Ausgabe 
20.2.1943
 
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m. s Zweitez Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderdessen)

2O./2|.^bruar ly§Z

vorn-

*^DieKontrollausweisezumSamen-

bezug werden in der nächsten Woche aus Näheres darüber im heutigen Anzeigenteil.

ist oder ob aus berechtigten gesundheitlichen Rück- sichten ein Wechsel im Beruf oder an der Arbeits­stätte empfohlen werden muß. Es dreht sich also dar­um, mit der Entscheidung des Arztes dazu beizutragen, daß jede Perfon soweit wie möglich an der richtigen Stelle zur Arbeit eingesetzt wird. Dem Amtsarzt stehen für die Untersuchung nicht nur die Hilfsmit­tel seines Amtes, sondern auch die der Kliniken und Krankenhäuser und der dort eventuell bereits vor­handenen Blätter der Gesundheitskartothek (Kran­kenblätter ufw.) zur Verfügung. Frühere Röntgen» aufnahmen sowie andere ärztliche und Wissenschaft« liche Untersuchungsergebnisse können erforderlichen­falls herangezogen und neue Röntgenaufnahmen vorgenommen werden. Diese weitreichenden Hilfs­mittel sollen dazu dienen, in wirklich begründeten Fällen die Stichhaltigkeit des amtsärztlichen Ge- fundheitsbefundes zu fundiert und damit volle Ge­währ für die gerechte Behandlung sowohl der öffent­lichen Interessen als auch der jeweiligen persönlichen Belange zu bieten. Etwaige Drückeberger wird der Amtsarzt meist sehr schnell erkennen und entspre­chend bewerten.

Zu dieser gerechten Urteilsbildung ist es erfor­derlich. die vielseitigen Erfahrungen des amtlichen Gesundheitsdienstes sowie die umfassende Menschen­kenntnis der verantwortlichen Aerzte der Gesund-

ten wir erkennen, daß der Amtsarzt bei seinen Ent­scheidungen eine doppelte Verantwortung zu tragen hat, einmal gegenüber der öffentlichen Aufgabe im Dienste der Volksgemeinschaft, zum andern gegen­über der untersuchten Person hinsichtlich ihrer Ver­wendung unter Berücksichtigung ihres Gesundheits­zustandes. Selbstverständlich kann nicht jede Person, die zum Arbeitseinsatz herangezogen wird, Anspruch auf eine amtsärztliche Untersuchung gelten machen. Die Bemühungen des Arzies müssen wirklich be­gründeten und deutlich erkennbaren Ausnahmefällen vorbehalten bleiben. Im allgemeinen muß der Grundsatz auch vom Standpunkt des moralischen Verpflichtetseins gegenüber der Volksgemeinschaft! gelten, daß jeder Mann und jede Frau, die bisher an einem anderen Arbeitsplätze oder zu Hause ihre täglichen Aufgaben erfüllten, auch unter den ver­änderten Arbeitsverhältnissen ihre Pflicht im Dienste der Gemeinschaft tun können, ohne daß deswegen vorder noch der Amtsarzt entscheiden muß.

Wird auf Veranlassung des Arbeitsamtes der Arzt in Anspruch genommen, so hat er vor allem zu prüfen, ob die in Betracht kommende Person für die vorgesehene Verwendung gesundheitlich geeignet

ten, die im Auftrage der NSV. hauptberuflich tätig sind und jeweils eine Anzahl Haushaltungen zur Betreuung zugewiefen erhalten, wird es mancher Frau leichter machen, ihre Arbeitskraft für unsere Rüstungsarbeiten zur Derfügung zu stellen.

Im Gau Hessen-Nassau werden in der nächsten Zeit auch weitere Mutter-Erholungsheime eröffnet. Die Gauamtsleitung der NSV. hat als erfte_ Er­weiterung dieser Art die Eröffnung eines Mütter- Erholungsheimes in Bad-Nauheim vorgesehen, das voraussichtlich im April seiner Bestimmung über­geben werden soll. In diesem Heim können 50 bis 60 Mütter, vielleicht auch eine kleine Anzahl Kinder dieser Mütter, jeweils für einen mehrwöchigen Auf­enthalt Unterkunft finden. Weiterhin wird ein neues Mütter-Erholungsheim im Schloß Schönberg (Oden­wald) eingerichtet werden, da ein Flügel dieses Schlosses für den lobenswerten sozialen Zweck der NSV. zur Verfügung gestellt worden ist. Dieses Heim wird etwa 20 Mütter zur Erholung aufneh-- men. Mit diesen Neueinrichtungen und der statt­lichen Reihe der schon länger bestehenden Mütter- Erholungsheime in unserem Gau sind auch für die Frauen, die im Kriegswirtschaftseinsatz ihre Kräfte für das Gemeinwohl anspannen, schöne Stätten der Erholung geschaffen. Die NSV. erfüllt damit auch künftighin, wie bisher schon seit Jahren, in vorbildlicher Weife eine Ehrenpflicht gegenüber un­seren allezeit tatbereiten Müttern und Frauen, für die man dem HilfswerkMutter und Kind" nur volle Anerkennung aussprechen kann. B.

