich im Besitze der Mittel befänden, um eine Schtller'sche Tragödie würdig aufzufübren. Die Bctfallsspenden und Hervorrufe der höchst begeisterten, ober unkritischen Galerie sprecht» nicht dagegen. Manches war ja ganz ccceptadel, aber die falschen Cad,nzen und das unrichtige B'tonen mancher Stellen mochte uns wenig anmuthen und thaten der Schönheit und Geschlossenheit dcs Ganzen Abbruch.

Der Beneficiat Herr Scböu wasser (Don Carlos) gab, wo er ruhiger sprach, verhältnißmäßtg Gutes, aber öfters machte er sich seines Fehlers, die Rede zu Über­hasten, in einer Weise schuldig, daß man ihn bet einem wenigrr bekannten Texte kaum noch verstanden haben würde. Wenn wir noch drs Maltesers gedenken, der von Herrn Schölermann sehr eindrucksvoll dargestellt wurde, so sind damit die besseren Leistungen der Hauptbethetligten erschöpft. Herr Muff und Fräulein Kohrsen I. sind überall, wo sie nicht auf dem Kothurn emherschretten müssen, besser am Platze.

Da8 HauS war ziemlich aut beseht.__

Vermischtes.

Leipzig, 7. Februar. Ueber den Postraub im hiesigen Berliner Bahnhof erfährt LaSLetpz. Tgbl." aus guter Quelle Folgendes: Zu den Postsachen, welche vom Postamt Nr. 2 (Dresdner Bahnvof) nach dem Berliner Bahnhofe zu dem Zuge 4 Ubr 20 Min. überzusühren waren, gehörten zwei Brtefbeutel, die in der Nacht mir dem,Luge von Dresden daselbst angelangt und von denen der eine nach Berlin, der andere i der Richtung nach Bitterfeld-Magdeburg weiter zu befördern war; die beiden Brtef­beutel enthielten außer Einschreibebriefen declarirte Werthsummen von etwa 80,000 X Der Postunierbeamte, welcher den Transport begleitete, hat die Beutel im Postamt 2 richtig übernommen und wie er bestimmt versichert, auch in daS Magazin des Post­wagens in vorschriftsmäßiger Weise verladen. Nachdem der Wogen tm Berliner Bahn­hofe eingetroffen war, hat der gedachte Beamte die ihm anvertrauten Gegenstände, darunter die beiden Geldbeutel, den Beamten im Zuge übergeben wollen und zu diesem Behufe das Magazin geöffnet, die Verladung der übrigen Poststücke am Etsenbahn- postwagen ist jedoch noch nicht beendet gewesen, und da das noch einige Zeit in Anspruch zu nehmen schien, so hat der Begleiter deS Posttransportes vom Postamt 2 daS Magazin seines Wagens wieder verschlosst«, um, wie er sagt, sich an den Bahnpostwagen zu begeben und dort beim Verladen behilflich zu sein. Der betreffende Begleiter hat jedoch einen großen Fehler insofern begangen, als er das Magazin seines Wagens nur einfach verschloß und da« kleine praktische Sicherheitsschloß, das für solche Fälle vorgesehen ist und von dem jeder der Postbegletter ein Exemplar besitzt, nicht anlegte. AlS der Beamte zurückkehrte, fand er die eine Hälfte der Magazinthüre offen stehen und bei sofortigem Nachsehen wurde ermittelt, daß die beiden Briefbeutel geraubt waren.

TS wurden unverzüglich Nachforschungen etngeleitct und die vorgesetzten Dienst­behörden benachrichtigt, so daß mit Anbruch des Tages bereits nach allen Richtungen hin die polizeilichen Erörterungen tm Gange waren. Man nimmt an, daß der freche Raub nur von einer oder mehreren Personen verübt sein kann, die von den ein­schlagenden Verhältnissen genaue Kenntniß haben. Während des Vormittags Hst man den einen Beutel, seines baaren Geldinhalts beraubt, doch die Einschreibebriefe mit den Wechseln rc. noch enthaltend, unweit des Berliner Bahnhofs, nach der Richtung von Eutritzsch zu, aufgefunden. Soeben werden wir vom Polizeiamt ersucht, mitzu- IheUen, daß sich in dem einen der entwendeten Geldbriefe zehn Stück Deutsche Reichs­anleihe, Nr. 1261 bis Nr. 1270 zu je 5000 X nebst Talons und Coupons befunden haben. ES erscheint dringend geboten, auf das Vorkommen dieser Effekten genau zu achten. Der betreffende Poftbegleiter ist, wie man uns meldet, verhaftet, doch scheint reine Gewißheit vorzultegen, daß man in demselben den Urheber der That zu er­blicken hat. (Frkf. Ztg.)

Hande! und Verkehr.

Gießen, den 9. Februar. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 0.901.00, Hühnereier per Stück. 67 Enteneier per Stück 70 Gänse­eier per Stck. 1100 Käse Stck. 58 Kasematte 3 Erbsen per Liter 20 Linsen 30 H, Tauben per Paar 751,20 Hühner per Stück X 0.901.30, Hahnen per Stück X 0.751.40, Enten per Stück X 2.002.20, Ochsenfleisch per Pfund 6600 Kuh- und Rindfleisch 4856 Kalbfleisch 4550 H, Schweinefleisch 6000 Hammelfleisch 6070 Kartoffeln per 100 Kilo X 3.504.00, Milch per Liter 1318 Gänse per Psd. 4554, Zwiebeln per Ctr. X 900, Weiß­

kraut per Hundert X 5.-8.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gietzen.

