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Dienstag deir 4. März 188T

ießeiiii" Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Dureau: Schulstraß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Ndi-^W-n TkelZrlich

Amtlicher Iöeil.

Nr. 7 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 29. Februar, enthält:

(Nr. 1531.) Bekanntmachung, betreffend die Einfuhr von Pflanzen und sonstigen Gegenständen des Gartenbaues. Vom 26. Februar 1884.

Gießen, den 3. März 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Bekanntmachung.

Freitag den 14. März I. I., Nachmittags 2 Uhr, findet eine Generalversammlung des landwirthschaftliche« Bezirks- Vereins Gießen und vor derselben um l'/r Uhr eine Ausschußsitzung zu Grünberg im Saale des Gasthofsbefitzers Hoffmann statt.

Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden hierzu freundlichst eingeladen.

TageS-Ordnungr

I. Borträge:

1) Heber den Gebrauch des Doppeljochs von Herrn Professor Dr. Pflug in Gießen;

2) Heber die Errichtung eines Saatenmarktes in Grünberg von Herrn Bürgermeister Pracht daselbst; Herr Kaufmann Buch von Hungen wird zu diesem Vortrage eine Samenreinigungsmaschine (s. g. Trieur) ausstellen und erklären.

3) Heber Viehfütterung von dem zweiten Direetor des Vereins, Herrn Gutsbesitzer Schlencke auf dem Hardthofe.

II. Geschäftliche Miltheilungen;

III. Vorlage der Rechnung für 1883 und Feststellung des Voranschlags für 1884.

Gießen, den 28. Februar 1884. Der Director des landwirthschastlichen VezirksvereinS Gießen.

Nover.

AeuWland.

Darmstadt, 2. März. (Die Nebenbahnen im Großherzogthum Hessen). Bericht des Finanzausschuffes zweiter Kammer. Der Bericht des Finanzaus- jchusses der zweiten Kammer ist gedruckt und kommt alsbald zur Ausgabe. Die Anträge resumiren sich dahin, daß der gesammte Ausschuß den Bau der Bahn 1) von Stockheim nach Gedern, 2) von Nidda nach Schotten, 3) von Eberstadl nach Pfungstadt auf Staatskosten, sobald die Interessenten außer d em Gelände noch Geldbeiträge zu 1) von 30,000 Jl., zu 2) und 3) von je 25,000 zup Verfügung stellen; 4) von Neinheim nach Reichelsheim, 5) von Osthofen nach Westhofen, 6) von Sprendlingen nach Wöllstein in erster Linie durch einen Eisenbahn- Unternehmer mit Staatszuschüssen zu 4) von 290,000 Jt., zu 5) und 6) von je 80,000 Jt, in zweiter Linie, wenn sich innerhalb Jahres­frist kein Unternehmer findet, gleichfalls auf Staatskosten, sobald die Interessenten außer dem Gelände noch Geldbeiträge zu 4) von 50,000 <M., zu 5) und 6) je 25,000 Jt. zur Verfügung stellen, zur Genehmigung vorschlägt.

Der von der Regierung auf Staatskosten vorgesehene Bau der Bahn 7) von Hungen nach Laubach, zu welchem die Interessenten Gelände und einen Geldbeitrag von 40,000 «M. stellen sollen, 8) von Ranstadt nach Friedberg (nicht Nieder-Wöllstadt), zu welchem die Interessenten Gelände und einen Geld­beitrag von 50,000 .M. stellen sollen, wird nur von je 2 Mitgliedern des Aus­schusses zur Genehmigung empfohlen, von den übrigen Mitgliedern abgelehnt.

