152 Stimmen abgelehnt; für denselben stimmten 18 Conseroative, 21 Fortschrittler, 2 Secesstonlsten.
Bet der sortgesetzten Berathung wurde das Ordinarium des Cultusetats un« verändert genehmigt; die für Kunstzwecke geforderten zwei Mllltonen wurden in namentlicher Abstimmung mit 204 gegen 158 Stimmen bewilligt. Demnächst gelangten der Rest des Etats und das Etatsgesetz unverändert zur Annahme.
Die nächste Sitzung findet Dienstag statt.
Berlin, 6. März. ^Eröffnung des Reichstags.^ Der Reichstag wurde heute Mittag 12 Uhr durch den Staatsminister v. Bötticher mit folgender Rede eröffnet:
Geehrte Herren! Seine Majestät der Kaiser haben mich zu beauftragen geruht, Sie bei dem Beginn Ihrer Berathungen willkommen zu heißen.
Die bedeutsamste Aufgabe des Reichstags liegt auch für die bevorstehende Session auf dem Gebiete der socialpolstischen Gesetzgebung. Der zu wiederholten Malen feierlich und mit besonderem Nachdruck ausgesprochene Wunsch Seiner Majestät des Kaisers, die wirthschaftltche und sociale Lage der Arbeiter durch organische Gesetze zu Heden und dadurch den Frieden unter den Bevölkerungsklassen zu fördern, hat im deutschen Volke volles Verständniß gefunden. Die Verhandlungen über das tm vergangenen Jahre — Dank Ihrer hingebenden Mitarbeit — zu Stande gekommene Krankenversicherungs- gesitz haben den erfreulichen Beweis geliefert, daß der Reichstag sich mit den verbündeten Regierungen in dem Bewußtsein der Bedeutung und Dringlichkeit der erstrebten socialen Reformen begegnet. Der nächste Schritt aus diesem Gebiete besteht in der endlichen gesetzlichen Regelung der Fürsorge für die durch Betriebsunfälle verunglückten Arbeiter und deren Hinterbliebene. Nachdem auch der im Frühjahr 1882 Ihnen Vorgesetzte Entwurf eines Unfallvelsicherungsgesetzes zum legislatorischen Abschluß nicht gelangt war, ist derselbe unter Berücksichtigung der aus dem bisherigen Entwtckelungs- gange geschöpften Erfahrungen nochmals einer sorgfältigen Prüfung unterzogen worden, dieselbe hat zu dem Plane einer anderweiten Ausgestaltung der in Aussicht genommenen berufsgenossenschaftlichen Organisationen der gewerblichen Unternehmer auf der Grundlage ausgedehnter Selbstverwaltung, sowie einer erweitertin Bethetltgung der Arbeiter behufs Wahrung ihrer Interessen geführt. Die aus diese Grundlagen gestellte neue Vorlage wird Ihnen unverzüglich zugehen. Für die Erledigung derselben hat der Reichstag durch die frühzeitige Berathung des Rerchshaushaltsetats für 1884—85 die erwünschte geschäftliche Freiheit gewonnen.
Nach dem Zustandekommen des Unfallversich'rungsgcsetzcs wird es Unsere Ausgabe sein, aus entsprechender organisatorischer Grundlage eine besrirdigende Ordnung der Fürsorge für die durch Alter oder Invalidität erwerbsunfähig werdenden Arbeiter anzustreben. Die Erfüllung dieser Pflicht gegen die arbeitende Bevölkerung soll in dieser die Segnungen der snedltchen Entwickelung des geeinten Vaterlandes zum vollen Bewußtsein bringen, damit den auf den Umsturz göttlicher und menschlicher Ordnung gerichteten Bestrebungen revolutionärer Elemente der Boden entzogen und die Beseitigung der erlassenen Ausnahmemaßregeln angebahnt werde. Die verbündeten Regierungen werden ihrerseits bemüht sein, aus diesem Wege den Erwartungen und Zusagen zu entsprechen, welche die Vorbereitung und den Erlaß des Gesetzes vom 21. Ödober 1878 begleiteten.
In der Hoffnung auf Ihre erfolgreiche Mitwirkung an diesem Werke werden die verbündeten Regierungen Ihre Zustimmung zu einer Verlängerung j-r.ts Gesetzes, dessen Geltung mit dem 30 September d. I. adläuft, nachsuchen.
