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181 Mittwoch den 6. August 188*
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
t Schulstraße 7.
Nr. 22 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. Juli, enthält:
(Nr. 1559.) Gesetz, betreffend die Kommanditgesellschasten auf Acti'en und die Actiengesellschasten. Vom 18. Juli 1884. nn AA L - m Y. a . A.tÄArtrttffvött llOtt 9 b PTltnÜIt .
Nr. 23 des Reichsgesetzblatts, ausgegeben den 2 d. M , enthält:
. Juli 1884.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Betreffend: Die Ausbildung von Kranken- und WSchneriMen-Pffegerinnen in der Entbindungsanstalt zu Gießen.
Bekanntmachung. * ,
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Wöchnerinnenpflege zum Unterricht und zu ihrer Ausbildung zugelaffm werdem Lebammencurfus statlfindet, zur Zeit in den Monaten Januar
und in der Abthellungfür Frauenkrankheiten> (mnakologffchen Klim^beschastigt. Ortsvorstandes über die Unbescholtenheit und eines kreisärztlichen
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Dr. Voermaun. -------------------------------
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Gießen, am 5. August 1884.
Politische Ueberficht.
Gießen, 5. August.
In bedeutungsvoller Weise pflegt Kaiser Wilhelm seinen alljährlichen Aufenthalt auf österreichischem Boden abzuschließen durch dre Zusammenkunft mit Kaiser Franz Josef. Auch in diesem Jahre schließt sich an die Badekur des deutschen Kaisers in Gastein unmittelbar die traditionell gewordene Begegnung mit seinem kaiserlichen Freunde an und findet dieselbe, wie bekannt, an diesem Mittwoch in Ischl, der Sommer - Villegiatur des österreichl- scheu Kaiserpaares statt, wo sich Die beiden Herrscher schon in den letzten Jahren begrüßten. Es ist wohl kaum nöthig, nochmals zu betonen, wie diese Zusammenkünfte stets von Neuen, beredtes Zeuqniß für die innige perfönllche Freundschaft ablegen, welche das greife Oberhaupt des deutschen Reicher mit dem Herrscher der habsburgischen Doppelmonarchie verbindet und wie in dieser Freundschaft sich die überaus herzlichen Beziehungen wiederspiegeln, Die zwischen beiden Reichen vbwalten. Mit freudiger Genugthuung, die sicherlich auch bet Den Völkern Oesterreich-Ungarns ihren Widerhall findet, begrüßt daher die deutsche Natton auch diesmal den Kaisertag von Ischl,, der Die mächtigste Bürgschaft für bie Weiterdauer der politischen Freundschaft zwischen Deutschland und dem österreichischen Kaiserstaate darbietet und in welchem man zugleich auch eine Garantie für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens erblicken kann.
Am Freitag Vormittag trifft Kaiser Wilhelm wieder in seiner Sommer-Refidenz Babelsberg ein, wo er für die nächsten Wochen Aufenthalt nehmen wird. Auch die Kaiserin gedenkt Hierselbst am 11. August wieder einzutrefien; die hohe Frau hat am Samstag Schloß Mainau verlassen, um noch einige Tage in Homburg bei Frankfurt a. M. zu weilen.
In der Presse dauern die Betrachtungen über die Begründung des Vereins zur Wahrung der wirthschaftlichen Interessen von Handel und Gewerbe fort. Es läßt sich im Allgemeinen constatiren, daß diese Betrachtungen für den neuen Verein nicht unsympathisch klingen, freilich muß erst abgewartet werden, ob sich seine Thätigkeit nach der angedeuteten Richtung hin in so nachdrücklichem Maße geltend machen wird, wie seine Freunde erwarten. Viel reser- virter ist da die Haltung der Blätter gegenüber dem Project der Berliner Gesellschaft für deutsche Colonisation, in Südafrika größere Landstrecken zur Anlegung einer deutschen Ackerbau- und Handeltz-Colonie zu erwerben. Zu dieser reservirten Haltung trägt namentlich der Umstand bei, daß sich die Reichsregierung über ihre Stellung gegenüber dem erwähnten Project noch nicht ausgesprochen hat. Eine derartige Colonie lediglich aus Privatmitteln zu „gründen , ohne daß ihr die gewichtige Protection des Reiches sicher ist, hat immer etwas Bedenkliches an sich; außerdem sollen die betr. Länderstrecken an der afrikanischen Ostküste erworben werden und es ist mehr als wahrscheinlich, daß sich hieraus neue Schwierigkeiten mit England ergeben würden, nachdem kaum erst die Angra-Pequena-Affaire beigelegt ist. Jedenfalls kann die ganze Sache noch nicht als spruchreif betrachtet werden, jo lange sich die Regierung über ihre Stellung zu der neuen Gründung noch nicht geäußert hat.
