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Der Volkshaufen vergrößerte sich hiernach, bemächtigte sich aller Waffen und Munitionsvorräthe des Zeughauses und bedroht fortgesetzt das Gefängniß. Einem Gefangenen, welcher inzwischen nach einer benachbarten Stadt gebracht werden sollte, gelang es unterwegs, aus dem Eisenbahnzuge zu entkommen.

Telegraphische Depesche«.

WoLff'S ürLegr. EsrxewonLKNT-Wrrreatt.

Cincinnati, 29. März. Bei den hier vorgekommenen Unruhen sind 21 Personen verwundet worden, von denen 4 schwere Verletzungen davon ge­tragen haben. Eine Person ist an den erhaltenen Verwundungen gestorben. Der entsprungene Verbrecher ist wieder tu Hast gebracht worden. Die Unruhen haben sich nicht wiederholt.

Cincinnati, 30. März. In der vergangenen Nacht ist es zu neuen Ruhestörungen gekommen. Die Volksmenge umringte das Gefängniß, welches Polizei- und Militär-Marmschaften besetzt hielten, steckte das Gerichtsgebäude und andere Gebäude in Brand und verhinderte die Feuerwehr am Löschen, bis das Militär letztere unterstützte. Von der Volksmenge, wie vom Militär wurde von Schußwaffen Gebrauch gemacht, wobei über 50 der Ruhestörer gelobtet wurden. Die Volksmenge erbeutete eine Kanone, jedoch ohne Munition, die Polizei nahm die Kanone später wieder und zerstreute die Tumultuanten.

New-Aork, 30. März. Nach hier eingegangenen Nachrichten füllt das Waffer des Mississippi unterhalb Greenville nnd Mississippi wieder.

ä o f ö l e i

Gießen, ZO.März. sThealer. Gastspiel des Herrn Julius Fiala.) In dem Shakespeareschen Hamlet ist fast Alles der verschiedensten Auslegung unter- morsen worden. Ob Hamlet sich nicht blos wahnsinnig stelle, sondern ob er wirklich wahnsinnig sei, ob er Ophelia liebe oder nicht, wie sein Verhältnis; zur That beschaffen sei, ob er seiner Aufgabe nicht gewachsen oder ob er ihr gewachsen sei, ob diese Auf­gabe darin bestehe, Den Mörder seines Vaters zu tobten oder ihn zu entlarven, wie Natur und Charakter des Helden aufzusoffen sei, das Alles und noch Etwas vorüber ist von den Gelehrten zum Gegenstand langer, tiefsinniger Abhandlungen gemacht worden. Der Darsteller wird, je nach seiner künstlerischen Veranlagung, zwischen diesen verschiedenen Auffassungen zu wählen haben. Seh^n wir nun zu, m welcher Weise unser Gast den Hamlet auffaßt.

Seitdem uns Herr Ftala zuletzt an der Darmstädter Hofbühne in dieser Rolle entgegengetreten, haben wir Gelegenhett gehabt, einige der ersten Hamletdarsteller zu sehen und ihre Auffassungen miteinander zu v-rglrtchen. Mit gutem Gewissen können wir behaupten, daß sich Herrn Ftala's Wiedergabe der Rolle neben der jener Vühnen- größen mit Ehren sehen lassen kann. Sein Hamlet ist keine Schablonerfigur, sondern eine wirkliche Charakterschöpfung, welche von Der Genialität des Künstlers gewichtiges Zeugntß ablegt, tfür Deutschland schufen die Rolle die Künstler Vrockmonn und Schröder, deren verschiedene Auffassungen noch heute btn streitigen Punkt für Kritik und Künstler bilden. Die tiefe Melancholie im Charakter des Dänenprinzen, welche das Leben als nicht mehr lebrnswerth wegwirft, löste sich in Brockmann's Spiel mehr zur Wirkung einer gefälligen Sentimentalität auf. Schröder's mächtigere Imagination, sein rascheres Blut tauchten weit tiefer in die skelsicben Qualen des Däsenprtnzen ein und gingen geraden Wegs auf d e tiefste Erschütterung eines vom Zweifel am Ungeheuerlichen, am Unglaublichen zerrissenen Menschmherzens los.

