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Nchsten Lichte erscheinen lasten. Verschiedene Commissionen sind zur Untersuchung derselben eingesetzt worden und haben die merkwürdigsten, unglaublichsten Dinge zu Tage gefördert. Alle äußeren Fortschritte des russischen Riesenreiches, wie süngst die Annexion von Merw, können diese innerlichen Schäden nicht wett machen.

Die Attentats-Affaire bei Corneto in Mittel-Italien ist zwar noch immer nicht vollständig aufgeklärt, doch steht so viel fest, daß es sich um keinen Attentatsversuch gegen König Humbert gehandelt hat.

In den Madrider politischen Kreisen bespricht man eifrig die Unterredung, welche Emlle Castelar, der Führer der spanischen Intransigenten, jüngst mit dem Ministerpräsidenten Canovas del Castillo gehabt hat. Man schließt hieraus, daß bei den bevorstehenden Neuwahlen zu den Cortes die In­transigenten das conservative Ministerium Castillo unterstützen werden, was allerdings sonderbar genug wäre.

Nach den neuesten Nachrichten aus Egypten steht der Entschei- dungskampf zwischen den englischen Truppen und den Reiterschaaren Osman Digma's unmittelbar bevor. Derselbe wird vermuthlich bei demselben Orte El Teb, halbwegs zwischen Trinkitat und Tokar, stattfinden, wo Baker Pascha seine furchtbare Niederlage erlitten hat. Osman Digma soll hierbei mit -3500 Mann lagern und sind die Engländer gegen ihn von Trinkitat aus im Anmarsch. ___________

Telegraphische Depeschen.

WoM's telrgr. SorresNsndem-GrrLsaV.

Berlin, 28. Februar. Das Abgeordnetenhaus nahm heute den Gesetz­entwurf, betr. den Zinsfuß der Staatsschuldverschreibungen, in dritter Lesung und den Nachtragsetat in zweiter Lesung an. Hierauf wurden eine Reihe von Wahlprüsungen/sowie mehrere auf die Eisenbahnverwaltung bezügliche Berichte erledigt. Die nächste Sitzung findet Montag statt.

DieNordd. Allg. Ztg." reproducirt einen Artikel desNew-York Herald", welcher sich gegen die Kundgebung Mr. Ochiltere'S im Congresse für Lasker, resp. gegen deren officielle Uebermittelung, auf diplomatischem Wege ausspricht.

Der Prinz August von Württemberg ist zum russischen General- Feldmarschall ernannt worden; diese Ernennung wurde demselben gestern durch den Militärbevollmächtigten Fürsten Dolgorucki überbracht.

Wien, 28. Februar. Heute Nachmittag wurde in der Blindengasie, Josesstadt, ein Socialist verhaftet. Er suchte zu flüchten und gab während der Flucht zwölf Schüffe ab. Ein Wachmann wurde schwer, zwei wurden leicht verwundet.

Triest, 28. Februar. Der LloyddampferFlora" ist am 26. Februar, Abends, im Kanäle von Chios in gefährlicher Position aufgefahren. Die Ret­tung wurde schleunigst veranlaßt. Die Pasiagiere und die Bemannung sind außer Gefahr.

Paris, 28. Februar. Tricou ist zum Commandeur der Ehrenlegion ernannt. Eine Depesche aus Haiphong von heute meldet, daß die Franzosen kampflos Pagode am Zusammenfluffe Songeans und des Stromschnell-Kanals, besetzten.

London, 28. Februar. In dem Gepäckraum des Bahnhofs von Cha^ng-Cr^u wurde tn vergangener Nacht eine Kiste vorgefuvden, tu welcher man Dynamit ver- muthete. Die Polizei ließ die Kiste zur Untersuchung nach Woolwich schaffen und sind dabei in derselben 20 Pfund Dynamit gesunden worden.

Die im Gepäckraum des Bahnhofs von Charing°Croß aufgesundene Kiste mit Dynamit war, wie sich bei der Untersuchung in Woolwich herausstellte, auch mit einer Maschine amerikanischen Ursprungs zur Entzündung des Dynamit versehen. Die Beamten in Woolwicb ließen einen Theil des in der Kiste gefundenen Sprengstoffs explodiren, die Explosion war eine äußerst heftige. Das Dynamit und die Maschine fanden sich in der Kiste unter Gebrauchsgegenständen versteckt.

