300 Verwundete geschätzt. Admiral Lsspes begann am 2. d. Mts. mit dem Angriff auf Tomsui und wird, wenn irgend möglich, den Hafen zu besetzen suchen.
Das königliche Residenzschloß in Kopenhagen, die Christians- borg, ist, wie telegraphisch bereits bekannt gegeben worden ist, den Flammen zum Opfer gefallen. Die Christiansborg ist eines der großartigsten Schlösser Europas und wurde nach dem Brande von 1794 durch den Baudirector Hansen im italienisch französischen Style neu aufgesührt. Das Schloß enthielt verschiedene kostbare Sammlungen, welche leider theilweise ein Raub der Flammen geworden sind.
Am Sonntag sand in Bukarest pro forma die Eröffnung der Kammern statt, welchem Acte nach erfolgter Vorlesung des Auflösungsdecretes, alsbald die Auflösung der Kammern folgte. Die Neuwahlen beginnen am 6. (18.) November.
Die militärische Situation Egyptens präsentirt sich fortgesetzt im günstigsten Lichte. Jetzt ist auch Berber von der Handvoll Leute, über welche General Gordon in Khartum verfügt, zurückerobert und damit eine sichere Basis für den Rückzug Der sudanesischen Garnisonen gewonnen worden. Jedenfalls beherrscht Gordon nunmehr die Lage unbedingt und kann, falls auch jetzt noch an der Entsendung einer Sudan-Expedition von Egypten aus festgehalten wird, als ebenbürtig cooperirender Faktor angesehen werden. Bezüglich der egyptischen Finanzsrage liegt neuerdings die Meldung vor, der Ministerpräsident Nubar Pascha habe die Protestnote der Mächte dahin beantwortet, daß die Suspen- dirung des Tilgungsfonds in Rücksicht auf die Lage des egyptischen Staatsschatzes absolut geboten gewesen sei-
LrlegraWW DrpMerr.
WoSK'S
Baden-Baden, 7. October. Se. Maj. der Kaiser, welcher sich fortdauernd des besten Wohlseins erfreut, nahm heute Vormittag mehrere Vorträge entgegen und machte Nachmittags 2 Uhr eine Spazierfahrt. Nachmittags 4 Uhr fand bei Ihrer Maj. der Kaiserin größerer Empfang statt, bei welcher Se. Maj. der Kaiser zugegen war. Abends soll zu Ehren der Allerhöchsten Herrschaften ein großes Feuerwerk abgebrannt werden.
München, 7. October. Die „Allg. Ztg." veröffentlicht folgendes Handschreiben Ihrer Maj. der Kaiserin, welches Der deutschen Krieger-Kameradschaft in München auf einen an Ihre Majestät aus Anlaß Allerhöchstderen Geburtstags und Wiedergenesung gerichteten Glückwunsch zugegangen ist: „Wenn Mich jedes Zeichen der Theilnahme, aus süddeutschem Herzen komniend, zu innigem Danke verpflichtet, so ist Meine Freude über den eben empfangenen Vrref der deutschen Krieger-Kameradschaft in München um so größer, als Ich die Vaterlandsliebe dieser treuen Männer kenne und mit wahrer Anhänglichkeit für den König und sein Haus die besten Wünsche für die Wohlfahrt Bayerns hege. Für uns Frauen ist es Ehrensache, durch das Rothe Kreuz in enger Verbindung mit Den Leistungen des Heeres und mit der Aufgabe jener Barmherzigkeit zu bleiben, worauf der göttliche Segen ruht."
London, 7. October. Nach einer Meldung aus Assuan wurde gestern bei der Ankunft eines Regiments Infanterie ein Fall von Pocken entdeckt und in Folge dessen das betr. Bataillon unter Quarantäne gestellt.
Lyon, 7. October. In der vergangenen Nacht fand in der Straße St. Francois des Allees, im Quartier Bellecour, eine Botkbl/rexpstFon statt. Die Bombe war auf ein Fenster der Genäd'armerie-Kaserne gelegt; durch die Explosion wurden die Fensterscheiben zerbrochen und die Mauer beschädigt. Mehrere Sprengstücke wurden in das Zimmer des Zahlmeisters geschleudert, welcher nicht anwesend war. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Kairo, 7. October. (Telegramm Des „Reuter'schen Bureaus.") Dem Vernehmen nach hätte Lord Northbrook die gänzliche Abschaffung der egyptischen Armee und deren Ersetzung durch 9000 Mann Polizei in Vorschlag gebracht. Die egyptische Regierung soll gegen diesen Vorschlag fein.
— Nach einer dem französischen Generalkonsul Barrere zugegangenen Depesche soll auch der französische Konsul Herbin aus Khartum, der sich unter Stewart's Begleitern befand, mit niedergemacht worden fein. Eine anderweite Bestätigung dieser Nachricht liegt bis jetzt nicht vor.
