Ausgabe 
3.2.1884 Zweites Blatt
 
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringerlohn.

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Erscheint tägkick- nnt Ausnahme deS Montags.

Bureau r Schulstraße 7.

Betreffend: Das Ersatzgeschäst für 1884. Gießen, am 1. Februar 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grosjhcrzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir fordern Sie auf, nunmehr mit der Aufstellung der Stammrollen sofort ;u beginnen und dieselben mit denjenigen für 1882 und 1883 ««gesaumt^emzusenden. b{e bem vorgedruckte Anmerkung genau zu beachten, insbesondere alle Bestrafungen k. unter Rubrik

Bemerkungen" einzutragen.

Reclamationen sind baldigst einzureichen, bezw. die aus früheren Jahren zu erneuern.

Dr. Boekmann.

-lUhr:

Corps bedeutet. Ehe die seiner Zeit neu ankommenden Truppen in den Nahmen der für den Zug gegen Bacninh bestimmten Streitmacht gehörig eingesügt sein und die nothwendige Acclimatisirungssrist absolvirt haben werden, tritt die heiße Jahreszeit und damit die Unmöglichkeit für europäische Soldaten ein, einen regelrechten Feldzug in dem sumpfigen Della des Rothen Flusses zu führen. Und hier fassen wir nur den günstigsten Fall in'S Auge, indem wir voraussetzen, daß das launenhafte Kriegsglück den Franzosen keinen Schabernack spiele, daß das Expeditions-Corps von verheerenden Epidemien verschont bleibe und daß in dem Verhältniß der Republik zu China nicht am Ende doch noch der offene Bruch eintrete. Herr Ferry sowohl als die Kammer-Majorität wer­den einer ganz gehörigen Dosis von Optimismus bedürfen, um das Renommve der Tongking-Affaire vor dem Lande zu retten.

Von den englischen Küsten werden aus dieser Woche schwere Stürme gemeldet, welche großen Schaden angerichtet haben. In London wüthete der Sturm besonders heftig und auf dem Kanal sind eine Menge Schiffe zu Grunde gegangen, mit ihnen leider auch eine große Anzahl von Menschenleben.

Dre parlamentarische Situation Italiens läßt sich jetzt, nach­dem die Deputirtenkammer ihre Verhandlungen wieder ausgenommen hat, für das Ministerium de Prelis recht befriedigend an. Im Lager der Opposition ist es recht still geworden, man hat hier nicht einmal den Versuch gemacht, dem Unterrichtöminister Baccarini wegen seines Universität-Reformgesetzes zu Leibe zu gehen, wie doch die radikalen Heißsporne angekündigt hotten. Selbst die von der italienischen Regierung kürzlich mit mehreren Gesellschaften abgeschlosse­nen Eisenbahnverträge sind bis jetzt von den oppositionellen Elementen nicht be­anstandet worden und das gegenwärtige italienische Cabinet kann darum ruhig in die Zukunft blicken. Es kann dies umsomehr, als König Humbert in seinem Handschreiben an Herrn de Prelis anläßlich der Wallfahrten zum Grabe Victor Emanuel's ein entschiedenes Vertrauens-Volum für das Ministerium nieder- gelegt hat.

Gießen, 2. Februar.

Nachdem der preußische Volkswirthschaflsralh seine Arbeiten mit der Annahme derGrundzuge" des Unfallversicherungs-Gesetzes beendigt hat, wird die Neichsregierung noch die Gutachten der einzelnen Bundesregie­rungen abwarten, um dann ungesäumt an die definitive Feststellung des Gesetz­entwurfes heranzutreten. Man sieht diesen Gutachten bis etwa zum 8. Februar entgegen, worauf dann die Vorlage unverweilt dem Bundeörathe zugehen durste, welcher sie wohl noch frühzeitig genug durchberalhen wird, um sie dem Reichs­tage bald nach dessen Zusammentritt zugehen zu lassen.

