Ausgabe 
30.3.1943
 
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Dienstag, 30. Wär$l945

Ernst Jünger.

Flamme versehrt.

Oie Abwehrkämpfe am Ladogasee

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Sie schaffende Heimat ist das MM der Front

Und wenn man die Männer steht, die schwei­gend, Helm an Helm, unter dem Gesang der Mo­toren neuen Entscheidungen entgegen getragen wer­den, diese neue und kühne Rasse, die in allen Feuern gehärtet ist, so steigt der Wunsch auf, daß sie nicht alle dem Lande verloren gehen. Aber wenn auch nicht einer von ihnen wiederkebrt, io Netzen sie doch ein Matz zurück, wie es der Mensch nur selten erreicht. Richt kämpften sie in strahlen­der Rüstung, und nicht vergönnt war ihnen der Triumph, den der hohe Mittag gewährt. Die Erde war ihr Panzer und das Feuer ihr Element. Aber ein höchstes Gesetz erfüllt, wer in einsamer Rächt und aus verlorenem Posten fällt. Ihrer wird man gedenken, wo immer man die Bitterkeit des Unter­ganges liebt und den hohen Sinn, den keine

dennoch unter Einsetzung von Menschen und Material und aller Verluste. weil ihnen eben

unter Nichtachtung keine andere opera-

die Wendungen der

teristisch für diese reine deutsche Fanrilienleben.

Was aber vor allem dem Menschen Moltke patriotisches Herz und

mich immer besonders mit verband, war sein heißes sein aufrechter und zielbe-

bie abt iten nen ilb- auf ffer Di« iöh- 5:2. L rbd

Ittol; m. l.d. 3ed.

Der Ladogasee war uns vor diesem Kriege im wesentlichen nur aus der Geographiestunde bekannt, und zwar als der größte Binnensee Europas. Im Herbst 1941 drangen deutsche Truppen bis an sein Ufer vor. Seither ist er der Schauplatz erbitterter .Kämpfe, die von der bolschewistischen Seite mit dem Zrele geführt werden, den Einschließungs- rin g um Leningrad zu sprengen. Auch im Nahmen der diesjährigen großen bolschewistischen L'ntero'fensive spielt der Ladogasee eine erhebliche Nolle Südlich davon haben die Sowiets immer wie­der versucht, einen Durchbruch in Richtung Lenin­grad zu erzielen. Sie verfolgen damit also den glei­chen Zweck wie bei den Angristsoperationen, die seit Jahr und Tag im Raume des Ilmensees

geschlagen. Ä . .

Auch am gestrigen Tage setzte der Teint, Kme Angriffe an zahlreichen Stellen der tunesischen Front fort. Er wurde wieder blutig abgewrefen.

In Südtunesien scheiterten feindl'che Um- rassunasversuche am entschlossenen W'derstand un durch eneraiich geführte Gegenangriffe unserer e- weglich kämpfenden Truppen. Deutsch-ltalrenifche

Verbände besetzten in diesem Frontabschnitt plan­mäßig neue Stellungen.

Bei Angriffen feindlicher Fliegerkräfte gegen Orte in den beseiten Mestaebieten hatte die Bevölkerung hohe Verluste, hierbei und an der norwegischen Küste verlor der Feind 18 Flugzeuge.

Ein Verband schwerer deutscher Kampfflugzeuge belegte in der vergangenen Rächt erneut den 3n- dustrieplah Rorwich mit vielen Spreng- und Brandbomben.

Das C'ck-nlaub »um Wtterlreuz.

