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Der hier anwesende Straßburger Männer-Gesangverein, dessen Protector Se. K. K. Hoheit der Kronprinz ist, wurde heute Vormittag im Neuen Palaitz zu Potsdam von der Kronprinzltchen Familie empfangen. Der Präsident des Vereins hielt hierbei eine patriotische Ansprache, welche mit einem dreimaligen Hoch auf den Kronprinzen schloß, und überreichte sodann ein Album mit einer künstlerisch ausge- stattelen Adresse und Photographie des Straßburger Münsters rc. S. K. K. Hoheit der Kronprinz dankte mit herzlichen Worten. Darauf trug der Verein unter Leitung des Kapellmeisters Hilpert eine von diesem componirte Huldigung, sowie mehrere andere Gesangsptecen vor. Nach Beendigung dieser Gesangs-Vorträge unterhielten sich die Kronprtnzllchen Herrschaften in der leutseligsten Weise mit den einzelnen Mit­gliedern des Vereins und befahlen dieselben zu einem in dem Nebensaale servtrten Dejeuner.

In einer Versammlung, welche heute von Delegirten des Aeltesten-Collegiums der Berliner Kaufmannschaft und der namhaftesten Handelskammern Deutschlands hier adgchalten wurde, wurde eine Petition an den Bundesrath beschlossen, welche sich gegen den neuen Börsensteuerentwurf als dem Verkehr und den Handelsinteressen nachiheilig ausspricht. , m ,

Heidelberg, 5. Juni. Geheimrath Prof. Renaud, namhafter Rechtslehrer hier- selbst, ist heute Nacht im 64. Lebensjahre gestorben.

Hamburg, 5. Juni. Wie derHamburgischen Börsenhalle" aus London von heule Vormittag gemeldet wird, ist der Hamburger PostdampferFrista", welcher die Maschtnenwelle gebrochen, im Schlepptau des DampfersCommodore" und unter Assistenz von 3 anderen Dampfern bereits nach Plymouth unterwegs.

Bregenz, 5. Juni. Heute Mittag hat hier unter Theilnahme des Statthalters, der Behörden und einer zahlreichen BevölkerungSmenge die Taufe und der Stayellauf der beiden neu erbauten DampferAustria" undHabsburg" stattgesunden, die Pathen- stelle vertrat die Fürstin von Thurn und Taxis, das Aufhissen der österreichischen Flagge erfolgte unter den Klängen der Katserhymne und unter Salutschüssen au8 den aufgestellten Böllern. An den Stapellauf schloß sich ein Festbaaket, bet welchem der Toast auf den Kaiser, den Oesterreich und ganz besonders Voralberg als den Förderer aller wirthschaftlichen Interessen verehre, mit begeisterter Zustimmung ausgenommen wurde. Der Statthalter sprach die Hoffnung aus, daß die österreichische Flagge, die heute zum ersten Male auf dem Bodensee wehe, auch hier, in freundlichem Wettstreite mit den Flaggen der andern Uferftaaten, einen Ehrenplatz etnnehmen möge. Der Landeshauptmann toastete unter allgemeiner Zustimmung auf den HandelSmintster, an welchen hieraus ein Dankestelegramm abgesendet wurde.

Marseille, 5. Juni. Der Hochaltar der berühmten KapelleNotre-Dame delagarde" mit der Statue der heiligen Jungfrau und zahlreichen Kostbarkeiten wurde durch eine Feuersbrunst zerstört. Der Feuerschaden wird auf mehr als 150,000 Frcs. geschätzt.

Madrid, 5. Juni. Der König ^'unterzeichnete heute das Decret, welches den Ausfuhrzoll ans Cubazucker herabsetzt.

Kopenhagen, 5. Juni. Der dänische DampferNordsöen" ist in der Nähe von L'ssabon in Folge einer Explosion gesunken, der Maschinenmeister büßte durch die Ex­plosion das Leben ein, die übrigen Mannschaften sind unbeschädigt gerettet.

Nisch, 5. Juni. Die serbische Regierung hat von der bulgarischen Regierung wegen Duldung der serbischen Emigranten an den Grenzen und wegen der Einfälle serbischer Emigrantenbanden auf serbisches Gebiet, sowie wegen widerrechtlicher Besitz­nahme von einem serbischen Grenzwachposten binnen 3 Tagen Genugthuung verlangt. Sollte diese Forderung nach Ablaus der Frist nicht erfüllt worden fein, so wird, wie bereits gemeldet, der serbische Gesandte Bulgarien verlassen.

