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Ux. 83. Zweites Bls.it. Sonntag den 6. April 18S5L
Amts- und Anzeiaeblatt für den Kreis Gießen.
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V«reattr Schulstraße 7.
Erichemt tä^llch mit Ausnahme bsti MontoiZH.
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Wochen schau.
Gteßeu, 5. April.
Der Kaiser war in den letzten Tagen in Folge einer Erkältung von einem leichten Unwohlsein befallen worden, welches ihn nöthiqte, das Zim» mer und theilweise auch das Bett zu hüten. Zur Zeit ist indessen der Kaiser wieder vollständig hergeftellt und hat er bereits die täglichen Vorträge wieder entgegengenommen.
In der inneren Politik hat die neueste „Bismarck-Krisis" einen lebhaften Wellenschlag heroorgerufen. Der Meinungen und Commentare zu der Absicht des Fürsten Bismarck, aus dem preußischen Staatsmmisterium gänzlich autzzuscheiden und nur noch seine Functionen als Reichskanzler auszuüben, sind schier unzählige, aber noch weiß man nicht genau, wo hier des Pudels Kern steckt. Es muß demnach vorläufig abgewartet werden, nach welcher Richtung hin sich die Angelegenheit schließlich entwickeln wird. Nicht minder eifrig wird die plötzlich im Bundesrathe ausgetauchte Frage der Einsetzung eines verantwortlichen Reichsminisieciums erörtert, welche hier durch den sächsischen Bevollmächtigten, Herrn v- Nostiz-Wallwitz, zur Sprache gebracht worden ist. Es hat sich hieran im Bundesrathe unmittelbar eine vertrauliche Besprechung dieser Forderung, welche bekanntlich von der deutschen freisinnigen Partei aufgestellt morden ist, geknüpft und har dann am Mittwoch ein weiterer Meinungsaustausch im Bundesrathe über die Sache und auf Grund der bezüglichen Erklärungen Sachsens und Württembergs stattgesunden. Wie weit die hierüber im Umlaufe befindlichen Vermulhungen begründet sind unb welche Stellung der Bundesrath dem Gedanken eines verantwortlichen Reichsministeriums gegenüber entnimmt, muß sich in diesen Tagen ergeben.
Das preußische Abgeordnetenhaus ist nun ebenfalls in die Osterferien gegangen, indem es sich am Mittwoch bis zum 21. April incl. vertagt hat. Die letzten Sitzungen boten kein außergewöhnliches Interesse mehr dar, etwa die Erklärung des Eultusministers v. Goßler in der Montags-Sitzung ausgenommen, welche derselbe gegenüber der Interpellation der Polen, abgab, ob die Regierung auch die Staatsleistungen für die Erzdiöcese Posen-Gnesen wieder aufzunehmen gedenke und wenn nicht, welche Gründe sie für ihre Weigerung anzusühren habe. Herr v. Goßler beantwortete aber nur den ersten Theil der Interpellation und zwar dahin, daß sich die Regierung zur Wiederaufnahme der Staatsleistungen nicht verpflichtet fühle, dagegen lehnte er es ab, die Gründe für das Verhalten der Regierung darzulegen, was im polnischklerikalen Lager tiefe Verstimmung erzeugt hat. In der Schlußsitzung vom Mittwoch erregte nur der Stöckerffche Antrag auf Beseitigung des kirchlichen Nothstandes in den großen Städten eine längere Debatte, welche indessen mtt der Verwerfung des Antrages endete, für den lediglich die Conservativen und einige Freiconservative ftimmten.
In Berlin haben am Mittwoch die Verhandlungen des XII. deutschen Handelstages begonnen und wurden dieselben mit einer Begrüßungs- Ansprache des Staatssecretärs v. Bötticher eröffnet.
