Vermischte-.
Gießen 1. Juli. Das XV. Sängerfeft des Lahnthal-SSngerbundeS, welches am 6. und 7. Juli d. I. in Wetzlar abgehaltea werden wird, verspricht nach den auch in unfern Stadt ausgctheilten Plakaten ein recht großartiges zu werden. AlS Gesammtchöre weroen vom Bunde ausgeführl: 1. Salamis, Stegesgesang der Griechen nach der Schlacht von Salamis, von M. Bruch, 2. Kciegerscene von C. L. Fischer und 3. Barbarossa, von Jacobs. Alle bret Chöre sind zum Theil recht schwer aber doch enlsprechende, wirkungsvolle Compostttonen- (Nr. 1 und 3 wurden aus früheren Festen des Bundes noch nicht gesungen.) Die Begleitung dieser Chöre wird von der ganzen Capelle des Großh Hess. Jnsanierie-Regtments Nr. 116 ausgesührt. Außer den in Nr 1 und 3 genannten Choren vorkommenden Harsensolts wird der Harfenvirtuos Herr Moser aus Karlsruhe noch etn'ge andere Stücke für Harfe vortragen. — Das Fest wird besucht von Gesangvereinen aus Butzbach, Dillenburg, Gießen, Grünberg, Hrrbo.n, Marburg und Weilburg. Die Festrede wrrd Herr Landrath v. Tischowitz polten — Da die Vorbereitungen zum guten Gelingen des Festes in umfassender, fürsorglicher W-ise getroffen sind, so läßt sich erwarten, daß die Sänger in dem freundlichen W-tzlar ein recht angenehmes Fest genießen werden, wenn nicht Jupiter Pluvtus einen Str-ch durch die Rechnung machen wird.
Wetzlar. Obgleich in letzterer Zeit an dieser Stelle schon Manches mit Be- ziebung auf das am 6. und 7. Jul, er. h'er ftatthabende Sängerfest gesagt worden ist, so halt« n wir uns doch für verpflichtet, angesichts dcS nunmehr zur Ausgabe gelangten Concertprogramms im Interesse unseres Leserkreises auf den Inhalt dieses Programms etwas näher einzugehen. Wir berücksichtigen dabet jedoch nur die Gesangstücke, da die verzeichneten Orchesterpldc'n als bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Nr. 2, SasamtS, von M. Bruch, ist eine Mce mit etwas sinfonischem Charakter. Chor, Soll und Orchester sind als vollständig gletchderechtigt anzusehen und hat weder das Orchester die Rolle einer Begleitung des Ganzen, noch hat der Chor sich dm SoltS derartig an- zubequrmen, daß dieselben als Hauptsache zu ganz besonderer Geltung kamen. Nur durch gleichmäßiges Zusammenwirken aller Factoren kann die Piece den vom Compontsten beabsichtigten Totale nbruck hervorbringen. Sehr charakteristisch wirkend zeigt sich dabet die Partie der Harfe, die hier den Künstlerhänden des Harfenvtrtuosen Herrn Moser aus Karlsruhe anvertraut ist. Nr. 4, die Kriegerscene von Fischer, bringt mehr in dramatischer Weise das nächtliche Lagerleben der Krieger, Gebet derselben beim Aufgange der Sonne und zuletzt den Uebergang zum stürmischen Angriff zur Darstellung. Die Orchests'-begleitung hat an geeigneten Stellen oft Anklänge an militärische Signale, die von trefflicher Wirkung sind. Nr. 6, Barbarossa von Jakobs, führt in einfacherer Liedform mit volksthümltchen Melodien, denen durch die Orchesterbeglettung jedoch ein reiches Colorit verliehen ist. die Sage vom Schlaf und dem Erwachen des alten Helden vor. Nach dem Gesagten sind wir der Ueberzeugung, daß in genannten 3 Chören so ziemlich das enthalten ist, waS in dem engen Rahmen eines Männergesanges überhaupt geboten werden kann und hoffen darum, wenn nicht ungünstige Witterungs- Verhältnisse eintreten, ober e n tückischer Zufall die Aufführung der mit vieler Mühe vorbereiteten Gesammtchöre stört, daß das ganze Fest einen befriedigenden Verlauf für Publikum und Sänger nehmen wird. (W. A-)
