sonst geübte Vorsicht außer Acht und, ohne nach der Secunda zu fragen, nahm er den Check und gab dem Amerikaner sofort 350 Pfd. — 7164 Mark und über die andern 350 Pfd- einen Wechsel auf bte Agentur der Deutschen Bank in London. Dem Bankier erschien später jedoch die Sache bedenklich, er fragte deshalb bei Gebrüder Sellgmann in London ß» und erfuhr von der Firma, daß die Secunda des CheckS bereits am 4. April bet ihr präsentirt und von ihr gezahlt worden sei. Unverzüglich ging von Dresden auS die telegraphsiche Nachricht an die Agentur der Deutschen Bank in London, den Wechsel, welchen die Dresdener Firma ausgestellt hatte, bet der Präsentation nicht zu honoriren. Dieser Antrag kam jedoch zu spät, bereits am 18. Apnl war der Betrag von 350 Pfd. von einem Amerikaner Namen« Riegel bet der Agentur erhoben. Riegel hat sich also unverwetlt nach Verübung ferne« Schwindels von Dresden nach London begeben. Behufs Verständnisses der Ausführung dieses Schwindels ist Folgendes anzuführen: Für die überseeische kaufmännische Correspondenz zwischen Amerika und Europa besteht besonder« für wichtigere Schriftstücke die Usance, jedes Schriftstück in zwei gleichlautenden Exemplaren auf zwei verschiedenen Dampfern abzusenden, damit wenn eines dieser Exemplare auf der Reise verloren geht ober beschädigt wird, da« andere Exemplar zur richtigen Zett an den Bestimmungsort gelangen kann. ES werden demnach nicht nur im Wechsel-, sondern auch im Checkverkehr zwischen Amerika und Europa eine Prima und eine Secunda auSgeferttgt und die Honortrung eines dieser beiden gleichen Exemplare befreit den Bezogenen von der nochmaligen Honortrung deS anderen Exemplars. Im vorliegenden Fall nun hat sich Riegel oder einer seiner Compltcen von Seligmann tn Nrw-Aork auf Gebr. Seligmana in London eine Prima und Secunda des Sickt-ChrckS über 700 Pfd. ausstellcn lassen und am 4. April er. bat Riegel oder ein Complice die Secunda bei Gebr. Seltgmann präsentirt mit der Angabe, daß die Vrima auf der Beförderung nach London abhanden gekommen sei. Die Secunda wurde demzufolge honortrt. Die Ueberwetsung der 2000 Mark fettens der Deutschen Bank an die Dresdener Firma hat Riegel nur veranlaßt, um sich bet dieser Firma einzuführen und die Ausführung seines Betruges zu erleichtern. Nicht unwahrscheinlich ist, daß der angebliche Riegel mit noch anderen gleichartigen Checks den verübten Schwindel anderweitig wiederholen wird, weshalb wir die Bavkierskretfe auf diesen Fall warnend aufmerksam machen.
— ^Interessanter RechtSfall ^ Im Warschauer Bezirksgericht wird, wie der „Kurjer Porany" meldet, demnächst ein merkwürdiger Prozeß zur Verhandlung kommen, Über deffen Genesis da« Blatt Folgendes mittheilt: EMe Einwohnerin de« OrteS Prondzew, Namens Ludwika Bcrzak, bekannte auf ihrem Todtenbelte, daß sie vor 14 Jahren ihre leibliche Tochter dem Sahen Kellermann aus Blendow für 8 Rubel verkauft habe. DaS KMd war zu der Zeit einige Wochen alt und bereits getauft. Wie zu erwarten war, wurde daS Kind im jüdischen Glauben erzogen, g'lt und betrachtet sich auch selbst alS Kellermann« eheliche Tochter. KellermannS Frsu ist erst vor einigen Jahren gestorben. Von Gewissensbissen gefoltert, legte die sterbende Berzak daS Gk- ständniß ab und zwar im Beisein des kathostschen Ortsprtesters, deS Schulzen und zweier Bauern aus Pronzrw. Der in dieser Sache befragte Kellermann sagte aus, es wäre auch nicht ein wahres Wort an dem, was die Berzak gesagt habe. Jndeß gleicht da? tu Rede stehende Mädchen durchaus nicht seinem „Vater- Kellermann und hat Überhaupt nichts specifisch Semitisches in seinen GestchtSzügrn.
— ^Schliemann in Tttyns.j Das Londoner „Athenäum" veröffentlicht den folgenden Auszug aus einem. Tttynd, 11. April 1884 datirten BriefeDc. Schliemann'-: „Drei Hochs für PallaS Athenac! Ich habe hier in der That mit einem wunderbaren Erfolge gearbeitet; ein ungeheuerer Palast mit unzähligen Säulen ist blo.sgelegt: derselbe nimmt die ganze obere Akropolis von Tstyns ein und alle seine Fußböden und Wände sind gut erhalten. Von g'ößiem Interesse sind die Wandmalerelln, die mein Architekt und Mitarbeiter Dr. Dö'pfeld jetzt in Farben fopirt Gleich hochinteressant sind auch die Malereien auf den Vasen, durchaus ganz prim't'v: Darst llungen von Menschen und Thieren. Der Grundplan dieses wunderbamn vorgesch'chilichen Palastes kann genau ausgenommen werden und die Entdeckung, die sonder Gleichen ist, wird die allgemeinste Verwunderung Hervorrufen. . . . Das gefundene Kapttäl gehört der ältesten dorischen Ordnung an.*
— sTheure Hasen.j Ein großes Jagdrevier ist eine schöne Sacke — wenn man es benutzt. Der „Zittauer Morgenzeitung" wird aber von einem Revterpächter bei KottbuS berichtet, der über 1000 Mark Pachtgeld zMt und für diese Summe im letzten Jahre zwei ganze Hasen erlegt hat. Mit allem, was drum und dran bangt, soll dem betreffenden Jagdpächter so ein Hasenbraten 537 Mark 50 Pf. kosten. Theuer, aber wahr.
