von Reich und Staat nicht ausreichen, um die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socisldemokratie in ihren eigentlichen Grundursachen zu treffen, vielmehr die Wurzel dieses Uebels nur dadurch ausgerottet werben kann, daß die Religion m das Herz des deutschen Volkes wieder wetter und tiefer eingepflanzt und darin zu frischer Lebenskraft entfaltet wird, den Bundesrath zu ersuchen, soweit seine Competenz reicht, dahin zu wirken, daß überall die Hemmnisse beseitigt werden, welche die verschiedenen ReltgtonS- aemeinschaften in der freien und ungeschmälerten und nur so gesegneten Wirksamkeit für Fortpflanzung und Förderung christlichen Glaubens und Lebens im deutschen Volke noch hindern oder beengen." (g. Z)
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S teLegs. Esress-sstdrm-DWreÄK.
NstSdam, 7. Mai. Der Prinz von Wales ist heute Vormittag kurz nach 10 Uhr auf der Wildparkstation etngetroffen und daselbst von Ihrer Ä. K. Hoheit der Frau Kronprinzessin nebst Töchtern, der Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein und Ihrer K. Hoheit der Erbprinzessin von Meiningen empfangen und begrüßt worden. Der Vrtnz trug preußische Uniform. Sämmtliche Herrschaften begaben sich zu Fuß nach dem Neuen Palais, wo Seine K. Hohert Prinz Wilhelm nebst Gemahlin und Prinzessin Karoline Mathilde zu SchleSw,g-Holstetn den hohen Gast begrüßte».
— Seine Majestät der Kaiser ist soeben hier etngetroffcn und hat sich alsbald nach dem Neuen Palais begeben, um daselbst bei dm kronpttnzlichen Herrschaften mit dem Primm von Wales, dem Prinzen und der Prinzessin Christian zu Schleswig- Holstein Ihren K- Hoheiten dem Prinzen und drr Prinzessin Wilhelm, dem Prmzrn Leopold und der Erdprinzessin von Meiningen das Dejeuner einzunehmen.
Newuork, 7. Mai. Der Dampfer „Stat? of Nevada" von der State.Ltne ist am 5 bs. Mts., Abends, stark beschädigt in St- Johns (Neufundland) eingetroffen, derselbe hat am 3- ds. MtS. mit dem Dampfer der Wllson-Ltne „Romano" aus Hüll einen äusamwenstoß gehabt. Der „Romano" sank, seine Mannschaftten und Passagiere aber wurden gerettet und zugleich mit den Passagieren des „State of Nrvada" von dem nach tooöte gehenden Dampfer „Saint Laurent" aufgenommen.
_ Der Dampfer „Titania" von Glasgow passirte heute Vormittag Father Point. Derselbe hat 24 Personen von dem Dampfer „St-tte of Florida" an Bord, welcher in Folge Husammtnsioßes mit einer Barke auf hoher See unUtßegangen sein soll. Der Copttän der „Tttem'a" sagt aus, daß von 167 Personen, welche sich an Bord des State of Florida" befanden, nur 44 gerettet fttm. Die Dark- habe eine Besatzung von 15 Mann gehnbr, von denen nur der Cap tun und zwei Mann gerettet wordm seien. Die Geretteten werden wohrschetttt.ch in Quebec gelandet 0)61 ^Paris, 7. Mal. Der Präsident G-evy empfing gestern den Botschafter Fürsten Hohenlohe, welcher heute nach Deutschland ab-ureiftn gedenkt.
— Gestern fand in der Torpedoschule zu Boyardvtlle, nahe bei Rochefort, eine Explosion statt, wobei mehrere Personen verwundet wurden.
Rom, 7. Mai. Der „Dtritto" bespricht die Einladung zur Conftrenz üoer dir eaypt.schen Fmanzang legenheiten, äußert sich befriedigt über die Jrttttat-ve, welche England in dieser Sacke ergriff'» Hobe und meint, die italienische Regierung müsse dahm wirkm, Italien auf der Conferen; den Platz zu sichern, der einer jungen, aber ihre Interessen vorsichtig wahrenden Nation zukomme. _
— Die bereits gemeldete Note des CardinaftStaalss ccetars Jaccbmi in Beirrff der Propaganda dkttirt vom 30. April und ist am 2. Mat an die päpstlichen Nuntien abgesendet worden.
— Der Pavst empfing heut: dm Bischof Stroßmoyrr in Privatoudienz.
