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pariser Brief.

Der Zeanne-d'Arc-Tag. Caillaux' Memoiren.

Von unserem Er.-Korrespondenten.

eine Frage, die von der Verteilung des ihnen zur Verfügung stehenden Frachtraums abhängt. Nach einer Rundfunksendung aus London vom 3. April 1943 klagt der britische Ernährungsminrster Lord Wootton darüber, das; Englands Lebensmittelreser- ven keinen Ueberschuß mehr aufweisen; der Bestand an Lebensmitteln werde immer kleiner, Lord Wool­ton fragt, wann die ganze Sache ein Ende nehme. Reuter berichtet Ende März von einer Ansprache des südafrikanischen Ministerpräsidenten Smuts, in der er die Kriegsmüdigkeit auf feiten der Briten diegroße Gefahr" nennt. Als besonders beun­ruhigend wird anscheinend die hemmende Wirkung des Frachtraummangels auf die Pläne für eine an­griffsweise Kriegführung empfunden.

Wenn unter solchen Umständen die uns aus dem ersten Weltkrieg vertraute feindliche Hetze gegen den U-Boot-Krieg wieder auflebt, so kann das nur als Zeichen der Unsicherheit gegenüber die­ser Gefahr aufgefaßt werden. Das U-Boot gilt dem Briten als unmoralisch und barbarisch, weil es ihm gefährlich ist. Daß Großadmiral Lord Fisher, 1914 Erster Seelord der Admiralität, während des ersten Weltkrieges erklärt hat, er würde gegebenen­falls die U-Boote genau so verwendet Haven wie die deutsche Kriegsleitung, wurde von der Propa­ganda natürlich übertönt. Auch nach dem Krieg von 1914/18 wurde öffentlich nichts von der Hetze gegen den U-Boot-Krieg widerrufen. Das geschah nur in vertraulichen Denkschriften. Eine solche wurde während des jetzigen Krieges erbeutet. Sie wurde im Jahre 1937 vom Auswärtigen Amt in London unter dem TitelA History of the Blockade of Germany and of the Countries associated with her in the great war: Austria, Hungäry, Bulgäria and Turkey 19141918" verfaßt, sollte der Schu­lung von Offizieren und von Beamten des diploma­tischen Dienstes für den damals schon ins Auge ge­faßten zweiten Blockadekrieg gegen Deutschland dienen und wurde deshalb nur einem eng begrenz­ten Kreis von Lesern zugänglich gemacht. Im Laufe des jetzigen Krieges ist diese britische Dienstschrift in unsere Hand gefallen. Sie schildert die Vorbe­reitung, Eröffnung, Entwicklung und Wirkung der 1914 gegen das deutsche Volk aufgerichteten Hunger­blockade und behandelt in einem Kapitel auch die Vergeltungsmaßnahme Deutschlands gegen sie, den U-Boot-Krieg. Bei dieser Gelegenheit nennt die britische Denkschrift den U-Boot-Kriegeine der großen Operationen der Seekriegsgeschichte" und über die Hetze der britischen Regierung gegen den U-Boot-Krieg fällt sie wörtlich das folgende ver­nichtende Urteil:Es ist eine alte Regel militä­rischer Ehre, niemals die Taten eines Feindes, der hart und tapfer gekämpft hat, zu verkleinern. Wenn diese Regel in England befolgt worden wäre, würde die Öffentlichkeit den Platz, den der U-Boot-Han- delskrieg in der Geschichte der Strategie und des Krieges einnehmen wirb, besser würdigen. Unglück­licherweise find die Schreckensschreie sowie die un­angebrachten Beschimpungen der Presseleute von verantwortlicher Seite aus wiederholt worden mit dem Ergebnis, daß die Schlagworte von Piraterie und Mord in den Sprachschatz übergegangen sind und in den Herzen des Volkes entsprechende Ge­fühle ausgelöft haben." Diesem Urteil ist nur hin­zuzufügen, daß die jetzt wieder einfetzende Hetze gegen den U-Boot-Krieg eine bewußte Lüge ist.