Kairo, 5. Juni. (Telegramm derAgence Havas") In Folge neuerdings erfolgter Entschließung sollen egypttsche Truppen nach Suaktm und resp. Wadihalfa abgebe». Drei englische Schiffe begeben sich von Alexandrien nach Suakim, um der dortigen Garnison Verstärkung zuzuführen.

Lokales.

Gießen, 6. Juni. Oeffentliche Sitzungen des KreiSausschusses deS Kreises Gießen finden statt und kommt zur Verhandlung:

Freitag den 13. l. MtS-:

1. Reclamation gegen die Beigeordnetenwahl zu Utphe.

2. y w Gemeinderathswahl zu RüddingShausen.

3. , , Betgeordnetenwahl zu Rodheim.

4. Bürgermeisterwahl zu Grüningen.

Samstag den 14. l. Mts.:

5. Reclamation gegen die Bürgermeisterwahl in Trais-Horloff.

6. , Betgeordnetenwahl in Langsdorf.

7. Ansinnen Großh. KreisamteS Gießen an die Gemeinde Göbelnrod betr. Wegbau.

8. Ansinnen Großh. Kretsamtes Gießen an die Gemeinde Rodheim wegen Auf­bringung der erforderlichen Mittel durch Umlagen.

9. Reclamation gegen den Voranschlag der Gemeinde Lich für 1884/85 wegen deS Gemeindenutzens.

Gießen, 5. Juni. Gestern beging der Zweigverein der Gustav-Adolfsstiftung im Dekanate Gießen sein Jahresfest in dem benachbarten Steinbach. Leider hatte sich das Wetter schlecht dazu angelaffen und der Besuch von auswärts war in Folge dessen gering. Nichtsdestoweniger war es ein so schönes Fest, wie wir nur noch irgend eines im Dekanate gefeiert haben, und alle Theilnehmer werden den wohlthuendsten Eindruck davon mitaenommen haben. Die Gemeinde Steinbach hatte Feiertag gemacht und für festlichen Schmuck der Straßen und der Kirche gesorgt. Dir Kirche war am Vor- und Nachmittag in allen ihren Theilen von einer andächtigen Gemeinde gefüllt. Einen erhebenden Eindruck machte die trefflich ausgeführte Altarliturgie, um deren musikali­schen Theil sich besonders Herr Organist Pratorius und der unter Leitung des Herrn Lehrers Gerhardt stehende Männergesangverein, der die Choräle:O heilger Geist kehr bei uns ein" undLobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" sehr frisch und ?xact rythmisch sang, verdient gemacht haben. Der Festprediger, Herr Professor Dr. Gotisch ick, wußte durch seine klare, eindringliche und getsterfüllte Predigt über Eph. 4, 16 17, in welcher erdas Werk des Gustav Adolfsoereins als ein Lebenszeugniß der Kirche, welche der Geist der Pfingsten erfüllt", erwies, die Zuhörer zu fesseln und zu erwärmen. Der Jahresbericht führte nach einem kurzen Ueberbltck über den allgemeinen Stand der Vereinsangelegenhetten eine Reihe inter­essanter Einzelbilder aus den der Hilfe des Vereins bedürftigen Gemeinden vor. Am Nachmittag sollte eigentlich eine freie Versammlung im Wald gehalten werden. Um des Wetters willen mußte sie in die Kirche verlegt werden, ohne baß sie darum ihren ungezwungeneren Charakter verlor. Es wurde nicht gepredigt, sondern nur freiere Ansprachen gehalten, zwischen denen geistliche Volkslieder gesungen wurden. Zuerst brachte Herr Pfarrer Dr. Naumann aus Gießen die Grüße und Segenswünsche des Verwaltungsrathes in Darmstadt, woran er seine Wünsche für den Verein auf Grund des Wortes:Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größeste unter ihnen", anschloß. Herr Pfarrer Schlosser-Gießen erzählte von den Evangelischen in Spanien, ihren Kämpfen und ihren Siegen. Die Collecte, welche den schönen Betrag von 35 at ergab, wurde denn auch der evangelischen Gemeinde in Madrid zugewiesen. Wir dürfen von dem wohlgelungenen Feste mit der Hoffnung scheiden, daß es in den Herzen aller Theilnehmer bleibende gute Eindrücke hinter­lassen habe.