Rom, 7. October. Schlözer wurde heute vom Papste in Privat-Audienz empfanaen.
Paris, 7 October. Heute versammelten sich wiederum einige Gruppen an den Zugängen zur Kirche Champö de Nicolas, doch konnte die Polizei dreselbe ohne Widerstand zerstreuen.
— Wie eS beißt, würde demnächst das Gelbbuch über die die Westküste Afrikas betreffenden Angelegenheiten veröffentlicht.
— Das Gerücht, Peyron beabsichtige zu demissioniren, ist unbegründet.
— Gestern wurden im Departement Ost - Pyrenäen fünf Cholera-Todesfälle registrirt.
Sewastopol, 7. October. In Gegenwart des Großfürsten Alex'.s fand heute die feierliche Kiellegung der Panzerschiffe „Tschesme" und „Stnopc" stau.
Rom, 7. October. Ckoleradertcht vom 6. dss. Mts. Es kamen vor: In den Provinzen Alessandria 2 E kcankungen und 1 Todesfall, Aguila 10 Erkrankungen und 4 Todesfälle, Bergamo 12 Erkrankungs- und 2 Todesfälle, Brescia 4 Erkrankungen und 3 Todesfälle, Caserta 3 Erkrankungen und 5 Todesfälle, Cremona 5 Erkrankungen und 3 Todesfälle, Chtett 1 Erkrankung und 1 Todesfall, Cuneo 38 Erkrankungen und 14 Todesfälle, Ferrara 3 Erkrankungen und 1 Todesfall, Genua 46 Erkrankungen und 28 Todesfälle, davon in der Stadt Genua 21 Erkrankungen und 17 Todesfälle und in der Stadt Spezzia 1 Erkrankung und 2 Todesfälle , Mantua 3 Erkrankungen und 1 Todesfall, in der Sadt Mailand 1 Erkrankung, Modena 2 Erkankungen und 1 Todesfall, Neapel 61 Erkrankungs- und 31 Todesfälle, davon in der Stadt Neapel 43 Erkrankungen und 27 Todesfälle, Novara 4 Erkrankungen. Parma 5 Erkrankungen und 2 Todesfälle, Pisa je 1 Erkrankungsund 1 Todesfall, Reggio nell' Emll'a 3 Erkrankungen und 4 Todesfälle, Rovt^o 3 Erkrankungen und 1 Todesfall, Salerno 6 Erkrankungen und in Turin 2 Erkrankungen.
Lokales.
Gießen, 8. October. In der Ausschußsitzung des Gießener THIerschutzvercinS vom 6. d. M. wurde mttgethetlt. daß dem s. Z. entworfenen Localreglement, betr. Vorspanns am Seltersberg für schwere Fuhrwerke, die ministerielle Genehmigung versagt wurde.
Herr Polizeirath Fresenius berichtete über die in der Ausschußsitzung deS Landesvereins vom 20. September d. I. zu Darmstadt gepflogenen Verhandlungen.
Beschlossen wurde:
daß für die Zukunft außer der Anzeige im Anzeiger den Mitgliedern deS Ausschusses die Sitzungen besonders und zwar aus dem Postwege mitgetheilt werden sollen, da die alleinige Anzeige im Anzeiger nicht die gewünschte Beachtung findet;
daß von den durch die Auer'iche Buchhandlung zu Donauwörth angeboteneu Kalendern die gleiche Anzahl wie tm vorigen Jahre beschafft werden sollen und
daß weiterhin auch in diesem Jahre an eine Anzahl Schutzmänner, Gendarmen und Dienstboten, die sich nach Maßgabe der Vereinszwecke als würdig dazu zeigen, Geldprämien gegeben werden sollen, über deren Höhe und Ausdehnung die nächste Ausschußsitzung zu entscheiden habe.
G. Gießen, 8. Octover. sSterblichkeit in Gießens Die Sterblichkeit war wahrend der Woche vom 28. September bis 4 October eine mittlere. ES waren tm Ganzen 8 Todesfälle zu verzeichnen, wovon sich 5 bet Kindern, 3 bet Erwachsenen ereigneten. Von den Letzteren starb je eine Person an Lungenentzündung, Lungenschwindsucht, organischer Herzkrankheit. Von 2 Kindern tm ersten Lebensjahre etlag das etne allgemeiner Abzehrung, das andere dem Brechdurchfall. Von den drei schon älteren Kindern starb eins an Nierenentzündung, eins in Folge chronischen Darm- catarrhs und eins an Brandwunden, die es erlitten.
Vermischtes.