Durch das Krankenversicherungsgesetz werden einige Abänderungen des Hülfs- kassengesetzes vom 7. April 1876 bedingt. Es wird Ihnen daher der Entwurf einer entsprechenden Novelle zu diesem Gesetze vorgelegt werden.
Die bei der Gründung und Verwaltung von Acttengesellschasten hervorgetretenen Ausschreitungen und die dadurch herbeigeführten Schädigungen des Volkswohlstandes haben das Vertrauen in die bestehende Acttengesetzgebung erschüttert. Nach der in der Sitzung des Reichstags vom 27. März 1873 gegebenen Anregung ist die Erkenntniß von der Nothwendtgkert einer Abänderung des Gifttzes vom 11. Juni 1870 in weiten Kreisen zur Anerkennung gelangt. Der in Folge dessen ausgestellte Gesetzentwurf, welcher Ihrer verfassungsmäß'gen Beschlußfassung unterbreitet werden wird, bezweckt die Abstellung der hervortretenden Mißstände und nimmt zu diesem Ende insbesondere die Verschärfung der Verantwortlichkeit aller bei der Gründung, Leitung und Beaufsichtigung von Acttenunternehmungen betbeiligten Personen, sowie die He7bei- führung einer wirksamen Controle über die Verwaltung der ActiengesellschastenUn Aussicht.
Die tm Jahre 1882 dem Reichstage vorgelegten Gefttzentwülfe, welche die Zu- wenbung der durch das Gesetz vom 20. April 1881 den Wsttwen und Waisen der Reichsbeamten gewährten Fürsorge auch an die Hinterbliebenen von Angehörigen des Reichsheeres und der Marine, sowie im Anschlüsse an das m Preußen geltende Penstonsrecht eine Verbesserung des P-nstonswesens für Reichsbeamte und Offiziere in Aussicht nahmen, sind damals zur Verabschiedung nicht gelangt. Die Verhältnisse, welche zu diesen Entwürfen geführt haben, bestehen unverändert fort und wird der Inhalt derselben Ihren Beschlüssen von Neuem unterbreitet werden.
Unter dem fortgesetzten Bemühen, den Erzeugnissen unserer Literatur und des heimischen Kunstfleißes auch außerhalb der Grenzen des Reichs in immer weiterem Umfange eine durch Rechtsschutz gesicherte Verbreitung zu gewährleisten, sind mit Belgien zwei Verträge über den gegenseitigen Schutz der Rechte an Werken der Literatur und Kunst, sowie über den gegenseitigen Schutz der gewerblichen Muster und Modelle vereinbart worden. Dieselben werden Ihnen zur verfassungsmäßigen Genehmigung zugestellt werden.
Die Beziehungen des Reichs zum Auslande bilden für seine Majestät den Kaiser einen Anlaß hoher Befriedigung, besonders im Rückblick auf alle Befürchtungen und Vorhersagungen, welche nach der Neubildung des deutschen Reiches den friedlichen Charakter seiner Politik in Zweifel gestellt haben. Die Gleichheit der friedliebenden Gesinnung, welche die uns benachbarten und befreundeten Mächte beseelt, begründet zwischen ihnen und uns eine Solidarität, welche die Erhaltung des Friedens nicht nur für Deutschland nach menschlicher Voraussicht als gesichert erscheinen läßt. Die Befestigung der ererbten Freundschaft, welche Deutschland und seine Fürsten mit den benachbarten Kaiserhöfen verbindet und die Aufnahme, welche Seine kaiserliche und königliche Hoheit der Kronprinz in Vertretung Seiner Majestät des Kaisers in Italien und Spanien gefunden hat, beweisen, daß dem Ansehen der deutschen Nation im AuS- lande das Vertrauen der Fürsten und der Völker auf unsere Politik zur Seite steht. Seine Majestät der Kaiser rechnet darauf, Sich dieses Vertrauen und Deutschland den Frieden mit Gottes Hülfe zu erhalten.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'» teltflt. Eorresv0Rdk»z«Guriau.
