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9.3.1884 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt. Sonntag den 9. März

59 Erstes Blatt. (Lonnrag vai ^lurz j 1884

Gießeiler Anzeiger

Amts- und Anzeigcklatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täfiliA mit Ausnahme des MontagS

Bwreatt: Schulstraße 7.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Eorrespondenz-Bnreau.

Berlin, 7- März. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurden auf Antrag des Abg. Windthorst: v. Leoetzow, v. Frankenstein und Hoffmann durch Accla- Mation zu Präsidenten gewählt; dieselben nahmen die Wahl an-

Gefunden: 2 Taschentücher, 1 Soldbuch, 1 Seil, mehrere Schlüssel.

Gießen den 8. März 1884. Großherzogltche^Polizetamt Gteßen.

Als nach der Constituirung des Präsidiums der Präsident der verstorbenen Reichstagsabgeordneten, darunter des Abg- Lasker, gedachte, nahm der Abg. Rickert das Wort zur Geschäftsordnung und dankte Namens der Freunde Laskers für die Sympathiebeweise, namentlich dem Amerikanischen Repräsentantenhaus. Der Präsident konstatirte, daß Rickert nicht zur Geschäftsordnung gesprochen habe, und Abg v. Hammer­stein protestirt im Namen seiner Freunde gegen das Verfahren Rickerts, der das ertheilte Wort mißbraucht und die Rednertribüne benutzt habe um einer auswart,gen Körperschaft demonstrativ zu danken. Der Abg- Hanel erklärte, sich dem lEtherle des Präsidenten zu fügen, kam in seinen werteren Ausführungen jedoch abermals auf den Laskerfall zurück. Der Präsident unterbrach ihn, weck er rnr Begriff stehe, außerhalb der Geschäftsordnung zu sprechen. Der Abz-Hanel fuhr d^auf fort:. Wenn wir gegen die Geschäftsordnung verstießen, so glaubten wrr das entschuldbar in Rücksicht auf den Sympathiebcweis des Amerrkanilchen Repräsentantenhauses. Der Abg. v. Maltzahn-Gültz konstatirte, daß die Geschäftsordnung für die Erklärung Rickerts üßer den Beschluß eine? auswärtigen Parlaments, der dem Reichstage nicht offiziell zugegangen sei, keinen Raum biete. Von dem Abg. Richter wurde erwidert, daß die Linke in ähnlichem Falle ebenso handeln werde ; auf den Widerspruchber.Rechten komme es dabei ebenso wenig, rote d,e unbefugte Einmischung des Reichskanzlers an- Der Minister v Bötticher erklärte: Wenn der Reichskanzler betreffs der Zustellung der Resolution des Amerikanischen Repräsentantenhauses das gethan, was er nach Lage der Sache für recht halte, so unterliege das weder der Kritik des Hauses, noch der Kritik irgend eines Abgeordneten; er protestirt gegen die Kritistrung dieses Verfahrens des ReUkanzlers Der Abg- Brann führte zur Recht ert gung des Verfahrens der Linken einen Präzedenzfall des Preußischen Abgeordnetenhauses bet dem Tode Cobdens an worauf der Abg- v- Maltzahn erwiderte, datz die pofllwen Vorschriften der Geschäfts- °?dnung des ReiAages maßgebend seien- Der Abg Richter bemerkte s-genub°r dem Minister v Bötticher, daß den Abgeordneteii eine Kritik bei amtlichen Handlungen de Veickskanckers iederzeit zustehe. Als der Abg. Möller ,eine Rebe mrt dem Hinweise au lim im Saal hängÄd von Deutsch-Amerikanern gestiftete Fahne begann unter; br A^hn ^r PräsideM weil der Redner nicht zur Gefchäftsordnung spreche und ernart^ro Mr^Iegc^Wnlebiö^^ Entschiedenste in Abrede, daß

w wollen ®" anfi, barnational/iberale Abgeordnete sich der neuen Parte, anschließen werden, sei in keinem einzigen Falle zutreffend.

Dresden, 7. März. Die Regierung hat bereits heute den Ständen den Gesetzentwurf zugehen lassen, betr. die Befugniß zur Ausschließung säumiger Abgabepflichtiger von öffentlichen Vergnügungsorten. Die Frnanzdeputattcm der zweiten Kammer hat sich für den Ankauf des Konrad scheu Hauses m Berlm für den Gebrauch der sächsischen Bundesraths-Bevollmächtlgten und der sachsi- schen ^^dffchast E^sprochen.^ be§ Neu-Stettiner Synagogenbrandes. Die Vertheidiger der Angeklagten plaidirten für Freisprechung. Die Geschwo­renen sprachen betreffs aller Angeklagten dasNichtschuldig aus.