Fiala's Auffassung nähert sich der Schröder'schen und bat euch eine gewisse Ähnlichkeit mit der von Ludwig Barnay. Er betont im Charakter des Hamlet das gedankliche Moment, den grübelnden Pessimismus, und das ist uüff^s Er­achtens das allem Richtige, weil es allein das Wesen der Dichtung in seinen Tiefen «ufdeckt. Manche Aesthet'ker wollen fretlch den Accent auf den melancholischen Prinzen gelegt wissen und es gibt genug Darsteller, welche den Hamlet w-e eine Schiller'fche Jünglingsgestalt spielen: nur vergessen diese, daß sie mit solcher Auffassung die Thür des Verständnisses zu diesem Shakcspearestück gewaltsam orrr ezrln. Fiala zeigt den unheilbaren Ritz in Hamlets umnachteter Seele, zeigt, wie sich der unglückliche Prinz dinier der erzwungenen Heiterkeit, hinter den fiebernden ParoxiSmen zu verstecken und zu vergeffen sucht, für welche es nur einen Ausgang, eine Heilung gibt: der Untergang Aller, und der Rest «st Schweigen. B-t Hamlet-Fiala nehmen wir unmittelbar wahr, wie sich des Gedankens Blässe allen Entschließungen anhastet und bas Lebens- rnark hinwegzehrt. Von Anfang b;s zu Ende war die Darstellung des Herrn Ftala eine schöne und edl-, wir gebrauchen diese beiden Beziehungen mit allem Nachdruck aber am wohlsten fühlte er sich dann, wenn er seinem warmblütigen Temperament dir Zügel schießen lassen konnte. Dem entsprechend gelang ihm weitaus am besten die -rotze Scene mit seiner Mutter. Der Gast wurde nach jeder Scene mit spontanem Bei­fall und Hervorruf geehrt.

Fräulein Kohrs en I. fanb für die überaus schwierige Wahnsinnsscene die richtigen Töne. König und Königin waren in den bewährten Händen des Herrn Muff und Fräulein Pögnrr I. Der Geist fand durchHerrn Schreiner eine wohl- gelungene Wiedergabe. Herr Rickelt wußte zwischen den beiden Seiten der Polonius- Natur (Hofmann und HanSwurft) geschickt zu vermitteln. Herr Schönwasser bildete als feuriger Laertes den richtigen Gegensatz zum unentschlossenen Hamlet und Hatto auch jenen Zug der Unaufrichtigkeit, welcher mit dem offenen, arglosen Wesen des Prinzen wirksam contraftkt Die Maske, in der Herr Schölermann als Schau­spieler erschten, war sehr glücklich gewählt. Alle andern Partien waren ausreichend besetzt. Vortrefflich war mit Rücksicht auf unsere Bühnenverhältnisse die Jnscenirung.

Gießen, 31. März. OberamtSrtchter W. Hofmann von Altenstadt wurde zum OberamtSrichter bei dem Amtsgericht Ntdda, Amtsrichter Dr. Carl Arnold zu Groß- Gerau zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Altenstadt und GerichtSaccesfist Eduard Wetdig auS Gießen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Schotten Ernannt.

Gießen, 31. März. Schwurgerichtsverhandlung am 27., 28. und 29. d. Mts. gegen Wilhelm Heyer II. und 16 Genossen von Wölfersheim wegen LandftiedmSbruchS.

