Ausgabe 
9.11.1884 Zweites Blatt
 
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aebört und freue sich, denselben kennen zu lernen. Auf Wunsch Sr. Majestät gab dann Cumberland einige der frapprrenden Kunststücke zum Besten Vor den im Halb­kreise vlac'rten Herrschaften - der Kaiser satz zwischen der Vrinzeß Radziwill und deren Tochter stehend und hin und her wandelnd, führte Cumberland seine Pro- ducttonen aus. Ec ersuchte zunächst den Prinzen Battenberg, an eine im Saale an­wesende Person zu denken und bezeichnete, nachdem er die Hand des Prinzen in Berührung mit seinem Kopfe gebracht, unverwellt die Prinzessin Hohenlohe als die Dame, an welche Prinz Battenberg gedacht. Dannentdeckte" der englische Gedanken- l-ser der sich die Augen hatte verbinden lassen und in einem N-benraume unter Aussicht zweier Caval'ere aus der Umgebung des Kaisers des Zeichens zum Eintreten harrte, alsbald den Prinzen Tayllerand als denjenigen, der einer anwesenden von Cumberland gleichfalls ausfindig gemachten Dam; den Fächer ouS der Hand genommen hatte Als drittes wohlgelungenes Experiment folgte die Auffindung einer Stecknadel, die Graf Perponcher in die hintere Partie des Rockkragens des Grafen Hatzfeldt ver­steckt hatte. Nunmehr stellte der Kaiser an Cumberland die Frage, ob er im Stande set, auch Gedanken desjenigen zu lesen, der an Dinge, die außerhalb des Zimmers oder Hauses sich befinden, denke; Cumberland habe bocb. wie der Kaiser in Erfahrung gebracht, seiner Zeit errathen, daß der Kronprinz von O-sterreich an seinen schwarzen Hund und der Marauis of Lorne an ein Elenthter gedacht habe. Cumberland bejahte diese Frage und das interessante Experiment begann. Fürst Radz'w'll bezeichnete dem Kaiser nachdem Mr. Cumberland mit verbundenen Augen in ein Nebenzimmer geführt war, einen in einem entfernten Zimmer des Hauses auf dem Kaminsimse stehenden Gegenstand - einen kleinen Kandelaber - indem er den Punkt, an dem der Kandelaber stand, und das Zimmer genau aufschrieb und den Zettel dem Kaiser einhändtgte. Nach Kurzem brachte Cumberland aus dem bezeichneten dunkelen Zimmer den in Rede stehenden Kandelaber herbei, eine Leistung, die der greise Monarch mit lebhaften Aus­drücken der Verwunderung aufnahm. Des Wetteren wünschte der Kaiser, der vor mehreren Jahren die Productionen desGetsterklopferS" Home gesehen, eine Aufklärung darüber. Diese angebliche Getsterarbeit, die Mr. Cumberland sofort gab, indem er die Zehen und andere Fußmuskelu als die Apparate bezeichnete, mittelst deren das räthsel- hafte Klopfen auSqeführt wird. _ ,

Das interessanteste Experiment, das Cumberland mit Sr. Majestät selbst aus. führen durfte, war das Zahlen-Errathen. Der Kaiser, der von Cumberland gebeten wmde, sich beider Handschuhe zu entledigen, concentrirte seine Gedanken auf eine Zahl, reichte Mr. Cumberland die rechte Hand und der letztere schrieb, während er die Rechte des Kaisers mit seiner Linken frsthielt, ohne Zaudern die Zahl 61 auf die Tafel. Der Kaiser erklärte sich für außerordentlich überrascht und sagte, er habe in der That an das Krönungsjahr 61 gedacht. Er dankte Mr. Cumberland mit gnädigem Händedruck und beauftragte später noch, als er die Soiree verließ, den Fürsten Radziwtll, dem Gedankenleser Cumberland nochmals seinen Dank auszusprechen Von der Fürstin Radziwtll erhielt Mr. Cumberland eine prächtige Busennadel als Andenken an die Soiree.

