Ausgabe 
29.5.1943
 
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!fr. 124 Zweiter Blatt Sietzener Anze (General-Anzeiger für DberWen) 29./30. Mai 1943

Aus der Stadt Gieße«.

Erste Erfüllung.

Mag ter Mai der Monat der Liebesleute fein 'ft®r x 3unl?Il h°tz Zeit der ersten Erfüllung. Der Blutenrausch des Frühlings ist verflogen, aber mit Ihm, der nach außen hin bunt und duftend prangte, versiegte nicht der Strom des Werdens das sich in tausend Gebilden und Gestalten offen­baren will.

Wir wissen, daß die Blüte nicht die Erfüllung bedeutet, sondern ihren Sinn erst in der Frucht findet, die neue Keime in sich birgt. 3m Aehrenfeld, im Vogelnest, in den Baumkronen und in den Kel­chen der kleinsten Blumen am Rain regt sich neues Leben, reist es in unerschöpflichem Reichtum dem Lichte entgegen, durchströmt, genährt und behütet von der großen Kraft der Mütterlichkeit der Erde, die dem Tod den Sieg streitig macht.

Die Zeit der ersten Erfüllung ist angebrochen, und ihr zu Ehren legt die Erde ihr schönstes Som­merkleid an: Rosen erblichen rings im Land, rote, weihe und gelbe, Kornblumen und Mohn grüßen aus dem wogenden Aehrenrneer, Nelken duften be­täubend aus sommerlichen Gärten, und aus den weißen Trauben der Akazienblüten tropft es süß in den warmen Wind, daß wir zuweilen still stehen Müssen, vom Glück staunend betroffen ...

So reich und tief ist dieses Glück, das wir schauen und fühlen dürfen, daß uns in diesen harten Kriegs- zeiten oft das bange Gefühl befällt: tun wir nicht unrecht mit unserer Hingabe an Duft und Glanz all des Herrlichen? Gibt es nicht in unserer Mitte tau­send Herzen, für die die Sonne ihren Schein ver­lor? Haben nicht Leid und Tränen so manche Augen blind gemacht, daß sie nicht mehr zu schauen ver­mögen, woran wir uns in unbedachter Lebensfreude hin geb en?

Und doch: fe schöner und reicher uns die Heimat in erster Erfüllung erblüht, um so tiefer erkennen wir ihren Wert, und es wächst in uns die Bereit­schaft, alles für sie, ihre Unberührtheit und für den Sieg unseres Volkes einzusetzen! Vieles kann uns der Feind zerstören und nehmen, nie aber die Kraft des Gemütes, üie unseren Glauben an den Sieg des Lebens und seine Unüberwindlichkeit! Aus die­sem Glauben schöpfen wir immer wieder Mut und Kraft und den ehernen Willen, alles Schwere zu überwinden. Je ärger der Feind wütet, um so trotziger werden wir sein, und gerade von den zar­testen Gebilden, gerade von unserer Hingabe an das Werden und Wachsen gehen Kräfte aus, die unsere Herzen zu stählen vermögen.

So strömt durch uns selbst erste Erfüllung und die unzerstörbare Zuversicht: wir werden den Sieg erringen, der heranreift in den Herzen derer, die sich dem Leben verschworen haben und dem Dienst an ihrem Volk. K. R.

Küc Tapferkeit vor öem Kemöe.

Der Feldwebel Heinrich Reinschmidt aus Großen-Buseck, der bei den Eisenbahn-Pionieren im Osten kämpft, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde nut dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.

Hermann Elle im 90. Lebensjahre.