Darmstadt, 29. Juni. Gestern ereignete sich dahier ein entsetzliches Unglück- Das Dienstmädchen des in der Ernft-Ludwtgsftraße wohnenden Herrn Eierhändlers Rathgeber wollte nämlich gestern Abend, um das Feuer im Heerd besser zum Brennen zu bringen, Petroleum in dasselbe gießen. Hierbei entzündete sich das Petroleum, die Blechkanne explodirte und das Mädchen stand augenblicklich in vollen Flammen. Unter fürchterlichem Geschrei rannte das Mädchen in seiner Todesangst auf die Straße, während sein Dienstherr die Flammen zu ersticken suchte. Als letzteres gelang, war die Bedauernswerthe in gräßlicher Weffe verbrannt und ist dieselbe im städtischen Hospital, trotzdem ärztliche Kunst Alles aufbot, um sie zu retten, bereits den erhaltenen Brandwunden erlegen. Der traurige Vorfall sollte anf's Neue eine eindringliche Mahnung zur Vorsicht abgeben.
Die Verunglückte ist die 16 Jahre alte Elise Kciser au8 Hopsmannsfeld, Kreis Lauterbach.
Osthofen, 27. Juni. Den besten Apparat zur Vertilgung des RebstichlerS besitzt der hiesige Landwirth B. und zwar in seiner — Magd. Er schickte dieselbe gestern am frühen Morgen in seinen Wingert, die Stöcke von dem lästigen Ungeziefer zu befreien. Als sie gegen 10 Uhr von diesem nur in dm Morgenstunden vorzunehmenden Geschäft nicht zurück war, sah man nach derselben. Sie hatte einen großen gefüllten Sack, in welchem sie die abgerupsten Traubenblüthen aufbewahrte. Sie meinte, wenn sie die alle wegmachen sollte, halte sie ein paar Tage zu thun! — Der Mann hat nun zum Schaden noch den Spott, denn überall erzählt man, er habe dieses Jahr recht früh geherbstet.
Kassel. Ein brutaler Streich wurde in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni verübt. Im Stalle des Hotels „Zum Regenbogen" wurde in dieser Nacht der auf dem Rücktransport vom Berliner Nennen befindliche 5 Jahre alte Vollbluthengst „Friedensbote" untergebracht, welcher Herrn Rittmeister Leiftner vom 10. Dragoner- Regiment in Metz, einem in den weitesten Kreisen bekannten Sportsman, angehört. Um 12Vi Uhr Nachts war der Bursche noch im Stalle, welcher ein mit einer leichten
Jalousie zu schließendes Fenster hat. Nichts Auffälliges merkend, verließ dieser um diese Zeit den Stall. Hier fand er das edle Thier tobt auf bem Boben htngestreckt. aus einer Sttrnwunbe blutcnb. Dies in Kürze ber in seinen Motiven völlig räthsel- haste Vorfall, bem noch hinzuzufügen ist, baß bie am folgenden Tage von Herrn Rittmeister Letstner bewirkte thierärztliche Besichtigung ergab, daß der Tod des edlen Roffes durch einen Schuß herbeigeführt wurde, wove» die Kugel über bem linken Auge ein- brand unb durch die Augenhöhle fahrend, zum Ohre hinausflog. Die Kugel ist nicht aufgefunden worden. Die Annahme liegt nahe, daß dieser Bubenstreich der gemeinsten Art, durch welchen ein auf 7000 X geschätzte« Thier gelobtet wurde, auf einen Rache- act zurückzuführen ist.