Berlin, 29. März. (DRV.)' Der Führer vier­lieh am 23. Marz 1943 dem Generalmajor P o st el, Kommandeur einer Infanteriedivision, das Eichen­laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Der Führer sandte an Generalmajor Postel nachstehen­des Telegramm:3n dankbarer Würdigung 3hres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 215. Sol­daten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

Ehrenwache der Sportkameraden am Sarge des verstorbenen Reichssportführers von T^jcham - m e r und Osten im Reiterhaus auf dem Reichs- sportfeld. Zahlreiche Männer und Frauen der deut­schen Sportgemeinde waren erschienen, um dem Förderer der deutschen Leibeserziehung die letzte Ehre zu erweisen. (Scherl-Bilde rdiensf-M.)

mutigen", schreibt er 1831 an Freiherrn von Latzberg, ich hoffe und vertraue, daß wir zuletzt siegreich daraus hervorgehen werden", oder an .Hoffmann von Fallersleben:Durch das Unglück pflegen wir sonst besser zu werden und uns zu erheben, ich hoffe auch dieses Mal." Der Traum von der Einigung und Einheit der deutschen Stämme bildete sein poli­tisches Glaubensbekenntnis. Auch in schweren Zeiten muß das Volk stolze Haltung bewahren:hart ist die Zeit und wird uns noch zu stärkeren Entbeh­rungen zwingen. Wer aber an Opfer sich gewöhnt, bringt sie freudiger und erkennt, daß nicht Gut und habe, nur Tugend und Eintracht uns zu retten vermögen. Vereinzelt und ohne ein aufgestecktes Banner sinken die deutschen Stämme zu Boden; wer es erhebt trnb damit geschlossen in die Gefahr tritt, dem schlagen alle Herzen entgegen." Und wahrhaft prophetische Worte sprach Jacob Grimm 1850:Solche Prüfungen werden nicht verloren sein, sondern ihren Lohn tragen. Das Dunkel wird sich einmal erhellen und dann neue Macht leuchten über unserem Vaterland." . W. Sch.

schuldig geblieben ist. Er hat sie durch sein Wirken für Großdeutschland gegeben. Der Führer und das ganze deutsche Volk grüßen durch mich zum letzten­mal ihren toten Botschafter. \

Der Reichsaußenminister legte, während die Fah» nen sich senkten, unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden den Kranz des Führers nieder. Nach den Liedern der Nation wurde der Sarg aus dem Landeshaus getragen und unter Erweisung der Ehrenbezeigungen eines Bataillons der Wehr­macht auf die Lafette gehoben, um nach dem Hei­matort des Botschafters übergeführt zu werden, wo die Beisetzung in dem Erbbegräbnis der Familie im ' engsten Familienkreis stattfinden wird.

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tive Wahl bleibt.

Aber wir dürfen uns durch ... .. .

deutschen Wehrmachtberichte über die immer wieder erfolgte vernichtende Abfuhr des Feindes nicht dar­über täuschen lassen, daß auch diese Kämpfe von - großer Härte sind und an die deutschen Divisionen, die dort oben. eingesetzt sind, die größten Anforde­rungen stellen. Immer wieder wird gemeldet, daß der Feind bei seinen vergeblichen Durchbruchs ver­suchen größte Verluste an Panzern und auch an Mannschaften hatte. Allein die mitgeteilten Zahlen der vernichteten feindlichen Panzer genügen, um einen Eindruck von der Härte dieser Abwehrkampfe zu erwecken. Daß es dem Feinde an keiner Stelle gelungen ist, die deutsche Abwebrfront zu durchbre­chen, ist ein Beweis für die Kampfesleiskung der deutschen Divisionen, die hier eingesetzt sind und deren Tapferkeit genau so gewürdigt tu jperben ! verdient wie die ihrer Kameraden an den südlicheren

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Wiederholung Malstaffel 1 AbschlüüeMengenstafsel B Platzvorschrist (vorherige Vereinbarung) 25° o mehr

Abschnitten.

Der Webrniacktbericht.

I DM. AusdemAührerh-llpiquarNer 29. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt

von ihnen durchgeführt worden sind.

