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Paris, 29. Juli. Von heute Vormittag 10 Uhr bis heute Abend starken in Toulon 1, in Marseille 7 Personen an der Cholera.
Telegraphische Depeschen.
ESoly's UUfct» Tsrrespo«dem-B»rrau.
Bad Gastein, 30. Juli. Erzherzog Albrecht von Oesterreich ist heute früh in Begleitung seines HosmarschallS, Baron Piret, hier eingeti offen und in der Villa Meran abgestiegen. Gegen 10 Uhr stattete der Erzherzog, welcher die Uniform des zweiten ostpreußischen Grenadier-Regiments Nr. 3 angelegt hatte, Sr. Maj. dem Kaiser Wilhelm einen längeren Besuch ab, welchen der Kaiser kurz darauf in der Uniform seines österreichischen Regiments erwiederte.
— Zur Tafel bei Sr. Maj. dem Kaiser Wilhelm waren heute der Erzherzog Albrecht, Baron Piret, die Grasen Szapary, Zichy, Szechenyi, Samberg und der österreichische Ministerialrath Baron Kraus geladen. Vor dem Diner wurde eine gemeinschaftliche einstündige Promenade auf dem Kaiserwege unternommen. — Gestern hatte Se. Maj. der Kaiser die Ausfahrt ausgesetzt und den Thee um 9 Uhr beim Grafen Lehndorff eingenommen.
Berlin, 30. Juli. S. M Kbt. ,JlttS", 4 beschütz?, Commandaut Corvetten- Capitäv Rötger, Ift am 31. Mat (n Nagasaki eingetrvffen.
Triest, 30. Juli. Die Regierung hat die Gleichstellung der tunefischen Provenienzen mit denjenigen aus den französischen Mittelmeer-Häfen und den Häfen Algiers verfügt und für dieselben eine lOtägige und falls die Ueberfahrt nicht ohne Krankheitsfall verlaufen, eine LOtägige Beobachtungsfrist angeordnet.
Paris, 30. Juli. Der Ministerpräsident Ferry wtrd tu der Deputtrtevkamrner heute den Gesetzentwurf über die Revision der Verfassung in der gestern ton dem Senat beschlossenen Fassung vorlegen. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß der Entwurf in der Deputtrtenkammer heute oder morgen zur Annahme gelangen und der Congreß am Montag zusammentreten werde. Die BureauS würden dann am Montag eine Commission wählen.
— Der Ministerpräsident empfing heute den chinesischen Gesandten Lt-Fong- Pao. Wie die „Agence HavaS" glaubt, hätte Lt-Fong-Pao eine weitere Frist zur Be, antwortung der französischen Note verlangt. Die Bewilligung derselben sei aber abgelehnt worden. Die gegenwärtige Frist läuft am 1. August ab. Die Unterhandlungen in Shanghai zwischen dem französischen Gesandten Patenotre unb dem Bice, könig von Nanking dauern noch fort.
— Bon gestern Abend bis heute Vormittag 10 Uhr starben tn Marseille 13, in Toulon 10 Personen an der Cholera.
— Deputtrtenkammer. Ministerpräsident Ferry legte den Entwurf, betreffend die Revision der Verfassung, vor und beantragte für die Beratbung die Dringlichkeit. Der Bonaparttst Joltbots, sowie Lockroy von der äußersten L nken, machten geltend, die Kammer sei nicht der Ort, um über den Entwurf zu berathen, weil die Kammer und der Senat erklärt hätten, daß die VerfasiungSrevtsiou vor den Congreß gehöre, der Congreß habe also auch allein über die Punkte zu bestimmen, welche einer Revision unterzogen werden sollten. Ein in diesem Sinne von Lockroy gestellter Antrag wurde tndeß mit 273 gegen 224 Stimmen abgelehnt, hierauf wurde mit 314 gegen 48 Stimmen die Dringlichkeit beschlossen.
Alexandrien, 30. Juli. Ein Telegramm des Mudirs von Dongola meldet, es gehe das Gerücht, daß General Gordon der Stavt Berber sich wieder bemächtigt habe; er habe, um die Begründetheit des Gerüchts zu ermitteln, einen seiner Beamten nach Debbah geschickt-
Vermischte-.
Kronstadt, 29. Juli. Der dänische Dampfer .Dana" gerteth in der Nacht von Samötag auf Sonntag hier tn Brand, das Feuer wurde jedoch durch die rasche Hilfe deS Stettiner Dampfers „BreSlau" (Capttän Hahn) gelöscht, wodurch nicht allein die „Dana“ gerettet, sondern auch unabsehbares Unglück von sämmtltchen im Hafen liegenden Schiffen abgewendet wurde.
Rendel. In voriger Woche gebar eine Kuh deS Oeconomen Neuhard dahier ein Kalb, welches zwei Köpfe hat, im Uebrigen normal gebaut ist und lebt.