Karlsruhe, 26. Juni. Im kleinen Saal der Festhalle dahier fand heute die 25jährige Feier des badischen Frauenvereins statt. Die Großherzogin wohnte den Verhandlungen bei, ferner die Minister Turban und Nokk und Staatsminister Friedenthal als Vertreter ber preußischen grauenosreine. Ebenso die Spitzen der Stadt und hohe Militärs. Prälat Doll hielt eine religiöse Ansprache Über das Thema „Gott ist mit uns". Der V-reinSstcretär Sachs verlas ein BegrQßungstelegramm deS Großherzogs und ein Schreiben der Großherzogin über die Bedeutung des Vereins. Er gab ferner einen Rückblick über dessen Thätigkeit; vornehmlich berührte er die Verbesserung der socialen Stellung des weiblichen Geschlechts. An Zweigvereinrn bestehen 111 in Baden mit 14,000 Mitgliedern. Minister Friedenthal üdcrrechte ein Handschreiben der Kaiserin. Minister Friedenihal erblickt in dem Frauenverein ein segensreiches Wtrkunas- mittel im Kampfe der gegenwärtigen socialen Verbitterung. Minister Turban begrüßt die Versammlung Namens der Staatsregterung unb bankt bem Frauenverein für feine werkthätige Arbeit. Oberbürgeim'ister Lauter begrüßt Namens ber Stadt Karlsruhe bie Versammlung. Oberstaatsanwalt Köstlin (Stuttgart) überbringt Grüße von Württemberg, Bayern unb Hessen.
Frankfurt, 30. Juni. Gestern Abenb spielte bas 3Vr Jahre alte Bübchen bes Spengler Moritz, welcher in ber Stallburg seine Werkstätte hat unb kam habet an eine Stelle, auf welcher es plötzlich verschwand. Der Vater suchte stundenlang nach seinem Kinde, rief eS allenthalben beim Namen, ohne es zu finden. Endlich kam er auch an den Platz, wo er eine gelbe Rübe, mit welcher sein Liebling vorher gespielt hatte, fand. Bei aufmerksamem Zusehen fand er ein Loch. Er schaffte bie Erbe fort, gewahrte Bretter, welche alle faul waren, beckte babei einen alten Brunnen auf und sah in der Tiefe, 40 Fuß, den Hut seines Kindes schwimmen. Er requirirte bie Feuerwehr unb biese holte die Leiche des Kindes herauf.
— Durch die Main-Promenade fuhr gestern ein hoch mit Kisten und Kasten bepackter Wagen, auf dessen Bock ein Kutscher und ein Diener in Livree saßen. Diesem Gepäckwagen folgte eine echte alte Landkutsche, gelb lodirt, in Federn hängend, hinten mit einer Menge aufgeschnürter Koffer. Die aus vier irländischen Ponys bestehende Bespannung wurde von einem alten Engländer geleitet, bem zur Seite eine ältliche Lady saß, welche einen röthlich borbtrten Sonnenschirm hielt. Der Lorb, welcher hier tn einem Hotel kurze Rast gehalten, hat eine große Abneigung gegen bie Eisenbahnen unb beshalb bedient er sich auf seinen Reisen noch des alten Gefährtes. Von hier fuhr er nach München.
— Große Beruhigung hat in Bielefeld die bei der Staatsanwaltschaft angelangte Depesche der Militärbehörde der 15. Division erregt, baß ber Füsilier Boekeu vom 40. Regiment eingeftanden bat, bie Auguste Borrey erdrosselt zu haben. Bekanntlich erfolgte der Mord am 6. v. M, Morgens gegen 7 Uhr, bet Friedrichsdorf in der Senne. Bocken befand sich auf dem Transport von Spandau, wo er eine IVejähr. Festungsstrafe erlitten hatte, nach Köln. Am Morgen gegen i/z3 Uhr entsprang er bei Brackwede aus dem Zuge, daS Seitengewehr des ihn begleitenden Sergeanten mitnehmend. Seine Verhaftung erfolgte am 11. v. M. in Münster.
— (Alte Baderegeln.j 1) Das Herz sei ruhig und warm die Haut, der badend sich frischem Wasser vertraut. 2) Die bet vollem Magen baden, wagen sich in großen Schaden. 3) Im Kaltbad nur 15 Minuten geblieben unb sofort bie froftelnbe Haut gerieben. 4) Renn schweißtriefend nicht zum Baben! Lebenslang kannst Du Dir schaben.