Entsprechend dem Wahrspruch der Geschworenen erkannte der Genchts- hof auf Freisprechung aller Angeklagten und ordnete die sofortige Entlassung des Anaeklaaten Lesheim sen. aus der Hast an.

Wien, 7. März. DieWiener Ztg." bemerkt:In den zu erwar­tenden publicistischen Commentaren über d.e deutsche Thronrede «erde die dort ausgesprochene hohe Befriedigung über die Beziehungen Deutschlands zum Aus- lande und der Hinweis aus die Befestigung ererbter Freundschaft, welche Deutsch­land und seine Fürsten mit den benachbarten Kaiserhofen verbindet, gewiß in hervorragender Weise gewürdigt werden." DasFremdenblat bezeichnt die Thronrede als Meisterstück ernster, staatsmännischer Offenbarung.Noch niemals hat sich vom Throne herab eine warnende^Stimme, die auffordert, durch durckareisende Reformen den revolutionären Bestrebungen den Boden zu entziehen, eindringlicher vernehmen lassen. Die Lösung aus Parteizwecken oder Kostenintereffe verhindern oder hinauszuschleppen, wäre ein Verbrechen, das an der ganzen bürgerlichen Gesellschaft furchtbar sich rachen wurde Du- Worte

Qnitprä iihpr ht? äufiexen S^icbuTiQCH roeibcn überall ben freubigften 2Sie &SJS«rüäi-moi« E-mg°-°-d-° d>- ,°g. haften Befürchtungen und die schadenfroh ausgebeuteten Unterstellungen wie

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Poltiik Bismarck's ihn berechtigt, sich selbst em glanzendes Zeugmß auszustellen.

London 7. März. DieTimes" meldet aus Haldzong von heute daß der General Negrier gegen Bacninh, dessen Garnison eine große Zahl regulärer chinesischer Truppen enthalten soll, tm Vormarsch begnffeN sein.

Rach hier vorliegenden Nachrichten aus Suaklm von ^ute Mittag lehnt Osman Digma jedes Arrangement entschieden ab; die englischen Truppen werden daher voraussichtlich Anfang nächster Woche den Vormarsch gegen den­selben ^glnnen öon bem A^iral Hewett erlassenen Aufforderung sind die Abaesandten einiger freundlich gesinnten Stämme hier eingetroffen.

Rom 7 März! Der Kardinal des heiligen Collegiums, Kardinal di 7. März. Die Polizei-Bureaus haben Plakate mit der

Photographie des der Ermordung Sudeikins beschuldigten

I Stabskapitäns Degajeff ausgehängt; es werden aOOO Rubel für Deni.mgen

Keutschlauv.

-I Darmstadt, 7. März. [Bro eite Kammer der Landstände.j Bei Beginn der brütigen Sitzung theilte der Präsident der zweiten Kammer mit, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog feine Freude für die Glückwunsch - Adresse ihm aus- gedrückt und ihn beauftragt habe, seinen Dank dafür der Kammer zu übermitteln.

