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Mx 78. Dienstag den I. April 188L.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bitte*»t Schulstraße 7.
Erscheint tLMch mit Ausnahme des MonlagS.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Deutschland.
Darmstadt, 29. März. Wegen des Ablebens Sr. König!. Hoheit des Prinzen Leopold von Großbritannien und Irland, Herzog« von Albanu ist aus Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom Heutigen bis em- fchließlich den 25. April L Js. verordnet und in Folge dessen die Hochzeit des Prinzen von Battenberg und der Prinzessin Victoria verschoben worden
— Das Großh. Regierungsblatt Nr. 6 enthalt die Allerhöchste Berord- nuna die Prüfungen für einige Stellen des niederen Verwaltungsdienstes betr.
' _ Se. Königl. Hoheit der Großherzog wohnten gestern der Plenarsitzung des Großh. Staatsmlnisteriums bei.
Darmstadt, 28. März. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 5) enthält: ......
1 Verzeichnis der Vorlesungen, Hebungen und Praktika, welche im Sommer-Semester 1884 in den 6 Fachabtheilungen der Großherzoglichen technischen Hochschule zu Darmstadt gehalten werden. . .
2 Hebersicht der für das Jahr 1884/85 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal- Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Dieburg.
3 . Hebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1884,85 zur Erhebung genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal - Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Büd^n^"^bbersicht der für das Rechnungsjahr 1884/85 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal. Bedürfnissen der israelitischen Religions - Gemeinden des Kreises Schotten.
5. Concurrenzeröffnungen: , _ . o, nrr
Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bernsfeld mit einem Gehalt von 900 mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Osthofen mit einem Gehalt von 1000 M. An der gemeinsamen Musterschule zu Friedberg eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle mit einem Anfangsgehalt von loOOX, von 5 iu 5 Jahren steigend bis zu 1600 -vit. jährlich. Zwei Lehrerstellen an^ der evang. Schule zu Vilbel mit einem Anfangsgehalt von je,1000 X, von o zu 5 Jahren steigend bis zu 1600 JL jährlich. Eine mit einem fatlj. Sdjrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ockstadt mit einem Gehalt von 900 M. Das Concurrenz-Ausschreiben Nr. 7 in Beilage 3 des Großh. Regierungsblattes von 1884 wird hiermit zurückgezogen.
—1. Darmstadt, 30. März. tErste Kammer der Landstände.j Der,Manz- Ausschuß der etilen Kammer hat noch dem jetzt tm Druck vorliegenden Bericht M>er die Necommunication der zweiten Kammer in Betreff der Steuergesetze bei sümmtttchen f>auvtdifserenrounkten nicht nachgegeben und nur bet der allgemeinen Einkommensteuer dem'Beschlüsse zweiter Kammer htnnetgend beantragt Ebenso verhält sich der Ausschuß ablehnend in Bezug auf den von der zweiten Kammer mit großer Majorität beschlossenen Passus, daß vie Gesetze über die allgemeine Einkommensteuer und die Kapitalrentenfteuer ein untrennbares Ganze bilden und' daher eines ohne daS andere nicht in Kraft treten darf, da er wohl einsah, daß bei den allzu großen Differenzen eine Einigung über die Einkommensteuer nicht wohl tm Bereiche der Möglichkeit liegt- c ,
Dagegen wird von demselben Ausschuß der Gesetzentwurf, die Eisenbahn«« von localem Interesse und die Straßenbahnen betr., sowie d>e Vorlage der Neuerung über die Herstellung mehrerer Nebenbahnen gemäß den Beschlüssen zweiter Kammer zur Erledigung vorgeschlagen, wie auch beantragt wird, die übrigen Anträge und Ersuchen um Erbauung solcher Bahnen tm Sinne des Beschlusses zweiter Kammer der Regierung mit dem Ersuchen zu übergeben, die bezeichneten Bahnproj'cte einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen und je nach dem Ergebniß derselben eventuell dem nächsten Landtage Vorlage zu machen-
Berlin, 29. März. Se. Maj. der Kaiser, empfing heute Vormittag die 10 türkischen Osficiere, welche verschiedenen preußischen Regimentern zur Dienst-' leistung zugetheilt sind, unter Führung ihres bisherigen Jnstructeurs, Oberst v. Elpons. t L . » ,
— Das Abgeordnetenhaus setzte die zweite Lesung der Jagdordnung Jort und erledigte dieselbe bis einschließlich Titel „Ersatz des Wildschadens" (§ 71a) zum größten Theil nach den Vorschlägen der Commission. Der Minister Lucius trat hierbei wiederholt für die Regierungsvorlage ein. Die Berathung des Titels: „Verhütung des Wildschadens" (§ 62 bis 71) wurde auf Antrag des Abg. Windthorst ausgesetzt. Die Fortsetzung der Berathung findet Montag statt.