In der Presse wird jetzt das Gerücht von der angeblichen bevor­stehenden Ersetzung des Statthalters der Reichslande, Frhr. v. Manteuffel, durch den jungst zum Obersttämnierer des Kaisers ernannten Grafen v. Stolberg- Wernigerode colportirt. Ob dieses Gerücht durch die kürzliche Anwesenheit des Statthalters in Berlin und auch in Friedrichsruhe beim Reichskanzler erzeugt worden ist, lassen wir dahin gestellt sein. Es ist indessen schwerlich anzunehmen, daß man maßgebenden Orts in Berlin schon wieder einen Personalwechsel in der obersten Leitung der Reichslande eintreten lassen will, zumal sich Feldmar- schall v. Manteuffel bekanntlich in hohem Grade des kaiserlichen Vertrauens erfreut.

Das Wochen-Ereigniß für Oesterreich ist die am Dienstag nach fünftägigen Debatten erfolgte Ablehnung des Wurmbrandt'schen Sprachenantra- ges im österreichischen Abgeordnetenhause. Dagegen stimmten die Fraktionen der Rechten und die Coronini'scheMittelpartei", dafür außer der Linken der deutsch-klerikale Abg. Lienbacher; auch die eingebrachten Vermittelungs-Anträge wurden pure abgelehnt. Es ist hiermit der Versuch der deutsch-nationalen Partei, die Sprachensrage, wenn auch nicht auf Grund der Anerkennung der deut­schen Sprache als Staatssprache, so doch in einer auch für die nichtdeutschen Rationalitäten annehmbaren Weise gesetzlich zu regeln, an demeisernen Ringe" der Rechten gescheitert. Somit wird der Wurm, der am Marke Oesterreichs zehrt, auch ferner existiren und eine Lösung der Sprachen- und Nationalitäten- Frage muß so oder io doch einmal erfolgen. Das ungarische Cabinet hat den Kampf gegen das renitente Oberhaus in Sachen des Mischehen-GesetzeS einstweilen aüsgegeben, indem letzteres von der Tagesordnung adgesetzt worden ist _ Für Wien und Umgegend ist in Folge der Floridsdorser Mordaffaire die Publikation eines Ausnahmezustand-Gesetzes erfolgt.

Paris laborirt noch immer an derBrod- und Magen- Frage." Seit einer Woche debattirt nun die französische Deputirtenkammer über die industrielle Krisis und speciell über die Rothlage der Pariser Arbeiter, ohne daß man nur einen Halbwegs durchführbaren Besserungs-Vorschlag hätte vernehmen können. Selbst der Ministerpräsident Ferry wußte keinen Ausweg anzugeben, obwohl die Rede, welche er am Dienstag hielt, an und für sich ein oratorijches Dreisterstuck war. Es heißt -eben auch hier: ,Der Worte sind genug gewechselt, nun laßt mich endlich Thaten sehen 1" und wenn es wahr ist, daß in einer der letzten Versammlungen der Pariser Lumpensammler einer der­selben vor Entkräftung umgefallen und balo daraus verschieden ist, dann erscheint es allerdings für die französische Regierung als die höchste Zeit, zur Linderung des Elends thatkrästig einzuschreiten.

Rach dem Grundsätze, daß Stillstand gleichbedeutend ist mit Rück­schritt, muß es mit der französischen Expedition in Tongking ganz entschieden den Krebsgang gehen. Seit der Einnahme Sontays haben die Franzosen noch keinen neuen Waffenersolg' zu verzeichnen gehabt. Die Operationen gegen Bacninh, deren Eröffnung vor Kurzem als unmittelbar bevorstehend angekün­digt wurde, sind über das Stadium des bloßen Projekts nicht hinausgediehen, und der Grund, weshalb er sich auf das, dem französischen Temperament und den Wünschen des Herrn Jules Ferry so wenig zusagende Zögern verlegte, gesteht Admiral Courbet mit der Erklärung ein, daß er vorerst die Ankunft der auf hoher See schwimmenden Verstärkungen abwarten wolle. Es ist die numerische Schwäche des Expeditions-Corps, welche den Admiral hindert, den Schlag auf Bacninh zu führen, der dem ganzen Tongkinghandel ein Ende machen soll. Die augenblickliche nothgedrungene Unthätigkeit aber kostet den Franzosen eine überaus werthvolle und wahrscheinlich gar nicht wieder einzubringende Zeit, während welcher das fieberhaft rüstende China seinen kriegerischen Apparat vervollständigt und seine Defensive allermindestens im Verhältniß des Kräste- zuwachses verstärkt, den das Eintreffen der Verstärkungen für das Expeditions-

