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Telegraphische Depesche«.

»olfpt telegr. Torresportdem-B«rea«.

Em-, 6. Juli. Zur Kaiserlichen Tafel waren geladen: Fürst und Fürstin zu Solms, der Commandeur der 31. Infanterie-Brigade, General- Major Krüger, der Schloßhauptmann Gras Dönhos, der Regierungspräsident v. Wurmb, der Kammerherr v. Lepel, der Domprobst Holzer und Gras Keßler. Nach dem Diner unternahm Seine Majestät der Kaiser eine Spazierfahrt und wohnte Abends der Vorstellung im Theater bei. Heute früh beendete Seine Majestät die Brunnenkur und machte eine Promenade.

Seine Majestät der Kaiser ist heute Nachmittag 4 Uhr nach Be­endigung der Brunnenkur mittelst Extrazugs von hier nach Koblenz abgereist. Zur Verabschiedung waren auf dem Bahnhofe anwesend: Regierungspräsident von Wurmb, Landrath Rolshoven, Badecommissar v. Lepel, Bürgermeister Spangenberg, Polizeirath Bornheim, Postdirector Kühns, Geheimrath Dr. Orth, Mitglieder der Geistlichkeit und distinguirte Badegäste. Se. Maj. erschien über­aus srisch und rüstig und wurde von der zahlreich versammelten Menschenmenge durch enthusiastische Hochruse begrüßt.

Toulon, 6. Juli. Seit gestern Abend 6 Uhr bis heute Vormittag 11 Uhr sind hier 15 Cholera-Todessälle vorgekommen.

MarfeLlle, 6. Juli. In der vergangenen Nacht sind hier 5 Personen an der Cholera gestorben.

Bukarest, 6. Juli. Der Cultusminister Aurelia hat seine Entlastung genommen. Der bisherige Minister des Innern, Kitzou, ist zum Cultusminister, General Folcoianu zum Kriegsminister und der Ministerpräsident Bratianu, welcher das Präsidium des Ministerkonseils behält, zum Minister des Innern ernannt worden. Die übrigen Minister verbleiben auf ihren Posten.

Lokales.

Gießen, 7. Jult. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 10. Juli 1884, Nachmittags 4 Uhr.

1. AuSloosung städtischer Obligationen.

2. Die Quellwasserleitung.

3. Den Neubau von Kliniken in Gießen.

4. Uebertragung der städtischen ArmenpraxtS an daS akademische Hospital.

5. Anschaffung von Büchern u. s. w. auf Grund deS Art. 26 des VolkSschul» gesetzes.

6 Gesuch deS GrubendtrectorS Christian Bansa dahier um Bauerlaubniß.

7. Desgleichen des Kaufmanns Alexander Meyer.

8. Desgleichen des WirthS Jean Weber.

9. Desgleichen des MufikalienhändlerS Wilhelm Rudolph.

10. Desgleichen des Wirths Christian Haubach II.

11. Gesuch der Firma Wilhelm Zurbuch dahier um Rückvergütung von Octrot.

Gießen, 7. Jult. Unsere Mlttheilung in letzter Nummer d. Bl., betr. Tod eines Mannes durch Sonnenstich, beruhte auf einer voreiligen Mittheilung. Der Mann ist den Folgen nicht erlegen, sondern als geheilt auS der Klinik entlassen worden. Die erste Mttthetlung war uns von sonst glaubhafter Seite zugegangen.

In Wteseck wurde am Samstag, tn einem Keller vergraben, die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden. DaS Gericht war gestern bereits dorten, um Augenschein zu nehmen.

Wir erhielten nachstehende Zuschrift, welcher wir im Jntereffe unserer Kleinen recht gerne Aufnahme gewähren:

Werden wir in diesem Jahre unser Jugendfest haben?

Diese Frage richten jetzt die Kinder an ihre Eltern und eben diese Frage richten darum die Eltern und Ktnderfreunde an die Lehrer und die berufenen Leiter deS Festes.

Die Zeit naht heran, wo einem früheren Beschlüsse gemäß daS Fest gehalten werden soll und die Vorbereitungen in Angriff genommen werden müßten.

Wir erwarten darum von unserem Stadtvorstande, daß recht bald eine An­regung oder eine Bestimmung über die Abhaltung dieses Festes von ihm auSgehe. Au der Opferwilligkeit und Thetlnahme unserer Mitbürger wird gewiß nicht fehlen, wenn es gilt, ein Fest zu feiern, das in allen Kreisen tn der angenehmsten Erinnerung steht und an welchem stets die ganze Bevölkerung, jung wie alt und arm wie reich mit gleichem Interesse theilgenommen bat. ,

Vermischte-.