— In Spezia, zwischen Genua und Florenz, ist, wie die „Times" auS einer Privatmtttheilung erfährt, die Cholera anSgebrochen. Am 22. d. M. starben 2 oder 3 Personm an der Seuche, die, wie man glaubt, von einigen aus Toulon geflüchteten ttaltentschen Arsenalarbeitern etngeschleppt wurde-
— lieber den Zusammenstoß deS kubanischen Dampfer» Gijon und deS englischen Dampfers Laxham auf der Höhe von Cap Fintstere wtrd der Times auS Madrid uvterm 27. ds. gemeldet: Außer den 56 Personen, die vom Santo Domingo gerettet wurden, ist ein Boot mit 8 Matrosen unb 7 Passagieren tn MuroS an der galicischen Küste glücklich angekommen. Einschließlich der in GraveSend gelandeten 13 Schiffbrüchigen sind mithin von den 220 Personm, die sich, einer ungefähren Berechnung nach, an Bord beider Dampfer befanden, 84 gerettet worden. Man nimmt an, daß über 130 Menschenleben verloren gingen, da daS Gerücht, daß sich 90 Leute an Bord des zweiten und dritten BooteS befanden, sich jetzt als unbegründet erweist. AuS allm Berichtm erhellt, daß, obwohl der Capttän deS Gijon mtt dem Revolver tn der Hand leine Pflicht that, von dem Augenblick deS Zusammenstoßes an die größte Verwirrung und Unordnung an Bord herrschte. Ein Kampf umS Leben entspann sich zwischen den Paffagteren unb der Mannschaft, biS daS Schiff mit dem Bug zuerst uutergtng. DaS vorn Santo Domingo aufgenommene Boot war bis zum Wasserspiegel beladen und es wtrd behauptet, daß die Geretteten gezwungen waren. Gewalt zu brauchen, sogar mit Mestern, um die um das Boot herum mtt den Wellen ringenden Personm zu verhindern, daffelbe zu entern unb zum Sinken zu bringen. Die galicischen Behörden unb die Transatlantische Gesellschaft thaten alle» wa8 möglich war für die Geretteten, unter denen sich 11 Engländer befinden. Die Mannschaft deS Laxham zählte 27 Köpfe und der spanische Dampfer hatte 230 biS 250 Seelen an Bord.
— [Die Sahara all Gründung.) In Paris wurden, der „Dost. Zig." zufolge, der Journalist Meuter unb der Bankier Allemand wegen Schwindels zu mehrmonat- ltchem Kerker verurthetlt, weil fie eine Aktiengesellschaft zur Parzellirung der „etwas trockenen, doch fruchlbarcn* Sahara gegründet hatten. Man hatte ihnen thatsächlich 400,000 Francs, eingezahlt.
— [Die Brieftasche deS Herrn Schlumberger.) Man schreibt dem Sprudel au8 Karlsbad: Der eine Chef des WeliweinhauseS Schlumberger weilt jetzt in Karlsbad zur Kur unb nimmt, um da» Angenehme mit dem Nützlichen Hormon sch zu verbinden, neben so und so viel Bechern Sprudel auch so und so viel Tausender alS fälligen Tribut für gelieferten Vöslauer entgegen. Freitag den 25- d. fuhr Herr Schlumberger auf den Bahnhof, um sich von einem Feunde zu verabschieden, betrat aber in dem Momente ben Perron, alS ber Zug sich bereits tn Bewegung setzte; rasch griff er in den Rock und warf d-m Freunde die Cigarrentasche inS Coupö In die Stadt zurück- gekehrt, wollte sich Herr Schlumberger wieder mit Cigarren verproviantiren, war aber nicht wenig erschreckt, aI8 er, um zu zahlen, die Brieftasche herauSnehmen wollte unb die Cigarrentasche tn der Hand hatte. Die Brieftasche mtt 42,385 Gulden tn Banknoten war verschwunden. InS Hotel Anger zurückgekehrt, ermattete ihn dort ein Eisenbahnbedtenfteter mit der Brieftasche. Herr Schlumberger hatte tn der Eile anstatt der Cigarrentasche die Brieftasche tn daS Coups geschleudert, dieselbe war erber durchgeflogen und fand sich nach Abgang deS Zuge« auf den Schienen, wo sie ein Eisev- bshnbediensteter fand und ou8 der Adresse eineS tn ihr befindlichen Briefe« ben Eigen, thümer erutrte. Wenn die Etsenbahnbedienfteten tn der nächsten Zett aber nur BöSlauer anstatt „Flscherner Bier" trinken, so geschieht dteS nicht etwa aus Cholerafurcht — tn KarlSbald war ja noch nie die Cholera — sondern aus dem Privatkeller deS Herrn Schlumberger.
— Im Monat Juni sind, nach Miitheilung beS Bureau VeritaS, 58 Segelschiffe (23 mglische, 9 norwegische, 6 deutsche u- s. w) und 15 Dampfer (12 englische, 1 deutscher u. s. w.) verloren gegangen.
