Ausgabe 
3.9.1882 Drittes Blatt
 
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Verhalten jener Zeitung zu medicmffchen Reclamen überhaupt, hier einmal ganz eines eigenen Unheils enthalten und statt dessen dieCorrespondenz-Blatter des Allgemeinen ärztlichen Vereins von Thüringen" sprechen lassen rr.^

In Thüringen hat der ärztliche Verein es für nothtg gefunden, bet der Fürstlich Rudolstädtischen Regierung Verwahrung einzulegen gegen die CoNcessionrru^g einer vom Dr. philadelphiae R. beabsichtigten internationalen Heilanstalt. Der gesetzwidrige Vertrieb seiner Geheimmittel hat sich leider noch nicht hindern lassen. Auch in Nürnberg batte das Physikat demselben Geheimmittelfabrikanten schon früher den Aufenthalt un­angenehm gemacht und ihn zur Auswanderung nach Rudolstadt veranlaßt. Und nun kommt die ärztliche Fachpresse in Oesterreich und macht dem Herrn ein warmes Bett in Oesterreich fertig. Die Redaction der Allgemeinen Wiener medicinischen Zeitung mag es nicht Übel nehmen, wenn jetzt in Deutschland mit Kopfschutteln nach den Motiven gefragt wird, die ein großes Blatt bestimmen konnten, sich auf die Seite des Herrn Dr. philadelphiae Richter zu stellen. Daß auch die Prager Medicmische Wochen­schrift ihren Jnseratentheil dem Herrn R- geöffnet hat, bedauern wir um so mehr, als bisher diese Wochenschrift sich von der in Oesterreich so oft üblichen Unterstützung speculatioer Geheimmtttelfabrikanten fern gehalten hat Wir empfehlen den bezüglichen Redactionen die Lectüre des Aerztlichen Veremsblattes. Jahrgang 1880"

Selbst Paul Borner's guter Name soll herhalten, um die üble Sache decken zu helfen! Aber das von R- angeführte Börner'scheJahrbuch der practischen Medicin" stellt es sich zur Aufgabe über alle im Laufe des Jahres in den verschiedensten medicmi- schen Zeitschriften erschienenen Arbeiten rein objectio Nachrichte zu geben und bringt so auch ein Referat über obigen in derAllgem. Wiener medicin. Zeitschrift" erschienenen Artikel, was Jener nun in seinem Interesse ausbeutet.

Wir schließen für jetzt mit den Worten des unlängst verstorbenen verdienstvollen Obermedicinal-Raths Dr. R- Volz, in denen er treffend den Geheimmittelschwindel zeichnet:Es ist ein Handel ohne Stolz, ohne Ehrgeiz, ohne Befriedigung, die selbst der Taglöhner für sein Tagwerk hat, auf Täuschung aufgebaut, mit betrügerischen Mitteln ausgeführt, den ein ehrenhaftes Geschäft zurückweisen, in Verruf thun wird."

Vermisch les.

Hanau, 30. August. Ein fürchterlicher Orkan, begleitet von schwerem Gewitter und Hagelschlag, raste gestern Nachmittag hier und in nächster Umgebung. Ein hier­zu Besuch anwesender Herr aus Cassel wurde von dem Unwetter bei einem Spazier­gang nächst der Pulverfabrik überrascht und von einem Blitzstrahle getroffen- Der­selbe befand sich noch heute in bewußtlosem Zustande. Auf der französischen Allee wurden vier Bäume entwurzelt, in der Nähe des Bahnhofs ein alter Lmdenbaum, der im Umstürzen die Telegraphenleitung nach Philippsruhe-Kesselstadt zerstörte. In den Obstgärten hat das Wetter colossalen Schaden angerichtet.

** $n der Concurrenz über die Preisfrage:Wie nährt man sich gut und billig?", für deren Lösung der VereinConcordia" einen Preis ausgesetzt hatte, ist nunmehr die Entscheidung erfolgt. Die Schrift sollte so abgefaßt fern, daß jede Haus­frau sich selbst darnach herausrechnen künne, wie unter Berücksichtigung des in den verschiedenen Gegenden abweichenden Geschmackes ein den Ansprüchen der Physiologie genügende Ernährung in der billigsten Weise, d. h. mit dem geringsten Geldaufwande bewerkstelligt wergen kann. Es waren die Concurrenzbedtngungen in 167 Fällen er­hoben worden und 33 Concurrenzarbeiten eingegangen. Nachdem die einzelnen Arbeiten einer genauen und sorgfältigen Vorprüfung durch sachverständige Vereinsmitglieder vnterzogen worden waren, hat das aus den Herren Professor Dr. C. v. V ott-München, Geh. Medicinalrath Professor Dr. Benecke-Marburg und Professor Dr. I. Forster-

Amsterdam bestehende Preisgericht der Arbeit des Herrn Dr. Meinert-Ber!in ein­stimmig den ausgeschriebenen Preis zuerkannt. Mit gleicher Einstimmigkeit wurden zwei weitere Preisarbeiten lobend erwähnt und ohne denselben einen Preis zuzuerkennen, anerkennend bedacht.