Handel and Beekehr.
Frankfurt, 30. Juni. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterauer X 20V4—21 Vj, fremd. X1 OVg—201/2, Roggen eff. hies. X 153/<—163/4, fremd. X 153/< bis 171/4, Gerste eff. hies. u. Wetterauer X 17—18, fremde X 18—19, Hafer eff. hiesiger X 151/4—16V4, fremder X 15lz4—17. — Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. X 37. Branntwein eff. ohne Faß X 42.
Frankfurt, 30. Juni. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 360 Ochsen, ca. 50 Bullen, ca. 400 Kühe und Rinder, ca. 250 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 63—65, 2. Qual. X 58—60, Kühe und Rinder 1. Qual. </* 62—00, 2. Qual. X 50—60, Kälber 1. Qual. «^L 55—60, 2. Qual. X 45—50 per 100 Pfund Schlachtgewicht. _
Wafserwärme der Lahn.
Am 2. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: IW R. — Lustwärme 23° R.
Rübsamen.
Allgemeiner Anzeiger.
MerheWe Wnbchnen.
Mit dem 1. Juli d. I. tritt für den Verkehr diesseitiger Stationen mit Stationen der Sächsischen Staatsbahn ein neuer Tarif in Kraft.
Nähere Auskunft ertheilen die Verbandstationen. 4448
Gießen, den 27. Juni 1884.
Großherzogliche Direetion.
Donnerstag den 3. Inti l. A,
Nachmittags 2 Uhr,
werden in der FlettischenHofraithe dahier Kleiderschränke, Sopha's, Tische, Stühle, Kommoden, Bilder, Spiegel, Glas- und Küchenschränke, Uhren, Wasch- und Schreibtische, 2 Nähmaschinen, 1 Brandkiste, 1 Klavier und 1 Ladentheke
öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert.
Gießen, den 2. Juli 1884.
Bühner,
4469__Gerichtsvollzieher.
Frrilag den 4. Juli l. I.,
Nachmittags 2 Uhr,
in der Flett'schen Hofraithe dahier, werde ich folgende Gegenstände gegen Baarzahlung versteigern:
9 Kleiderschränke, 3 Küchenschränke, 3 Seeretäre, 6 Commoden, 6 Sopha's, 2 Waschkommoden, 5 Wirthstische, 12 Stühle, 1 Büffet, sowie 1 vollständiges Bett, 1 Nähmaschine, Bilder und verschiedene Spiegel 2c.
Gießen, den 1. Juli 1884.
Engel,
4440 Gerichtsvollzieher zu Gießen.
Gewerbe-Ausstellung H i e Si opf.
Eröffnung: Sonntag den 6. Juli d. J., Nachmittags 2 Uhr. — Dauer 3 Wochen.
Der Festausschuss.
Auswanderer
nach Amerika
durch die in Ka$ New-York fahrenden Dampfer de»
Norddeutschen Lloyd über Bremen, sowie den billigeren Post. Dampfern über Hamburg, Antwerpen, Rotterdam und Liverpool
befördert zu gleichen Preisen, wie an den Hafenplätzen
1240 Ohr« Wallenfels.
Meine vom Hause
Evariste Dupont & Co. in Bordeaux
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Bordeatiac ■ Weine g
bringe in empfehlende Erinnerung.
Carl Petri, vorm. G. C. Spruck.
Jeikgeöotenes.
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Gastwirth Schäfer, Kaplansgasse.
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Wunderbar
ist die Wirkung von I. Ande l's Ueberseeischem Pulver, nicht mit gewöhnlichem Jnsecten- pulver zu verwechseln.
Das kleinste Stäubchen genügt, wenn es mit dem Körper der Jnsecten in Berührung kommt, um Wanzen, Schwaben, Ameisen, Asseln, Fliegen, Flöhe, Blattläuse re.
schnell und sicher zu tödten. .
In G i e ß e n nur allein echt zu haben bei 4457 Fritz Flimm.