Es ist kein Zufall, daß die Kämpfe um den La­dogasee im Augenblick wohl den Schwerpunkt der feindlichen Unternehmungen an der Ostfront darstellen. Es ist weiterhin kein Zufall, daß im Laufe der letzten Wochen der Schwerpunkt der feind­lichen Durchbruchsversuche sich immer weiter nach Norden verlagert hat. Das hängt mit der fortschreitenden Jahreszeit zusammen. Während nämlich im Süden schon längst das Matschwetter des .Frühlings eingetreten ist, durch das die Wege fast ungangbar werden, herrschen weiter im Norden noch Temperaturen, die eine Fortführung der Kämpfe ermöglichen. Wenn auch die Bolschewisten heute geringere Aussichten haben denn je, sozusagen vor Torschluß der Winterzeit noch zu einem strate­gischen Erfolge zu gelängen, so versuchen sie es ' starken Masten an

[93. Jahrgang Nr. 75

Erscheint täglich, außer Lonntags und Feiertags

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bekannt:

3m südlichen und mittleren Teil der O st f r o n t kam es auch gestern nur zu örtlichen Kämpfen. Rordöstlich Orel fchosten Grena­diere einer 3nfanteriedivision von acht im Tiefflug eingreifenden feindlichen Flugzeugen sieben ab, darunter vier gepanzerte Schlachtflieger.

Südlich des 3 l men fees und am Ladoga­see nchn der Feind feine Angriffe wieder auf. Die ilnariffe, die den ganzen Tag über andauerten, wurden mit schweren Verlusten für den Gegner ab-

Breslau, 29. März. (DNB.) Der Staatsakt für den am 22. März in Madrid verstorbenen Botschaf­ter von Moltke fand im Landeshaus zu Bres­lau statt, wo sich Vertreter von Staat, Partei und Wehrmacht und viels Beamte des Auswärtigen Amtes sowie viele persönliche Freunde des Ver­storbenen eingefunden hatten, darunter 30 Berg­männer und Landarbeiter aus den Moltkeschen Be­sitzungen. An der Spitze der Angehörigen seiner Botschaft war der spanische Botschafter in Berlin, Vidal Saura erschienen. In Begleitung des Staats­sekretärs des Auswärtigen Amtes, Freiherrn von Weizsäcker, betrat Frau von Moltke mit den Fa­milienangehörigen den Raum. Um 15.30 Uhr traf als Vertreter des Führers der Reichs­minister des Auswärtigen von Ribbentrop ein. K __

Der Staatsakt wurde eingeleitet mit dem Trauer- marfd) aus Be^hovens Eroica, dann sprach Reichs­außenminister v o n R i b b e n t r o p. Mit Moltke, so sagte er, ist einer der fähigsten und zuverlässigsten Diplomaten unseres auswärtigen Dienstes, ein echter Patriot, der sein Land über alles liebte, und vor allem ein wahrer Freund und Kamerad von uns gegangen. Wer in die ernsten, klugen und doch so treuen und guten Augen Moltkes blickte, mußte ihm von Herzen zuaekan sein. Hans Adolf von Moltke wurde 1884 in Oppeln als Sohn des königlich-preu­ßischen Staatsministers Friedrich von Moltke ge­boren. 1913 trat er als Ast"ehe ins Auswärtige Amt ein. Bei Ausbruch des Weltkrieges ging er als Oberleutnant mit feinem Regiment ins Feld. Sva- ter war er mit einer wichtigen divlomatischen Am- qabe beim Generalgouvernement Brüssel tätig. Schon bald nach dem Unal"ck von Versailles sehen wir ihn im oberschlesischen Grenzschutz, wo er feine Heimat gegen polnisches Untermenschentum verteidigen hilft Dann übernimmt er wieder eine diplomatische 2Ir= beit bei den politischen Kämpfen um altes deutsches Land Oberschlesiens. Nach efner mehrjährigen diplo­matischen Verwendung in Konstanitinopel wird er 1928 in die Ostabteilung des Auswärtigen Amtes berufen. Seine Kenntnisse in deutschen Ostfragen

schwedische Wea" führe sie wieder zum europäischen Ziele. Die Neutralität, welche nach außen die Ver­teidigung des nationalen Bestandes bezweckt, führt im Innern zu einer Verhärtung der eigenen Art. So erschwert die Neutralität in mancher Hinsicht den Blick für die Notwendigkeiten des Gemeinsa­men, ohne daß man bestreiten kann, daß dieses Ge­meinsame Europa heißt.