Dieselben waren beschuldigt:

1. daß in der Nacht vom 24. zum 25. November 1883 zu Wölfersheim sich eine Menschenmenge öffentlich zusamrnenaerottet und mit oeremten Kräften Gcwaltthätigkeiten gegen Personen und Sachen verübt hat:

2. daß die 17 Ang-schuldigteu an dieser Zusammenrottung theilgenommen und zwar Wilhelm Heyer II. als Rädelsführer und daß ferner bei derselben Heinrich Berg Gewaltthätigkeiten an Personen und Sachen und Heinrich Ries unv Johs. Kronenberger Gewaltthätigkeiten an Sachen begangen Haden. Die Geschworene« verneinten Die an dieselben gerichteten Schuldfragen, in Folge deffen sämmtliche Angeschuldigten von Strafen und Kosten freigesprochen wurden.

Vermischtes.

Frankfurt a. M., 30. Marz. Heute um 2 Uhr versammelten sich im Zoolo­gischen Garten-Saale die Vertrauensmänner der deutschen freisinnigen Partei aus den Großh. hessischen und heffen-nassauischen Wahlkreisen, um sich über die Wahlen in den einzelnen Kreisen zu verständigen. Diese vertrauliche Besprechung wurde von einem Polizeicommissär tn voller Uniform überwacht. Um 41/* Uhr begann das Banket im großen Saale des Zoologischen Gartens, an welchem gegen 450 Herren theilnahmen. Herr Eugen Richter wurde bet seinem Eintritt tn den Saal von lebhaftem Applaus empfangen, ebenso die später eintretenden Herren Hänel und Rickert. Nach einer kurzen Absprache des Herrn Dr. Cnyrim, worin er die Anwesenden und namentlich auch die drei Reichstags-Abgeordneten willkommen hieß, ergriff Herr Dr. Hänel das Wort. Er fühle sich in Frankfurt, sobald er als Politiker hierherkomme, schon heimisch, da er im Parlament von 1848 seine politische Erziehung genoffen. Man könne jenen später so verunglimpften Männern nicht dankbar genug sein, denn nur ihren Vorarbeiten sei es zu verdanken, daß Deutschland nun einen gemeinsamen Boden habe, auf welchem für das Werk der freiheitlichen Entwickelung gewirkt werden könne. Er bringe diesen Dank auö, indem er rufe: Hoch lebe der deutsche Kaiser und das deutsche Reich! Alle stimmten in den Ruf ein, worauf zwei Verse eines Gedichts von Albert Träger nach der MelodieDeutschland, Deutschland über Alles" im Chor gesungen wurden. Mit lang anhaltendem Applaus empfangen, toastirte Herr Reichstagsabgeordneter Eugen Richter auf die deutsche freisinnige Partei. Stürmischer Beifall folgte dieser Rede, wonach das Gedicht Trägers zu Ende gesungen wurde. Rickert toastirte auf die Wähler in Stadt und Land.

ImHotel Jacobi" tagte heute eine aus allen Theilen des Großherzogthums Hessen besuchte, ca. 70 Theilnehmer zählende Versammlung von Vertrauensmännern der hessischen deutsch-freisinnigen Partei. Zunächst wurde darüber discutirt, ob ein Programm für die Landtagswahlen aufgestellt werden solle und diese Frage einstimmig bejaht, der vorgklegte Programm-Entwurf dagegen auf Wunsch der Delegirten von Gießen, Offenbach und Bingen zu nochmaliger gründlicher Beratung in den einzelnen Vereinen zurückgegeben. Es wurde beschlossen, auf Anfang Mai eine Landes-Ver­sammlung auf breitester Basis nach Offenbach einzuberufen. Die vöthigen Vorarbeiten für die Aufstellung eines Programms sollen unter Beifügung der Motive durch den Darmstädter Verein geschehen. Für dieselbe Versammlung wurde die Besprechung der Frage, welche Stellung man bezüglich der Landtagswahr zu nehmen habe, zurückgestrllt. Hingegen kam die Organisation der Partei zur Besprechung, und wurde allen Partei- genoffm aufs Wärmste an8 Herz gelegt, tn den einzelnen Orten Vereine ins Leben zu rufen unb für freisinnige Wahlen zu wirken. Drn Vorsitz führten die Herren Büchner-Darmstadt und Georgi-Gießen. (F. Z.)