Im Interesse der Herbeiführung einer rationellen Volksernährung ist die preis­gekrönte Schrift zum Massenvertrieb bestimmt worden und wird zu dem geringen Bezugspreis von 40 H durch den Buchhandel abgegeben werden; den Vertrieb hat die Firma S- Mittler u. Sohn in Berlin übernommen. Abnehmer größerer Parthien sollen bet dtrectem Bezug durch den VereinConcordia" (Mainz) wesentliche Preis­ermäßigungen zugestanden werden. Größeren Arbeitgebern rc. dürfte im Interesse ihrer Arbeiter anzurathen sein, eine Vertheilung der nützlichen Schrift zu veranstalten.

Berlin, 30. August, lieber das durch einen Militärposten in der Hasenheide angerichtete Unglück erfährt dasBerl. Tagebl." nähere Details. Bet den Erdarbeiten an den militärfiskalischen Schießständen in der Hasenheide sind seit einiger Zeit 30 bis 40 Arbeiter beschäftigt. Als diese in der Mittagsstunde das ihnen von ihren Frauen und sonstigen Angehörigen zugetrageve Mittagsmahl verz'hrten, gesellte sich der auf Posten am Schießstand Nr. 12 - aufgestellte Füsilier Gärtner von der 12. Compagnie des Kaiser Franz-Grenadier-Negiments Nr. 2 (nicht Alexander-Regiments, wie irrig angegeben war) zu den Arbeitern und knüpfte mit denselben eine Unterhaltung an. Einzelne von den Arbeitern behaupten, daß der Soldat angetrunken gewesen fei, wahrend die Mehrzahl dagegen der Meinung ist, daß dies nicht der Fall ist. Im Laufe des Gesprächs sprach der Posten davon, daß er einen Arbeiter todtschießen müsse; als diese darüber lachten, nahm der Soldat das Gewehr von der Schulter, steckte vor Aller Augen eine Patrone hinein, legte an und schoß dem ruhig bei seinem Mittag­essen sitzenden Arbeiter Adolf Bündtke aus Britz in den Hals derart, daß die Kugel am Rückgrat sitzen blieb und der Getroffene sofort todt war. Die Bestürzung der Arbeiter war so groß, daß Niemand daran dachte, dem Soldaten das Gewehr zu ent­reißen. Dieser hatte daher noch Zeit, auf die Arbeiter, einige Frauen und einen Ge­freiten von den Garde-Schützen acht Schüsse abzufeuern, glücklicherweise ohne zu treffen. Erst dann gelang es den Leuten, sich des Gewehres zu bemächtigen und den Posten unschädlich zu machen. Das von dem Vorfälle sofort in Kenntniß gesetzte zuständige Regiment, das in der Nähe sein Kasernement hat, ließ sofort den Posten ablösen und nach der Kasernenwache führen, woselbst der RegimentsMdjutant das erste Verhör mit dem Manne bewirkte. Die Aussagen, welche Gärtner machte, der bereits zwei Jahre dient und sich zeitüber stets gut geführt hat, legen die Vermuthung nahe, daß er plötz­lich wahnsinnig geworden ist. Er will geträumt haben, daß er Jemanden todtschießen müsse und hätte dies nun wahr gemacht. Nach dieser ersten Vernehmung schlief Gärtner ein und zwar so fest, daß er erst gegen 6 Uhr aufgerüttelt werden konnte. Als Gärtner aus seinem tiefen Schlafe erwachte, äußerte er auf Fragen von Kameraden und Vorgesetzten, er wisse nicht, was er gethan habe, er erinnere sich nicht, geschossen zu haben.

^Aberkennung eines Ordens.) Der Hochstabler Karl Hofmann aus Karls­bad hatte, wie aus dem Berichte über den Proceß gegen ihn erinnerlich sein dürfte, zu Beginn seiner (Saniere vom König Carl XV. von Schweden und Norwegen den nor­wegischen Olafs-Orden erhalten und zwar für einen angeblich von ihm erfundenen ver­besserten Anker. Von den Decorationen, durch welche Hofmann seine Schwindeleien unterstützte, war der Olafs-Orden die einzige echte, und auf Grund desselben legte er sich auch, allerdings unberechtigt, den TitelChevalier" bei. Wie nun demF. I." aus Hamburg mitgethrilt worden, ist bei dem am Stiftungstage des Olafs-Ordens (21. August) in Christiania unter dem Vorsitze des Königs Oscar abgehaltenen Ordenscapitel Carl Hofmann des Ordens unwürdig und verlustig erklärt worden.

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