— Die „Nordv. Allg. Ztg." äußert in Betreff des von dem Stadtverordneten Singer gestellten Antrages, daß die Stadtverordneten wegen einer Vermehrung der Abgeordneten Berlins zum Reichstage und Landtage petitio- niren möchten: die Stadtverordneten würden offenbar ihre Besugniffe überschreiten, wenn sie in die Berathung dieses Antrages eintreten wollten, da die städtische Vertretung sich nach der Städteordnung aus eigener Initiative nur mit Gemeinde-Angelegenheiten als solchen zu besaffen habe. Wie die „Rordo. Allg. gtß." hört, hat der Oberprästdent Achenbach Maßregeln getroffen, daß jedem "Versuche, über den Singer'schen Antrag zu verhandeln, entgegengetreten wird.
Berlin, 29. Marz. Die Unsallverficherungs-Commisfion nahm heute den Antrag Buhl und Genossen an, welcher die Versicherung aus Bauarbeiter, sowie auf Betriebe, in denen Explosivstoffe gewerbsmäßig erzeugt oder verwendet
werden, autzdehnt. Die Ausdehnung der Versicherung auf land- und forstwirth. schastliche Arbeiter wurde abgelehnt.
— Fürst Orloff ist heute Abend in Begleitung des Botschaftsraths Mura- wieff über Brüssel nach Paris abgereist.
Swinemünde, 29. März. Die hier erbaute chinesische Panzercorvette „Chen Duen" ist mit dem Gesandten Lisongpao an Bord heute früh nach Eckernförde abgegangen, um Probefahrten abzuhalten.
Dänemark.
Kopenhagen, 29. März. Der bisherige Gesandte in Petersburg, Kammerherr v. Bind, ist zum Gesandten in Berlin ernannt worden. Bis zum Eintreffen desselben in Berlin fungirt der dortige dänische Legationssecretar, Baron v. Gyldenkrone, als Geschäftsträger. ,
— Der Handelsvertrag zwischen Dänemark und Spanien ist von dem Minister des Auswärtigen und dem hiesigen spanischen Gesandten unterzeichnet worden.
Verwegen.
Christiarria, 29. März. Das Reichsgericht hat heute den Staatsrath Johansen, auf den sich der erste Punkt der Ministeranklage nicht mit erstreckt, zu einer Geldstrafe von 8000 Kronen und zu den Proceßkosten im Betrage von 200 Kronen verurteilt.
England.
London, 28. März. Das Unterhaus nahm mit 208 gegen 197 Stimmen einen Antrag Pell's auf Herbeiführung einer Erleichterung der localen Steuern an. Die Regierung hatte den Antrag bekämpft mit der Erklärung, daß diese Frage von derjenigen der localen Verwaltung nicht getrennt werden könne. Ueber letztere bereite die Negierung einen Antrag vor, welcher bei günstiger Gelegenheit eingebracht werden solle.
London, 29. März. Das Hmsche.den des Herzogs von Albany hat hier und in den Provinzen tiefe Trauer hervorgerufen; von allen Seiten gehen iBetleib8beaeu6» unaen ein voll größter Sympathie für die Königin und die königliche Familie. Die Kaiserin Eugenie traf gestern Nachmittag in Windsor ein, wo sie von der Königin empfangen wurde und einige Stunden verblieb. Nach Mittheilung der Kaiserin an einige hochgestellte Persönlichkeiten erträgt die Königin den schweren Schlag mit wunderbarer Stärke. Gestern Abend traf auch der Prinz von Wales in Windsor ein; derselbe wird sich voraussichtlich heute nach Cannes begeben. Die Herzogin von Albany, welche die Trauerkunde von der Prinzessin Christian erhielt, ist vollständig gebrochen.