Mainz, 5. October. Im neuen Centralbahnhofsgebäude sand gestern Abend die erste Beleuchtungsprobe mit elektrischem Kerzenlichte statt; die riesige, 300 Meter lange und 43 Meter breite Perronhalle mit einem Flächengehalt von ca. 5V» hessischen Morgen war durch 16 Lampen beinahe tageshell erleuchtet, auch die Vorhalle des Bahnhofes, in welchem sich die Villetschalter befinden, war mit einem Kerzenlichte zur vollen Zufriedenheit der anwesenden Sachverständigen erleuchtet. Der Platz vor dem Bahnhofsgebäude wird durch vier elektrische Lampen ebenfalls brillant erleuchtet. Außer den ddtrtschen Lampen ist übrigens auch überall Gasbeleuchtung vorgesehen, um bet einer etwaigen Störung sofort in Verwenoung kommen zu können. — Die alten Bahnhofsgebäude zwischen Fisch- und Bocksthor werden alsbald nach dem 15. October nllder- gelegk und bat die Bahnverwaltung die hierzu nöthigen Anstalten bereits getroffen, nur die alte D-rnieigeballe soll noch für längere Zett erhalten bleiben.
Mainz, 5- October. Die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Centralbahnhofes in der Neustadt mr sprechen ganz außerordentliche zu werden- Das Comitö, welches diese Festlichkeiten leitet, hat gestern Abend beschlossen, die gärtnerischen Anlagen in der Neustadt durch 6500 farbige Lampions zu beleuchten, so daß dadurch die Anlagen einen feenhaften Anblick gewähren werden; dem Comttä stehm nahezu 5000 zur Verfügung, darunter von der Stadt Mainz und der Hessischen Ludwtgsbahnoer- waltung je 500 JL
Fulda, -4. October. sEntgleisungO Bei Einfahrt deS Personenzugcs Nr. 23 Frankfurt-Bebra in den hiesigen Bahnhof entgleiste heute ein Personenwagen 4. Classe sowie der darauf folgende Postwagen. Der Personenwagen verlor bet der Entgleisung e'ne Achse, schleifte eine Strecke des Weges und stürzte dann um, während der vordere Thetl des Zuges glücklicher Weise abriß. Bet der Katastrophe sind 4 Personen, jedoch unerheblich, verletzt worden. Die Entgleisung scheint dadurch verursacht zu sein, daß ein Rad des Personenwagens 4. Classe in der Weiche aufsetzte, in ein SettengeleiL gezwängt und sortgerissen wurde. Die abgerissene Achse lag etwa 20 Meter von dem umgestürzten Personenwagen entfernt. Die betreffende Weiche hat gut geschloffen jedoch liegt dt-selbe in einer Curve. Die Station Fulda hat Centralwetchenstellung.
Co bleu z, 2. October. Die „Coblenzer Ztg." erzählt, wie ein Gendarm den Kronprinzen bet dessen jüngstem Htersetn tn den Rhetnanlagen angehalten hat, folgendermaßen: Der wachthabende Gendarm stand in der Nähe des Observations- Häuschens und beobachtete einige Kinder, die sich an demselben zu schaffen machten. Währenddem kam ein Windspiel an ihn heran und als er sich umwendete, sah er drei Herren in Ctvil vor sich, denen augenscheinlich das Windspiel gehörte. Er trat auf sie höflich mit den Worten zu: „Guten Morgen, Sie werden entschuldigen, das Lausen- lasten der Hunde tn den Anlagen ohne Leine ist verboten." Darauf entgegnete der ältere der drei Herren lächelnd: „Ich habe die Erlaubniß von meiner Mutter, das ist die Kaiserin!- Darauf trat der Gendarm, der bet diesem Hinweis sich sofort der Kronprinzenbtlder erinnerte, respectvoll grüßend zurück und die drei Herren setzten ihren Spaziergang fort.