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sDie Gründung des Zollvereins und das Großherzoglhurn Hessen.) Unter dieser Ueberschrift bringt daöFranks. Journ." anläßlich des am Neujahrslage dem preußischen FManzmintfter zur Erinnerung des 50. Jahrestags der Gründung des Zoll­vereins stattgehabten FestdinerS und mit der Einleitung, daß eS recht erfreulich fei, daß der Gründung des deutschen Zollvereins, des mächtigen Förderers der Einigung zum deutschen Reich, in so anerkennender Weise gedacht worden sei, einen Arttkel, welcher betont, wie daS Großherzogthum Hessen der erste deutsche Staat gewesen sei, welcher mit Preußen zuerst eine Zolleinigung zu Stande brachte. DaS Blatt schreibt:

Die desfallsige Uebercinkunst beider Staaten, welche mit dem 1. Juli 1828 in Wirksamkeit trat, enthielt bereits die hauptsächlichsten Bestimmungen, welche wir tn den späteren Zollvereintgungsverttägen finden. Diese tm Einzelnen hier anzugeben, würde zu wett führen. . t Ä .

Eine von Pros. Dr. Onckm zu Gießen gehaltene akademische Festrede vom 1. Juli 1878, welche sofort tm Druck erschien, verbreitet sich über die Entstehung der Zolleinigung von Hessen mit Preußen, und tst Nachstehendes in der Hauptsache dieser Rede entnommen. t __

Zu dieser Zolleinigung hat nicht Preußen, sondern Hessen die Anregung ge- gegeben. Du Bos du Thil, dem hessischen Minister der Finanzen und der auswärtigen Angelegenheiten, gebührt der Ruhm, die erste Zolleintgung eines deutschen Staates mit Preußen angeregt und zu Stande gebracht zu haben. In den von ihm hinterlassenen Denkwürdigkeiten, welche tn dem Großherzogltchen Staatsarchiv zu Darmstadt auf- dewahrt »erden, heißt es:In meiner Verzweiflung legte ich mir endlich die Frage vor, ob man sich nicht, um daS Eis zu brechen, an Preußen anschließen könnte? Hieran hatte noch kein Mensch in Süddeutschland gedacht and auch ich bis dabin nicht, den wir alle strebten ja einzig nur darnach, Front gegen Preußen zu machen." Der damalige hessische Minister des Innern und der Justiz, v. Grolman, billigte den Plan seines Collegen und schrieb ihm am 13. August 1827:Täuschen wir uns nicht, eine solche Zollvereiniguug wird, wenn sie gelingt, große politische Folgen haben und unser Land mit den Geschicken Preußens auch in anderer Beziehung untrennbar verbinden; gegen diese Folgen, die mir nur dunkel vorschweben, habe ich ganz und gar nichts ein­zuwenden, weil ich glaube, daß dem preußischen Cabinet nur vorübergehend, nicht dauernd, das Präsidium der Intelligenz versagt fein kann. Der Schritt tst groß und Ihrer würdig; überdies drängt die Zeit, daß etwas geschehen muß, und es ist sehr klug, in solchen Dingen der Erste sein zu wollen und die Bahn für Entscheidendes selbst zu brechen."

Am 7. Januar 1828 erklärte Präsident v. Maasen, der Schöpfer des Zollgesetzes von 1818, dem hessischen Commissar, Geh. Staatsrath v. Hofmann:Preußen will der Wett zeigen, daß es in Handelssachen zwischen enclavirten und angrenzenden Staaten zu unterscheiden weiß, und daß letztere sich, ohne alle Gefahr für ihre Selbst- ständiakeit, in Verbindung mit Preußen einlassen können." Als dieser Commissar bet seiner Rückreise von Berlin nach Darmstadt Kassel passirte und dem Minister v. Schminke eröffnete, welche Uebereinkunst Hessen mit Preußen abgeschlossen habe und

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iUe und BauM'M' psen und_Socken^ S' Sggij cn gewandten

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1884t

Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Nr. 2S Zweites Sonntag den 3. Februar