8 Es wurde hierauf in der Generaldebatte über die Nebenbahnen fortgefahren. Aba Stephan will absehen von einem Amendement, um daS ChaoS nicht zu ver- mehrem das jetzt schon bestehe und ist deßhalb für den Antrag der Majorität des Ausschusses und auch Abg. o. Rabenau hat sich durch die Ausführungen dahin mobb ficirt, dag er nunmehr die Anträge der AusfchußmajoritSt °nnehmen wird. Abg. Dittmar nimmt einen ganz andern Standpunkt ein, wie färnrntliche Herren Voi- redner. er will zwar die Majoritäts-Anträge accepttren, möchte aber die Regierung nicht bitten, weitere Vortagen dem nächsten Landtage -rr machen,^ sondern will dem Normativgesetz gemäß eS den Interessenten überlassen, mit Vorschlägen zur Erbauung von Bahnen an die Regierung zu kommen, damit diese in einem solchen Falle eine Prüfung etntreten lasse und das Ergebniß derselben den Standen zur Genehmigung unterbreiten könne. Zunächst wendet sich nun Abg. Racks gegen die gestrigen Aus­führungen des Herrn Ellenberger. Weiter hält derselbe di- ganze Sache nicht für ge­nügend ausgearbeitet, er habe deßhalb zuerst die Absicht gehabt, die Vorlage der Re- aierung zurückzugeben oder aber die Kammer zu ersuchen, eine gewisse Summe zu bestimmen, welche zum Bau in den verschiedenen Provinzen verwende^werden könne und die Regierung zu beauftragen, über die betr. Proiecle bei den Prooinzialbehorden Auskunft etnzuholen, damit sie dann mit einer Vorlage an die Kammer komme Man habe ihm aber von befreundeter Seite bemerkt, daß ein solcher Antrag wenig Aussig auf Erfolg habe, eS wolle jeder Abgeordnete für seinen Landesthetl etwas mit nach Hause nehmen und durch diesen Antrag werde do» die Sach-, wenn nicht ad calendas graecas, aber doch UM einige Monate verschoben. Er habe sich NUN bestrebt, einen An­trag iu finden, der vielleicht die einstimmige Zustimmung einer großen Malorität be6 Hauses finden würde und habe in folgendem Antrag dies zu erreichen Seglaabt. Er beantrage, die Kammer wolle unter Genehmigung der von dem Gesammtausschuß zu diesem Gesetz gestellten Anträge beschließen-. 1) außer den nach diesen Anträgen er- forde'lichen Geldmitteln e<ne weitere Pauschsumme von je 1,500,000 für l-.be ber brei Provinzen rum Zweck der Erbauung von Secundärbahnen zu verwilligen und sich sveetell die Verwendung dieser Summe, resp. die Bestimmung der damit zu erbauenden Linien in den einzeln-n Provinzen vorzubebalten; 2) di- In der Regierungsvorlage Art. i weiter vorgesehenen Strecken nebst sämmtlichen bei der Kammer etngelaufenen Anträgm und Projecten an die Regierung zurückzuverweisen mit dem Ersuchm, bei den Provinzialbehörden »der sonstigen geeignet scheinenden Behörden und Corporaticmen Gutachten über diese verschiedenen Projecte einzuholen; 3) die Regierung zu ersuchen, bezüglich der auf Grund dieses Gutachtens in erster Linie zu berücksichtigenden Strecken die nöthigen Vorarbeiten, Pläne und Kostenvoranfchläge bewerkstelligen und der Kammer diese gelegentlich einer neuen Vorlage zugehen zu lassen- . __

Abg. Kugler wird für den Majoritätsantrag stimmen, steht aber auch sym­pathisch dem Antrag Rackä gegenüber, ebenso auch die Abgeordneten Osann und Falk, welche den letzteren für richtig halten, wahrend Abgeordneter Maurer die Kammer ersucht, den Majoritätsantrag anzunehmen, den Anttag Rackä iedoch ab- zul-hnem^ nd tiner lOminutlichen Pause zog sich der Finanzausschuß zur Stellung­nahme Über den Antrag Rack6 zurück und erstattete hierauf Abg. Theobald Namens dieses Ausschuß Bericht, dahin gehend, daß eine Maiorität diesem Antrag beigetreten sei, während die Minorität ablehnend sich demselben gegenüber verhalte

' DieAgeordneten Muhl, Jöckel, Ellenberger und Wolfskehl wenden fick gegen den RackL'schen Anttag und erklärt besonders Letzterer denselben als Krone des Provinckalismus.^dne^n Wasserburg und Schröder plaibiren sür Annahme des Rackö'schen Antrags und ziehtAbg. Schröder dieAnttäge der rheinhesisifchenMinorität des Ausschusses zn Gunsten dieses Antrags zurück. Nach Schluß der Generaldisrusston wird bte pos. 1 des Art. 1 von der Kammer acceptirt und auch die xos. 2 diese« Artikels, nachdem bie Abgeordneten Tecklenburg, Schade, Schaum, Muhl, Heinzer- ling, v. Rabenau und Ellenberger sich für die Regierungsvorlage ausgesprochen, trotz g-gentheiliger AuSsühruvgen der Abgeordneten Osann und Schröder entgegen dem Majoritätsantrag deS Ausschusses, welcher auf Ablehnung der Vorlage ging, verwilligt. u

Heute Nachmittag wird eine Satzung stattfinden.

Aegypten.

»airo, 7. März. Nach einer Depesche Gordon'« traf in Khartum ein egypiischer Osficier aus El Obeid ein und berichtete, daß ein Expeditionskorps des Mahdi gegen Darsur von Slatin Bey geschlagen ist. Nach einer andern Depesche lmS Aharturn errang der Stamm der Kabbabisch nördlich von El Obeid einen Sieg über den Mahdi. Eine anderweitige Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor.

, Amerika.

Washington, 7. März. DaS Finanzcomite deS ReprSseniantenhauseS hat sich zu Gunsten der Tartsbill Morrisons in der gegenwärtigen Form anSgesprochen, wonach Salz, Kodlen und Stabeisen zollfrei sein sollen. ..

Washington, 6. März. Der Senat hat eine Vorlage, welche bte Verhinderung der Nachmachung fremder Bonds in Amerika bezweckt, berathen. In der gesetzgebenden Versammlung von New-Jersey ist eine Vorlage einge­bracht worden, durch welche die Anfertigung von Explosionsstoffen und Waffen zu ungefetzlichen Zwecken verboten wird.

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