Die österreichischen Anarchisten sind ein weit gefährlicheres Element in dem Donau-Kaiserreiche, als man bis jetzt angenommen hat. Die neuesten Mittheilungen der Wiener Blätter über das Wesen und die Verbindungen der Pesther und Wiener Anarchistenpattei lassen keinen Zweifel mehr übrig, daß unter ihren Mitgliedern ein förmliches Complot besteht, ihre staats- unb gesellschaftsfeindlichen Pläne durch alle möglichen Mittel zu fördern und daß unter denselben Raub und Mord eine hervorragende Stelle einnehmen. Die Morbthaten und Raubmord-Versuche in Straßburg, Stuttgart und Wien müssen entschieden aus das Conto der österreichischen Anarchisten gesetzt werden und da fast jeder Tag treues belastendes Material gegen sie zu Tage sördert, so kann man einem nach verschiedenen Richtungen hin hochinteressanten Proceß gegen die verhafteten Anarchisten entgegensetzen. Den neuesten Mittheilungen zufolge wird derselbe jedoch nicht in Pesth, sondern vor dem Wiener Landgericht geführt werden. — In Ungarn treibt die Wahlbewegung zu den Reichötags- wahlen immer häßlichere Blüthen. Als ein Nachspiel zu den bekannten Czegteder Scandalen kann man die Vorgänge betrachten, welche sich am Montag und Dienstag im ungarischen Abgeordnetenhause unmittelbar nach Schluß der Sitzungen abspielten. Am erstgenannten Tage wurde der antisemitische Abg. Szell von seinen philosemitischeu Collegen Ugron, Herrmann u. s. w., welche gleich Szell ans der Czegleder Affaire her bekannt sind, mit den schwerstnn Verbal- Injurien überhäuft und um nächsten Tage wurde Herrmann seinerseits von zwei Mitarbeitern des radikalen „Fuegetlensegg" thätlich angegriffen. Mimster- präsident Tisza hat über die gejammten Vorgänge die strengste Untersuchung ungeordnet.
Die französische Regierung hat noch immer mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, welche ihr aus dem fortdauernden großen Strike der Kohlengrubenarbeiter im Norden Frankreichs erwachsen. Die Bewegung wird von anarchistischen Emmissären genährt, deren Einfluß aus allen Anzeichen hervorgeht und wodurch auch die besser gesinnten Elemente unter den sinkenden Arbeitern — durch Drohungen, wie durch Versprechungen — davon abgehalten werden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die radikale Partei in Frankreich benutzt ihrerseits den Strike, um hieraus für ihre Zwecke Capital zu schlagen und denselben zunächst gegen die Orleanisten auszubeulen. Es wird denselben von den radikalen Blättern vorgeworfen, daß sie die eigentlichen Urheber des Strikes seien, um hierdurch der Republik Verlegenheiten zu bereiten und an
scheinend theilt man in Regierungskreisen diese Ansicht, da wieder verschiedene Maßregeln gegen die Orleanisten in Vorbereitung befindlich sein sollen, lieber die Tongking- und Madagascar-Angelegenheit ist aus der vergangenen Woche nichts wesentlich Neues zu berichten.
In England hat die Trauer um den so plötzlich verschiedenen Herzog von Albany, den jüngsten Sohn der Königin Victoria, auf den Fortgang der politischen Staatsgeschäfte natürlich keinerlei Einfluß ausüben können. Dieselben compliciren sich, wenigstens was die egyptische Politik des Gabintte. Gladstone anbelangt, gerade jetzt in bedenklicher Weise und die bedrohliche Lage Gordon's in Khartum wie das Wiederauftauchen Osman Digma's, roeldjeir mit neuer Heeresmacht, den Siegen Graham's zum Hohn, abermals Suakim bedroht, lassen die baldige Lösung der sudanesischen Frage mehr als Zweifelhaft erscheinen. Bereits circulirten in London Gerüchte von der Demission Lord Granville's, des Leiters der auswärtigen Angelegenheiten Englands, und wenn auch diese Gerüchte wieder dementirt worden sind, so sind sie doch für die augenblickliche Situation in London charakteristisch. Für dieselbe ist auch die Wiedertheilnahme Gladstone's an den Regierungsgeschästen kennzeichnend; der greise Premier soll bei seinem Auftreten in der Unterhqussitzung vom 31. März noch im höchsten Grade angegriffen ausgesehen haben, daß er trotzdem seine Reconvalescentenruhe unterbrochen hat, deutet mehr als alles andere auf den Ernst der Lage hin.
Das reconstruirte italienischeCabinet Depretis präsentirte sich am Donnerstag zum ersten Male der Teputirtenkammer. Hefter die Aufnahme, welches dasselbe bei der Kammer gefunden hat, verlautet noch nichts. Näheres; allgemein heißt es aber, daß das neue Ministerium allseitig auf große Gleichgültigkeit stoße, was demselben frellich keine günstigen Perspectiven eröffnet.
In Spanien sind die Cortes aufgelöst und Neuwahlen ausgeschrieben worden. Diejenigen zur Deputirtenkaminer findet: am 27. April, die Senatä- wahlen am 8. Mai statt; am 20. Mai treten die neuen Cortes zusammen. Das Ministerium Canovas del Castillo verspricht sich von den Neuwahlen eine feste Regierungsmajorität in den Cortes; diese Hoffnung steht aber vorläufig noch aus ziemlich schwachen Füßen.