Windsor, 7. Mat. Die Königin Victoria, die Prinzessin Beatrice, der Groß- berroa. sowie die Prinzessin Elifavtth von Hessen sind hier cmnetroffen. __________
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Die That eines großen Mohlthäters als ein beachtenswerthcr Uersnch ;ur Lösung der socialen Krage.
In fsst allen helvorragrnden Culturländern beschäftigt man sich mit der Hebung dir socialen Verhältnisse, und Regierungen und Parlamente widmen «-nrn großen Thetl ihrer Arbeit dec soc'alen Frage. Da es aber wahrscheinlich klingt, daß die soc'ale Frage, d. h. der gesammte Fortschritt des Menschengeschlechts in wiMch-Micher.. sittlicher und geistiger Richtung überhaupt als die Frage der ganz n Menschheit aufgefaßt werden muß, so hat es wenig praktischen Werth, sich auf dem Gebiete der Politik für die socialen Angelegenheiten stark und einseitig zu erhitzen, denn nur ein Theil und noch dazu der kleinste der socialen Frage kann durch den Staat und b:e Gesellschaft gelöst werden, wenn den einzelnen Menschen ihre freie sittliche Bestimmung nicht genommen werden soll- Schutz, Brod, Arbeit und Unterricht kann der Einzelne vom Staate und der Gesellschaft beanspruchen, aber für ein Mehr auf dem Grbicte der Bildung, der Rangstellung und der Genüsse müssen bann die Leistungen der einzelnen Menschen selbst sorgen, das verlangt die Würde, die Freiheit und Gerechtigkeit.
Halten wir nun diese Begrenzung der socialen Frage fest, so bleibt sie im Leben des Einzelnen wie ganzer Völker nur eine Pflicht der Humanität, die Unglücklichen und Nothletdenden helfen und Verirrte auf den rechten Weg bringen soll. Da nun weiter e8 in keinem Gemeinwesen an Personen fthlt, welche sich würdigen Armen, Unglücklichen und Elenden oder auch Verirrten stets annehmen würden, wenn nur immer die genügenden Mittel vorhanden wären, so ist wiederum in letzter Lutte die sociale Frage eine Geldfrage.
Ein hochherziger Bürger der Stadt Leipzig, der kürzlich verstorbene Buchhändler Karl Tauchnitz, hat nun ollen edeldenkmden Menschen gezeigt, was Viele von ihnen, sei es im Großem ftt es im Kleinen, zur Lösung der socialen Frage berstsurrn könnten. Der edle Tauchnitz hat nach Abzug einiger Legate für seine Verwandten, Freunde und treue Diener sein ganzes, mehr ols vier Millionen Mark betragendes Vermögen der Stadt Leipzig mit drei Bedingungen vermacht, die den Verewigten in die Reihe der besten Menschen stellen. Die drei Bedingungen lauten, daß die Zinsen der gewaltigen Erbschaft nur für wohlthatige Zwecke verwandt werden sollen, daß der zehnte Theil der Zinsen zweihundert Jahre lang zum Kapital geschlagen werden mutz und daß das Ver, mächtniß und die Stiftung nicht einmal den Namen Tauchnitz tragen darf.
Ermißt aus diesen Bestimmungen schon sofort Jedermann die Seelengröße des Verstorbenen, so haben doch die meisten keine richtige Vorstellung, was der verew'gte Tauchnitz für eine Weisheit durch die Bestimmung offenbart hüt, daß der zehnte Theil der Zinsen seines Vermächrnisses zweihundert Jahre lang zum Kapital geschlagen werden soll. Dadurch wächst das Kapital auf mehr als eine Milliarde und bringt jährlich mindestens 40 Millionen Zinsen. Nimmt man nun auch an, daß sich die Einwohnerschaft Leipzigs in zweihundert Jahren vervierfache und der Werth des Geldes um 50 Procent sinke, so bleibt trotzdem der Stadtgemeinde Leipzigs aus der Tauchnitzftiftung eine solche bedeutende Geldauelle, daß sie wahrscheinlich die Bedürfnisse aller Wohlthättgkeits- und Wohlfuhrlszwecke decken wird und die späteren Generationen der Leipziger Bürgerschaft nur noch für Verschönerungen, Künste und Wissenschaiten Steuern zu zahlen brauchen. Was würden danach reiche und wohlhabende Leute, deren es doch in allen Orten gibt für die Lösung der socialen Frage nicht alles zu rhun vermögen, wenn sie sich an b:m großen Wohlthäter Tauchnitz ein Beispiel nähmen.____________________ ______________________________
Lokales.