— Die Fabrikation von Zähnen hat in den Vereimatm Staaten von Nordamerika einen außerordentlichen Aufschwung erfahren; zwölf Etablissements beschäftigen
sich mit der Erzeugung künstlicher Zähne und erzeugen jährlich zehn Millionen Stück, was einen Werth von. einer Million Dollars beträgt. Die Materialien, b-e hierbei zur Verwendung kommen, sind: Feldspath, Kaolin und Bergkrystall; als Färbemittel benützt man Platin, Titan und Gold. Der Feldspath und der Bergkrystall werden einer Rothglühhitze unterworfen und darauf in kaltes Wasser gebracht, worin sie zermalmt, dann mit dem Färbemittel versehen und darauf unter einem intensiven Hitzegrad in kupfernen Formen zu Zähnen gepreßt werden. Jeder Zahn besteht aus zwei gesonderten Theile«.
Eingesandt.
Gieße«, 2. Mai.
Einsender dieses ist zur Kenntniß gekommen, daß die Anlieger der Wetzsteingasse und viele Einwohner und Interessenten im Innern der Stadt eine Bittschrift an ver- ehrlichen Stadtoorstand gerichtet haben, Betreff: „Abhilfe eines gefährlichen Uebel- standeS bet inneren Wltzsteinzssse für den Verkehr der Passanten durch Fuhrwerke aller Art."
Auch Emfender muß öfters die Straße begehen, hat aber meistens mit dem Vor- kommniß zu kämpfen, und zu sehen, wie Passanten und kleine Schulkinder, gleich ihm, tn eines der Häuser ober tn Ecken flüchten müssen, um nicht überfahren zu werden.
Verehrlicher Stadtoorstand würde sich einen großen Verdienst für die innere Stadt erwerben, ro-nn eine Aenderung diescü Uebelstandes geschaffen würde.
Dies ließe sich nach Ansicht deL Einsenders, ohne der Stadt allzu große Opfer ausjucrlegeri, leicht dadurch bewerkstelligen, wenn die schön angelegte 10 Meter breite Straßenecke durch die städtische Pfarrwiese nach dem Ktrchenplatz in gleicher Brette durchgeführt würde.
ES müßten natürlich die von den Interessenten noch zu erwerbenden wenige« Objecte nicht durch allzu hohe Forderungen erschwert werden, wie cs gewöhnlich der Stadt gegenüber geschieht.
So würde ein Durchschnitt in Mitte der Stadt geschehen, welcher den Bewohnern der inneren Stadt zur großen Annehmlichlett gereichte und den Fährverkehr gefahrlos aufnehmen könnte.
Berzeichniß
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat April 1884.
8
64
8
58
8
36
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15
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10
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Je 50 Kilogramm kosten:
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— 50 70
18
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66
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Eichen- n. Bnchen- Stammholz-
Verfteigernug.
Montag den 19. Mai I. Zs., von Vormittags V2IO Uhr an, versteigere ich iin Auftrag gegen Zahlungsausstand aus dein Schlage Strakelohe, Gemarkung Staufenberg, in der Wirthschaft auf der Burgruine daselbst:
300 Eichen-Stämme 1. bis 4. Classe — 400 Fstm-,
15 Buchen-Stämme mit 16,03 Fstm.
Bei den Eichen befinden sich Stämme von besonderer Stärke (bis 5 Fstm.) und vorzüglicher Qualität.
Das Holz liegt nur etwa 3 Kilom. von der Eisenbahnstation Lollar (Main- Weserbahn) entfernt.
Looseverzeichnisse sind von heute an innerhalb 8 Tagen auf Verlangen gratis von dem Unterzeichneten zu beziehen.
Staufenberg, den 23. April 1884. Der Bürgermeister:
2984 Vogel.
Mir.
Dienstag den 6. Mai d.
Nachmittags 3 Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgericht die den Erben des Hans Heinrich Noth in Steinbach gehörenden Grundstücke, als: Flur XXVI Nr. 209 - 863 Mtr. Wiese am untersten Riegelpfad,
Flur XXVI Nr. 210 - 869 Mtr. Wiese daselbst,
Flur XXXII Nr. 149 a — 775 Wiese auf der Leißeheide, freiwillig versteigert werden.
Gießen, den 1. Mai 1884.
Großherzogliches Ortsgericht.
3133 Lüdeking.
Allgemeiner Anzeiger.
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Gießen, im Mai 1884.
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