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Samstag den 1 März

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Wnrearrr Schulstraße 7.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

eine besondere Bedeutung, als sich an ihren Ausfall die Existenz des gegen­wärtigen liberalen Cabinets Tisza knüpft. Die Niederlage desielben im unga­rischen Oberhause in Sachen des Mischehen-Gesetzes hat bewiesen, daß in Ungarn eme mächtige conservativ-klerikale Partei entstanden ist, welche durch alle Mittel aus den Sturz des Ministeriums Tisza hinsteuert und falls es ihr gelingt, im Unterhause die jetzige liberale Majorität zu zersprengen, ist dieser Sturz unver­meidlich. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die Coalition der ungarischen Feudalen, hohen Geistlichen und Antisemiten von Wien aus einen starken Rückhalt hat. Es heißt, daß zwischen dieser Coalition und der Oppo­sition im Unterhause ein Bündniß zu Stande gekommen sei, was allerdings für Herrn Tisza und feine Partei ziemlich bedenkliche Aussichten eröffnen würde.

Die französische Republik hat die wirtschaftliche Calarnität, in der sie gegenwärtig steckt, noch lange nicht überwunden. In oen großen Koh­lengruben-Districten des französischen Nordens feiern Tausende von Arbeitern und ebenso in St. Etienne, einer der bedeutendsten Industrie-Städte Frankreichs und es unterliegt keinem Zweifel, daß man es hier mit einem neuen Ausfluß der wirthschaftlichen Krisis zu thun hat. Im Norden, namentlich aber im Districte von Anzin, nimmt die Arbeiterbewegung sogar durch das Auftreten der nie fehlenden anarchistischen und revolutionären Elemente einen bedenklichen Charakter an, fo daß die Regierung an die dortigen Behörden die strictesten Befehle zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung erlassen hat Aus Tongking sind noch immer keine Nachrichten über den beabsichtigten Bormarsch des französischen Expeditions-Corps gegen Bacninh eingetroffen. In Paris sind am Montag zwei Generäle aus der napoleonischen Zeit, Schramm, welcher schon unter dem ersten Napoleon diente, und Wimpffen, verschieden. Letzterer ist namentlich dadurch bekannt, daß er nach der Verwundung Mac Mahon s in der Schlacht bei Sedan die Capttulation unterzeichnete. .

Während sich in Egypten die Situation für die Engländer immer drohender gestaltet, findet daheim das Parlament noch Zeit, sich ungeachtet des großen kritischen Moments mit allerhand Angelegenheiten zu Gefässen, dre wahr­haftig zu einer anderen Stunde erledigt werden könnten. Das Oberhaus be­schäftigte sich in den letzten Tagen vorwiegend mit der Vlehemfuhr-Bm, welche am Dienstag in dritter Lesung angenommen wurde. Das Unterhaus dagegen wurde wieder einmal durch die Bradlauyh-Affaire in Anspruch genommen; der Abg. von Northampton wurde, obwohl ihn seine Wähler mit starker Majorität wiedergewählt hatten, trotzdem abermals von den Sitzungen ausgeschlossen, da er das demüthigende Versprechen nicht geben wollte, im Hause keinen Scandal mehr zu machen merkwürdige parlamentarische Zustände! Außerdem de- schäftigte sich das Unterhaus durch zwei Sitzungen mit der Wahl eines neuen Sprechers an Stelle Dir. Brandts, welcher diesen Posten medergelegt hat. Schließlich wurde am Dienstag Arthur Peel zum Sprecher (Präsidenten) nominirt. Das allgemeine Mißbehagen in England wird noch durch eine auf dem Londoner Victoria-Bahnhofe stattgefundene Dynamit-Explosion vermehrt, welche man allgemein fenischen Händen zuschreibt.

Im Czarenreiche haben in letzter Zeit verschiedene große Betrugs. Affairen gespielt, welche nach wie vor das russische Beamtenthum im bedenk.

Politische Ueberstcht.

Gießen, 29. Februar.