Gießen, 6. Juni. Das Gewitter am Mittag des 3. Juni, wohl eins der heftigsten, die je über unserer Stadt tobten, hat so häufig etngeschlagen, daß eS wobl der Mühe lohnt, die einzelnen Fälle genauer zusammenzustellen und die Wirkungen des Blitzes zu untersuchen. Ich erlaube mir daher die Bitte an alle dabet Betheiligte um güttge schriftliche oder mündliche Mittheilung der einzelnen Einschläge, womöglich mit genauerer Angabe der Zeit und der Wirkung des Blitzschlags.

Dr. O. Buchner.

Vermischtes.

Darmstadt, 1. Juni. Das Bedürfniß der Großh. Brandversicherungskaffe auS de« Jahre 1883 berechnet sich folgendermaßen: 1. an Brandentschädigungen mit Abschätzungskosten in der Provinz Oberhessen 364,523 at 15 H, in der Provinz Starkenburg 447,616 at 86 H (darunter 22,951 at für den Brand zu Groß-Gerau am 48. Januar 1883, 14,377 at für dm Brand zu Groß-Umstadt am 4. Juli, 20,697 at für

den Brand zu Heppenheim am 9. Juli, 16,253 at für den Brand zu Kleestadt a« 22. August und 11,978 at für den Brand zu Hofheim am 24. November 1883); i* der Provinz Rheinhessen 421,680 at 96 H, zusammen 1,233,820 at 97 an Ver­waltungskosten, Hebgebühren rc. wurden ferner aufgewendet 86,287 at, als Belohnung für Anzeige eines Brandstifters 200 at auSbezahlt und dem Fonds zur Unterstützung von bei den Löscharbeiten verunglückten Personen, sowie zur Unterstützung von Feuer­wehren und Gemeinden 1 pCt. der Einnahmen mit 11,621 at überwiesen. Die ge- sammte Ausgabe beträgt 1,332 454 at 34 . Dieses Bedürfniß soll theilweise aus

vorhandenen Betriebs- und Resermfonds, sowie durch einen Ausschlag von 12 $ auf je 100 Brandversicheruvgskapital, daS am Schluffe des Jahres 1883 968,406,460 at betrug, gedeckt werden und die Erhebung dieses Beitrages in einem Ziele im Monat Juli erfolgen.

Schlitz, 2. Juni. Als Anerkennung für fiine verdienstvollen Leistungen auf dem Gebiete der Theologie, insbesondere der erbaulichen Literatur, wurde dem rühmlichst bekannten C. G. Dieffenöach, evangelisch.lutherischer Oberpfarrer zu Schlitz und Mitglied der evangelischen Landessynode, die Würde eines Doctors der Theologie von der Universität Greifswalde honoris causa verliehen.

Schotten, 1. Juni. Dec Bau der Nebenbahn Hungen-Lanbach ist der Großh. Direcston der Overhes fischen Eisenbahnen und der Bau der Nebenbahnen Nidda- Schotten und Stockheim-Gedern dem Großh. Kreisbaumeister Pfarrer zu Nidda über­tragen worden. Die Vermessungsarbeiten und die Bearbeitung der definitiven Pläne sollen unverzüglich in Angriff genommen werden.

Bürgel, 1.Juni. Als gestern gegen Abend die Kaiserin von Rußland Bürgel kaum passirt hatte, gertethen zwei junge Leute in Streit, bei welcher Gelegenheit einer einen Revolver zog und auf seinen Gegner mehrere Schüsse abfeuerte, ohne denselben jedoch erheblich zu verwunden. Der Attentäter wurde sofort ergriffen, feuerte aber noch einen Schuß auf einen der Festnehmer ab, welcher diesem durch die Hand ging.

Dieburg, 3. Juni. Heute beschäftigte sich dahier die Staatsanwaltschaft mit dem in der Nackt vom 1. auf den 2. Pfingstfeiertag auf dem hiesigen Friedhöfe ver­übten Frevel. Die Gensdarmerte hatte gestern zwei dteserhalb verdächtige Persönlich» ketten zur Haft gebracht, welche heute auf Verfügung der Staatsanwaltschaft in daS ProvinzialarresthauS in Darmstadt abgeltefert worden sind.