Am 31. Mai kann der in Halle <l S. im Ruhe­stand lebende frühere Mitarbeiter der Brühlschen Universitätsdruckerei R. Lange, Verlag des Gie­ßener Anzeigers, K. G., Buchdruckereifaktor Her­mann Elle in aller Frische fein 90. Lebensjahr beginnen. Der alte Herr, der vor 75 Jahren an diesem Tage in die Lehre des Schriftsetzerhand­werks eintrat, begab sich nach seiner Lehrzeit auf die Wanderschaft, auf der er alle Gegenden Deutsch­lands im Osten und im Westen, im Norden und im Süden kennenlernte. Als Schriftsetzer war er in Mühlhausen (Thür.), Koblenz, Düsseldorf, Hanau Und Mainz tätig, dann kam er zur Brühlschen Druk- kerei in Gießen, in der er 55 Jahre lang wirkte, bis er in den wohlverdienten Ruhestand trat. Er verblieb auch im Ruhestand noch einige Jahre in Gießen, verlegte dann aber seinen Wohnsitz nach Dresden zu seiner dort verheirateten Tochter, mit deren Familie er später nach Halle a. S. über­siedelte. Obwohl er inzwischen schon die Achtzig überschritten hatte, war er immer noch recht unter- nehmungs- und reiselustig, so daß er an KdF.-Fahr- ten nach Norwegen und nach den Kanarischen In­seln, ferner an einer Kundgebung der graphischen Arbeiter Deutschlands in Danzig (Jim Jahre 1934) teilnahm, bei der er als ältester von 20 000 Buch­druckern Deutschlands erschien. Mit seiner alten Firma und seinen früheren Arbeitskameraden in Gießen hält der alte Herr immer noch die Verbin­dung aufrecht, wie ihm umgekehrt im Kreise der älteren Mitarbeiter der Brühlschen Druckerei, die mit Hermann Elle zusammengearbeitet haben, hohe Wertschätzung entgegengebracht wird. Dem allezeit freundlichen, aus dem reichen Schatze seiner Erfah­rungen für jedermann stets hilfsbereiten Arbeits- kameraden und charaktervollen Menschen bringen wir unsere herzlichen Wünsche für seinen weiteren Lebensabend dar.

Aushändigung der Ostmedaille

an die Angehörigen gefallener Soldaten.

Die Ostmedaille wird als Auszeichnung für den heldenhaften Einsatz gegen den bolschewiMchen Feind während des Winters 1941/42 auch an die Gefalle­nen nachträglich verliehen, die in ^m Zeitraum 15. November 1941 bis 15. April 1942 den be­sonderen, an die Verleihung geknüpften Bedingungen entsprochen haben. Die Aushändigung an die An­gehörigen der Gefallenen erfolgt über die Wehrkreis­kommandos. k x.

Die erforderliche Mitwirkung der Truppe und die in vielen Fällen durch Anschriftenwechsel usw- not­wendigen Rückfragen beanspruchen langere Zeit ur die Abwicklung. Im Laufe des Jahres 1943 wird jedoch diese Arbeit im wesentlichen durchgefuhriseuu Die Angehörigen werden gebeten, von Nachfragen bis zum Ende dieses Jahres abzusehen.

Konzert für baö 2Rote Kreuz.

Am kommenden Freitag, 4 5uni finöet - ver­anstaltet von der Kreisamtsleitung der NSV- m der Aula der Universität ein Konzert statt, in dem ter bekannte ukrainisch- Tenor Konstantin Sad ko für das Kriegs-Winterhilfswerk für das Rot- Kreuz singen wirb. Konstantin S a d k o, der zuletzt lM wurde' M der Moskauer Staatsoper als erster

Theater der Llniverfitätsstadt Gießen.