Die siebzigste Wiederkehr des Tages, an welchem sich Kaiser Wilhelm im Kugelregen von Bar-sur-Aube (27. Februar 1814) durch außer­ordentliche Bravour das Kreuz des russischen St. GeorgSordens erwarb, hat bekanntlich Kaiser Alexander III. Anlaß gegeben, seinen greifen kaiserlichen Groß- Oheim in besonderer Weise auszuzeichnen. Eine Deputation, bestehend aus Rittern aller Klassen des St. Georgsordenö und einer Abtheilung des Grenadier- Regiments Kaluga, in deffen Reihen sich der damalige Prinz Wilhelm die erwähnte hohe Auszeichnung erwarb, ist am Dienstag Morgen zur Begrüßung des Kaisers in Berlin eingetroffen und wurde noch im Laufe des Tages von dem Monarchen empfangen. Der Führer der Deputation ist Großfürst Michael, welcher die russischen Streitkräfte auf dem asiatischen Kriegsschauplätze während des letzten Krieges gegen die Türkei commandirte. Hhn begleiten General Gurko, General-Gouverneur von Polen, bekannt durch seinen raschen, kühnen Uebergang über den Balkan und als Besieger Suleiman Pascha's, ferner General Graf Peter Schuwaloff, Commandeur des russischen Garde-Corps, Oberst Fürst Obolenski, Commandeur des Preobratschenski - Garde -Regiments und der Oberst des Kaluga-Regiments, v. Baranow; den Beschluß der Deputa­tion bilden 4 Officiere und Chargirte des letzteren Regiments. Am Dienstag Abend fand bei den kaiserlichen Majestäten im Resideuzschloffe der übliche große Fastnachtsball statt, zu welchem ca. 1700 Einladungen ergangen waren. Auch Großfürst Michael und die genannten hohen russischen Militärs waren zugegen.

Die zuständigen Ausschüsse des Bundesrathes haben in der ersten Hälfte dieser Woche die Berathung des Unfallversicherungs-Gesetzes be­endigt und an demselben nur unwesentliche Abänderungen vorgenommen. Da jedenfalls auch das Plenum noch im Laufe der Woche das Gesetz fertigstellen wird, so ist nicht zu bezweifeln, daß der Reichstag dasselbe bei seinem Zusam- mentritte am nächsten Donnerstag vorfindet. Auch der Entwurf über die Reform bes Actienwesens und die Novelle zu dem Gesetze, betr. die eingeschriebenen Hülfskassen, find im Bundesrathe sehr gefördert worden und dürften die betr. Vorlagen dem Reichstage ebenfalls in nächster Woche zugehen.

Bei der im Reichstags-Wahlkreise Bielefeld-Wiedenbrück für den verstorbenen Abg. Marcart, welcher der conservativen Partei angehörte, ftattgefunbenen Ersatzwahl ist der Candidat der Conservativen, Frhr. v. Ungern- Sternberg, mit 8511 Stimmen gewählt worden. Der fortschrittliche Candidat, Rechtsanwalt Windthorst, erhielt 3478 und derjenige der Socialdemokraten, Schreiner Hegemann 2258 Stimmen.

Die Deputation der sächsischen ersten Kammer hat den Bei­tritt zu dem vielgenannten Beschluß der zweiten Kammer empfohlen, die Regie­rung zur baldigsten Vorlage eines Gesetzes zu ersuchen, betr. das Tanzstätten- und Schanklocal-Verbot für Abgaben-Restanten. Der sächsifche Staatsminister a. D., v. Friesen, ist am Montag im Alter von 76 Jahren zu Dresden verschieden

In Ungarn macht sich bereits eine ziemlich hochgehende Wahlbewegung anläßlich der nächsten Reichstagswahleu bemerklich. Dieselben haben insofern

---------------------- Gießen, den 28. Februar 1884.

Betreffend: Das Landgestüt, hier den Abgang der Landgestütsbeschäler auf die Landgestütsstationen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden bekannt machen zu laffen, daß die Landgestütsbeschäler für die Landgestütsstationen Berstadt, Butzbach mnd Grünberg abgegangen sind. x Dr. $ocfmann.

Großherzoaliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Ottsvorstand zu Allendorf a. d. Lda die Erlaubniß ertheilt in Verbindung mit dem im Steril b 9 daselbst stattfindenden Markte eine Verloosung von Vieh und landwirthschaftlichen Gegenständen zu veranstalten. Es dürfen dabei höchstens 5000 Loose Ü 1 T zur Ausgabe gelangen und müssen mindchens 70% des Bruttoerlöses aus den Loosen zmn Ankauf von Gewinnstm verwenoek werden.

Der Vertrieb der Loose ist im Großherzogthurn gestattet. .

Gießen, den 28. Februar 1884. Großherzogliches KrH/imt Gießen.

Dr. Boekmann.

Gießen, am 28. Februar 1884.

Betreffend: Gesuch des Vereins von Gastwirthen zu Darmstadt wegen Vornahme der Revisionen von Gläsern und Schankgefäßen, Waagen, Gewichten rc. durch einen sachverständigen Aichmeister.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

on die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises, sowie an Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Aus Anlaß des oben bemerkten Gesuchs hat Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz ungeordnet, daß bei Vornahme der Revision won Gläsern Schankgefäßen, Waagen, Gewichten u. s. w. und bei Erhebung von Anzeigen wegen der dabei wahrgenommenen Fehler die Anwendung größter Vorsicht zu geschehen und in zweifelhaften Fällen die Einholung des Rathes von Sachverständigen, insbesondere von Aichmeistern, zu erfolgen habe.

Sie wollen hiernach verfahren und demgemäß das Polizeipersonal inftruiren.

Dr. Boekmann. ____________________________________