Ein Wort ist noch über die Zahlenangaben un­terer Versenkungen durch U-Boote zu sagen. Am 6. April 1943 wurde über den Sender Daventry folgendes geäußert:Niemand leugnet, daß Adolf Hitlers U^Boot-Äommandanten noch immer eine ansehnliche Tonnage von Schiffsraum versenken, aber seit der Wendung, die der Krieg in Afrika und in Europa genommen hat, haben sich die deutschen Behauptungen immer weiter von der Wahrheit entfernt. Man kann ein für allemal die Regel auf­stellen: Je schlechter es Hitler geht, desto wilder wer­den seine Uebertreibungen. Es siebt so aus, als ob schlechte Zeiten den deutschen U-Boot-Komman- danten in einen Baron Münchhausen verwandeln." In Wirklichkeit veröffentlicht die deutsche Kriegs­leitung nicht mehr, als was die U-Boote melden, und diese Meldungen besitzen heute denselben Grad der Zuverlässigkeit wie früher. Zu diesem Punkt gab es in der errpähnten Oberhaussitzung vom 24. März 1943 eine aufseh en erreg ende Enthüllung. In ihr entgegnete Lord Winster auf die Regierungs­erklärung, die deutschen Erfolge seien weit über­trieben, er wisse aus Schiffahrtskreisen, daß im Juli 1942 aus einem für die Sowjetunion bestimm­ten Geleitzug von 38 Schiften nicht weniger als 34 versenkt worden seien. Diese Angabe kam also der damaligen deutschen Meldung von 37 Schiffen be­denklich nahe und verstärkte den Eindruck der deut­schen Sondermeldung vom 20. März, nach der in der Zeit vom 16. bis 20. März aus einem Geleit­zug 32 Schiffe von 204 000 BRT. vernichtet wor­den seien. Mit Bezug auf sie erklärte das Oberhaus­mitglied Lord Strabolgi (der ehemalige Korv.-Kpt. Kennworthy) von der Labour-Partei, es sei eine Schande, daß12 000 seekranke Landratten den Be­stand des britischen Weltreiches gefährden dürften".

Alle diese erfreulichen Anzeichen und Aeuße- rungen können uns indessen nicht über die Erkennt­nis täuschen, daß der U-Boot-Krieg ein harter und härter werdender Kampf ist. Gerade weil der Feind die Gefahr hoch einschätzt, setzt er alle Hebel in Bewegung, um ihr zu be­gegnen. Infolge des überaus reichlichen Gebrauchs von wirksamen Wasserbomben bedeutet jeder An­griff auf Geleitzüge den vollen Einsatz der U-Boote und erschwert ihre Tätigkeit außerordentlich. Die dauernde Beaufsichtigung breiter Seegebiete vor den europäischen und nordamerikanischen Küsten so­wie der Ansatz von Bordflugzeugen in freier See erzeugt weitere Erschwerungen. Die U-Boote müssen deshalb nicht selten gegen feindliche Flugzeuge kämpfen; der Abschuß von fünf großen F^nd- bombern in der Biskaya durch die U-Boot-Flak ist ein Zeichen dafür. Dennoch haben wir keinen Grund zur Verminderung unseres Vertrauens auf weitere Erfolge unserer U-Boote.

Sie wirken sich auch auf den Kriegsschauplatz im Stillen Ozean aus. Nach Andeutungen derSun- day Times" von Anfang April 1943 ist auf der be­kannten Besprechung in Casablanca im Herbst 1942 der Entschluß gefaßt worden, unter Hintansetzung der Kriegführung gegen Japan zunächst die Kräfte zu einem Erfolg auf dem europäischen Schauplatz zusammenzufassen. Dieser Entschluß hat in Austra­lien lebhaften Widerspruch hervorgerufen. Der australische Ministerpräsident Curtin nannte am Jahrestag der Eroberung der Halbinsel Bataan au; den Philippinen durch die Japaner die Kriegführung der Alliierten im Stillen Ozean eine ,Kette ver­paßter Gelegenheiten".' Der australische Außen­minister Evatt hielt kürzlich in San Franzisko eine Rede, in der er die sofortige Notwendigkeit einer Niederringung Japans mit den Worten betonte: Jeder, der die Lage im Pazifik nicht nur als zweit­rangig ansicht, sondern sogar mit einer weiteren Verzögerung vereinbar hält, täuscht sich. Wir müssen uns darüber klar fein, daß, wenn wir Javan ge­statten, genügend lange im Besitz der Geoiete

Paris, im Mai 1943.