— Angesichts des dieSjähltgen heißen Sommer» dürftm einige Daten über die Hitze im Sommer früherer Jabrhunderte nicht ohne Jntereffe sein, welche die „Bonnrr Zeitung" einer vergleichen Ueberficht entnimmt. Im Jahre 627 nach Christi Geburt verstechten die Quellen und Menschen verschmachteten; 879 war e8 unmöglich tm Freien zu arbeiten, besonder» auf dem Felde, wer aush'elt, wurde entweder vom Schlage gerührt oder vom Sonnenstich befallen. Im Jahre 993 wurden die Nutzpflanzen auf dem Felde geröstet wie tn einem Backofen. DaS Jahr 1000 brachte besonder» Frankreich eine große Hitze, die Flüsse trockneten auS unb der Gestank der dadurch getödteten F.sche brachte die P--st. Bei der Hitze im Jahre 1014 verschwanden tn Elsaß und Lothringen Brunnen und Flüsse. 1132 trocknete der Rhein auS; 1152 rrretchte die Hitze einen solchen Grad, daß man Eier tm Sande kochen konnte. 1277 kamen vicle Menschen und Tb ere in Folge der großen H'tze um. Im Jahre 1303 warm Rhein und Donau trocknen Fuße» zu passirm; 1394 vertrocknete die Ernte, 1538 trocknete in Frankreich die Seine und Loire aus. 1556 war über ganz Europa eine große Dürre öhbreitet. 1615 vertrockneten in Frankreich unb selbst in der Schweiz die Brunnen und Teiche, nicht minder heiß waren die Jahrgänge 1646, 1678 unb 1701. Im Jahre 1715 regnete eS vom Monat März bi» October nicht ein einzige» Mal, ba» Getreide verbrannte, die Flüsse trockneten wieder auS. Die H'tze stieg bi» 38° R. unb in bewässerten Gärten blühten die Obstbäume zweimal. Außerordentlich groß war auch die Hitze in ben Jahren 1724, 1746, 1765 unb 1811. Wegen unnatürlicher Hitze wurden tm Sommer 1815 (ba» Thermometer zeigte 40° R.) die Theater geschlossen. Heiße Sommer verzeichneten weiter die Jahre 1830, 1832, 1835, 1850, 1856, 1861, 1864, 1865, 1868, 1869 und 1870.
— Die größte Ubr der Welt ist diejen'ge am Thurme de» Westminsterpalaste» in London. Die wer Zifferblätter der Uhr Haden 22 Fuß im Umfange und jede Minute rückt der Zeiger fast 7 Zoll weiter. Die Uhr geht 8Vi Tage, schlagt jedoch nur an 7Vs Tagen unb zeigt deshalb selbst an, wenn da» Aufziehen derselben vernachlässigt worden. Da» Aufziehm deS Schlagwerke» bauert 2 Stunden. Der Pendel ist 15 Fuß lang, die Räder sind von Gußeisen. Dir Stundenglocke hat eine Höhe von 8 Fuß und 9 Fuß im Durchmesser; sie wiegt fast 15 Tonnen (1 Tonne — 20 (Str.) unb ber Hammer allein wiegt über 400 Pfund. Die Glöcke schlägt die Viettelstunden unb die Stenographen tm Parlament regvliren nach ihr ihre Arbeit, indem bet jedem Schlage ein Stenograph von einem anderen abgelöst wird. Der Abgelöste zieht sich zurück, um die Notizen zu schreiben, welche er während ber 15 Minuten genommen hat.
Handel und Verkehr.
Limburg, 30. Juli. Rother Weizen X 17.00, weißer Weizen 00.00, Korn JC 12.00, Gerste JL 0.00, Hafer JL 8.60, Erbsen JL —, Kartoffeln JL —.
Frankfurt, 30. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu JL 2.50—3.00, Stroh JL. 1.80—2.50, Eier das Hundert JL 4 60—5.00, Butter 1. Qualität 1.05, 2. Qualität 1.30, Kartoffeln (neue) per Centner «X 2.75—3.50, Kohlrabi 4-5 H pr. St., Erbsen 100 Kg. 12.00—18.00 JL, Rothkrcmt pr. St. 25-40 H, Poularden JL 0—0, Huhn 1.50—2.20, 1 Ente JL 3.00—4.00, 1 Taube 60—00^, Hahn JL 1.70—2.00, Gans JL 4—0.00, Welsche JL 7—12.—
731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Efnrifcknng einer Anteile kn eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man ▼ob der Annoncen - Expedition von * VOGLER 1»
Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichte der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und rnindliaher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
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Temperatur am 31. Juli (Mittags zwischen 11 und 12 Uhr).
Wasserwärme der Lahn 15° R* — Lustwärme 16° R. im Schatten. Rübsamen.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Nach dem Ansschreiben Großh. Kreisamts Gießen vom 23. d. Mts. in Nr. 171 des „Gießener Anzeiger" ist von dem landwirthschaftlichen Bezirksverein für diesen Herbst ein gemeinschaftlicher Bezug von Obstbäumen in Aussicht genommen. Alle Grundbesitzer der hiesigen Gemarkung, welche sich hieran zu betheiligen beabsichtigen, wollen die Zahl der Bäumchen und die Obstarten, welche sie zu beziehen wünschen, bis zum 12. August c. aus unserm Bureau angeben.
Gießen, den 29. Juli 1884.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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