WormS, 3. Juni. Heute Vormittag schwärmte ein Stand Bienen aus und gerieth unglücklicherweise in ein Storchennest in der Mathildenstraße. In demselben saßen 4 junge Störche, die von den kleinen Honigsammlern so mallrattirt wurden, daß sie bald darauf verendeten.

Seligenstadt, 2. Juni. Heute Morgen ist das Lagerhaus der hiesigen Stärkemehlfabrik (und vielleicht auch diese selbst) großer Gefahr entgangen, durch eine Feuersbrunst eingeäschert zu werden- Kurz vor 9 Uhr, während de« Gottesdienstes, hörte eine in unmittelbarer Nähe deS Etablissements wohnende Frau aus der im Lagerhaus befindlichen Wohnung eines in der Fabrik beschäftigten Arbeiters anhaltendes furchtbares Kindergrschrei und die entsetzlichen Angftrufe:Mutter, Mutter! Feuer, Feuer!" Gleichzeitig drang auch schon ein ekelhafter Brandgeruch und Rauch durch Fenster- und Thürrrtzen in's Freie. Bei Besichtigung stellte sich heraus, daß sich in dem von Rauch und Flammen angesüllten Zimmer drei Kinder befanden. Ein auf deren alarmirendes Geschrei herbeigeeilter Schlossermeister sorgte sofort für Oeffnung der Fenster und Thür, während dessen Tochter sich mit seltener Entschlossenheit in ein Fenster schwang und die schon in höchster ErstickungSgefahr sich befindenden Kinder tn's Freie beförderte, wofür ihr gerechte öffentliche Anerkennung gebührt. Das Feuer,, welchem ein Bett und mehrere Kleidungsstücke zum Opfer gefallen und das inzwischen eine sckon gefährliche Ausdehnung gewonnen hatte, wurde nun auch gelöscht. Es war Hülfe in höchster Roth, denn innerhalb weniger Minuten wären nicht allein drei Menschenleben zu beklagen gewesen, sondern auch das Lagerhaus, aus leicht brennbaren Stoffen crricktet, wäre verloren gewesen. Den ohne Aufsicht gelassenen Kindern sind Zündhölzer in die Hände gekommen und entzündet- Den Schrecken der Eltern, welche sich in der Kirche befanden, als man ihnen diese Hiobspost überbrachte, kann man sich denken, ebenso auch, daß denselben dieser Vorfall eine Warnung sein wird, künftig kleine Kinder ohne Aufsicht zu lassen. Wie manches Unglück ist durch solche Unvor- sichtigkett schon geschehen und nicht dringend genug können wir den Eltern die Mahnung an's Herz legen:Habt Acht auf Eure Kinder! Lasset dieselben nicht ohne Aufsicht!"

Aachen, 3.Juni. Die von Hangmann construirte feuerlose Natron-Locomotive, welche sich für den Eisenbahnverkehr bei einem mehrwöchentlichen Betriebe auf der Aachen-Jülicher Bahn bewährt hat, wird voraussichtlich von September ds. Js. ab in zunächst zwei Exemplaren ans der Gotthardbahu zur Einführung kommen, damit man bei der Durchfahrt durch den großen Tunnel nicht mehr durch Kohlenrauch und Wasser­dampf belästigt wird.

Aachen, 30.Mai. Ein Curiosum findet sich in einem polizeilichen Bericht, den ein Unterbeamter in verflossener Nacht abgefaßt hat. Zu Vieser Zeit stürzte ein Mann aus dem zweiten Stockwerk einer Gastwtrthschaft auf dad Trottoir. Die Wirthschast nennt der VolksmundIm Himmel". Der Unterbeamte berichtete schriftlich wie folgt: In der Nacht vom 29. zum 30. d. M. ist aus der zweiten Etage im Himmel Jemand herabgestürzt, bat sich jedoch nicht bedeutend verletzt" u s. w.

London, 29. Mai. fTunneleinsturz.) Auf der Brightoner Eisenbahn bei Denmark-bill (Süd-London) stürzte gestern balo nach Mitternacht ein Tunnel theilweise ein. Die Trümmer verschütteten eine Locomotive, die in dem Augenblicke des Ein­sturzes durchfuhr. Der Locomotivsührer und der Heizer blieben unversehrt. Eine halbe Stunde vorher hatte der letzte Zug von der City der in der Regel mit von aus den Theatern heiwkehrenden Personen dicht gefüllt ist, den Tunnel passirt.