Die Weltofsenheit Stockholms ist im vierten Kriegsjahr notgedrungen von anderer Art als früher. Der Verkehr nach Ueberfee hat fast gänz­lich aufgehört. Nur ein kärglicher, wenngleich wirt­schaftlich äußerst wichtiger Schiffsverkehr nach Süd- amerika ist von dem ständigen Strom der Atlantik­fahrer in Friedenszeiten übrig, geblieben. Um so lebhafter ist der Verkehr im Aetyer. Stockholm ist heute einer der wichtigsten Knotenpunkte im inter­nationalen Nachrichtenverkehr. Alle Groß­mächte haben ihre Beobachtungsposten hier feit Kriegsausbruch verstärkt. So ist an die Stelle der vielen Touristen eine seßhafte Art Besucher ge­treten, und sie trägt wesentlich dazu bei, daß Stock­holm immer noch Weltstadt ist. Das Straßenbild beherrschen allerdings die Schweden, und zwar die schwedischen Uniformen. Schweden hat schneller als manche andere kleine Nation begriffen, daß Neutralität nicht mehr ein bequemes Zuschauen be=

sicher Liebe zu seinem Land und zu seinem Diplo­matenberuf ein ernstes und tiefes Verantwortungs« gefühl und restlose Hingabe an seine Arbeit verband. §ür ihn galt nur die Sache. Er selbst trat in seiner Bescheidenheit und Bedürfnislosigkeit stets zurück; ein durch und durch vornehmer und fester Charakter und ein vorbildlicher Kamerad. In seinem uns allen bekannten innigen Familienleben sand er stets neue Kraft für seine Arbeit. Mit größter Liebe hing er an seiner Frau und seinen acht Kindern. Auch feine Liebe zur Kunst, besonders zur Musik, war charak-

............ Natur und für dieses echte

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waren für das Reich besonders wertvoll, dies war auch der Grund, daß Moltke 1931 Gesandter in Warschau wurde. Auf diesem Posten, den er 8Vz Jahre bekleidete, fand er Gelegenheit, seinem Lande große Dienste zu keiften. Denkt man zurück an die unerträglichen Zeiten des polnischen Korridors und des polnischen Terrors in Oberschlesien, so versteht man, wie schwierig der Posten war, aus den Moltke 1931 gestellt wurde. Er hat es nur dank feiner charaktervollen Persönlichkeit und seiner ungewöhn­lichen Begabung verstanden, selbst auf diesem schwie­rigen Terrain die Voraussetzungen zu schaffen, daß wenige Tage später, als der Führer den Weg zu einem deutsch-polnischen Ausgleich frei zu machen suchte, die ersten Schritte in dieser Richtung auch er­folgreich zurückgelegt werden konnten. Es hat an der Verblendung der Männer gelegen, die nach dem Tode des Marschalls Pilsudski die Geschicke Polens in die Hand nahmen, wenn dieser Weg später nicht weiter verfolg! werden konnte.

Moltke hat dann in den Jahren 1939/42 in her­vorragender Weise an den Aufgaben mitgearbeitet, durch die die Kriegsschuld unserer Gegner ange- prangert wird. Anfang des Jahres ging er als Botschafter nach Madrid. In der kurzen Zeit seiner Tätigkeit gelang es ihm, das Vertrauen des spani­schen Staatschefs und der maßgebenden politische« Kreise in hohem Maße zu gewinnen und zur Ver­tiefung der Freundschaft zwischen Deutschland und Spanien beizutragen. Die hohen Ehrungen durch den spanischen Staatschef und die ritterliche spa­nische Nation bei seinem Tode sind ein Zeichen für die großen Sympathien, die sich die Persönlichkeit Moltkes in der kurzen Zeit seines Wirkens dort er­worben hatte. So wirkte der Botschafter noch in seinem Tode für sein Land als wahrhaft guter Bot­schafter, und sein Heimgang wurde zu einer herz­lichen Bekundung der deutsch-spanischen Freund­schaft.