Gießen, 8. Mai. Seit ungefähr 3 bis 4 Tagen hat sich eine Nachtigall indem Birkenwäldchen des «ach der Stadt zu gerichteten Theils des Philosophmwaloes niedergelassen und läßt allabendlich bis in die tiefe Nacht ihr Helles, munteres Lced erschallen. Hoffentlich bleibt sie uns den Sommer durch erhalten und möge sie vor den Raubvögeln bewahrt blttben.
Gießen, 8. Mat. sMusikalisckes.st Wir wollen nicht versäumen, unsere rnusikliebenden Leser auf das nächsten Samstag den 10. Mai in Wenzel's Saalbau stattfindende Concert nochmals aufmerksam zu machen. Ueber das Auftreten des Violinisten Herrn Hans SÄuster in anderen Städten können wir folgende Berichte noch erwähnen. Die „N. Franks. Presse" bespricht ein Concert im Theatersaale in Offenbach wie folgt: „Verherrlicht wurde der Abend durch die Mitwirkung eines gern gesehenen Gastes, des Kammermusikers Herrn Hans Schuster. Herr Schuster, bei seinem Auftreten mit herzlichem Applaus empfangen, entzückte durch den brillanten Bvrttag einer Norma-Fantaste. Die Sicherheit, mit der dieser junge Künstler den
Bogm führt, der warme, zum Herzen sprechende Ton, verbunden mit einer vorzüglichen Technik, sichern Herrn Schuster eine schöne Zukunft." Die „Karlör. Nachrichten" besprechen das Aufireten in einem Cäcilien-Verems-Concerte folgendermaßen: .Hatte Herr Schuster bereits durch die vorzügliche Ausführung der ersten Stimme in Beethooen's Strekchquintett in C-dur und in Kiel's Stretchquartett-Walzer die beifällige Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gelenkt, so war dies noch mehr in den Vislwsolt der Fall. Weicher, edler Ton vereinigen sich in seinem Spiele mit warm empfundenem, geschmeckooll nuanc-rtem Vortrage auf die anziehendste Weise."
— Gestern Nachmittag schwebten zwei junge Leute in Gefahr, in der Lahn zu ertrinken. Zwei Gymnasiasten vergnügten sich mit Bootfahren, geriethen jedoch hierbei in die Strömung am Wehr und sausten über dasselbe, wobei sie aus dem Boot geschleudert wurden. Ihrer Geistesgegenwart gelang es jedoch, sich bei dem eben hohen Wafferstand schwimmend nach dem Ufer zu retten.
V erwischte».^
Mainz, 5 Mai. Nachdem sich nunmehr die verlangte Anzahl der Theilnehmer gefunden, ist heute Morgen von der Oberpostbehörde die Genehmlgung zur Telephon» anlage zwischen hier und Frankfurt a. M bei der hiesigen Poftoerwaltung eingetroffen. Wie wir hören, soll mit her Ausführung der Anlage sofort begonnen werden.
BenSheim, 4. Mai. Im „Deutschen Hause" dahier fand heute der Verbands- iag der hessischen Krtcgervercine, welche dem Kriegerverband „Hassia" angehören, statt. Die auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände wurden von der sehr zahlreichen Versammlung nach den Vorschlägen des Vorstandes genehmigt. Zum nächstjährigen Vorort ward Worms mit großer Majorttät gewählt, Bingen, welches sich um die Vor- ortschafi ebenfalls beworben hatte, unterleg.
Frankfurt a. M., 5. Mai. Am Freitag Abend wurden mittelst einer neuen Maschine die Buceaus deS Hauptpostgebäudes electrisch beleuchtet. Die städtische Äau- deputatton und mehrere Mitglieder des Magistrats wohnten dem Cxpertmentt, welches sehr gut aussiel, bei. Bekanntlich besteht die Absicht, durch die Edison.Gesellschaft di, electnsche Beleuchtung tm Schauspielhaus einführen zu lassen.