Peter Klaus und Karlheinz Gutheim: »Schäfchen zur Linken.^

Das Hübscheste an dieser neuen Operette ist ent­schieden der Titel, er regt die Phantasie an und stimmt den Besucher erwartungsvoll: Schäfchen zur Linken Freude tut winken. Bis sie wirklich winken tut, vergehen vom Vorspiel bis zum letzten Aktschluß, wo sich alles in Wohlgefallen, Verlobung und Versöhnung auflöst glatt drei Stunden, und da muß man wieder einmal staunen, mit wie wenig Substanz, mit welchem Minimum an Handlung ein modernes Libretto auskommen kann. Schäfchen heißt hier nicht nur die Operette, sondern auch ein siebzehnjähriges Fräulein, das im Pensionat erzogen wird, dieweil seine Eltern in Scheidung leben, und eines Ferientages ausreißt und sich auf die Suche nach feinem Papa begibt. Der reist nämlich als Kammersänger in der Welt um­her, wird angeschwärmt und kümmert sich nicht um Weib und Kind. Das Kind Schäfchen ist von seinen Rabeneltern so lange allein gelassen worden, daß es schon gar nicht mehr weiß, wie Papa eigentlich aussah. Kein Wunder, daß es daheim einem wild­fremden Herrn um den Hals fallt, der gerade die elterliche Villa gemietet hat. Der fremde Herr ist zwar bestürzt über so plötzliche Vaterfreuden, aber auch bald entzückt von dem niedlichen Schäfchen und spielt getrost die ihm so liebevoll angebotene Rolle. Als es rauskommt, ist Schäfchen sehr, sehr böse, der ftemde Herr, der außerdem in den Verdacht ge­rät, ein arger Mädchenhändler zu sein, zerknirscht, reumütig und erst recht verliebt. Im dritten Akt versammelt sich dann alles ziemlich zwanglos an der Bar im Kurhaushotel, um die derart zerrütteten Familienverhältnisse zu bereinigen. Schäfchen be­kommt den falschen Papa zum Mann, der richtige Papa und Mama wollen es daraufhin noch mal miteinander probieren, und auch sonst kommt alles zueinander nach alter Weise. Das Buch von Peter Klaus hat Karlheinz G u t h e i m , der auch die Gesangstexte lieferte, instrumentiert: recht flüssig und, besonders zu Anfang, mit unbeschwerter Mu­

sizierfreudigkeit. Die netteste Melodie istSchäf­chen zur Linken"; gesungen wird im übrigen nicht um jeden Preis, was kein Fehler ist; dafür find die Tanzbeine um so ausführlicher beschäftigt.

*

Herr Olrnühl besorgte eine muntere Inszenie­rung und war bestrebt, die mangelnden dramatischen Energien durch allerlei episodisches Rankenwerk auszugleichen; immerhin könnte einige Konzen­tration, zumal gegen Ende hin, nur förderlich fein. Herr Bosch leitete mit lichter und sicherer Hand das Orchester, Inge Berg betreute die Tänze, Herr Löffler die recht anspruchsvolle szenische Ausstattung. Schäfchen, nicht nur zur Linken, sondern immer mittendrin im stattlichen Aufgebot mehr ober minder verwandter, befreundeter, be­kannter und fremder Leute, war Franziska Brand- ft e 11 e r, mit backfischhaften Temperamentsaus­brüchen und Zärtlichkeitsanwandlungen, auch ge­sanglich und tänzerisch gewandt und geschmeidig. Herr Hellmers-Hallwegh, stimmlich stellen­weise etwas gedeckt, fand sich erst mit betretener Würde, dann schnell entflammt in dem unverhoff­ten Familienzuwachs zurecht. Sehr hübsch fang Valeska Lange die Mariana; aus dem Ritter von Körvesz machte Herr V o l ck einen galanten Kava­lier der alten Schule; das Elternpaar (Bianca Blacha und Herr Fischer) ist rollenmäßig einigermaßen stiefmütterlich ausgestattet. Für die (manchmal recht gezwungenen und nicht übertrieben geschmackvollen) komischen Pointen setzten sich Lia Zimmer und Elly Bamberger sowie die Her­ren B o s n y und Fuhrmann ein. Sehr locker und beweglich, zwitschernd, kichernd und ftepenb, das Sextett aus dem Mädchenpensionat.

*

Für den lebhaften Applaus konnten sich alle Beteiligten schon nach dem zweiten Akt bedanken.

Hans Thyriot.

Oie Aeltesten in:

&

ieseck.