Unterhaus. Harcourt bestätigt die Entdeckung einer Höllenmaschine im Charing-Croß-Babnhos. Es seien auch andere Höllenmaschinen an der großen West­bahn entdeckt. Diese Maschinen seien mit der, welche am Victoria - Bahnhofe explodirte, von gleicher Construction. Das darin benutzte Dynamit ist amerikanische Fabrikation.

Globe" erfährt, daß das Kriegsministerium und die Admiralität Nach­mittags Meldungen erhielten über ein heute zwischen den Truppen Grahams und den Aufständischen bet Trinkitat stattgehabtes Gefecht, wobei die Aufständischen geschlagen wurden.

Im Gepäckraum des Bahnhofs Paddington ist heute ebenfalls ein Felleisen aufgefunden worden, welches über 20 Pfund Dynamit und eine amerikanische Maschine zur Entzündung enthielt.

Christiarria, 28. Februar. Im Odelsthing wurde heute von sämmtlichen con- servativen Mitgliedern desselben, 31 an der Zahl, eine schriftliche Erklärung des In­halts überreicht, daß den Staatsgewalten bte denselben im Grundgesetze eingeräumte Stellung und die denselben darin zugewtesenen Funktionen durch Urtheil des Reichs­gerichts nicht abgesprochen werden könnten.

Rom, 28. Februar. Der Papst empfing heute Schlözer, welcher an­läßlich des Jahrestages der Papstwahl seine Glückwünsche überbrachte.

Das Zuchtpolizeigericht hat 7 Personen, welche überführt sind, an dem Jahrestag? der Hinrichtung Oberdank's dessen Testament theils auf der Straße als Plakat verbreitet, theils in den Parlaments-Saal geworfen zu haben, zu einer Gefängnißstrafe bis zu 6 Monaten und 150 Frcs. Geldbuße verurthellt.

Petersburg, 28. Februar. DieNeue Seit* bringt anläßlich des gestrigen Tages einen Attettl über die in der Geschichte ohne Beispiel dastehende Waffenbrüder­schaft zwischen Rußland und Deutschland. In demselben wird zugleich der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die von dem Kaiser Wilhelm aufrichtig gepflegten und von Rußland ebenso aufrichtig getheilten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland künftig als gutes, rettendes Memento für beide Staaten zu jeder Zeit dienen würden.

Kairo, 28. Februar. Zwei egyptische Bataillone, deren Osficiere Engländer sind, sind heute früh nach Assuan abgegangen.

Von General Graham sind keine weiteren Nachrichten eingegangen, bis aus ein Telegramm, in welchem er 73 Eingeborene als Führer verlangt zum Ersatz der befertirten. An General Graham sind Instructionen gesanbt worben, in welchen uneber- bolt wird, baß er Vollmacht habe, barüber zu entscheiden, ob der Vormarsch gegen Tokar und ein Engagement mit dem Feinde stattfinden solle oder nicht. Die englische Reg'erung ihrerseits habe nicht die Absicht, die militärischen Operationen weiter aus- zudehnen, da dieselben überhaupt nur den Zweck hätten, Suakim gegen einen Angriff zu vertbetdigen.

Washington, 28. Februar. Nach einer Mittheilung derPost" hat sich der amerikanische Münzdtrector in Betreff der wegen einer Golddemonestirung gehegten Be­sorgnisse dahin ausgesprochen, daß der Goldbestand während der ersten 6 Monate des lausenden Finanzjahres sich um 25 Millionen Dollars vermehrt habe und daß eine weitere Vermehrung von 10 Millionen im Laufe des gegenwärtigen Halbjahres zu er­warten stehe. Selbst wenn die Vereinigten Staaten von jetzt bis zum 1. Juli b. I- 30 Millionen verlieren sollten, würbe baher immer noch mehr Gold im Lande sein, als bet Beginn des dermaltgen Ftnanzjahres, Der Goldbestand der Veretnigten Staaten

betragt mehr als 600 Millionen Dollar-, sei also noch einmal so groß, als vor der. letzten Suspendirung der Baarzahlung.

L o kH e s.

Gießen, 29. Februar. Die mündliche Prüfung der Abiturienten detz Gymnasiums wird am 14. März, die der Realschule am 15. März staNfinden. Die jchnstttcherr Prüfunasarbetten sind an beiden Lehranstalten beendet.