Auch in diesem Jahre ist in Frankreich das Fest der Jungfrau von Orleans gefeiert worden. Tradi­tionsgemäß gedenkt das offizielle Frankreich seit einigen Jahrzehnten jeweils am zweiten Sonntag des Monats Mai der Jeanne d'Arc, denn in den ersten Maitagen des Jahres 1429 hat sie die Stadt Orleans von der Belagerung der Engländer ent- etzt. Erklärlicherweise ist während der Kriegszeit )er äußere Rahmen irgendwelcher Kundgebungen aufs äußerste eingeschränkt. Soweit dieser Rahmen offizielle Reden zugelassen hat, hat man selbstver- tändlich nicht versäumt, zu betonen, daß die Jung­rau von Orleans ihren Kampf gegen die Engländer geführt hat, von denen sie ja auch schließlich in Rouen verbrannt worden ist. Die entsprechende Pa­rallele für die heutige politische Konstellation zu ziehen, in der das amtliche Frankreich dem franzö- ischen Volke feine Stellung in dem neuen kontinen­talen Europa gegen den kontinentfeind­lichen englisch-amer i k a n i f ch e n A n - türm anweift, lag selbstverständlich nahe.

In Paris wurden nur von wenigen offiziellen Persönlichkeiten vor dem golden leuchtenden Denk­mal der Jeanne d'Arc an der Rue de Rivoli gegen­über den Tuilerien und dem Louvre Blumengebinde niedergelegt. In. den Friedensjahren türmten sich dort am zweiten Marsonntag die Blumen berghoch, von den teuersten Blumenarrangements der natio­nalistischen Verbände bis zu den bescheidensten, für einen Franken von einer Blumenfrau erstanden, von unbekannten Händen niedergelegten Maiglöck­chensträußchen. Damals hatten sich die zylinder- tragenden Vertreter des amtlichen Frankreichs der Dritten Republik nur für kurze Augenblicke mit dem nationalistischen Volk von Paris ein Stelldichein ge­geben. Unmittelbar auf die Nieüerlegung der Blu- menfpenden durch die. Minister war der Vorbei­marsch der Truppenabteilungen mit den Offiziers­chülern von St. Cyr und den Zöglingen der Ecole Polytechnique an der Spitze gefolgt. Dann hatten die Minister schleunigst in ihren Autos die Abfahrt anaetreten und das Feld dem Vorbeimarsch der nattonalistischen Verbände überlassen.

Zu all diesen lärmenden Kundgebungen ist es in diesem Jahre nicht gekommen, ebenso wenig wie in den vorangegangenen Jahren seit dem Waffenstill- tand. Immerhin haben tausend französische Kriegs­iefangene, die einen 14tägigen Osterurlaub in Frankreich verbringen durften, ""dem Jeanne-d'Arc- Tag eine zweitägige Verlängerung ihres Urlaubs verdankt. Ihre Abreise wurde um zwei Tage hin­ausgeschoben, um ihnen Gelegenheit zu geben, den Tag ihrer Nationalheldin im Kreise ihrer Familie zu verbringen. Jetzt sind die tausend Urlauber wie­der nach Deutschland zurückgekehrt, und man er­wartet weitere Transporte mit Kriegsgefangenen, die jetzt zu Zivilarbeitern erklärt worden find und damit ebenfalls das Anrecht auf einen Heimaturlaub wenigstens im Prinzip erlangt haben.

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Eines der interessantesten Werke auf dem an Neuerscheinungen seit dem Waffenstillstand gewiß nicht armen politischen Büchermarkt in Frankreich ist der zweite Band der Memoiren des achtzigjähri-. gen Staatsmannes Joseph Caillaux. A'bge-

verbleiben, die es den Alliierten geraubt hat, wir im Pazifik einer dunklen Zukunft entgegensehen." Die etwa gleichzeitig einlaufende japanische Mel­dung vom neuesten Erfolg der japanischen Marine­flugzeuge, die am 7. April 1943 bei den Florida- Inseln (dicht bei Guadalcanar Salomon-Inseln) einen Kreuzer, einen Zerstörer, 10 Transporter und 37 Flugzeuge des Feindes vernichteten, war ge­eignet, die Sorgen der Australier zu verstärken. Es zeigt sich eben, daß die Wechselbeziehungen zwischen den deutschen, italienischen und japanischen Erfolgen besonders eng sind und die Aussichten für die ge­meinsame Seekriegführung günstig beeinflussen.