In unserem Vorort Wies eck erfreut sich eine große Anzahl Männer und Frauen eines hohen Alters. Es ist wohl eine Seltenheit, daß in einem Orte eine solche Fülle von grauen Häuptern ver­einigt ist, wie in Wieseck. Die Liste der Wiesecker Aeltesten verzeichnet folgende Namen:

Mit 95 Jahren ist Frau Katharina S) ei- b ertshausen, geb. Schneider, die älteste Person des Ortes; die Ehe der Frau war kinderlos, die Greisin versieht ihren Haushalt auch heute noch selbständig. Dann folgt mit 90 Lebensjahren der Kirchendiener und Friedhofswärter i. R. Heinrich Rau, ein Mann, der von der Fülle der Jahre ge­beugt ist, der aber immer noch auf dem Friedhof seinem Sohne mit Rat und Tat zur Seite steht.

Frau Marie Römer, geb. Wißner, ist mit ihren 88 Jahren noch recht rüftig und verficht ihren kleinen Haushalt immer noch selbständig. Frau Ka­tharine Lotz, geb Schäfer, ist 87 Jahre alt, sie lebt in ihrem Geburtshause mit ihrer Tochter Luise zusammen. Ebenfalls 87 Lebensjahre zählt der Gärt­ner Wilhelm Spaa r., der früher in verschiedenen größeren Privatgärtnereien in Gießen gearbeitet hat und jetzt noch seinen eigenen Haus garten in sorg­samer Pflege hält. Aus ein Leben voller Arbeit und Pflicht kann auch der 8 6 Jahre alte Heinrich B i e r a u zurückblicken, der jetzt noch immer leichte Arbeiten verrichtet. Mit 85 Jahren lebt Frau Elisabethe E i s e n h u t, geb. Rüdenhausen, sie ist Mutter von 13 Kindern, von denen fünf noch das Leben mit ihr teilen; die im Leben hart angefaßte Frau fühlt natürlich jetzt die 'Schwäche des Alters besonders. Dagegen kann sich der 8 5 Jahre alte Eisenbahner i. R. Philipp Deibel, jetzt in Gießen wohnhaft, noch einer erfreulichen Rüstigkeit rühmen.

Mit 8 4 Jahren ist auch Frau Elisabethe R o - denhausen, geb. Schäfer, noch sehr rüstig und ihren Angehörigen eine gute Stütze. Der ebenfalls 84 Jahre alte Schmiedemeister Georg Bierau schwingt noch immer kräftig den Schmiedehammer und versieht zusammen mit seiner unermüdlichen 82 Jahre alten Ehefrau neben der Schmiede noch die kleine Landwirtschaft; die alten Leutchen kann man in ihrem Hause an der Kirchstraße eigentlich immer bei der Arbeit sehen. Heinrich Weller XI. ist lei- der körperbehindert, sonst aber mit seinen 84 Le-, densjahren immer noch rege im Dasein. Sehr rüftig

ist auch der Schneidermeister i. R. An ton WeNi­ger, der noch im Beruf behilflich ist. Die Reihe der 8 3 I a h r e alten Frauen und Männer ist recht statt- lief): Elisabethe Euler, geb. Rau, und Marie M a n k, geb. Becker, find noch sehr rüstig und ihren Angehörigen bei der Arbeit behilflich; Heinrich V ö l - zel erfreut sich ebenfalls großer Rüstigkeit, so daß er noch eine gutgepflegte Landwirtschaft versehen kann; der Scheinermeister und Bauunternehmeri. R. Philipp Möser, der Erbauer der Möser-Straße, ist ebenfalls noch schr rüftig und seinem Sohne im Geschäft behilflich; in gleicher Rüstigkeit kann man den Steuereinnehmer L R. Adolf Hansult, jetzt in Gießen wohnhaft, täglich noch auf seinem ge­wohnten Spaziergang sehen. Im Alter von 8 2 Iah- r e n stehen der Gärtner i. R. Heinrich Moos, der sich täglich immer wieder an feinem schönen Haus- garten" erfreut, ferner August Rohm, der in aller Rüstigkeit auf dem Zimmerplatz seiner Söhne noch leichte Arbeiten verrichtet, sowie Ludwig Christ, jetzt wohnhaft in Rodheim (Bieber), und der Crsen- bahner i. R. Wilhelm Keller, die sich als wasch­echte Wiesecker ebenfalls ihres Lebens in Gefmw- heit erfreuen. Mit 81 Jahren ist Frau Katharine Klippel, geb. Hartmetz, in aller Rüstigkeit ihrer Tochter eine willkommene Stütze im Haushalt. Der Wagnermeister i. R. Wilhelm Schäferist ebenfalls feiner Tochter noch eine gute Stütze. Philipp Kel­ler versieht in bester Frische noch selbständig feine geregelte Landwirtschaft, obwohl auch er 81 Lebens­jahre auf dem Buckel hat.