Die blutigen Tumulte in Cincinnati sind nun wieder niedergeschlagen, aber die Aufregutig, welche dieselben in der ganzen nordamerikanischen Union hervorgerufen habett, zittert noch immer nach. Sek den: Rebellen-' kriege sind derartige furchtbare Scenen in der Union nicht mehr vorgekommerr und Cincinnati selbst wird noch längere Zeit unter der Nachwirkung derselben stehen.
Eine Depesche der „Agence Hawas" bringt aus Massowa die sensationelle Nachricht, daß der Mahdi an einer Krankheit plötzlich gestorben sei. Eine anderweitige Bestätigung der Mittheilung liegt zur Zeit nod> nicht vor.
Der Straßenkampf in Cincinnati.
Seit dem großen Bürgerkriege Haden die Bereinigten Staaten keine so schlimme» Unruhen gesehen, wie der Unwille über eine erbärmliche und käufliche Rechtspflege fte während der letzten Tage in dem blühenden, u. 21. auch von vielen Deutschen bewohnten Cincinnati hcrvorgeruscn hat. Den äußeren Anlaß zu dieser ganz ungewöhnlichen Erregung besVsltts unv namentlich der Arbeiterklassen gab ein am Freitag den 28. März gefälltes Uchett des Gerichtshofs, welches einen jungen Mann NamenS Berner wegen Todtschlags zu 20 Jahren Zuchthaus oerurtheilte. Berner hatte aber laut eigenen siebenmal widerholten Grstäium sst.s seinen Brodgeber, einen Herrn Kirk, um ihn zu berauben, meuchlings ermordet, und unter den niederen Volksklassen war man mit Recht der Ansicht, daß das Urtheil auf Mord unb n'chl auf Todtschlag hätte lauten müssen. Dieser Berner'sche Fall war nicht der erste dieser Art gewesen. Seit 1866 war. trotzdem viele Morde begangen worden, Niemand mehr hivgertchtet werbe« und die Rädelsführer der Arbeiterklossen gaben m Maueranschlägen bekannt, daß allein in 42 Mordprocesseu eine unbegründet milde, wahrscheinlich auf Bestechung beruhende Behandlung nachgewiesen werden könne. Obwohl viele der schlimmsten Mörder bereits entsprungen seien, so befänden sich dock im Gesängniß von Cincinnati noch 20, die alle den Strang verdient hatten, sich aber mit Hülfe der feilen Advocaten und Richter einer Söeftrafunß entzogen.
Solcher Art also war die Stimmung im Volke, als man nach dem Bekannt- werden des über Berner gefällten Utthells auf Freitag Abend zu einer Volksversammlung in der Musikhalle ernlud. Lei dieser von einigen tausend Personen, barunier viele Angehörigen der besseren Ständen, besuchten Versammlung führte Kapitän KrMpev den Vorsitz. Unter den Anwesenden befanden sich n. a. General Huckenlooper unb Richter Carter. Die Beschlüsse der Versammlung hatten einen sehr versöhnlichen, obwohl energ'schen Worilaut und olles ging in Frieden auseinander. Wie das aber le/cht erklärlich ist, entstand unter den Leuten, als sie auf die Straße hinausgetreterr waren, der Wunsch, dem vittbesprochenen Gefängmß emen Besuch obzustatten. Aup dem Wrge dorthin wuchs d;e MeNsck?nmenge allmählich zu etwa 10,000 Köpfen an und in dem Grade, wie sie wuchs, erhitzten sich auch die Leidenschaften. Als man vor dem Gefängnisse nngelangt mar, wurden zwtt große Balken herbeigebracht, mtt denen man das Thor und eines der fest verschlossenen Fenster zu sprengen versuchte. Beides gelang und Die Menge drang, nachdem sie noch ein eisernes Gitter durchbrochen hatte, in den Hof des Gebäudes. Hier aber standm vierzehn Gefänqnißbeamte mit geladenen Revolvern, welche sie auf das Volk richteten. Anfangs schreckte dies die Angreifer, ein riesiger Reg^r aber bahnte den Weg, tnbem er rief, daß die Beamten Best hl hätten^ nicht zu schießen, w-e das denn auch thatsächlicß der Fall war. Man drang j.tzt ohne Widerstand bis zur Zelle Berner'S, die man aber leer sand, weil die Behörden in der Voraussicht dessen, mos kommen würde, den Versuch gcmachi hatten, Berner mtt der Eisenbahn nach Columbus zu schicken Berners Verschwinden reizte die Menge zu noch größerer Wuth unb man verlange jetzt nodj jenem Neger, der kurz vorher seine Familienmitglieder eines nach dem andern gelobtet hatte, um die Leichen für den Seefisch einer Universität zu verkaufen. Als sich auch dieser nicht vocfand, begann die Menge ihre Wuth an dem Gebäude selbst auszulassen. Man schleppte ein Faß