Oie Juden in Palästina.

Sofia, 22.Mai. (Europapreß.) Eine jüdische Nachrichtenagentur meldet aus Jerusalem, daß in den letzten vier Monaten des Jahres 1941 und im Jahre 1942 insgesamt 38 000 Juden nach Palästina eingewandert seien, davon die Hälfte illegal. Trotz der Wirtschaftskrise haben die palästinensischen Behörden darüber hinaus für 1943 weiteren 5000 jüdischen Flüchtlingen aus Europa und 6000 Juden aus Polen den Zutritt ins Land gestattet. Im Jahre 1939 hatte das Einwan­derungsamt das Kontingent bis März 1944 auf 29 000 Personen festgesetzt. Dieses Kontingent ist also schon jetzt bedeutend überschritten worden.

Große Erregung unter den Arabern verursachte ein Artikel der LondonerTimes", der sich unter dem TitelEin Rat a n d i e Araber" mit der arabischen Frage beschäftigte und bezüglich Palä­stinas erklärte:Die Araber müssen dafür Ver­ständnis zeigen, daß P a l ä st i n a zu einem jüdi­schen Land geworden ist und daß weder England noch Amerika von dieser Auffassung äbgehen wer­den." Die ägypttsche ZeitungEl-Misri" schreibt hierzu: Wenn dieTimes" wirklich den politischen Willen Englands repräsentiert, so muß man daran zweifeln, daß die Atlantik-Erklärung ehr­lich gemeint war. In der ZeitungMokkatarm heißt es zum gleichen Thema, daß man nach der Erklä­rung derTimes" annehmen müsse, daß die Atlan­tikerklärung nur ein Lockmittel gewesen sei.

Bon den Sowjets verhaftet.

Ankara, 21. Mai. (Europapreß.) An der sowjetisch-iranischen Grenze sind zehn Mitglie­der der polnischen Botschaft in Kuiby­schew auf ihrer Reise nach Teheran von den sowjeti­schen GrenZbehörden verhaftet worden. Es han­delt sich um das restliche polnische Botschaftsperso­nal, das nach dem Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen zwischen Polen und der Sowjetunion ausgewiesen wurde, nachdem die Sowjetbehörden einen Teil der Botschaftsmitglieder wegen Spio­nage schon in Kuibyschew verhaftet hatten.

Australiens Verluste in Tlordafrika.

Schanghai, 21. Mai. (Europapreß.) Nahezu ein Drittel ihrer Totalverluste bei den Feldzügen in Nordafrika erlitten die Australier hei den Durch­bruchskämpfen von El Alamein. Der australische Kriegsminister Forde veröffentlichte am Donners­tag Die Zahlen über den Gesamtausfall an Men­schen bei den Mittel-Ost-Feldzügen. Die Australier geben zu, daß sie 1012 Offiziere, 17 701 Unterofti-