Berlin, 6. März. Die Eröffnung des Reichstages und die Verlesung der Thronrede erfolgte heute durch den Minister v. Bötticher. Hierzu waren im Weihen Saale des König!. Schlaffes etwa 100 Abgeordnete, unv zwar meistens von den conservativen Fraktionen, erschienen; die Hofloge blieb leer, während in der Diplomatenloge der Prinz Prisdang und einige Attaches anwesend waren. Der Bundesrath erschien um 12 Uhr 10 Min., an der Spitze desselben der Minister v. Bötticher, dann der bayerische General Xylander, der Minister Maybach, der sächsische Bevollmächtigte v. Nofliz, der Minister Friedberg, der württembergische Bevollmächtigte u. s. w. Die Thronrede wurde von der Versammlung schweigend angehört. Nachdem der Minister v. Bötticher den Reichstag für eröffnet erklärt hatte, brachte der Präsident v. Levetzow ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, welches begeistert ausgenommen wurde.
Die darauf folgende erste Sitzung des Reichstage« wurde durch den bis- herigen Präsidenten Levetzow eröffnet. An Vorlagen sind eingegangen: die Unfallversicherung der Arbeiter und ein Schreiben des Fürsten Birmarck, durch welches mitgetheilt wird, daß der Abg. Richter (Mühlrädlitz) wegen Majestätsbeleidigung zu 6 Monaten Gefängniß und Verlust der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Aemter verurthcilt ist. Die nächste Sitzung, für welche die Präsidentenwahl auf der Tagesordnung steht, ist auf morgen Nachmittag 2 Uhr festgesetzt.
— Die „Norbd. Allg. Ztg." erklärt, daß die von den Zeitungen gebracht; Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt des Cultusministers einer jeden Be« gründung entbehre.
— Der „Nat.-Ztg." zufolge wird Namens der neuen liberalen Partei der Abg. Hänel als Candidat für die zweite Bicepräsidenten-Stelle des Reichstages aufgestellt.
Karlsruhe, 6. März. In der zweiten Kammer erklärte der Staats- Minister Turban auf eine Anfrage des Abg. Lenders, daß die Regierung mit Rücksicht auf die Dringlichkeit und Wichtigkeit der restirenden Arbeiten nicht die Absicht habe, eine Vertagung der badischen Stände wegen der heute eröffneten Reichstagssession eintreten zu laffen.
Elberfeld, 6. März. Wie die „Elberf. Ztg." meldet, hat der Weber Karl Bachmann aus Thüringen, welcher im Verdacht stand, eine am 4. September v. Js. in dem hiesigen Restaurant Willemsen stattgehabte Dynamit- Explosion verursacht zu haben, die Verübung dieses Verbrechens gestanden. In Folge dessen wurden jetzt auch ein hiesiger Schriftsetzer und zwei Fabrikarbeiter verhaftet.
Paris, 6. Mürz. Die hiesige Polizei ist eifrig bemüht, etwa hier sich aufhaltende Theilnehmer an den neuerlichen Attentaten in London zu entdecken.
Rom, 6. März. Die Antwort der französischen Regierung auf die Note des Staatssecretärs Jacobini bezüglich der Propaganda ist gestern im Vatikan überreicht worden.
Kairo, 8. März. Ein englisches Bataillon erhielt Befehl, sich bereit zu halten, um nach Ober-Egyvten abzugehen.
Konstantinopel, 6. März. Die Pforte hat die Vollmachten für Photiadcs Pascha als Gouverneur von Kreta erneuert. —rn—■—II >HIH »» Jimmiit» I 1—111 i n» —«■um» — m. * — . , »u^rfnuraMl mm im——mmM———
Lokales.
Gießen, 7. März. Montag den 10. und Dienstag den 11. l. Mts-, jedesmal Vormittags 9 Uyr beginnend, finden öffentliche Sitzungen des ProvinzialausschusseS der Provinz Oberh'.ssen statt, in welchen zur Verhandlung kommt:
Montag den 10. L Mts.:
1. Klage des Ortsarmenverbandes Allmenrod gegen den Ortsarmenverband Rockenberg wegen Unterstützung der Valentin Korell Ehefrau nebst Kindern.
2. Das Bauwesen des Wilhelm Heyer II. in Wölfersheim betr.
3. Recurs deS Samuel Falk dahier gegen einen Polizeibesehl, betr- Aufbewahrung von Lumpen.
Dienstag den 11. I. Mts.:
4. Reclamation gegen die Bürgermeisterwahl zu Niedermörlen.
5- „ „ „ >, Wohnbach.