XXX Das hier zu errichtende Liebig-Denkmal wird nicht dem im vorigem Jahre zu München ausgestellten Denkmale völlig gleichen; vielmebr 'Wb eine neue, dem jugendlichen Alter deS in Gießen wirkenden Gelehrten entsprechende Statue ge­fertigt werden. Aus den stiner Zeit für diesen Zweck gesammelten Mitteln.sind, wio wir hören, noch etwa 75,000 JL disponibel.

Gießen, 29. Februar. (T Heaters Am nächsten Sonntag, den 2. März, wird bte KinverkomödieDer Binsenmichel" gegeben werden. Die reizenden Görner'sÄen Märchen-Komödien find allbekannt; sie eignen sich auch zu Darstellungen, in Schulen und Pensionaten. Dis beutsche Märchenwelt, die Görner so schön wieder- spiegelt, ist so reich und anregend und wirkt so wohlthättg auf das Herz und die Phantasie der Kinder, daß sie gerade tn unserer Zeit dem materiellen Hochdruck ein Gemüths-Gegengewicht bietet. Wir können diese Vorstellung den Kleinen und Großen um so wärmer empfehlen, als auf eine würdige Ausstattung durch neue Costüme und Drcorattonm die größte Sorgfalt verwendet ist. Die begleitende melodramatische Musik ist von Herrn Capellmeister Searle geschrieben, bte Titelrolle fp.elt die den Theater­besuchern schon aufs vorrheilhasteste bekannte kleine Emma Hofmann, Tochter des Skcretärs und Cassirers Herrn Hofmann, unter dessen Leitung das Stück in Scene gehen wird.

Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Direction des Theaters die Operette Der Bettelstudent- im Saalbau von Darmstadt ausmsühren.

' Vermischtes.

Darmstadt, 26. Februar. DenBlättern für christliche Diakonie" entnehmen wir folgende Notizen über die immer mehr und mehr sich ausdreitende gesegnete Thätig- feit deg hiesigen Elisadeth.'nstistS. Die Zahl der Diakonissinnen, welche sich Mehrere Jahre unter Schwankungen um 70 bis 72 bewegt hattt, wuchs im Laufe der letzt- verflossenen 10 Jahre auf 130, obwohl 11 ihrer tn dieser Z^it (im Ganzen seit dem 25jährigen Bestehen des Hauses 16) durch den frühen Tod heimgerufen wurden. Die Zahl der auswärts ftattonirten Schwestern wuchs von 48 aus 100. Das ge­lammte Arbeitsgebiet der Anstalt ist gegenwärtig wie folgt vertheilt: Darmstadt: 1. Das Mutterhaus mit Krankenstation, Waisenhaus, Privat- und Armenpflege, 2. das städtische Hospital (14 Schwestern), 3. das Landkrankenhans (3 Schwestern). Bessungev- Kleinkinderschule (1 Sckw ), Gemeindepflege (1 Schw). Arheilgen: Klemkmderschule (2 Schw ) Erbach: Krankenhaus (1 Schw ), Kleinkinderschule (1 L>chw.) Michel­stadt: Kleinkinderschule (1 Schw ). Schönberg: Kleinkinderschule (1 Schw.). Worms Hospital (5 Schw), Verforaungshaus (2 Schw.), GemeinbkkrankLnpflege (4 Schw.). Homburg: Krankenhaus (2 >L>chw.), Gemeindepflege und Industrieschule (1 Schw.). Kleinkinderschule (3 Schw.). Groß-Karben: Gemeindepflege (1 Schw.). Friedberg: Hospital (3 Schw.), Gemeindtpflege (1 Schw.). NLeder-Gusel: Johannittrkranken- haus (3 Schw.). Nauheim: Eurhoöpttel (2 Schw), Kinderheilanstalt Elffabethen- haus (3 Schw ). Gießen: Universi'ätsklinik (14 Schw.) Gemetndepflege und Krippe (5 Schw.) Lich: Hospital (1 Schw ), Gememdepflege (1 Schw ). Kloster Arnsburg: Mädchenrettungöhaus (4 Schw.) Laubach: Johann-Friedrichstfft (2 Schm.) Klein­kinderschule (1 Schw.). Gedern: Stechenbaus und Gemeindepflege (1 Schw.). Büdingen : Mathrlden-Hosprtal (2 Schw.). Schlitz: Hospital (2 Schw.), Gemeinde- pflege (1 Schw ). Kleinkinderschule (1 Schw.). Lauterbach: Krank nhaus (1 Schw.), Gemeindepflege (1 Schw.). London: das deutsche Hospital und Reconoalescentenhaus (10 Sckw.).