80 Iahre alt sind: Wilhelmine Schäfer, geb. Weller; Katharine Kaiser, geb. Hormann; Elifa- bethe Becker, geb. Belloff; Luise Keller, geb. Lang; Elisabeth Schmidt, geb. Waldschmidt, die alle noch sehr rüftig find und ihren Angehörigen nach Kräften an die Hand gehen. Ferner sind als 80er zu nennen: der Sttaßenwart i. R. Philipp Dölzel, der in Rüstigkeit noch feinen Haushalt selbständig führt, Heinrich Weller XII., der mit seinen Söhnen eine Landwirtschaft betreibt, und der Maschinenschlosser i. R. Philipp Schäfer.

Wir wünschen den ältesten Einwohnern unseres Vorortes weitere Gesundheit und Frische, damit sie sich nach unserem Siege noch einer Reihe von glück- liehen Jahren erfreuen können.

Tenor engagiert In den Revolutionsjahren verließ er seine Heimat. Dann studierte er weiter in Rom bei Professor Luigi Gabrieli. Konstanttn Sadko ton- vertierte bisher in Deutschland, Italien, in der Schweiz, in England, Spanien, Frankreich, Belgien, Holland, Portugal, auf den Balearen, Azoren, auf Madeira und in Amerika.

Oberhessischer Kunstverein.

Der Oberhessifche Kunstverein läßt seinen Mit- gliebem in den nächsten Tagen feine Jahresgabe Deutsche Zeichnungen des 18. Jahrhunderts" über­reichen. Das Buch hat ebenso wie die früheren Jahresgaben eine gute Ausstattung. Die Ab­bildungen, technisch ausgezeichnet wiedergegeben, vermitteln einen Ueberblick über das künstlerische Schäften einer Reihe der bedeutendsten Künsller der damaligen Zeit. So findet man u.a. Arbeiten von Carstens, Chodowiecki, Graft, Angelika Kauft- mann, Kodell, Koch, Mengs und Schadow; auch eine Zeichnung von Goethe und zwei Zeichnungen des hessischen Malers Johann Wilhelm Tischbein, der mit Goethe befreundet war, sind wiedergegeben. Die anregende Einleitung schrieb Bernhard Dorries. Das Verzeichnis der Abbildungen enthält auch knappe Hinweise zur Biographie der Künstler. Das Buch ist eine sehr wertvolle Gabe und wird den Mitgliedern viel Freude bereiten.

Bestellung aus Einmachzucker bis 30. Mai abgeben.

Die für die 51. bis 54. Zuteilungsperiode gel­tende Reichszuckerkarte ist bereits in diesen Tagen den Dersorgungsberechtigten ausgehändigt worden. Sie enthält nämlich einen Vorbestellabschnitt auf ein Kilogramm Einmachzucker. Diese Vorbestellung muß in dieser Woche vom Verbraucher vor­genommen werden, damit die Belieferung reibungs­los erfolgen kann. Da die Abgabe der laufenden Zuckerrationen jeweils ohne Vorbestellung erfolgt, ist feftgefiellt worden, daß Verbraucher fchr häufig