Evangelische Gemeinde.

Getaufte.

Den 3. Februar. Dem Schmiedmetfter Conrad Walther eine Tochter, Luise Emilie, geboren den 25. December 1883.

Denselben. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Beck eine Tochter, Anna Georgine Elisabeth, geboren den 22. December 1883.

Denselben. Dem Schreiner Hermann Treppinger eine Tochter, Maria Elisabeth, geboren den 23. December 1883.

Denselben. Dem Schriftsetzer Christian Platz eine Tochter, Antonie Karoline Elisabeth, geboren den 19. December 1883.

Beerdigte.

Den 2 Februar. Schaffner Heinrich Schulz, verhetrathet, alt 53 Jahre, gestorben den 31. Januar.

Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.

Aufgebote.

Februar: 4. Bäcker Paul Loui« Wilhelm Oertel mit Anna Marie Gertrudis Kleinfeloer, Tochter dcS verstorbenen Dachdeckers Anton Christian Kleinfelber zu Gießen. 6 Schlosser Karl G.'nsheimer mit Johanna Seck, geb. Battenberg, Wittwe des Schlossers Karl Seck zu Gießen. 6. Der Schaffner bei der Main-Wescr-Bahn Johann Konrad Kaspar Kaus, Wittwer, mit Margarethe Volp, Tochter deS verstorbenen Oeconomen Konrad Volp zu Gießen. 7. Gastwirth Ludwig Heinrich Leib mit Karoline Heßler, Tochter deS Maurermeisters Heinrich Heßler zu Gießen. 9- Tapezier Heinrich Wilhelm Reinhold Theodor Kutzschrad mit Margarethe Noll, Tochter deS verstorbenen Oeconomen Konrad Noll zu Gießen.

Geborene.

Januar: 28 Eine Tochter von auswärts, Ida. 29. Eine Tochter von auswärts. 30. Dem Gastwirth Emil Schmoll ein Sahn. 31. Dem Schuhmacher Adam Tilger em Sohn, Ludwig. 31. Dem Schaffner bei der Main-Weser-Bahn Karl Andreas Müller eine Tochter, Wilhelmine Emma. 31. Dem Kaufmann Hermann Petrt eine Tochter, Wilhelmine Franziska Mathilde Margarethe. 31. Eine Tochter von auswärts Marie. Februar: 1. Dem Sattlermeifter Friedrich Kühne II. ein Sohn. 2. Dem Feldwebel tm II. Großh. Hessischen Infanterie.Regiment (Großherzog) Nr. 116 Andreas Kleiß eine Tochter, Hedwig Marie Karoline Elisabethe. 2. Dem Steiger Johannes Appel eine Tochter, Anna Mathilde. 3. Dem Eisenbahnorbeiter Wilhelm Samm ein Sohn, Heinrich. 3. Dem Schneider Ludwig Größer ein Sohn.

Gestorbene.

Februur: 3. Dienstmädchen Katharine Früh, 35 Jahre alt. 4. Kaufmann Karl Christian Alexander Frölich, 58 Jahre alt, von Bremen. 4. Ein Sohn von hier, 3 Monate alt. 4. Marie Vogel, 46 Jahre alt, von Alt-Buseck. 6. Karl Gerson, 4 Jahre alt, Sohn des Handelsmanns LouiS Rothenberger. 7. Luise, 5 Monate alt, Tochter des BuchdruckereibesitzerS Curt v. MÜnchow.

Im Monat Januar 1884 kamen bei Großh. Standesamt Gießen zur An­meldung 14 Aufgebote und 7 Eheschließungen wurden vorgenommen.

Geboren wurden 46 Kinder und zwar 18 Knaben und 28 Mädchen. Davon sind 12 Knaben und 19 Mädchen ehelicher und 6 Knaben und 9 Mädchen unehelicher Geburt.

Todtgeboren wurde 1 Kind weiblichen Geschlechts.

Im Ganzen starben 36 Personen und zwar 18 männlichen nnb 18 weiblichen Geschlechts. Davon sind 21 Erwachsene und 15 Kmder. Unter den Verstorbenen be- sinden sich 6 ortsfremde Personen.

Brodprerse

vom 10. bis 2 4. Februar 1884.

der Bäcker

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 28 bei M. Lenz u. C. Steinberger 27

2 (4 Psd.) Weißbrod .... 56

bei M Lenz u. C. Steinberger 54

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 25 bei M. Lenz u. C. Steinberger 24

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 50 bei M. Lenz u. C. Steinberger 48

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 22

bei M.Lenz, u. C. Steinberger 21

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 44

bet M. Lenz u. C. Steinberger 42

3 (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

bei L. Keil, Georg Müller, K.

Haas..........66

der Brodverkäufer

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 28

2 (4 ) .....56

1 (2 ) Schwarzbrod 1. Sorte 25 bei Hch. Rain 22

2 (4 ) Schwarzbrod 1. Sorte 5H

bei Hch. Rain 44

3 (6 ) Schwarzbrod 1. Sorte

1 (2 ) Schwarzbrod 2. Sorte 22

bei Hch. Rain 21

2 (4 ) Schwarzbrod 2. Sorte 44 bei Hch. Rain 42

3 * (6 ) Schwarzbrod 2. Sorte 60

Gießen, den 9. Februar 1884.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Allgemeiner Anzeiger.

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