— Gestern Abend kurz vor Beginn der Vorstellung Jm Opernhaus ereignete sich ein bedauerlicher Unfall. Der Berufsfeuerwehrmann H., Vater von 6 Kindern, mV beauftragt, einen erst eingetvetenen Feuerwehrmann zu instruiren, d. h. ihm die Einrichiung und Lage der Hydranten, Regcngösse rc. zu zeigen. Im Begriff, sich um- zudrehcn, glitt er auf der ersten Maschinengallerie unter der Bühne aus und stürzte vor de» Augen des Kameraden rückwärts in die Tiefe bis zur Sohle des Opernhauses. Man eilte dem Unglücklichen sofort zur Hülfe, hob ihn auf und trug ihn zur Feuerwache. Der herbeigeeilte Theaterarzt konstatirtr zwar verfchtedeve schmerzhafte Con- tuRonen, j-doch keinen Knochenbruch. Dem glücklichen Zufall, daß der Mann sich in den Seilen mehrmals fisg und ftinen stark<n Helm fest auf dem Kopfe hatte und einmal mit feiner Uniform hängen blieb, hat er sein Leden zu verdanken. Er wmde in'S Spttal gebracht.
Wiesbaden, 4. Mai. Wie wir erfahren, hat die Königl. Rkgierung ihre Genehmigung dazu crthcilt, daß irt dem städtischen Walddistricte „Hebenkies" „Unter den Elchen" nach der Walkmühle hin ein mit niederem Holz bepflanztes Terrain von 6000 Quadratmetern abgeholzi werden bat f, um auf dem Platze die Festhsllr für daS mittrlrheinffcke Turnfest zu errichten. Uederhsupt sollen künftig auf jenem Areal die größeren Volksfeste obgshalten werben.
Bamberg, 3 Mai. Der Kassirer des Vorschußvereins, Niedermey r, hat sich gestern, wett er sich Veruntreuungen hatte zu Schulden kommen laffen, entleibt. Das Deficit beträgt nahezu 200,000 JL.
— In Pera und Stambul ist öffentliches Tagesgespräch, daß der Sultan Abdul Hamid in Uildiz Kiosk sich wie ein freiwilliger Gefangener cinschließt und jede Berührung m>t der Oeffentlickktit vermeidet. Man genießt von der Höhe, auf der fein Palast liegt, die prachtvollste Fernsicht über den Bosporus, Marmarameer und das riesige Häusergewirre der großen Stadt, aber man sieht Z)!ldiz'Kiosk selbst nur von «iaer einzigen Stelle, wenn man im Bosporus nächst dem Tschtragan-Palaft, dem mutbmaßlichen Aufenthalte Murad's vorübersährt. Ntldiz-Kiosk soll nickt gesehen und von keinem Fremden betreten werden. Ueber die Sorgfalt, mit der das Gcheimniß des kafferlichen Palastes gehütet wird, gibt am besten folgende Thcttsachs Aufschluß: Vor einiger Zeit beabsichtigte drr ..Lloyd", auf seinen Schiffen eUktrisches Licht einzuführen, um damit Landungspunkte oder das Meer zu beleuchten. Man stellte im Hafen von Konstantinopel im Beisein einer Anzahl geladener Gäste Versuche an und der unglückselige Ingenieur glaubte dem Padischah eine besondere Ucberraschung zu bieten, w-nn er mit dem Refleclor auch d^n Kiosk taghell beleuchten würde. Das Experiment gelang ausgezeichnet, aber eine Halde Stunde später langtr: eine berittene Ordonnanz auf keuchendem Pferde in Galata an und brachte die strenge Weisung, sofort jeden weiteren Versuch mit dem elektrischen Lichte einzustellen. Das Dunkel von Dildiz-Kiosk darf nicht oufgrhellt werden. Nie zeigt sich Abdul Hamid scinem Volke und nur am Freitag beim Selaml k ist er für einige Secunden den wenigen Personen sichtbar, die hinter dem siebenfachen Quarr 4, das die verläßlichsten Truppen rings um die betrtffer.de Moschee Hilden, Zugang und Platz finden. In welcher Moschee der Sultan sein Gebet verrichten wird, bleibt immer bis zum letzten Tage ein Geheimniß, und oft wenige Stunden vor der feierlichen Ceremonie, wie dies während der Anwesenheit des österreichischen Kronprinzen der Fall war, erfolgt die Ordre, daß der ©elcmlit in einer anderen Moschee als in der bereits bestimmten staitfinden werde. Abdul Aziz ritt in Begleitung der Prinzen und Würdenträger auf emetn weiten Wege, auf dem ibn