Als Träger eines großen Namens der deutschen Geschichte hat er sich der Vergangenheit seines Ge­schlechtes in. jeder Beziehung würdig erwiesen. Er steht vor uns als ein Mann, der mit leidenschaft-

wußter Wille, den Weg zum nationalsozialistischen Staat zu finden. Er war ein Mann, der, obwohl aufgewachsen in den Anschauungen einer vergange­nen Epoche, es verstanden hat, alle guten Seiten alt- preußischer Tradition in den Dienst für das neue Deutschland zu stellen und sie mit unseren national« sozialistischen Anschauungen zu verbinden. So wurde er Mitglied der NSDAP.. Ein Wort ist charakteri­stisch für ihn, das er einmal im Unwillen über einige unverbesserliche Abseitsstehende äußerte:Wenn meine Söhne einmal groß geworden sind und sie später fragen, was tatest du denn in dieser großen Zeit, dann will ich ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben." Ich kann heute in dieser Stunde vor dem ganzen deutschen Volke sagen, daß Hans Adolf oon Moltke die Antwort auf eine solche Frage nicht

Vaterlandsliebe. ,

Mehr als einmal so lehrt uns die Geschichte jmt die verbissene Geschlossenheit und Einigkeit einer Schicksalsgemeinschaft das zurückerobert, was be­reits verloren war. Diesmal geht es um mehr, fleht es um Leben und Sterben des Volkes. In (iner solchen Zeit ist es geboten, sich an der gläu­bigen Zuversicht der Männer und Frauen auszu­lichten, welche in den dunkelsten Tagen der deut­schen Geschichte die seelische Aufrüstung des Volkes rorbereiten halfen. Zu ihnen gehört in erster Linie ftacob Grimm, derDeutscheste der Deutschen, dessen Zeugnis mehr gilt als das der Million", wie jGervinus bekqnnt hat. Er hat Zeit seines Lebens lief im Herzen den unerschütterlichen Glauben an die Sendung des deutschen Volkes getragen und auch dann nicht an einer besseren deutschen Zukunft gezweifelt, als andere nach der bitteren Enttäu­schung des Wiener Kongresses oder nach den frucht­losen Verhandlungen der Paulskirche längst auf« gehört hatten, an "eine Wiedergeburt des deutschen Volkes zu glauben.

Die Vaterlandsliebe", bekannte Jacob Grimm In seiner Göttinger Antrittsrede,ist ein so ^gött» liches und jeder menschlichen Brust so tief einge- prägtes Gefühl, daß sie durch Leiden und Unglücks- iälle, die uns im Geburtsland treffen, nicht ge­schwächt, sondern eher noch gesteigert wird." Wie Hart er sich dem Vaterland verpflichtet fühlte, das hat er in der - Selbstanzeige des vierten Bandes IeinerDeutschen Weistümer" ausgesprochen:Alle meine Arbeiten wandten sich auf das Vaterland, von dessen Boden sie auch ihre Kraft gewannen, mir schwebte unbewußt und bewußt vor, daß es uns am sichersten führe und leite, daß wir ihm zuerst verpflich- tet seien." In jedem Deutschen, so führte er bei einer anderen Gelegenheit aus, schlummert diese Vater­landsliebe. Sie muß nur geweckt und richtig ge­leitet werden und offenbart sich in der Stunde der Gefahr am schönsten."

Die Gefahr pflegt uns zu bessern und zu er-

Stockholm im vierten Kriegsjahr

Von unserem Dr. L.-Korrespondenten.