London, 2. Juni. Am Samstag Abend brannte die große Gerberei der Herren Hervat u. Sohn in Edinburg nieder und wird der Schaden als ein schr beträchtlicher be­zeichnet. Gefährlicher jedoch war ein Feuer, das gleichfalls Samstag Morgen 2 Uhr in dem Blattern- -und Fieber-Lazareth, das bei Haverstock-Hill in London an­gelegt wurde, ausbrach. Ein Holzbau, in welchem die Krankenwärter schliefen, stand plötzlich in Flammen und die in dem Gebäude Untergebrachten retteten nur mit Mühe das nackte Leben. Das benachbarte Noth - Lazareth, in dem an 80 Patienten lagen, stand in größter Gefahr und nur der schnell herbeigerilten Feuerwehr ist es zu ver­danken, daß das Feuer beschränkt und ein arges Unglück verhütet wuröe.

Rüdesheim, 1. Juni. Heute am Pfingstsonntag ist die nach dem Niederwald hinaufgelegte Zahnradbahn dem öffentlichen Verkehr übergeben worden. Sie hat eine Länge von 2300 Meter, doch ist die letzte Strecke von etwa 200 Meter durch den Wald bis zum Germaniadenkmal noch nicht fahrbar, so daß dieselbe einstweilen noch zu Fuß zurückgelegt werden muß- Die stärkste Steigung ist 1 : 5 oder 20pCt. (wie bei der nur 1520 Meter langen Drachenfelsbergbahn), die schwächste 1 : 29. Am Adlerthurm, am oberen Ende von Rüdesheim, steigt man in den Wagen, fährt zunächst durch die Grabenstraße und gelangt dann zwischen den Rebenpflanzungen derHinterhäuser^ und desEngerweges" in einer Curve von 300 Meter Radius bis an den Saum des Waldes. Man sieht das Denkmal in der Ferne stets vor sich und die Aussicht auf das Rheintbal ist ganz offen. Die Fahrt dauert 1215 Minuten. Bei der vorgestrigen feierlichen Eröffnung der Bahn war auch der Schweizer Ingenieur Riggenbach, der eigentliche Schöpfer des Zahnradbergbahnsystems, als Ehrengast zuaegen. Die Fest­gesellschaft begab sich, als sie oben im Walde angelangt war, zum Denkmal und dort brachte der Bankier Abel aus Berlin, der Vorsitzende des VerwaltuvgSrathes, ein Hoch auf den Kaiser Wilhelm aus, das mit dreimaligem Hoch bestärkt wurde, während die Musik dasHeil Dir im Siegerkranz" spielte. Der Eisenbahnminifter Maybach, der Regierungspräsident v. Wurmb und der Landesdirector Sartorius sandten aus Montabaur, wo sie der gleichzeitigen Eröffnung der Wefterwaldbahn beizuwohnen hatten, telegraphischen Glückwunsch. Bei dem hiesigen Festmahl, das im Hotel Jung (am StsatSbahnhof) veranstaltet war, brachte Regierungsrath Gräff aus Wiesbaden den Kaisertoast aus. Der Maschincndirector Schneider von Berlin, unter dessen Ober­leitung der Baumeister PeterS die Bahn in kaum vier Monaten ausgeführt hat, trank auf das Wohl Riggenbachs, der seinerseits in launiger Weise dankte und darauf hin- wieS, daß die Bergbahnen, die er zuerst in der Schweiz durchgesetzt, nun schon in Italien, Spanien, England und Deutschland, aber noch nicht in Frankreich zur An­wendung gebracht seien. Der Bahnpräsident Abel trank auf das Wohl der Stadt Rüdesheim und Bürgermeister Alberti auf die Erbauer der Bahn-

eigenthümliche Testamentsclausel.) DieGörlitzer Nachrichten und Anzeiger" melden, der Landesälteste H. Anders tn Görlitz habe 700,000 at mit der Bestimmung testirt, daß sie zur Erziehung von Kindern jeder Confession, wenn sie sich weder dem Militärstande noch der Theologie widmen wollen, verwendet werden sollen. Sie fügen hinzu, der Testator habe bestimmt, daß die gesammte Summe den Abge­ordneten Richter und Hänel zu Partel-wecken zu überweisen ist, wenn die Annahme der