Hunderttausende sehen konnten, zur Moschee und der Selamlik war damals ein soll- ständiges Volksfest. Der Verkehr mit dem Beherrscher der Türkei ist unter solchen Umständen ein sehr schwieriger und tn den verschiedenen Botschaftshotels weiß man absonderliche Dinge von diesem V-rkchre zu erzählen. Das Mchttauen, von bem der PadisLah erfüllt ist, erstreckt sich nicht blos auf Fremde oder das niedere Volk^ auch die höchsten Würder-träger des Palastes müssen dasselbe ruhig ertragen. Einen interessanten Beleg theilt mir ein Gewährsmann mit, desftn Glaubwürdigkeit ke-nen Zweifel zuläßt. Das österreichische Kronprinzenpaar erhielt j-dm Tag Geschenke vom Sultan übersendet. Dieselben wurden von Paschas, zuwettm sogar persönlich von den Ministern überbracht. Jedes Geschenk, welchen Umfang es auch hatte, war in giüner Seide verpackt und die Umhüllung war mit seidenen Schnüren zugebunden, deren Enden der Sultan eigenhändig mit seinem Stege! geschloffen hatte. Der Kronprinz mußte selbst das Siegel lösen und der betreffende Groß Würdenträger entfernte sich nicht eher, als bis Se. Kaiserliche Hoheit durch feine Unterschrift den richtigen Empfang bestätigt hatte. Ich habe in Konstantinoprl vor 15 Jahren einige Zett Betmeilt und damals schon sprelte die GLldcalamiiät eine große Rolle. Heute bat man sich an die Permanenz dieses Uebels gewöhnt und betrachtet es w'e eine Krankheit, für die es keine Heilung, kaum mehr eine Linderung gibt. Klingt es für einen Europäer nicht wie e ne Fabel, wenn die türkischen Journale mit hervorragender Schrift anfünbißen, es werde am 1. Mai den Beamten in Konstantinopel das Gehalt für den Februar ausgezahlt werden? — Ausgezablt? Das ist zweideutig. Man bezahlt das Grhaltin Papiergeld, das kaum die Hälfte des Werthes hat, den es reprafenttren soll. Das Elend der unteren Klassen spottet jeder Beschreibung. Gebettelt wurde in den Straßen von Konstantinopel immer, aber jetzt ist der Bettel geradezu widerlich. Halb entblößte, erschreckend ausseüende Gestalten, die oft nur mtt einem zerrissenen Mantel notdürftig bekleidet sind, trifft man selbst in der Grande Rue de Pera und in der Strahe, die zur österreichischen Botschaft hinabführt, lagern die blinden Greift, die Frauen mit halbverhungerten Kindern dutzendweise mitten im Kehricht und heischen Almoftn. Wehe dem Europäer, der sich oerleiüen laßt, ein Paar Paras den Kindern Hinzuwersen, cr ist verloren; eine ganze Rotte zerlumpter Buben, junger Mädchen und alter Weiber bängi sich an seine Fersen, zerrt an seinen Kleidern, faßt seine Hände - er wirb die Bösen, die er gerufen, nicht mehr los, wenn er richt mit bem Stocke dreinsährt ober in fein Hotel flüchtet. (Press-'.)
Schweisweiler, Ende April. Die verrückteste Duellpeschickie, nur leider wii traurigem Ausgang, ist hier passirt. Zwei in den hiesigen Steinbrüchen beschäftigt- Arbeiter kamen überein, daß der Morgenimbiß, bestehend in einem halben Schoppen Feuerwasser, abwechselnd heute von dem Einen, morgen von dem Andern zu bezahlen sei. Wie gesagt, so gethan. Das erste Frühstück war eingenommen, doch als am andern Morgen der Associe seinen Halben bezahlen sollte, weigerte er sich so energism daß sich fein Partner durch heftige Steuerungen Lust wachen mußte, und schlietzlm kam es zwischm den beiden Steinhauern zur „Forderung" auf Pistolen, ße'ber mar nur eine Pistole vorhanden; dessen ungeachtet wurde die Schrittzahl auf 60 Gange abgemessen und der Eine schoß drei Schüsse ab, ohne zu treffen. Hierauf holte sick her andere Duellant, der bisher im Feuer gestanden war, von seinem Gegner: v« Waffe und traf denselben mit dem ersten Schüsse so unglücklich, datz an dem AU>
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