sehen von dem noch etwa zehn Jahre älteren Aka­demie-Mitglied Hanotaux wohl der älteste noch lebende Kronzeuge, der aus eigener verantwort­licher Tätigkeit aus der an Keimen zu den späteren Verwicklungen so reichen Zeit vor dem ersten Welt­krieg zu berichten weiß. Weniae Politiker jener Jahrzehnte haben in ihrer Persönlichkeit so viele interessante Züge aufzuweisen wie gerade Caillaux, der schon in seiner äußeren Erscheinung die Autori­tät der Persönlichkeit zur Schau trug. Bestimmt klaffte zwischen der liberalen Ideologie, auf die er sich berief, und die das eigentliche Milieu seiner politischen Herkunft war, und seinem Respekt er­zwingenden, hier eben nur alsautoritär" defi­nierbaren Habitus ein Widerspruch. Schon die Titel der beiden bisher erschienenen Bände von Caillaux' Memoiren geben in dieser Hinsicht gewisse Finger­zeigte:Jeunesse orgueilleuse (Stolze Jugend) heißt der erste Band, der die Jahre 1863 bis 1909 behandelt; der zweite Band, vom Jahre 1909 bis 1912 führend, behandeltLes audaces (Kühn­heiten) und die Krise von Agadir. Schon der Name Agadir läßt einen Höhepunkt der langen Laufbahn von Caillaux aufleuchten; zu welchen Verheißungen schien damals nicht die glückliche Bei­legung des deutsch-französischen Konfliktes mit der seinerzeit schon drohenden europäischen Kriegsgefahr wegen Marokkos zu berechtigen! Wie sehr war damals Caillaux bis zum höchsten Triumph als Er­halter des europäischen Friedens inmitten einer mit Zündstoff gefährlich , geladenen Atmosphäre empor­gestiegen! Und wie rasch folgte der Stur^ in dunkle Tiefen, wie vielen Anfeindungen war Der schwer­reiche Bankmann Caillaux aus allerlei Finanzge­schäften ausgesetzt, wie sehr lastete auf ihm der Druck der Hetze, die die kriegslüsterne Meute des Figaro" gegen ihn entfaltet hatte!

Aber das führt in das Gebiet, dessen Behand­lung dem folgenden, noch nicht veröffentlichten Band von Caillaux' Memoiren vorbehalten ist. Der jetzt erschienene Band beschränkt sich nicht auf die Dar­stellung van Caillaux' Rolle in der glücklichen Ent­wirrung der Agadir-Krise, wo der Ministerpräsident Caillaux sich nicht scheute, feinem der Routine des Quai d'Orsay hörigen Außenminister d e S e l v e s in die Zügel zu fallen und den Ausgleich mit dem kontinentalen Nachbarn Deuftchlanü auch gegen die Wünsche Englands herbeizuführen. Cail­laux hat neben alledem ein ganzes Dkizzenbuch mit Zeichnungen der damals vor oder hinter der Kulisse tätigen französischen Politiker geliefert, und diese Galerie erschöpft sich nicht in der Nennung etwa der drei bekannten großen Namen Poincarö, Cl6° menceau und Briand.

Freilich, all das ist auch über das Menfchliche hin­aus rettungslos dem Untergang verfallen, das Re­gime der Dritten Republik hat sich selbst überlebt, und es wird sich niemals mehr aus dem Grab er­heben. Noch steht nicht genau fest, was an seine Stelle treten wird. Zu viele Ereignisse, die noch in Fluß sind, werden darauf Einwirkung haben; aber es ist nicht ohne Reiz, die Meilensteine einer Vergangenheit abzugehen, in der ein Mann wie Caillaux, dessen Aktivität oft bis zum Dämonischen gesteigert war, ein entscheidendes Wort zu sprechen hatte, ein Wort, das zum Schluß nicht mehr gehört wurde. .

ziere und Mannschaften verloren haben. Von die­sen insgesamt verlorenen 18713 Mann sind 3147 tot, 8317 verwundet und 7249 gefangen oder ver­mißt.

Neuer Hiß im britischen Empire.

Schanghai, 21. Mai. Europapreß.) Dem Par­lament des britischen Dominions Neuseeland wurde soeben ein Gesetz vorgelegt, das die Schaf­fung eines Außenministeriums vorsieht. Es wird verlangt, daß Neuseeland in Zukunft die An­gelegenheiten seiner Beziehungen' zu den auslän­dischen Staaten selbst in die Hand nimmt. Es gab zwar bisher schon die Funktion eines Außenministers, der jedoch in Personal-Union mit dem Ministerpräsidenten sich nur mit dem Man­datsgebiet Samoa befassen durfte.

Tschungking-Ehma in der Krise.