Weiter wird von den zwei rheinhesfischen Mitgliedern des Ausschusses, entgegen der Majorität, der Bau einer Bahn beantragt: 9) von Gau-Odernheim nach Alsheim oder Guntersblum, 10) von Undenheim nach Oppenheim, resp. Nierstein, 11) von Nieder-Jngelheim nach Nieder-Olm, in erster Linie durch einen Eisenbahn-Unternehmer mit Staatszuschüssen zu 9) von 200,000 «M., zu 10) von 160,000 ,M. und zu 11) von 240,000 'M., in zweiter Linie auf Staatskosten, wenn sich innerhalb Jahresfrist kein Unternehmer findet, sobald von den Interessenten außer dem Gelände Geldbeiträge zu 9) von 48,000 .M., zu 10) von 40,000 JL. und zu 11) von 50,000 JL zur Verfügung ge­stellt sind.

Der gesammte Ausschuß beantragt endlich noch, den Communalverbänden und Gemeinden die denselben zur Last kommenden Geldbeiträge zu 5.03 pCt. aus Staatsfonds zuzuschießen, so daß die Vorschüsse in 41 Jahren abgetragen fein würden.

Die Majorität des Ausschusses begründet ihre ablehnenden Anträge zur Bahn vonHungen nach Laubach" wesentlich mit dem Mangel des Beoürfnisses und der Unbedeutsamkeit des von der Bahn berührten Werksdie Friedrichs- Hütte", und zur Bahn vonRanstadt nach Rieder-Wöllstadt, resp. Friedberg" damit,. daß die in Betracht kommenden Verkehrs- und finanziellen Verhältnisse noch nicht genügend aufgeklärt seien. (Frkftr. Journ.)

Berlin. 1. März. Die Eröffnung des Reichstages findet kommenden Donnerstag, Mittags um 12 Uhr, im Weißen Saale des königlichen Schlosses nach vorherigem Gottesdienst im Dome, resp. in der Hedwigskirche statt.

Kiel, 28. Februar. Von Plymouth eingetroffenen Mittheilungen gemäß sind die Reparaturen an Bord Sr. Maj. SchiffOlga", die in Folge ihres jungst überstandenen Sturmes zwischen den Bermudas in England nothwendig geworden, größer, als man erwartet hatte, sodaß das Eintreffen des Prinzen Heinrich in Kiel erst in etwa 10 Tagen zu erwarten steht. Prinz Wilhelm wird seinen Bruder wahrscheinlich ungefähr bis Langeland entgegenfahren. Prinz Heinrich wird nach einem mehrmonatlichen Urlaub im September den Geschwader-Uebungen beiwohnen, sich dazu in Begleitung des Admiralitäts-Chefs in Zoppot an Bord des Flaggschiffes, Ausfalls-CorvetteBaden", einschiffen, nach beendeter Revue ebenfalls in Begleitung des Chefs sich mit dem Geschwa­der zurück nach Kiel begeben und hier bei der großen Festungskriegsübung (Vertheidigung des Kieler Hafens gegen ein Blockade-Geschwader), dem Schluß­

manöver der Geschwaderübungen, zugegen sein. Zum Winter soll Prinz Heinrich einem Commando in die kaiserliche Admiralität zur Beschäftigung im höheren Verwaltungsdienst folgen.

Glbing, 1. März. In der vergangenen Nacht ist ein Theil der Schichau'schen Maschinenfabrik niedergebrannt, wodurch gegen 600 Arbeiter augenblicklich brodlos geworden sind.

Oesterreich.

Wien, 1. März. Polizeikommunique: Die Polizeidirection erhielt in letzter JW Kennwttz, daß etn 1882 aus Floridsdorf in Folge etnaeleiteter Untersuchung flüchtig gewordener Anarchist Anton Kammerer, ein 22jährtger Buchbtndergehülfe auS Oesterrelchisch-Schleüen, der sich in der Schweiz aufgehalten, in Wien und Umgebung gesehen wurde. Es gelang, denselben am 28. Februar im 8. Bezirke zu verhaften, wo­bei Kammerer, sich heftig wehrend, auf zwei Sicherheitsmänner und einen Poltzei- agenten m>t einem Revolver schotz und einen Wachmann schwer verwundete. Im Besitze des Verhafteten wurde nutzer dem Revolver auch eine zugespitzte Feile und in seiner Wohnung eine über 2 Kilo schwere Dynamitsprengbüchse mit einer Zündschnur vorgefunden. Die verwundeten Wachleute sind Familienväter. Die weiteren Recherchen über die verbrecherische ThäLigkelt des Verhaften sind im Zuge.