Die Schrecknisse deS Berufs der Löwenbändiger haben aufgehört, wenn die Erfindung Raupach's, eines nicht unbekannten Menageriebesitzers sich bewährt. Er hat Experimente mit einem elektrischen Apparat angestellt, welcher wie ein Stock geformt und etwa drei und einen halben Fuß lang ist und schildert den Effect bet der An­wendung desselben auf die verschiedenen Thiere wie folgt: Drei der Löwen, welche den elektrischen Schlag empfangen, gaben Zeichen deS höchsten Schreckens, begannen zu zittern und stießen dumpfe Laute aus; der Tiger verkroch sich in eine Ecke des KäfigS und schien betäubt, während der Bär erst nach wiederholten sehr starken Schlägen Zeichen einer unangenehmen Empfindung von sich gab. Erstaunlich aber wirkte die elektrische Kraft bet der Riesenschlange. Schon nach dem ersten Schlage wurde das 20 Fuß lange Thier vollständig gelähmt, blieb 6 Stunden lang regungslos und konnte erst nach 3 Tagen seine volle Beweglichkeit wieder erlangen. Der Elephant brach, als man mit dem elektrischen Stocke die Spitze seines Rüffels berührte, in furchtbare Wuth aus, so daß man fürchtete, er werde seine Ketten zerreißen.

Japan hat eine absolute Religionsfreiheit eingeführt. Die japanischen Blätter veröffentlichen ein Decret deS Mikado, datirt vom 11. August, in welchem er­klärt wird, daß der Buddhismus und der SchtntocultuS von nun an aufgehört haben, Staatsreligion zu sein und vom Staate besoldet zu werden. Jedem Japanesen stehe eS frei, sich der Religion zuzuwenden, die ihm zusagt. Die buddhistischen, ebenso auch dir Schintopriester, werden sich von nun an ihr Oberhaupt selbst wählen, daS jedoch

von der Regierung anerkannt werden muß, und ihren Unterhalt aus den Temvelein» fünften beziehen. Der Mikado, der b.tzher das Oberhaupt des Buddhismus in Japan war, hat somit freiwillig auf diese Würde Verzicyt gkleistet.

sEtn GenSdarm als Wahlplakat.j AuS München wird geschrieben: Sonn­tag Nachmittags (den 26. October) hat sich hier folgende heitere Wahlepisode ereignet. Die Socialdemokraten hatten, anstatt eigene Wahlprogramme an den Straßenecken anzuschlagen, ganz einfach kleine rothe, wohlgumm'rte Z ttcl, auf welchenWählet v. Vollmar" stand, auf die Wahlprogramme der andern Parteien befestigen lassen und zwar an der Stelle, auf welcher sich die Namen der vorgeschlagenen Candtdaten be­finden. Die Polize organe erhielten alsbald Ordre, diese Zettel zu entfernen. Ganz vertieft tn diese Arbest, bemerkte nun ein GenSdarm nicht, daß ein hinter ihm stehender Eocialdemokcat einen derartigen ominöse» Zettel auf seine Patrontasche befestigte. Ahnungslos patroulltrte der Wächter des Gesetzes in den Straßen seines Rv!ers, ge­folgt von einer erheiterten ansehnlichen Gesellschaft von Münchenern aller Alters, klassen. Erst nach längerer Zett machte ein Herr den Mann auf die Ursache der Br- lustigung aufmerksam, worauf der Gensdarm sofort seine Agitation für die Social- demokraten etnstellte.

Schiffs nachrichten.

Bremen, 6. November. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Salier, Capt. C. Wiegand, vom Norddeutschen Lloyd tn Bremen, welcher am 22. Ociober von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Handel und Verkehr.

(Aufschrift der Postsendungen.^ Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabet sind namentlich folgende Punkte zu beachten:

1. Bet Postsendungen nach größeren Orten ist tn der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugrben. Buch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, un­mittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge.

2. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbeztrk (O, N., NO. rc), tn welchem die Wohnung sich befindet, hinter der OrtsbezeichnungBerlin" zu vermerken.

3. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Postverkehr als maßgebend anzusehen sind, ergibt sich aus demVer- zeichntß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zum Preise von 10 Pfg. durch Vermittlung jeder ReichS-Postanstalt bezogen werden kann.

4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des OrtS in der Aufschrift der Sendung noch deS Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten deS politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) :c.J, oder von Gebirgen [(Harz), (Niesengebirge) rc> Nicht minder sind zusätzliche Bezeichnungen, wie (Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc. für den Zweck geeignet.

5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer form eigent­lichen Bestimmungsorte noch diejenige Poftanstalt anzugeben, von welcher auS die Bestellung der Sendung an den Empfänger bewirkt werden bez. die Abholung erfolgen soll.

6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Orts­namen noch das betreffende Land bez. der Landestheil auf der Sendung anzugeben.

Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen lieber* kunft der Sendungen an die Empfänger wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendungen hiernach genau anzufertigen. ___________________

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