Schanghai, 22. Mai. (Europapreß.) Etwa 9 0 0 0 0 Soldaten der 29. Tschungking-Armee- gruppe und 29 Divisionen der 10. Armeegruppe sind von den japanischen Streitkräften in den letzten Kämpfen vernichtet worden. Diese Erfolge sind das Resultat von japanischen Angriffsoperationen, die in der Hup eh-Provinz durchgefuhrt wurden. Diese Operationen währten 20 Tage und wurden am 18. Mai abgeschlossen. Die japanische Front erstreckt sich nun in einer Ausdehnung von über 200 Kilo­meter zwischen Ansiang in der Provinz Hunan und T s ch u k i a n g in der Provinz Hupeh.

lieber Zerfallserscheinungen in den tschungking-chine fischen Armeen äußerte sich der japanische Sprecher Nakagawa am Freitag vor ausländischen Pressevertretern. Der Sprecher er­innerte an die große Zahl von Ueberläufern aus den Reihen der tschungking-chinesischen Offiziere und Soldaten, die sich der Friedensbewegung der Rang- king-Regierung angeschlossen haben. Diese Erschei­nungen würden sich, so sagt Nakagawa voraus, in der Zukunft mehren. Die Kampfkraft der Armeen Tschingkaischecks nehme fdjneü ab.

Nach Meldungen aus Tschungking stößt eine ja­panische Armee südwestlich von Jchang in achtzig Kilometer breiter Front am Südufer des Pangtfe vor. Die japanische Infanterie wird von der Luftwaffe unterstützt, südlich von Tscheking seien Fallschirmjägertruppen eingesetzt worden.

Kleine politische Nachrichten.

Die Präsidentin des Lotta Soaert, Fanni Luuk- tonen, hat Deutschland wieder verlassen. Neben Be­sichtigungen einiger ihr bisher unbekannten Einrich­tungen diente der Besuch vor allem einem Erfah­rungsaustausch. Im Vordergrund standen Fragen her Truppen- und Verwundetenbetreuung und des Einsatzes von Frauen für die Zwecke der Wehr­macht.

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Das politische Amt der Deftur-Partei, der Partei der tunesischen Nationalisten, hat seinen Sitz von Tunis nach Rom verlegt.

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Der schwere wirtschaftliche Druck Englands auf Indien kommt besonders zum Ausdruck durch die Tatsache, daß Indien allein, -einer Meldung aus London zufolge, für den afrikanischen Feldzug der.

Admiral Hamamoio.

Mit Admiral Damamoto, der, wie gestern be, reits von uns gemeldet, den Heldentod gestorben ist, hat Japan einen seiner größten und fähigsten Flot­tenchefs verloren. Sein Name ist untrennbar i)ert bunden mit den großen Erfolgen der japanischen Marine im gegenwärtigen Kriege, mit der Vernich­tung der amerikanischen Flotte in Pearl Harbour, der Versenkung des >,Prince of Wales" und der Repulfe" und mit den zahlreichen Seeschlachten, die in allen Teilen des Pazifik erfolgreich für Japan ausgefochten wurden und unvergänglichen Ruhm an die Fahnen der japanischen Marine hefteten. Der schweigende Admiral", wie er mit größter Ehr-, furcht genannt wurde, hat selbst diese Pläne aus­

gearbeitet, die unter seiner Führung verwirklicht wurden. Der erfolgreiche Anteil der Marineluftwaft« an den japanischen >seesiegen ist unmittelbar ein Verdienst des Admirals $amamoüh Er trug den NamenVater der Seeadler" mit Recht, denn sei- ner Initiative und ermüdlichen Sorge hat die japa­nische Marinelustwaffe deren erster Kommandeur und Instrukteur Damamoto war die Ausbildung zu verdankem welche sie, wie Admiral Pamamoto einmal im Reichstag erklärte, zur ersten Marine- luftmaffe der Welt machte.

Im August 1940, also knapp ein Jahr vor Aus« bruch des Krieges gegen England und Amerika, übernahm Damamoto den Posten des Oberbefehls- Habers der vereinigten japanischen Flotte, nachdem er bereits bis zu diesem Zeitpunkt eine glänzende Karriere als Offizier hinter sich hatte. Er trat 1904 in die Marineakademie ein und erhielt noch im gleichen Jahr im japanisch-russischen Krieg als jun­ger Offizier an Bord des Kriegsschiffes ,,Nisfchin" die Feuertaufe, wurde schwer verwundet und wer­ter zwei Finger seiner linken Hand. Nach dem Welt­krieg weilte Pamamoto von 1921 bis 1925 als Ma- rineattachö in Amerika, war 1929 Vertreter Japans auf der Flottenkonferenz in London, wo er als der großeRadikalist" Japans galt, bekleidete von 1936 bis 1939 den Posten des Vizemarineministers und leitete gleichzeitig die Luftwaffenabteilung der Marine.'