diese Voranmeldung auf ein Kilogramm Einmach­zucker vergessen. Es muß deshalb nachdrücklich da­ran erinnert werden, diese Voranmeldung unbe­dingt noch in dieser Woche durchzuführen, damit der Einzelhandel die Abrechnung.vornehmen kann. Die Voranmeldung ist deshalb besonders wichtig, weil auf ihr die Auslieferung der laufenden Zucker­rationen für die 51. bis 54. Zuteilungsperiode be­ruht. Hinsichtlich der Abrechnung der Dorbestellab­schnitte weisen die zuständigen Stellen auf folgende wichtige Aenderung hin: Die Abschnitte für die Voranmeldung auf ein Kilogramm Zucker sind vom Einzelhandel gesondert zu ordnen bzw. aufzukle­ben und den Ernährungsämtern einzureichen, da sie auch die Grundlage für die Bezüge der 51. bis 54. Zuteilungsperiode sind.

Gießener Wochen Marktpreise.

* Gießen, 29. Mai. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, V: kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8, Kartoffeln, 5 kg 58, gelbe Rüben, das Bund 30, Spinat, Vi kg 10, Römischkohl 14, Spargel 42 bis 97, Rhabarber 11, Stachelbeeren 35, Salatgurken 55, Salat 27, Oberkohlrabi, das Stück 18, Rettich 5 bis 10, Ra­dieschen, das Bund 10 bis 15 Rpf.

Verdunkelungszeit:

29. Mai von 22.30 bis 4.38 Uhr.

30. Mai von 22.31 bis 4.37 Uhr.

*

** Zur Einschränkung des Energie­verbrauchs durch fortlaufenbe Kontrolle der Derbrauchs-Quittungskarten fordern die Stadtwerke in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigen­teil auf.

** Urlaubsheimfahrt- und Rückkehr­scheine für ausländische Arbe i ts kräfte sind vom Transportstab der Deutschen Arbeitsfront in Frankfurt a. M. zu beziehen, wie aus einer Be­kanntmachung in unserem heutigen Blatte hervor- geht.

Gloria-Palast:

,0er kleine Grenzverkehr^.

Reich mir die Hand, mein Leben, komm aus mein Schloß mit mir", singt ein bezauberndes Salzburger Glockenspiel nach der unsterblichen Me» lodie des größten Sohnes der Stadt, und diese Me­lodie und dieser Text können als das Leitmotiv der liebenswürdigen Nichtigkeit gelten, dieDer kleine Grenzverkehr" heißt und in der Zeit spielt, als es zwischen Reichenhall und Salzburg noch Zollschran­ken gab mit Paßkontrolle und grimmigen Devisen­vorschriften und allen sonstigen amtlichen Schikanen. Den Inhalt zu erzählen, ist wahrhaftig nicht leicht, denn was man hier Handlung nennen könnte, ist so hauck)dünn, daß es einem sozusagen unter dem Fe­derhalter daoonfliegt; man kann es allenfalls auf die Formel bringen: tagsüber armer Mann in Oesterreich, nachts besserer Herr in Deutschland. Damit kann man leben, aber die Schwierigkeit fängt erst an, wenn man sich jenseits der schnöden Grenzpfähle ein fesches Hütchen kauft mit einem Gamsbart drauf, und deswegen hernach im Caf6 Glockenspiel" seinenSchwarzen" nicht bezahlen kann und ganz unpassenderweise eine junge Dame anpumpen muß. So fängt das an, und auf dem Schloß (es ist nicht weit von hier") geht es wei­ter und zu Ende, so friedlich und gemütlich und luftig und ganz ohne Eile; man muß sich wundern, daß der Film trotzdem so angenehm zu betrachten und gar nicht langweilig ist. Der Dialekt ist so echt wie das Glockenspiel und der berühmte Salzburger Schnürlregen, und der Salzburger Mond kommt wie eine riesengroße Apfelsine mitten in der Nacht aus den Wolken hervor und scheint im Schloß, wo sich die gräflichen Bewohner spaßeshalber als Die­ner verkleidet haben, in eine liebevoll hergerichtete, aber gänzlich leere Lagerstatt: das ist nur eine Momentaufnahme, aber einer der hübschesten Einfälle des Spielleiters Hans Deppe, dessen ge- machliche Inszenierung von allerlei guten und hei­teren Genien der schönen Stadt sichtbar und hör­bar gesegnet ist. Die Besucher unterhalten sich da­bei mit schmunzelndem und kicherndem Vergnü­gen, cmgesteckt von Willy Fritschs prächtiaer Laune: er ist der sonderbar gelehrte Mann, der Die Wissenschaft vom Lachen begründet, und fein Gschpusi heißt Hertha Feiler, ein überaus an- petstliches und ganz ungewöhnliches StubenmÜbel, das sieht man mit Wohlgefallen. Heinz Salfner, Louis S o l d a n, Hilde S e s s a k, Charlott Säu­bert und Ewald Wenck sind neben dem Siebes» paar die originellsten Figuren in dieser sorglosen Umgebung. Ludwig Schmidseder schrieb eine zünftige und stilgerechte Musik da,zu. (Ufa.)