— Der Hofmeister der Königin, Sir John Cowell, ist auf Befehl der Königin Abends nach Cannes abgereist, um die Leiche des Herzogs nach Windsor über- zuführen. von Wales reist heute Abend nach Cannes ab, um die Leiche des
Herzogs von Albany abzuholen. _ „ .. „ . .
v Hof, Heer und Marine ist Trauer vom 30. Marz biS 11. Mai und
allgemeine Landestrauer von drei Wochen ist vom 30. März ab angeordnet worden.
— Sämmtliche Morgenzeitungcn erscheinen mit Trauerrand und enthalten Artikel, in welchen die Verdienste des verstorbenen Herzogs von Albany hervorgehoben werden und daS tiefste Bedauern über seinen Tod, sowie die Sympathie für die Königin und die königliche Familie auSgedrückt wtrb-
— Ein der „Times" aus Cannes zugegangenes Telegramm von gestern v^- richtet, daß der Herzog bei dem Treppensteigen im „Cercle nautique" ttel, w^ei er sich das Knie verletzte. Nach Hause und zu Bette gebracht, empfand er keine Schmerzen. Er nahm ein leichtes Souper ein, worauf er einschlief. Um 2Vr Uhr Morgen« wurde der Arzt, welcher in demselben Zimmer schlief, durch ein schweres Athemholen des Herzogs geweckt; er fand ihn in einem Krampfanfall. Secks Minuten spater erfolgte der Tod. Die Todesursache ist muthmaßlich eine Blutergießung in s Gehirn.
Italien.
Rom, 29. März. Gelegentlich der Ernennung der beiden neuen Cardinüle erinnerte der Papst an seine bei jedem neuen Angriff auf die Rechte des Papstthums formulirten Proteste, er sagte, man schreite auf der Bahn dieser Angriffe vorwärts mtd suche durch alle erdenklichen Mittel, sich im Besitze Roms zu befestigen. Er verurtheile Alles, was zum Nachtheil der Kirche unternommen worden sei, er wolle alle Reckte derselben nicht aus Ehrgeiz, sondern seiner Pflicht gemäß vertheidigen. Er sei einem wandelbaren unsichtbaren Schiedsgericht preisgegeben, wie beispielsweise in der Angelegenheit der Propaganda. Er sehe noch ernstere Heimsuchungen voraus, sei aber bereit, dieselben zu ertragen- Die Feinde des Papstthums hatten geschworen, dasselbe womöglich 8Utn_ ^e^re^n9^ wurde in Ischia eine leichte Erderschütterung wahrgenommen; sie verursachte feinen Schaden. Die anfangs erschreckte Bevölkerung bes ruhigte^sich^baw wieder.^^ blautet nichts Neues- „Stampa" bementtrt alle Be- bauptungen betreffs Aenderunaen des Rcgterungsprogramms.
— Die Quarantäne für egyptff-be Provenienzen wurde heute aufgehoben.
Ausland.
Petersburg, 29. März. Die Blätter-Nachrichten über angebliche Ruhestörungen in Kiew erweisen sich nach wiederholten Anfragen als unbegründet; es handelt sich zweifellos um eine Reproduction der bereits am 24. und 25. März hier kursirenden Gerüchte, welche schon damals von authentischer Seite als unrichtig bezeichnet wurden.
Amerika.
Cincinnati, 28. März. In Folge eines sehr milden Erkenntnisses in einem Mordprocesse sammelte sich ein Volkshaufen um das hiesige Gesängniß, in welchem noch mehrere des Mordes Angeklagte inhaftirt waren, so daß zur Verhütung weiterer Ausschreitungen Militär requirirt werden mußte. Dasselbe machte von den Waffen Gebrauch, wobei mehrere Tumultuanten gelobtet wurden.