Stockholm, im März 1943.

Die großen Weltstädte führen von jeher ein Dop­pelleben: Ihren Bewohnern sind sie Heimat und oertrauter Aufenthalt, während die flüchtigen Fremden nur zeitweise Herberge, heitere Zerstreu­ung oder sachliche Belehrung in ihnen suchen. Bei­den bieten die Städte ein völlig verschiedenes Se­icht, beiden erschließen sie sich anders und keinem [ eigen sie ihr ganzes Wesen. Stockholm ist keine Ausnahme. Stockholm den großen Weltstädten zu­zurechnen, wird nur demjenigen seltsam erscheinen, dessen Einschätzung lediglich von statistischen Grö- zenwerten abhängig ist. Freilich langt es bei Schwedens Hauptstadt noch längst nicht zur Auf­nahme in die Spalten der Millionenstädte. Aber nicht die Zahl der Einwohner macht die Weltstadt, andern ihre lebendige Teilnahme an dem, was )raußen in der Welt vorgeht. Die Weltoffenheit der Schweden, die feil vielen Jahrhunderten in der vordersten Reihe der seefahrenden Völker gestanden haben, hat ihrer Hauptstadt das Gepräge gegeben.

Trotzdem ist Stockholm nicht oder Abklatsch inter­nationaler Vorbilder, sondern selbständiger Aus­druck schwedischer Eigenart. Darum ist auch die Be­zeichnungVenedig des Nordens" so falsch wie die meisten dieser von ftumpffinnnigen Touristen ge­prägten vergleichenden Beinamen großer Städte. Stockholm jedenfalls braucht sich derartige Ver­gleiche nicht gefallen zu lassen. Es hat genügend eigene Geschichte und eigenen Charakter, um als das, was es ist, seinen' Platz unter den Haupt­städten Europas und der Welt einzunehmen.

In einem 1827 in Frankfurt am Main in fran­zösischer Sprache erschienenenHandbuch für Rei­sende in Deutschland und den benachbarten Län­dern" finden wir unter dem Titel Stockholm fol­gende einleitenden Sätze:Schöne Hauptstadt des Königreichs Schweden und Residenz des Monarchen an der Mündung des Mälarsees in die Ostsee. Sie erstreckt sich über mehrere Inseln und das Festland. Ihre Lage -ift romantisch. Sie ist auf Pfahlwerk ge­baut und bietet neben allen Gegenständen, welche eine schöne Stadt auszeichnen, Felsen, wilde Gegen­den und bebaute Felder. Der Hafen ist vorzüglich, der Handel beträchtlich." Das alles trifft heute noch genau so zu. Nur die bebauten Felder finden sich nicht mehr im eigentlichen Stadtgebiet, sondern als Teil des Grüngürtels, welcher sich schützend zwischen Stockholm und feine Vorstädte legt.

Wenn Stockholm auch Weltstadt in dem oben um­schriebenen Sinne ist, so ist es doch vor allem eine europäische Stadt. Wir empfinden das heute noch mehr, obwohl Schweden nicht nur in geogra­phischer Hinsicht am Rande unseres alten Erdteils liegt, sondern infolge seiner Neutralität im Kriege das Schicksal Europas nicht mehr zu teilen scheint. Die Schweden sagen allerdings, das sei ein Irrtum, wie er eben dem flüchtigen Fremden allzu leicht unterlaufe. Sie verweisen darauf, .daß die Neutra­lität sie nicht nur von den übrigen Völkern Euro­pas scheide, sondern von nahezu der gesamten Welt. Hat sich Schweden von Europa losgesagt? Das Schicksal Europas bildet mehr denn je den Gegen­stand besorgter, nachdenklicher, suchender Gespräche hier in Stockholm. Die Schweden meinen,der

Abschied von Botschafter von Moltke.

Reichsaußenminister von Ribbentrop spricht bei dem Staatsakt in Breslau

Gietzener Anzeiger

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