Darmstadt, 3. Jult. Im Jahre 1882 sind in Hessen 31779 Geburten (darunter 361 Zwillings- und 7 DrtlltngS-Geburten) und 23 268 Todesfälle vorgekommen. Hetrathen wurden 6501 geschloffen und Ehescheidungen kamen 64 vor. Die Geburts­fälle überstiegen also die Todesfälle um 9511.

Der Flächeninhalt sämmtlicher Gemarkungen und Kreise des Großherzog- thumS beläuft sich gegenwärtig auf rund 768114 Hektare; gegen das Jahr 1882 ist tn Folge neuer Vermessungen, Berichtigungen rc. ein Zugang von 51000 Hektaren zu ver- -etchnen. Starkenburg enthält 302000, Oberheffen 329000 und Rheinhessen 137 000 Hektare. Die kleinsten Kreise In ganz Hessen sind die Kreise Bingen und Ma nz; ersterer hat 19588 und letzterer 19 727 Hektare. Der größte Kreis ist der Kreis AlSfeld mit 62204 Hektare. Daß tn Hessen gerade die kleinen Kreise für daS Land financtell die bedeutendsten sind, sei nur beiläufig hier erwähnt-

Q lDte Solisten der Bilse-Capelle-I An der Spitze de« Künstler-Ensembles steht T vadar Rachöz, der tn letzter Zett vielfach rühmlichst genannte Vtoltn-Vtrtuose;

n2Jon begnadetes Genie und wir zweifeln nicht, daß überall, wo sich der Künstler hören lassen wird, er sich der höchsten Anerkennung erfreuen wird. In Er­wägung der großen Reiseanstrengungen spielt NachSz tm Orchester gar nicht mit, sondern tritt allabendlich nur mit einem größeren Concert vor das Publikum. Der Mte Concertmerster ist John Smit, ein aus der belgischen Schule hervorgegangener Künstler; auch ihm fallen abwechselnd rnitNachäz die soltsttschen Vortrüge der Concerte IS'a« r rJlcI u8n8 6ßm° der Solocelltst der Capelle, erhielt am Conservatortum zu Kfm!!,« 8* großer Meister seines Instruments ist der Soloflöttst

Charles Mol6. Einen wunderbaren Effect erzielt Hugo Türpe, der unübertreffliche Cornet a Mton-Virtuos-, mit dem Kunstgr'ff der Sordine (unseres Wissens nur von tbm ousgkführt); der Ton beS Instrumentes erklingt dabet wie aus der Ferne. 8rr?u,*.n ®L-ms-n, bis HarseniMn, vernsllstSndtgt dies feiten« Künstler-Ensemble, baHift an(6Hc6ten6Öt 8 '" ®atlnctt=®lttuofe' etn Waldhornist und ein Eolocontra-

^"-^r aestern Abend In derCentralhalle" stattgehabten gemetnschaftlichen Sitzung der Vorstände hiesiger Turnvereine wurden die Gründe für Abhaltung des nächsten mtttelrheintschen Turnfestes eingehend besprochen £anau^^ nä4)tc tmMr 1886 stattfindende mtttelrhetntsche Turnfest für Ma lBlutvergiftung.j In Rhodt Ist etn 18jähriges Mädchen,

Geschwür auf der Lippe mit einer Nadel, mit welcher blaues Zeug genäht worden war, aufgestochen hatte, nach wenigen Tagen an Blutvergiftung gestorben

" "® ne edle Genugthuung" überschreibt das ,W-Frdbl - folgende Geschichte: ?cr böhmischen Stadt, Fleischhauer Joseph C., saß in Gesellschaft einiger setner Bekannten, darunter des Stadtarztes Dr. Franz P., tm Garten eines vor bcr c?er Gerstensaft mundete Herrn C> so gut, daß cA 3,eit eine größere Quantität vertilgt batte, als ihm gut war. Er »eckte

Hnh8aUi Räuschchen an, verlor beim Versuche, aufzustehen das Gleichgewicht und fiel, wie einst Kunz von Kausungen, unter den Tisch. Hierüber SCrA»tUl\teT der Gesellschaft große Heiterkeit und namentlich Herr Dr. P. ließ seines Lachlust freien Lauf. Der gefallene Zecher entbrannte aber darob in grimmem Liorn und versetzte, als er sich wieder erhoben hatte, seinem noch immer lachenden Tisck- genoffen eine Ohrfeige. Selbstverständlich ändert sich nun die Situation der