Neue Arbeitskräfte für unsere Rüstung

Der Einsatz im Bereich des Arbeitsamtes Gießen. Oie NSV. zur * verstärkten Mithilfe bereit.

Heute Großkundgebung der NGOAp.

20 Uhr in der Aula. Redner Prinz zu Echaumburg-Lippe^

Alle Volksgenossen find eingeladen.

heitsbehör'de in Anspruch zu nehmen. Diese Männer haben durch ihre Amtstätigkeit tiefe Einblicke in Betriebsbedingtheiten und Berufserfordernisse, die auch bei der Entscheidung über die Arbeitseinsatz- fähigkett in gebührender Weise nutzbar gemacht werden sollen, um Fehlentscheidungen von herein soweit wie möglich auszuschließen.

Wann gibtS einen neuen Anzug?

Mit der 4. Reichskleidertarte ist eine Neuregelung der Ausgabe von Anzügen erfolgt, die im Hinblick auf Unklarheiten in der Oeftentlichkeit jetzt von unterrichteter Seite in derTextil-Zeitung" erläutert wird. Nach wie vor können Männeranzüge oder deren Einzetteile und die zur Herstellung benötigten Oberstoffe gegen die entsprechenden Punkte der 2. und 3. Kleiderkarte bezogen werden. Dagegen ist ein Bezug auf die 4. Kleiderkarte nicht mehr ohne wei- deres möglich. Statt dessen können gegen Abtren­nung von einem Viertel des Punktwertes der 3. Klei­derkarte, also z. B. beim Männeranzug von 20 Punk­ten, Bezugscheine ausgestellt werden, wenn der Ver­braucher im Besitz von weniger als zwei tragfähigcn Anzügen oder der entsprechenden Einzelteile ist. Unter tragfähigen Anzügen wird man dabei nur solche Anzüge zu verstehen haben, die im gewöhn­lichen Tagesablauf getragen werden. Es gehören also nicht dazu, sofern sie nicht berufsmäßig ge­tragen werden, der Smoking, der Frack und der Gehrock. Nicht richtig ist die Auffassung, als ob der einzelne einen Rechtsanspruch auf einen Bezugschein

Erweiterte Borsorge der RGB.

Die NS.-Volkswohlfahrt ist bestrebt, ihre Einrich­tungen gerade auch im Hinblick auf die verstärkte Mitarbeit der Frauen in der Kriegswirtschaft immer mehr auszubauen. Wie wir in einer Unterredung mit dem Kreisamtsleiter der NSV. des Kreises Wetterau H o r t i g hörten, wird z. B. in Gießen die weitere Einrichtung von Kinderhorten und Kinder­tagesstätten mit aller Tatkraft angestrebt. Neues Mobiliar für eine Reihe von Kindergärten steht der Kreisamtsleitung zur Verfügung, ebenso hat sie die geeigneten Kräfte für die Betreuung der Kinder an der Hand. Hinsichttich der Raumfraqe sind zwar noch einige Schwierigkeiten zu überwinden, die sich aber zweifellos bewältigen lassen, wenn der NSV. die vom Standpunkt der Gemeinschaftsinteresses aus dringend erwünschte Unterstützung zuteil wird. Wir möchten hier anregen, daß Gaststätten, die im Zuge

der gegenwärtigen Mobilmachung neuer Arbetts« fräfte ftir die Kriegswirtschaft vorübergehend schlie- ßen, der NSV. zur Einrichtung von Kindertages« statten oder Kinderhorten zur Verfügung gestellt werden. Die Inhaber solcher Gaststätten würden auf diese Weise nicht nur ein gutes soziales Werk unter­stützen, sondern auch von ihrem Standpunkt aus nicht unvorteilhaft handeln. Besonders wichtig für den guten Zweck wären solche Gaststätten, mit denen ein Garten ober eine größere Fläche Freiland ver­bunden ist, wodurch bie Möglichkeit zur Schaffung eines Spielplatzes ober zumindest eines Auslaufes für bie Kleinen gegeben wäre. Gaststätteninhaber, die auf diesem Gebiete mithelfen wollen, werden bei der Kreisamtsleitung der NSV. in Gießen, Goethe- ftraße 34, jederzeit willkommen sein. Neben der Vermehrung der Kinderhorte in der Stadt geht die weitere Einrichtung von NSV.-Kindergärten auch auf dem Lande kräftig voran' schon in wenigen Wochen können neue Einrichtungen dieser Art in vielen weiteren Kreisorten eröffnet werden.