HarrdeL A«d Bevikedr.

Grünberg, 29. März. (Fruchtpresse.) Weizen A 19.10, Korn Jt 16.90, Gerste 15.40, Hafer 16.50, Erbten M. 18.40, Linsen JL 18.00, Lein JL 28.00, Samen JL 32.00, Kartoffeln «tL 4.10, Wicken 20.80.

Frankfurt, 29. März. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu «/& 3.203.60, Stroh 2.803.20, Eier das Hundert JL 4505.00, Butter 1. Qualität 1.20, 2. Qualität X 1.30, Kartoffeln per Centner JL 2.002.25, Kohlrabi 5-6H per Stück, Erbsen 100Kgr. 2027 Jt, Rothkraut per St. 2025 X Poularden 00, Huhn 1.502.20, 1 Ente 3.004.00, 1 Taube 6070 H Hahn 1.70-2.00, Gans <AL. 0-0,00, Welsche 7-12

gefl. Beschtursg.

Schriftliche Anfragen wegen Ariskunstserthetbung über Inserate rc. können ww nur dann beantworten, wenn denselben eine Freffn6>rte für die Rückantwort beigelegt ist. lieber Inserate bezüglich deren Offerten einzureeLeu sind, ist die ^rp-dsti,.-n zu keinerlei Auskunftsertheilungen beflißt. Offertenbriese sind soweit k^intz bestimmten oe-s.entb''ilioev Al>nwchnna-'N aetroff-n wurden in d?r c-<rnedstwn

Kepertoir der vereinigten Ltadttheater;u Frankfurt a. M.

Opernhaus.

Dienstag den 1. Avrll: Die Meistersinger.

Mittwoch den 2. April geschloffen.

Donnerstag drn 3. April: Fidelio.

Freitag den 4. April: Vorstellung bet ermäßigten Preisen: Der Ratten­fänger von Hameln- Außer Abonnement.

Samstag den 5. April: Zum ersten Male: Covpelia. Ballet in 2 Akten von Deliber. Vorher: Versprechen hinrerm Herd.

Sonntag den 6. April: Die Jüdin.

Dienstag den 1. April: Neu etnstudtrt: Die Fourchambault.

Mittwoch den 2. April: Der Blitz.

Donnerstag den 3. April geschloffen.

Freitag ben 4. April: Doctor Klaus.

Samstag den 5. April: Die Rantzau.

Sonntag den 6. April: Die Fourchambault.

Kirchliche Anzeigen der evanget. Gemeinde.

Heute, Montag, Abends 8 Uhr in der Kleinkinderschule: Letzte Bibel- e im Winterhalbjahr, Apostelgesch. 10, 2348, Pfarrer Dr. Naumann.

gemeiner Anzeiger.

Vorbereitungs-Institut ju Gießen.

Planmässige und gründliche Vorbereitung für alle Arten Militär-, specielle Finanz- und Geometer-Examina, für den kaufmännischen Beruf, sowie behufs Aufnahme in Gymnasien, Real-, polytechnische und sonstige höhere Schulen.

Für Geschäftsleute, welche sich für ihren Beruf oder ein Examen vorbereiten wollen, an den gewöhnlichen Cursusstunden Iheilzunehmen aber Gehindert sind, ist ein Abend-Cursus eingerichtet.

Beginn des Sommer-Semesters am 21. April.

Der Vorsteher: Dr. Kübel) 2316 Bahnhofstrasse 45.

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Ich wohne nun bei Herrn Kaufmann Hein, am Kreuz, m. Stock.

Die Zahltage bleiben, wie seither, Dienötag, Donnerstag und Freitag, Vormittags von 8-12 Uhr.

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