Das gesamte japanische Volk brachte feinem ober­sten Flottenchef unbegrenztes Vertrauen entgegen, das er, als es zum Kampfe kam, bis zu seinem Tode vorbildlich rechtfertigte. Seinen Mannschaften und seinen Offizieren war er das unerreichte Vor­bild eines Führers. So ereilte ihn auch der Helden­tod, als er im April dieses Jahres an Bord eines Flugzeuges selber wichtige militärische Operationen befehligte.

Der Tenno hat für Admiral Pamamoto ein Staatsbegräbnis angeordnet. Der Tenno bestimmte ferner, daß Aamamoto zum Großadmiral ernannt und ihm der höchste staatliche Verdienstrang zuer­kannt wird. Außerdem ist ihm der Orden I. Klasse des Goldenen Geier verliehen worden.

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Pamamotos Nachfolger K 0 ga war vor feiner Berufung auf den höchsten Posten der japanischen Marine feit Dezember 1942 Kommandeur der Flot­tenstation Pokosuko. Der im Mai 1942 zum Admiral beförderte Offizier hat sich auch an verschiedenen ausländischen Posten und unter anderem 1926 als Attache an der japanischen Botschaft zu Paris die nötige Erfahrung geholt.

Briten und Nordamerikaner 1,5 Millionen Tonnen Versorgungsgüter hat liefern müssen.

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Auf Londoner Anweisung beschloß der ägyptische Ministerrat die Errichtung einer diplomatischen Ver­tretung in der Sowjetunion. Also auch Aegypten liebedienert vor dem Bolschewismus!

Kunst und Wistenfchast.

hochschulnachrlchlen.

Dieser Tage vollendet der Professor der Land­wirtschaftslehre an der Universität Leipzig, Hofrat Dr. phil. Wilhelm Müller-Lenhartz, fein 70. Lebensjahr. Er wurde 1873 auf der Domäne Marienthal (Hannover) geboren und widmete sich zunächst her praktischen Landwirtschaft, um dann in Leipzig Landwirtschaft und Naturwisseuschasten zu studieren. Fast 25 Jahre lang war er Leiter des Landwirtschafllichen Instituts in Leipzig und zu­gleich Dozent an der Tierärztlichen Hochschule Dres­den. 1921 erhielt erbic Professur für Landwirt­schaft an der Leipziger Universität. 1938 wurde er wegen Erreichung der Altersgrenze von den amt­lichen Verpflichtungen entbunden, befindet sich aber noch im Dienst. Durch zahlreiche Schriften über Er­nährung, Landwirtschaft, Haustiere, Milchhygiene und Agrarpolittk ist er weiten Kreisen bekannt ge­worden. Der Dozent für Mathematik an her Universität Breslau Dr. phil. habil. Georg Tautz wurde zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Professor Tautz wurde 1901 geboren und habilitierte sich 1930 in Breslau, wo er 1937 zum Dozenten ernannt wurde.

Unterhaltungsmusik ernster Komponisten.

Einer Anreaung des Rundfunks folgend, hat eine Reihe ernsthafter Komponisten sich in neuen Wer­ken der unterhaltsamen Musik gewidmet. Die Kom^ Positionen stammen von dem ehemaligen Dirigenten des Reichssenders Hamburg, Gustav Adolf Schlemm, dem Konzertmeister der Wiener Symphoniker, Emanuel Seidl-er, dem durch Sinfonien hervorgetretenen Armin Kaufmann, her ebenfalls den Wiener Symphonikern angehört, dem Kompositionslehrer an der Wiener Akademie, Walter Andreß. Dazu Alois Pachernegg/ her sich neuerdings besonders der Bearbeitung alter Musik (Bach, Wagenseil) angenommen hat, der junge Otto Walter, der Musikbeaustragte her DAF. Walter Hammer schlag, ein Schüler von Hermann Unger, schließlich her durch «Sinfonien und Opern bekannte Hans. Pullekigin.