Beleidigte verließ sogleich daS Local und bald saß der schlagfertige Herr C alleinHm ©arten8 In den meisten Fällen wäre etn Duell ober eine Gerichtsverhandlung gefolgt, hier tarn es aber anbeiö. Am nächsten Tage, als daS Räuschchen verwogen war, be­eilte sich Herr C-, den beleidigten Doctor brieflich in der höflichsten Weise um Ver­zeihung zu bitten und erklärte sich zu jeder Genugthuung bereit. .Dr- P- antwortete, er könne die ihm öffentlich angethane Beschimpfung durch die schriftliche Abbitte nicht als verwilckt ansehen und begehre jedenfalls Genugthuung; diese habe aber darin zu bestehen, daß Herr C. sich bereit erklärt, zwei arme und braveStudenten, so lange selbe die Realschule dortorts besuchen, tn unentgeltliche Derköst'gung zu nehmen. Der biedere C- ging darauf etn und so verdanken zwei arme Schüler dieser vemüfttgen und edlen Auffassung des Begriffs Genugthuung eine hungerfreie Studienzeit.

Die Frequenz der Universität München in diesem Sommersemester ist die höchste fett dem Bestehen der Universität; eS sind nämlich an derselben 2511 Studirende und zwar 1529 Boyern und 982 Ntchtbay-rn immatiikulirt. Nach den einzelnen Fakultäten studiren dort 125 Theologen, 774 Juristen, 848 Medicmer, 108 Forst- candidaten. 514 der philosophischen Facultät Angehörige und 141 Pharmaceuien.

Kassel, 3. Juli. Ueber das gestrige schwere Gewitter berichtet dieHess. Ztg.": Die Ahne war ungefähr sechs Fuß gestiegen und seit dem großen Wolkenbruch tm Jahre 1853 hatte man AehnlicheS nicht erlebt- ES war ein reißender Strom entstanden, welcher Gegenstände der verschiedensten Art mit sich führte. Die Ueberschwemmung des unteren AhnethaleS ist eine vollftändtge gewesen und die Verheerung, welche sie in den Feldern und Gärten angertchtet, e ne große. In einem GartenhäuSchen, dec Wack'schcn Mühle gegenüber, hat das Wassrr eine Mauer durchbrochen. Die Bewohner deS Seilerweges hatten in ihrer Noth ein Rettungsboot verlangt, welches indeffen nicht mehr tn Action gesetzt zu werden brauchte. Auch die Bleichen haben erheblich gelitten Die Ursache des Anschwellens der Abne war ein Wolkenbruch, welcher auf dem Habicktswald gefallen. Bet Elgershausen und Hoof hat es so stark gehagelt, daß Etsftücke von beträchtlicher Größe sich vorfanden. Der um 3 Uhr 7 Minuten hier eintreffende Zug aus Westfalen war mit solchen in der Groß: eines TaubeneieS bedeckt, welche von einem Gewitter bet Hofgeismar herrührten, über welches ein Freund unseres Blattes wie folgt berichtet: »Das gestern tm Kreise Hofgeismar und Wolfhagen ntedergegangcne Gewitter war von einem 2Vrstündtgen wolkenbrucharttgen Regen begleitet. Die kleineren Bäche schwollen infolge dessen an und traten, alles verwüstend, aus ihren Ufern. In Kalben stand das Wasser 2V--3 Fuß hock und höher tn ben Dorfftraßen; Scheuertennen unb Ställe sahen sich plötzlich zu stark ftromenben Fluß­betten umgewandelt. Leiber soll auch ein Kind in den Fluthen umgekommen sein. Viel kleines Vieh, Schweine, Hühner und bergt ertrank. Alte Leute erklärten dem Sckretber dieses, eine solche Wasftrsnoth nicht erlebt zu haben. Dazu erschien das Licht der Blitze nicht wie sonst, hell, weißlich, sondern düster-dunk-lioth, dazwischen prasselte der Hagel unb ein orkanartiger Sturm heulte in der Luft. Die Fcldfrüchte haben großen Schaben erlitten, zwischen Wilhelmsthal unb Obervellmar sah Einsender alles total zertrümmert unb vieles überflößt. Der Hagel lag h er an manchen Stellen noch 2 Stunben nach bem schauerlichen Natureretgniß 2 Hänbe hoch. Nach Norbost hin sah man einen Berg so mit Hagel bedeckt, als habe derselbe eine Schneehaube. In dem Wilhelmsthaler Forst war der Boden mit abgeschlagenem Laub bedeckt. Früh Morgens erfreute sich Schreiber dieses noch an dem prächtigen Stand der Früchte,. Nachmittags sah er Verwüstung unb trauernde Landleute. Ob die dortigen Fluren versichert sind, konnte er, da die Antworten der Leute so unbestimmt und verworren waren, nicht tn Erfahrung bringen." Von anderer Seite schreibt man unS; Infolge des sich gestern Nachmittag tn der Nähe des AhnethalS entladenen starken Gewitters war in kurzer Zeit die Abne so stark angesckwollen, daß sie an vielen Stellen aus ihren Ufern trat. In hiesiger Gemarkung wurden die Ländereien längs des Flußbettes erheblich beschädigt, die Anwohner der Ahne kamen in Gefahr, riefen um Hülfe unk mußte noch gegen Abend ein Schiff zur Hülfeleiftung requtrtrt werden, das aber nickt zur Verwendung gekommen ist. Am Ausfluß der Ahne in die Fulda war erstere um 6 Fuß gestiegen. Der von dem Gew tter überraschte hannoversche Effenbohnzug hat viel gelitten, das Hagelwetter hat ganze Eisstücke heruntergesckleubert, sodaß ^Fenster­scheiben in den Effenbahn-Waggons zertrümmert wurden. Eisstücke, wie ein Hühnerei stark, wurden in die Wagen geschleudert und in HeckarShausen wurde ein auS Schloßen zusammengeballter Eisklumpen aufpefunben, ber heute Morgen noch tn bet Bleßmann'schen Wirthschaft vor bem holländischen Thor tm Gewicht von 5 Pfund vor- gezeigt wurde.