Im Vorprogramm laufen die Wochenschau und ein Bildbericht vom Einsatz unserer Arbeitsmaiden.

Hans Thyriot.

Landkreis Gießen.

0 Albach, 29. Mai. Am morgigen 30. Mai feiert Herr Matthias Hilberg in guter Gesund- yeit feinen 70. Geburtstag Täglich ist der Ju- bilar immer noch tätig und hilft, wo es fehlt. Un­sere besten Glückwünsche!

Vom Fußball.

1900 VfL. 1860 Marburg.

Die Blau-Weißen empfangen am Sonntag auf dem Waldsportplatz den DfL. 1860 Marburg zum fälligen Rückspiel. Beim Vorspiel vor 14 Tagen in Marburg mußten die Gießener eine nicht ver­diente Niederlage von 2:0 hinnehmen. Für das morgige Spiel sind die Gastgeber in mannschaft­licher Hinsicht weit besser gerüstet als beim Spiel in Marburg. Verstärkt durch die Spieler Fleisch­hauer, Aßmann und Mehlhorn vom VfB.-R. und die Urlauber Schäfer und Schwend er haben die Blau-Weißen eine schlagkräftige Mannschaft zur Stelle'; die Gebrüder Kraft stchen bei diesem Spiel leider nicht mehr zur Verfügung.

Werbung in Lauterbach.

Der Sportgau Hessen-Nassau führt am morgigen Sonntag in Lauterbach eine Werbeveranstaltung für die Leibesübung durch, die im wesentlichen in die Hände der Fuß- und Handballspieler gelegt ist. Den Hauptteil wird ein Fußballspiel darstellen, in dem der Luftwaffensportverein Gießen gegen die bekannte und gute Mannschaft von Borussia-Fulda spielt. Für den Luftwaffensportverein ist die Be­rufung zu diesem Spiel ein ehrenvoller Auftrag. Nach den Leistungen im Spiel gegen Offenbach darf man erwarten, daß es dem LSD. gelingt, auch gegen eine so starke Mannschaft wie Borussia- Fulda ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Handball-Lokaltreffen.

2Hto. Gießen Cuftroaffea-Spodüerein Gießen.

Der 8923. ist im Neuaufbau feiner Mannschaft begriffen, um bei den kommenden Punktspielen den Gießener Sportkreis wieder würdig zu oertreten. Es ist daher zu begrüßem daß der Mtv. als Prüf­stein herangezogen wird. Dieser hat als nächstes Ziel die Ausscheidungsspiele der Vereinsmannschafte-n um die Gebietsmeisterschaft der HI. vor sich, so daß für beibe Mannschaften das Spiel nur nützlich sein kann.

Me

Wäsche, Anzüge, Mäntel, Jacken und Hosen, Hüte, Kleider, Röcke, Blusen, die im eigenen Haushalt entbehrlich sind, werden für Rüstungsarbeite-r und ar beiterinnen gebraucht. Die für den Endsieg eingesetzten Arbeitskräfte erhalten die notwendige Arbeitskleidung und Wäsche aus der

Spinnstoff- u. Schuhsammlung 1943

VOM 23.MAI BIS !2.3U»fl

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