— sEine sensationelle Geschichte.) Vor einigen Monaten wurde auf einem einsam gelegenen Hofgut in der Nähe von S'nztg a. Rh. durch einen Zufall die Leiche der hochbetagten Mutter des GutsbesttzerS S. aufgesunden, ohne daß vorher von deren Tod irgend Jemand Kenntniß gehabt hatte. Die Leiche befand sich tn einem Sarge aufgebahrt und zu einer Mumie eingetrocknet, in dem Zimmer, welches die alte Frau regelmäßig bewohnt hatte, und ihre Beschaffenheit ergab, daß der Tod bereits vor mehreren Monaten eingetreten sein mußte. Der seltsame Vorfall erregte weithin bafr' größte Aufsehen, um so mehr, als von Seiten der Staatsanwaltschaft sofort die Verhaftung des Gutsbesitzers herbeigeführt und eine Untersuchung wegen Mordes gegen denselben eingeleitet wurde. Die angestellten Ermittelungen ergaben indessen schon bald, daß b'e alte Frau eines natürlichen Todes gestorben war. Der Sohn war sehr verschuldet und wiederholt gepfändet worden, hatte jedoch bis dahin alle Versuche der Gläubiger, zu ihrer Befriedigung zu gelangen, vergeblich gemacht, indem er als Gmeral-Bevollmächitgter seiner alten Mutter, welche noch nominklle Eigenthümertn des ganzen Hosguts nebst Zubehör war, Einspruch erhob. Dieses bequemen Mittels, seine Gläubiger sich vom Halse zu halten, sah sich der Sohn plötzlich beraubt als die Mutter starb und nunmehr alles vorhandene Vermögen eigcnthümlich auf ihn überging. In dieser üblen Lage faßte der Mann den abenteuerlichen Plan, ferne Mutter fortwährend als noch lebend auszugeben. Der Sterbrfall wurde deßhalb in der Familie streng geheim gehalten, selbstverständlich nicht beim Standesamte angemeldet und allen Fragen wurde mit der Antwort begegnet, die Mutter liege krank zu Bett und könne Niemand empfangen. Als nach einiger Zeit wieder em Gläubiger es mit einer Pfändung versuchte, erhob der Sohn den alten Einspruch. So lag die Sache, als zufällig ein anderer Gläubiger, welcher die alte Frau selbst sprechen wollte und gerade Niemand auf dem Hofe anwesend fand, die Entdeckung machte, daß dieselbe längst nicht mehr unter den Lebenden weile. S. wurde selbstverständlich wegen der Beschuldigung des Mordes sofort außer Verfolgung gesetzt; dagegen fand die Staatsanwaltschaft darin, daß tv unter Verschweigung deS Todes feiner Mutter in deren Namen und alS angeblicher General Bevollmächtigter jene Einspruchsklage erhoben und bereits die vorläufige Einstellung der eingelettetsn Zwangsvollstreckung erwirkt hatte, den Thatbestand eines Betrugsversuchs und erhob vieserhalb die Anklage. In der lchten Sitzung der Coblenzer Strafkammer sprach, laut „Köln. Volksztg.", das Gericht den Angeklagten auch von dieser Beschuldigung frei und legte die sämmtlichen Kosten der Staatskasse zur Last. Die anfänglich so stark aufgebauschte Geschichte ist also nunmehr vollständig im Sande verlaufen.
— Der Generallieutenant z. D., v. Wittich, welcher im Feldzüge 1870/71 zuerst die Großherzoglich Hessische 49. Infanterie - Brigade befehligte, ist am 2. Oc:oder nach langem Leiden im 66. Lebensjahre auf seinem Gute Siede bei Berlinchen gestorben.
— Staatssecretär Dr. Stephan hat, nach eingehender Prüfung, eine von einem Herrn in Offenbach herrührende neue Methode zur Entleerung der Postdrieskästen, welche es den betreffenden Beamten thatsächltch unmöglich macht, den Inhalt derselben tn irgend einer Weise zu berühren, befinttiv angenommen. Der Postsack wird, ganz geschlossen, in zwei Schienen bis an die Rückwand des Kastens geschoben und kann erst dann, dort angelangt, mit einem langen Schlüssel geöffnet werden; es erfolgt dann zugleich, durch automatische Thätigkeit. die vollständige Ocffnung und Entleerung des Kastens. Das Wiedervorziehen des Poftsackes schließt denselben und auch der Postsack muß in dem Augenblicke der Mederadnahme aus den Schienen geschlossen werden, da ihn sonst der Postbote Überhaupt nicht entfernen kann. Eine Veruntreuung seines Inhalts, sowie eine Nachlässigkeit in der Entleerung des Kastens ist dadurch unmöglich gemacht-
Glarus, 4. October. In der letzten Nacht hat sich der erste Herbstschnee eingestellt. Die Höhen des Glärn'.sch und die benachbarte Gebirgsstrecke der Tö.it-Hans- straße und die Freiberger liegen, und zwar bis tief in's Thal reichend, tm Schnee. Die Temperatur hat sich beträchttich abgekühlt; vor einigen Tagen tft bas letzte Vieh von den Alpen gekommen. — Heute wird aus dem Lintthal ein Gewitter gemeldet; die allgemeine Situation ist tm Thale strömender Regen.
Reichelsheim t. £)., 5. October. Samstag den 4. d- Mts-, Nachmittags gegen 3y2 Uhr, brach tn der Scheune des Kaufmanns PH. Werner Feuer aus. Dasselbe sand an den Heu-, Stroh- und Holzvorräthen rcichlicke Nahrung und verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit über die Nachbargebaude, so daß in kaum einer Viertelstunde 5 Scheuern und mehrere Stallungen tn Brand gerathen waren. Die