6. Beanstandung der Bürgermeisterwahl zu Volkartshain.
7. Reclamation gegen dre Bürgermeisterwahl zu Steinbach.
Gießen, 7. März. In der gestern Nachmittag stattgefundenen geheimen Sitzung der Stadtverordneten-Verfammlung wurde beschlossen, den Gasvertrag der Stadt Gießen mit dem Gaswerk Gießen mit Ablaus der Periode zu kündigen.
— In der gestern Abend im Cafs Ebel abgehaltenen Generalversammlung deS Vereins für Geflügel- und Vogelzucht wurde die Auslösung des Vereins einstimmig beschlossen. Das Inventar soll demnächst öffentlich versteigert werden und dürfte für Interessenten hier Gelegenheit geboten sein, billige und gute Käfige rc. zu erwerben.
— Ein Einjähriger des hiesigen Regiments, welcher als krank nach der Heimath beurlaubt war, hat sich dort das Leben genommen. Unheilbare Krankheit soll daS Motiv des Selbstmordes gewesen sein.
Vermischte-.
Marburg, 6. März. Seit gestern früh werden die bedeutenderen Waldungen deS Ebsoorfer Grundes durch 3 Gensdarmen und 50 hierzu aufgebotene dortige Einwohner nach dem des Nordecker Doppelmords dringend vrrdächtigen Schmied Hedderich aus Roßberg abgesucht. Da derselbe völlig mittellos ist, so ist seine Ergreifung unbedingt bevorstehend, wenn er nicht durch Selbstmord sich der irdischen Gerechtigkeit entzieht.
Nord eck, 5. März. Gestern waren die Untersuchungsrichter Herr GerichtS- öffeffor Dörjfler und Herr Polizeicommissarius Wohlrabe aus Marburg hier anwesend, um nach dem Thäter des grausigen DoppelmordeS zu recherchiren, während gleichzettrg die gerichtliche Sektion beider Leichen vorgenommen wurde. Die Aufregung tn unserem Dorfe war noch immer eine ungeheure, dte Gemüther konnten sich nicht beruhigen und in allen Straßen, insbesondere aber in der des Thatortes, standen in dichten Schaaren den ganzen Tag über die Einwohner, zu denen sich viele benachbarter Orte hinzugesellt hatten. Mit athemloser Spannung wurde jeder Schritt und jede Handlung der Beamten verfolgt, die mit größter Ruhe und Sicherheit ihres Amtes walteten. Bald verbreitete sich die Nachricht, daß nicht ein beabsichtigter Raub, sondern nur Rache als die Ursache des Mordes angenommen werde. Die Recherchen nahmen nun auch einen andern Charakter an, Einwohner wurden einzeln herangezogen und eingehend befragt und bald flüsterte man sich zu, daß ein bestimmter Verdacht gewonnen worden sei, welches Gerücht Bestätigung fand, als Herr Polizeicommissarius Wohlrabe mit dem Gendarmen nach Roßberg abging. Erst nach eingetretener völliger Dunkelheit kehrte dieser von dort zurück und nun hörte man, daß der frühere Schmied Hedderich zu Roßberg der That dringend verdächtig, aber geflohen sei. Er hatte an einem hochgelegenen Waldrande Holz klein gemacht und war geflüchtet, als er der Beamten ansichttg wurde. Die hereinbrechende Dunkelheit machte seine sofortige Verfolgung unmöglich. Hedderich soll bedeutende Kratzwunden im Gesicht und an seinen Händen haben, die ihm redenfalls von seinem Opfer, das er erwürgt hat, beigebracht worden sind. Hedderich besaß früher ein Gütchen, welches nach und nach in die Hände des S- Wolff übergeaangen war. _____
Kirchliche Anzeigers der Stadt Metzen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Sonntag, den 9. März (Reminiscere).
Vormittags 9'/2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Montag, den 10. März, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderfchule: Bibelstunde, Apostelgesch. 9, 20—31, Pfarrer Dr. Naumann.
Mittwoch, den 12. März, Abends 6 Uhr, 3. PassionswochengotteS- dienst. Pfarrer Dingeldey.
Sonntag, den 16. März, Feier des heiligen Abendmahls nebst Beichte im Vormittaasgottesdienst.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 9- bis 15. März besorgt: Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
2. Fastensonntag.
(Reminiscere.)
Von 7 Uhr an: Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Commu- nion. */210 Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Fastenandacht.
Freitag um 6 Uhr: Fastenandacht.
Nächsten Sonntag beginnt die österliche Zeit.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 530 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 6" Uhr.
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