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Mr. 182. . Donnerstag den 3. Juli ISSfc

WHener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit AaLruchme des Montags. PveiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

rilnW,i,,||||,|r-_____ , Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps. '

Amtlicher Hheil.

Betreffend: Die Ausführung des R-ichsgefctzes über di- Krankenversicherung der Arbeiieu Gießen, am 1. Juli 1384.

Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir empfehlen Ihnen möglichst baldige Erledigung unseres in dem Gießener Anzeiger Nr. 117 enthaltenen Ausschreibens vom 17 Mai l an

------------------------------------Dr. Boekmann._________________ *

Betreffend: Die von den Gemeinden für di- 1883/84r Holzsamensendungen zu leistenden Ersatzzahlungen^^' * 1 2 3° 3UIÜ 1884'

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

- m Großherzoglichen Bürgermeistereien und Marktvorstände des Kreises.

Wir 6ectuftraQmr@ifnifür «ÄZ So[ifm,en auS bem Großherzoglichen Holzsamenmagazin werden Ihnen in den nächsten Tagen L H. zugehen, beauftragen Cie, für alsbaldige Zahlung der Betrage an die betreffenden Großherzoglichen Rentämter zu sorgen.

---------------------------------__--Dr. Boekmann.___________

Gang des Dekanatsboten.

.vornehme?" ben 71 Juli der Dekanatsbote verhindert ist- so wird er D.ienstag de» 8. und Mittwoch den 9. Juli den Rundgang

L°"S-G°ns, den 1. Juli 1884. Dr. strnrf

Politische Ueberficht.

Gießen, 2. Juli.

Die Reichstags-Session ist nun geschlossen und hiermit hat morte« ihren Einzug in unsere innere Politik gehalten. Dieselbe durfte sich indessen noch nicht gleich so sehr bemerklich machen, da namentlich die letzten Sitzungen des Reichstages der Presse noch mancherlei Stoff zu ein- gehenden Betrachtungen liefern werden. Besonders die Vorgänge, welche sich noch in der Freitagssitzung der Budget-Commission abgespielt haben, dürften noch längere Zeit in unseren politischen und parlamentarischen Kreisen nachwirken. Bekanntlich sollte die Commission am Freitag einen weiteren Beschluß bezüglich der Damp>er-Subventions-Vorlage fassen; ein solcher ist zwar nicht zu Stande ge- kommen, indessen war aber die dreistündige Discussion über diesen Gegenstand rn mehrfacher Beziehung dennoch sehr interessant und hat recht schätzenswerthe Beitrage zu der Stellung der verkappten wie der offenen Gegner der Vorlage gegenüber der letzteren geliefert.

Die auf Anordnung des Reichskanzlers im Reichsamt des Innern zusammengetretene Cholera-Commission besteht unter Vorsitz des Staats- secretars v. Bötticher aus dem Geh. Rath Dr. Koch, Prof. v. Pettenkofer, Geh. Ober-Medicmalrath Kersandt und Geh. Medicinalrath Skrezczka, ferner Com- miffaren des preußischen Handelsministeriums und des Auswärtigen Amtes. Die Berathungen haben am Samstag begonnen, wurden am Montag fortgesetzt und sind den darauf folgenden Dienstag zu Ende geführt worden. Die Resultate, zu denen die Commission gelangt, werden sofort offieiell bekannt gemacht werden. Darüber, daß die Krankheit in Toulon die asiatische Cholera ist, herrscht in der Commission kein Zweifel.

Die Angra-Pequena-Angelegenheit erfährt noch immer zahl­reiche Commentare, welche für die Gegner einer kräftigen überseeischen Politik der Reichsregierung gerade nicht sehr schmeichelhaft lauten. So schreibt die demokratifcheFranks. Ztg." :Herr Eugen Richter wurde im Reichstage nicht müde hervorzuheben, Angra-Pequena fei einSandloch" und schlecht geeignet, de"Wer Colonial-Entfaltung zu bllden. Ja, weiß den Herr Richter emen anderen ebenso guten Hafenplatz, von dem aus man in's Innere * * ein°nnGen kann, der noch zu haben wäre? Port Elizabeth, der bedeu-

tenoste Handelshafen der Cap-Colonie, war auch nur einSandloch", als die ersten Ansiedler es vor 60 Jahren betraten. Roch heute ist die Gegend dort ^emlich trostlos, aber man hat doch auf den Sandhügeln eine blühende Stadt geschaffen, der es nicht an schönen Gartenanlagen fehlt, wenn auch das Wasser manche Unkosten verursacht. Die Leute haben es aber dazu, denn der Handel ganzen Provinz und eines Theils des Oranje-Freistaates wird von Port Elizabeth vermittelt. Die Verhältnisse in Angra-Pequena liegen heute nicht Diel anderes, wie sie vor einem halben Jahrhundert in Port Elizabeth lagen." x epemaHge Hansestadt Hameln an der Weser feiert gegen- rvar g das Rattenfängerfest zur Erinnerung an die herrliche Sage vom Ratten- sanger von Hameln, welcher der Tradition nach am 24. August 1284 in der v Festlichkeiten sind ebenso glänzend wie originell und sind

die Festtage in durchaus gelungener Weise verlaufen.