Schiffsnachrichten.

Bremen, 3. Juli. sPsr transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Donau. Capt. R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. Juni von Bremen abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten tu Newport angekommen.

Bremen, 3. Juli. sPer transatlantischen Telegraph.1 Der Postdampfer Hohenzollem, Capt. A. Meier, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18- Juni von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore an­gekommen.

Handel und Werkehr.

/u a ®J^nnr^£5, .(Frachtpreise.) Weizen JL 20.10, Korn JL 18.40, Gerste JL 16.90, Hafer JL 17.30, Erbsen JL 00.00, Linsen 00 00 Lein 00 00

Samen JL 25.20, Kartoffeln 4.40, Wicken 00.00. '

^U*Swa"Jnnem^eutlBen Aarkt kostete der Gentner Heu

n^Aro$r» Gier das Hundert JL 4605.00, Butter

i 0.90, 2. Qualität JL 1.10, Kartoffeln per Centner JL 2 50__0 00

Kohlrabi 46 4 vr- St-, Erbsen 100 Kg. 19-00-27.50 Rothkraut vr St 00 00 A

Poularden f 0-0 Huhn^L 1.50-2.20, 1 Ente M 3J)0114Ö01 Taube W-M t

Hahn 1.702.00, Gans 40.00, Welsche JL 7-12.

731) Ueber die Hohe der Kosten, welche die Einrncknng einer Anzeige In ewi oder wehre Zeitungen veruraacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von

- M- (KXnhe, Stuttgart oder Münoh ") zuo AMun Z

auch ninsichts der für den jeweiligen Zweok eigneten Blätter auf Grm>d rHiche. rrfahrnur«n und grdndHoher Beobachtungen znveriÄsai^en Hatb

Repertoir der vereinigten Stadttheater m Frankfurt a^ M. "

Opernhaus. ' ®

Dienstag den 8. Juli: Czaar und Zimmermann.

Mittwoch den 9. Juli: Carneval in Rom. Außer Abonnement

Donnerstag den 10. Juli: Lakmä. B Abonnement.

Freitag den 11. Juli: Der Bettelstudent. Außer

Samstag den 12. Juli: SBtoletta. Hierauf: Copp^lta (Ball t>

Sonntag den 13. Juli: Lohengriv. v trauet).

Wafferw ärwedHah n.

7. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: 19° 9t. Luft -21° 9t. im Schatten _ _______ Rübsamen.

Briefkasten.

.Sennin®" ®"'n bbel roQtl "°bmen dankend von Ihrer freundlichen Zuschrift

-- --Red.

Wir ersuchen wiederholt die geehrten Abonnenten,

Unregelmäßigkeiten Seitens unserer

-!uStrager uns gcfl. mit kurzer Notiz mittheilen zu wollen

W'f'.W* !£»"'" si»d «n9<»i<fen,

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Die Expedition des Giessener Anzeigers.