Wien, 1. März. Die Abendblätter melden in einem Telegramm auS Pesth die Verhaftung des Redacteurs des Arbeiterorgan »Der Radikale", Armin Prager. Eine Haussuchung bet demselben habe Wertpapiere zu Tage gefördert, welche von dem Raube in der Eisert'schen Wechselstube herrührten. Der Theilnahme an diesem Raubmorde dringend verdächtig erscheint auch der vor einigen Tagen hier verhaftete Soctaltst Kammerer, lieber denselben wird bekannt, daß er aus der Schweiz zugereist und Deserteur eines österreichischen Jnsanterie-Regiments sei. Die Verhaftung erfolgte auf der Straße, weil der Polizei bekannt war, daß Kammerer in seiner Wohnung eine große Dynamitbombe habe, und weil sie befürchtete, derselbe werde bei einer Verhaftung in seiner Wohnung einen unheilvollen Gebrauch von der Bombe machen. Die Dynamit­bombe ist bet der Haussuchung vorgesunden worden. Die Verletzungen der bei der Verhaftung durch Revolverschüsse getroffenen Sicherheitswackmänner sind nicht schwer. Der Verhaftete tft angeblich auch der Mörder des Polizeibeamten Hiubek tu Floridsdorf.

Worrvegerr.

Christiania, 1. März. Heute Nachmittag um 2 Uhr überbrachte eine Deputation des Reichsgerichts dem Könige das Urtheil gegen den Staats­minister Selmer. Der Proceß gegen den Staatsminister Kierulf ist bis zum 7. März verschoben.

ArarrLreich.

Paris, 29. Februar. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß, wenn China nach der Einnahme von Bacninh nicht nachgiebt, Frankreich sich For- mosas, Hainans und des Zollamts von Kiangtschen bemächtigen wird.

England.

London. 1. März. DerDaily Telegraph" bringt ein den bis zur Nacht ein- gegangenen Mittheilungen widersprechendes Telegramm aus Suakim von heute Vor­mittag 11 Uhr, wonach gestern den Tag über Gefechte mit dem Feinde stattgefunden hätten und letzterer auf allen Punkten geschlagen worden sei.

Eine der Admiralität zugegangene Depesche des Commandanten von Suakim bestätigt die Nachricht desDaily Telegraph' über das gestrige Gefecht. Nach dieser Depesche traf beule ein eingeborener Bote mit der Mitiheilung ein, daß gestern den ganzen Tag gekämpft worden fei; der Feind habe sich mit großem Muthe geschlagen, sei aber an allen Punkten zurückgeworfen worden. Die Engländer sollten in der Nacht an den Quellen bleiben und heute gegen Tokar vorrücken. Der Verlust der Eng­länder betrug 10 Tobte und 40 Verwundete. Der Feind soll 1000 Mann ver­loren haben.

Die Abendblätter bringen ebenfalls in einer Depesche aus Trinkitat eine der Meldung desDaily Telegraph' analoge Mittheilung. Der Feind habe großen Muth gezeigt und die englischen Truppen, welche ein Carrs formirten, wiederholt angegriffen. Die Verluste des Feindes seien sehr groß.

Im Unterhause theilte der Präsident des Local - Gouvernement Board, Dilke, ein Telegramm aus Suakim vom 1. März 1 Uhr früh mit, in welchem gemeldet wird, daß in der Stadt Ruhe herrsche, jenseits der Vorposten sei kein Feind sichtbar. Ueber das Resultat der angeblich stattgehabten Gefechte lieg- keine Nachricht vor, doch