<r ätzten Nachrichten aus Tongking lassen darauf schließen, ernster war, als die französischen Meldungen zu- : s Zwei ^age lang gefochten worden und da zwei Dampfer aus Hanoi abgeschickt wurden, um die Verwundeten zu holen, so werden es deren dreißig sein. Sowohl Langson als Bacle sind von regulären chinesischen Truppen besetzt worden, welche den Franzosen zuvorkamen. Die als französische Besatzung für Langson bestimmte Colonne wurde nämlich wahrend des Marsches nach ihrem Garnisonsorte angegriffen, Wenn es sich

da nicht um das willkürliche Vorgehen irgend eines unbotmäßigen Mandarins handelt, was bei chinesischen Zuständen immerhin möglich ist, so sieht es aus, als wollte China nun, nachdem es den Vertrag mit Frankreich abgeschlossen, den Krieg. Es wird ihn haben, wenn es nicht rasche und volle Genugtuung gibt. Die Versicherungen der chinesischen Gesandtschaft in Paris, die in directem Widerspruche mit den Berichten des französischen Commandanten in Tongking stehen, haben vorläufig wenig zu bedeuten.

Am Samstag ist programmgemäß in London die Conferenz zu- sammengetreten. An diesem Tage dürste auch die osficielle Bekanntgabe der Vorschläge, welche das englische Cabinet zur Regelung der egyptischen Finanzen der Conferenz unterbreiten wird, erfolgt sein. Die Mittheilung hat die Form eines Memorandums, welches Lord Granville den Botschaftern der Großmächte zukommen lassen wird, wie Gladstone im Unterhause erklärte, und soll keinen Bezug auf das englisch - französische Abkommen, sondern lediglich auf die finanziellen Bedürfnisse Egyptens haben. Nichtsdestoweniger will aber die französische Deputirtenkammer doch erst die Ergebnisse der Conferenz abwarten, bevor sie ihre Entscheidung über das englisch - französische Abkommen trifft. Das letztere ist. bekanntlich am Donnerstag im Palais Bourbon debattirt worden. Zahlreiche Bedenken wurden geltend gemacht; das Schwerste ist, daß England der Vorsitz in der Control - Commission eingeräumt wurde, was in Paris um so unangenehmer empfunden wird, als England Herrn Duclerc be­reits vor zwei Jahren den französischen Vorsitz zugestanden hat. Ist nun am Donnerstag in Paris die Autorität der Volksvertretung, und zwar unter Zu­stimmung der Negierung, insoweit gewahrt worden, daß nichts ohne vorherige Genehmigung der Kammer definitiv beschlossen werden darf, so ist dagegen schon am Montag im englischen Unterhause das Tadelsvotum der Opposition zur Berathung gekommen. Dasselbe lautet,daß das Haus es ablehne, die Vorschläge Ihrer Majestät Regierung anzunehmen, so lange ihm nicht die finanziellen Vorschläge zur Erwägung vorliegen." Auch im Unterhause hat Gladstone ausdrücklich zugestanden, daß die Beschlüsse der Regierung mit Bezug auf Egypten von der Genehmigung des Parlaments abhängig seien. Das wesentlichste Bedenken der Opposition gegen das Abkommen mit Frankreich be­zieht sich auch in London auf die Control-Commission. In den englischen Depeschen über das Abkommen ist sorgfältig Alles vermieden, woraus man entnehmen könnte, die erweiterte Staatsschulden-Commission werde die Befug­nisse der früheren Controle haben, während Ferry in der französischen Depu­tirtenkammer erklärt hat, daß die Staatsschullien-Commissionsozusagen iden­tische Befugnisse mit der früheren Controle" haben werde. Für den Augen­blick ist Alles noch unentschieden bis auf das Eine, daß nun die Diplomatie ihr Werk begonnen hat und zwar unter Betheiligung sämmtlicher eingeladenen Mächte. Sie tagt in demselben Saale, in dem die Donau - Conferenz statt­fand, aber es ist ihr zu wünschen, daß sie diesmal bessere Erfolge erziele, als es mit dem noch bis zum heutigen Tage nicht zur vollen Durchführung ge^ langten Donau-Vertrag der Fall war.____________________

Darmstadt, 28. Juni. Schluß des Großherzoglichen Regierungsblatts Nr. 12, enthaltend den Landtags-Abschied vom 23. Juni 1884.

§ 9. Propositionen über

1) Bewilligung eines Beitrags von 20,000 «X zur Bestreitung der durch Erhebungen über die Verschuldung der Grundbesitzer und über die Gesammtlage der Landwirthschaft entstehenden Kosten,

2) das bei Pensionirung der Steuercommiffäre zu berücksichtigende Gebühreneinkommen,

Z) Neuregulirung der Beitragspflicht der Gemeinden zu den Kosten, der Realschulen,