Marburg, 27. Februar. Gestern fand im neuen Schlachthaus das erste Probeschlachten statt. E'.n stattlicher Ochse, mit Blumen und Baadern geschmückt war als Schlachiopfer ausersehen; die Einrichtungen des neuen Haufts bewährten sich vollständig und wurden von bm anwesenden Sachverständigen lodend anerkannt. Auch ein zahlreiches Publikum wohnte dem Akte bei.

Stuttgart, 26. Februar, lieber den Schauplatz des hier verübten Verbrechens berichtet dasN. St. T-":Das Haus ist ein dreistöckiges, das nur einen, nämlich den gemeinschaftlichen Eingang zur Hausflur des Parterres hat, links befinden sich 3 große Schaufenster des Ladens, zu welchem eine Thüre von der Hausflur aus links hineinsührt. Im Laden steht der Tisch, so baß der ©intretenbe denselben zur Linken hat und der die Kunden Bedienende mit dem Rücken gegen die Schaufenster, on welchen zur Zeit ber That die Läden schon geschlossen waren, hinter dem Tisch steht. Um zu den Kleidern und zum Magazin zu gelangen, muß nun der Verkäufer hinter dem Tisch vortreten, und dies muß Reinhardt am Samstag gethan haben, denn der Leichnam lag vor dem Ladentisch. Bezüglich der Wunden ist durch die Section constatirt, daß die Stirnwunde über dem linken Auge, durch einen Schlag mit einem Beil ober ähnlichen Werkzeug beigebracht, schon an und für sich tödtlich war, denn sie burchdringt bie Schädelbecke und legt unter Verletzung des Gehirns einen größeren Theil desselben bloß. Nach dem Bluterguß aus her Halswunde tft mit ziemlicher Sicherheit constatirt, daß jener Schlag, durch welchen Reinhardt 'gefällt wurde, vor dem Durchschneiden der Kehle versetzt worden sein muß. Ein Paar Hosen lag neben dem Leichnam. Alles Wettere, was über b*e Situation gesagt wird, in welcher Rein­hardt überrascht worden rc., gehört lediglich dem Gebiet bet Vermuthung an, da I Näheres vorerst absolut richt sestgestellt ist, auch vom Thäter noch feine greifbare Spur sich gezeigt hat. Reinhardt selbst scheint übrigens in letzter Zeit sich nicht ganz sicher gefühlt zu haben, denn er äußerte einem Bekannten gegenüber:Auf mich schein: man es abgesehen zu haben!" Nachdem nämlich schon vor längerer Zett ein Indivi­duum einen Einbruch bei ihm verübt hatte, fand vor einen Tagen Nachts abermals ein Versuch hiezu statt, wie sich daraus ergab, daß Reinhardt am Morgen Streich­hölzchen im Schlüsselloch der Ladertthüre fand, so daß dieselbe nicht geöffnet werden konnte, und daß an dieser Thüre Bohroersuche gemacht waren."

731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige In ein», oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht gehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von rn

Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) nuvor Auskunft einiordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath erfheilt

MvchZiche Arrzergen dee St^dt Gießen. Evangelische G e m ein de.

. Gottesdienst.

Sonntag, den 2. März (Jnvokavil).

Vormittags 9!/? Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Nachmittags 5 Uhr: Pfcn-rer Schlosser.

Beichte und Abendmahl im Abendgottesdienst.

Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Montag, den 3. März, Abends 8 Uhr, in der Kleinlinderschule:

Bibel stunde, Apostelgesch. 9, 119, Pfarrer Dr. Nauman n.

Mittwoch, den 5. März, Abends 6 Uhr, 2. Passionswochengottes­dienst. Pfarrer Schlosser.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 2. bis 8. März besorgt: Pfarrer

Dingeldey.

Katholische Gemeinde.

1- Fastensonntag.

(Invocabit.)

Von 7 Uhr an: Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Commu- nion. 1/210 Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Fastenandacht.

Freitag um 6 Uhr: Fastenandacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 5?« Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Wr Samstag Abend 625 Uhr.

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