Str. 128.
Donnerstag den 5. Juni
1881
Amts- md ANzeigMM für den Kreis Gießen.
Wrerssrrr Schulstraße 7.
Erscheint mit Ausnahme des Montags.
PneiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
KeVtschkaud.
Darmstadt, 31. Mai. Auf Grund Allerhöchster Entschließung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs vom 24. d. Mts. ist Herrn Rudolf Krauss6 Las Exequatur als Vice-Handels-Agent der Vereinigten Staaten von Amerika in Mainz ertheilt worden.
Darmstadt, 31. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Vellage Nr. 12) enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Alzey, die für das Etatsjahr vom 1. April 1884 bis Ende März 1885 zur Bestreitung der Communal-Bedürf- niffe der Stadt Alzey zu erhebenden Umlagen betreffend.
2. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Erbach i. O. pro 1884/85.
3. Uebersicht der für das Jahr 1884 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfniffe der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Alsfeld.
4. Concurrenzeröffnungen:
Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dietzenbach mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1200 «M. Mit der Stelle ist ein Theil des Organistendienstes verbunden. Eine (die zweite) mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hetzbach mit einem Gehalt von 900 Jb, Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ockenheim mit einem Gehalt von 900 Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ockenheim mit einem Gehalt von 900 Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wendelsheim mit einem Gehalt von $00 «X Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
Darmstadt, 1. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht:
An 24. Mai dem Mitglied der Abtheilung des Ministeriums des Innern mnv der Justiz für öffentliche Gesundheitspflege, Ober - Medicinal - Assessor Dr. Wilhelm Uloth, den Amtstitel „Ober-Medicinalrath" zu verleihen;
an dems. Tage den Director an der Realschule zu Groß-Umstadt, Ludwig Nodnagel, zum Director der Realschule zu Gießen zu ernennen;
am 25. Mai den Ministerial - Calculator 2. Klaffe bei der Buchhaltung Les Ministeriums der Finanzen, Ferdinand Eckstorm, zum Obersteuer-Calcu- lator 2. Klaffe bei dem Katasteramte, sowie an dems. Tage den Finanz- Aspiranten Adolf Köhler aus Bornheim zum Ministerial-Calculator 2. Klaffe bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen zu ernennen.
Darmstadt, 2. Juni. Ihre Großh. Hoheit die Prinzessin Elisabeth -empfingen am 31. Mai im Reuen Palais:
Von 11 Uhr an:
Damen und Herren zum Abschied, sowie den Ministerial-Präsidenten Finger; Frau Strecker, Frau Schuchard, Frau Lauer, Fräulein Fehr, welche Deputation des Alice-Frauenvereins ein Prachtwerk (Doröes Bibel) als 'Geschenk desselben überreichten.
Um halb 2 Uhr:
Die Gräfin v. OstewSacken, Gemahlin des Kaiserlich Russischen außerordentlichen Gesandten.
Um 2 Uhr 45 Min.:
Eine Deputation der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt, bestehend aus Äen Herren Oberbürgermeister Ohly, den Beigeordneten Riedlinger und Hickler, welche eine Zeichnung des als Geschenk bestimmten Bibliothek-Schranks überreichten. L c >ri
Darmstadt, 3. Juni. Die zweite Kammer der Stände rst nunmehr auf Dienstag den 10. d. Mts. einberufen worden.
Berlin, 31. Mai. Der Negierungsrath Graf v. Bismarck-Schönhausen ist zum Geh. Regierungsrath und Vortragenden Rath im Staatsministerium und Ler Geh. Regierungsrath v- Kurowöki zum Geh. Ober-Regierungsrath ernannt
1. Junt. Der Kaiser empfing gestern eine Deputation der hiesigen "Schuhmacher-Innung, bestehend auS vier Obermeistern, welche dem Kaiser die Denk- ftirtft: ^Die 600jährige Geschichte des Berliner Schuhmachergewerkes" üben:eichte. Der Obermeister Köhn dankte dem Kaiser sür die stete Fürsorge welche derselbe und die kaiserliche Regierung dem Handwerk widmeten und sprach die Hoffnung aus, daß der Kaiser auch fernerhin seine landesvaterltche Huld dem deutschen Handwerk möge Qngedeihen lassen. Der Kaiser sprach zum Schlüsse der Audienz den Wunsch aus, die Handwerker möchten bet den nächsten Wahlen durch dte That beweisen, daß sie gesonnen seien, seine Regierung zu unterstützen.