Im Reichsgesundheitsamt hat am 26. Juli anläßlich der Cüolerafraae eine Conferenz hervorragender Fachmänner stattgefunden. welcher auch Geheimerath Dr. Koch beiwohnte. Den ^ittelpunh berfelben bildete em Vortrag des genannten Gelehrten, welcher speciell die Cholera-Baccillen behandelte. Die Auseinandersetzungen Dr. Koch's trugen indessen einen streng wissen- fchastlichen Charakter, so daß auch eine nur auszugsweise Wiedergabe derselben als für weitere Kreise nicht geeignet erscheint. Q
In Oesterreich steht man vor dem zweiten Abschnitt der Landtags- wählen, in welchem die Neuwahlen zu den Landtagen von Ober-Oesterreich, Salzburg, Steiermark und Kärnthen stattfinden. Die Aussichten der Deutsch- liberalen sind nicht sehr günstig und scheint ihrer Sache namentlich der nut dem conservativen Groß-Grundbesitz in den beiden letztgenannten Kronlandern im Gange befindliche Compromiß mehr zu schaden als ju nutzen - 3n ffiien ift am Freitag früh Heinrich Laube, der „alte Burfchenschaster , ,m Alter von 78 Jahren, verschieden. Mit ihm bat die zeitgenössische Literatur emen ihrer originellsten Charakterköpfe verloren; als Dichter rote als Schriftsteller entfaltete Laube auf fast allen Gebieten der Literatur eine außerordentlich reiche Thätigkeit, die, wenn auch nicht immer Mustergültiges, so doch stets Her vorragendes und Eigenartiges schuf. Als Theaterleiter zuerst als Areetor des
im Hafen gelandet. Nachdem die Deputirtenkammer in voriger Woche bte Revisions-Vorlage in der modificirten Fassung des Senats angeno^en hatte, ist am Montag der Congreß zu Versailles zufammengetreten um über d,e Durch- führung der Vorlage Beschluß zu fassen, worauf -ebenfalls der Schluß b r Session erfolgen wird. Nach Erledigung dieser internen Angelegenheit kann d e französische Regierung ihre volle Aufmerksamkeit wieder der auswärtigen Politik zuwenden, in erster Linie dem noch schwebenden Conflict: mit G|!na.' ^m ^et‘a8 war die Frist abgelaufen, welche Frankreich der chinesischen Regierung zur Beantwortung seiner Forderungen gestellt hatte, aber erne Antwort t 16 Paris noch nicht eingegangen, gast könnte man ^sen Umstand als eme Ver scbärfuna des Conflicts deuten, zumal eine der „Times aus Foutchou zuge qanqene Depesche meldet, daß China die Zahlung einer Entschädigung verweigere, über sich jur Zahlung einer Entschädigung von 5,200,000 Taels (chinesischer Dollars) verpflichtet habe. , , .
Die niederländische Thronfolge-Frage hat ;etzt chre vorläufige Regelung gesunden In einer von beiden holländischen Kammern am Frei g abgehaltenen gemeinschaftlichen Sitzung ist d-r Gesetzentwurf, durch welchen m Falle der Minderjährigkeit des Thronberechtigten die Königin zur Reg
wegen ^e?v°i? ihr geplanten Aufhebung der fremden Postanstalten gerathen ist,
Montag den 11. August, Nachmittags: Pfarr. Conferenz auf dem Schiffenber^g. Lang-Gö n^d^5^August^884.—«m—i