— Dr. StrouLbrrg ist gestern plötzlich gestorben. _
— Auf die Tagesordnung einer der ersten Reichstagssitzungen nach Pfingsten wird die Vorlage über die Unterstützung von Postdampfern gesetzt werden. Der Gesetzentwurf gehört zu denjenigen, deren Erledigung in der gegenwärtigen Session sehr wünschenswert ist und sich ohne Zweifel auch noch wird bewerkstelligen lassen. An der Annahme im Reichstage durch eine große Mehrheit ist wohl nicht zu zweifeln. Durchaus ablehnend verhält sich nur die deutsch-freisinnige Partei, welche die Vorlage entfcbteben verurtheilt. Die Berathung des Gesetzentwurfs dürfte auch eine geeignete Gelegenheitbieten, die Colonialfrage, die unser Volk jetzt so mächtig beschäftigt, im Parlament zur Sprache'zu bringen. Fehlt es doch nicht an Anzeichen, daß wir auch in bfpfer Frage vor einer neuen Entwicklung stehen und daß auch die Regierung ihr erhöhte und thättge Fürsorge zu widmen beginnt.
Bonn, 31. Mai. Der General der Infanterie z. D. v. Rosenberg- Grusczynski ist gestorben.
Oesterreich.
Wien, 2. Juni. Das „Telegraphen Correspondenz-Bureau" erhält folgendes Telegramm aus Risch: Anläßlich eines Einfalls zweier in Bulgarien angesiedeltev serbischer Emtgrantenbanden in das Tlmokgebiet, wo dieselben Räubereien verübten, reklamirte die serbische Regierung bei der bulgarischen Regierung. Gegenüber dieser Reklamation protestirte Letztere gegen den bei Bregova gesetzlich bestehenden Grenzwachpoften und drohte, denselben mit Woffrngewalt aufzuheben. Die serbische Regierung vat den Präfekten angewiesen, diesen Poften nicht einzuziehen. Gleichzeitig erhielt der diplomatische Vertreter Serbiens in Sofia den Auftrag, von der bulgarischen Regierung entschieden eine Antwort wegen der Einfälle der Banden zu fordern, widrigenfalls mit seiner gesammten Canzlet Sofia zu verlassen.
Klauseuburg, 2. Juni. Als der Candidat der liberalen Partei, Hegedeus, der heute hier eingetroffen und am Bahnhofe festlich empfangen worden war, seinen Einzug in die Stadt hielt, wurden die Wagen, in denen sich Hegedues mit seinen Anhängern befand, von einer angesammelten, den untersten Bevölkerungs-Schichten angehörigen Menge mit Steinen beworfen. Die Zahl der durch Steinwürfe verletzten Personen wird auf 60 angegeben. Fünf Personen wurden verhaftet und außerdem drei Studenten wegen Aufreizung in Anklagezustand versetzt.
Schweiz.
Genf, 2. Junt. Das für den General Dufour errichtete Denkmal ist heute unter sehr zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung feierlich enthüllt worden. Oberst Aubert, der Maire Empeyta, der Bundespräsident Weltt und der Regterungsrath Geward hielten die Festreden. Die (Santone, welche dem ehemaligen Sonderbunde angehörten, waren bet der Feier nicht vertreten. An dem Festzuge nahmen etwa 12,000 Personen Theil.
KranLreiH.
gpariS, 31. Mai. Der Amat nahm heute mit 146 gegen 105 Stimmen einen Antrag von Denormaudie an, die weitere Berathung des Eheschei- scheidungs-Gesetzes bis zum nächsten Donnerstag zu vertagen, damit die Commission den neuen Gegen-Entwurf inzwischen prüfen könne. Gavardie kündigte an, daß er die Regierung über die egyptifchen Angelegenheiten zu interpelliren wünsche, worauf der Conseilpräsident Jules Ferry erklärte, eine Discussion über diese Angelegenheiten sei zur Zeit unthunlich. Gavardie, welcher darauf beharrte, das Wort zu nehmen, wurde zur Ordnung gerufen und mit der Censur belegt.
— Die Kammer der Deputirten verwarf bei Fortberathung des Rekru-^ Lirungs-Gesetzes mit 395 gegen 92 Stimmen das Amendement des Bischofs Freppel auf Befreiung der Seminaristen vom Militärdienst.
Paris, 1. Juni. In einer in Rambouillet gehaltenen Rede sprach sich L6on Say gegen die schutzzöllnerischen Entwürfe der Regierung aus, welche der Landwirthschaft nicht zum Vortheil gereichen würden. Löon Say erklärte das Budget als viel zu stark belastet und die Armee für viel zu groß; die Gleichheit der Militärdienstpflicht werde nur nachtheilige Folgen haben. — Dem „Temps" wird aus Tunis gemeldet, in Sfax sei der Typhus ausgebrochen, mehrere Europäer seien erkrankt, der spanische Viceconsul sei gestorben. General Rin sei nach Sfax gesendet worden.
Paris, 2. Juni. Die „Agence Havas- meldet aus Suakim, die Aufständischen hätten in der vergangenen Nacht einen allgemeinen Angriff auf Suakim gemacht, seien aber von den die Stadt umgebenden Forts aus zurückgeschlagen worden.
Lille, 1. Juni. Der mit 20 Personen besetzte Korb an dem auf der Esplanade der Citadelle aufgestellten hydraulischen Aufzug stürzte heute aus einer Höhe von 40 Meter herunter, drei Personen wurden getödtet, die anderen sind mehr oder weniger schwer verletzt.
Paris, 2. Juni. Nach weiteren Meldungen aus Lille ist bei dem gestrigen Unfälle an dem dortigen Ascenseur nur eine Person sofort getödtet worden, 7 oder 8 andere wurden aber tödtlich verletzt.
England.
London, 31. Mai. Man glaubt, die Explosion im Hauptpoltzeiamt war ein Complott gegen die Oberbeamten und den Metropolitan der Polizei, deren BureauS in unmittelbarer Nähe lagen. Das viele Fuß starke Mauerwerk wurde stückweise fort« geriffen, Wagenladungen von Schutt liegen umher. Der draußen btenstthuende Polizist wurde auf das Straßenpflaster geschleudert und schwer verletzt. (F. I.)
London, 2. Juni. Nach einer am Bureau deS ^Daily Telegraph" angeschlagenen Affiche ist heute Vormittag eine Depesche eingegangen, derzufolge die Belagerung von Berber aufgehoben sei. Gordon behaupte sich mit Erfolg in seiner Position. Nähere amtliche Nachrichten über die Vorgänge bei Berber sind noch nicht eingegangen.
— Ein Telegramm deS „Reuter'schen BureauS" auS Kandia von heute meldet, die Pforte habe die von den christlichen Deputirten der Generalversammlung vorgeschlagene Lösung der Vakuffrage abgelehnt und bestehe auf einer jährlichen Zahlung von 5000 Pfund, welche ausschließlich zur Unterhaltung der Moscheen zu verwenden seien. Die christlichen Delegirten weigerten sich, auf dieses Arrangement einzugehen und hätten erklärt, weder die Vakufsteuer, noch irgend einen andern Zehnten zahlen zu wollen. Der Generalgouverneur habe tn Folge dessen um seine Entlassung gebeten^ Mjllstreet der Grafschaft Cork ist gestern Abend der Pächter eines kleinen Landguts in seinem Hause erschossen worden, zwei andere in dem Hause anwesende Personen wurden verwundet. Wie der Meldung hinzugefügt wird, handel