Fermer ist zur Zeit eine großzügige Werbung zur Gewinnung von Haushaltshelferinnen im Gange, deren Aufgabe es fein wird, in btn Familien, die eine zusätzliche Betreuung brauchen, tätig zu fein. Diese NSV.-Haushaltshelferinnen können sich z. B. auch in den Haushaltungen sehr nutzbar machen, deren Hausfrauen in der Kriegswirtschaft mitarbe'en und die bei ihrer Heimkehr von der Arbeit zunrn- dest die wichtigsten Haushaltsarbeiten getan oorfin- ben möchten. Auch diese Bereitstellung von Hilfskräf­

Die erste Gruppe der zum Arbeitseinsatz aufgerufenen Frauen und Männer hat vor einigen Tagen durch die Politischen Leiter die Meldebogen erhalten. Wer von den Meldep,wichtigen bis jetzt noch nicht im Be­sitz dieses Formulars ist, muß es sofort von seinem Politischen Leiter oder dem Arbeits­amt bzw. dessen Nebenstelle an fordern. Nun­mehr folgt umgebend der nächste Schritt auf dem Wege zum Arbeitsplatz. Darüber haben wir uns mi< dem Leiter der Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Sälzer, unter« ' halten.

Die zum Arbeitseinsatz vorgesehenen Personen sind vom Arbeitsamt durch Postkarten zur Beratung und Entscheidung über ihre Verwendung in der Kriegsindustrie geladen worden. Mit der Beratung wird am kommenden Montag begonnen werden. Zuerst werden die gemeldeten Frauen und Mädchen beim Arbeitsamt erscheinen, die Männer werden einige Tage später folgen. Bei der Beratung sind Vertreter der Deutschen Arbeitsfront und Vertrete­rinnen der NS.-Frauenschaft zugegen. Die Ladun­gen sind zeitlich so beffmmt worden, daß die Tätig­keit beim Arbeitsamt sich flott abwickeln kann und die Frauen und Mädchen nicht allzu lange Zeit ver­säumen werden. Mehrere Dienststellen des Arbeits­amtes werden sich mit dieser Ausgabe beschäftigen. Die geladenen Personen müssen ihr Arbeitsbuch, falls sie ein solches schon besitzen, und andere für ihren Einsatz wichtige Arbeitspapiere mitbringen. Bei der Beratung werden die Familienverhältnisse und die häuslichen Erfordernisse der evnsatzpckich- tigen Perlon geprüft, außerdem werden die beruf­liche Vorbildung, Fachkenntnisse, der Gesundheits­zustand ufw. eine Rolle spielen. Nach dem Ergeb­nis der Beratungen wird die Entscheidung über den Arbeitseinsatz getrossen.

Nicht jede Person kann entsprechend ihrer frühe­ren Tätigkeit eingesetzt werden. Immer ist in erster Linie der Gesichtsvunkt entscheidend, daß die Ar­beit für die Stärkung unserer Rüstung geleistet werden muß. Zur Erreichung des höchstmögl'chen Wirkungsgrades der kriegswichtigen Arbeiten kann für die einsatzpflichtigen Personen auch ein Aus­tausch von Arbeitsplätzen vorgenommen werden. Der Einsatz dieser neuen zusätzlichen Arbeitskräfte bezweckt ja nicht nur die vielfach verstärkte Her­stellung von Waffen und Gerät für unsere Soldaten, sondern auch die Freimachung von krieasdienst- fähigen Männern in den Betrieben zur Verwen­dung im Felde. Niemand darf sich dem Irrtum bingeben, daß vielleicht auf Grund früherer beruf­licher Arbeit auch jetzt wieder die Verwendung in der Bürotätigkeit pder ähnlicher Beschäftigung als maßgeblich zu gelten hätte, oberstes Ziel ist es viel­mehr, die neuen Arbeitskräfte unmittelbar an die Erzeugung von Waffen und anderem Kriegsgerät heranzuführen, also Hände und nochmals Hände für die Rüstung selbst mobil zu machen.

Nach diesen Gesichtspunkten werden die Ar­beitsämter den Kräfteeinsatz leiten und dementspre­chend die Anforderungen der Kriegswirtschaftsbe­triebe beurteilen. Dieser Grundsatz gilt aber nicht nur für die meldepflichtigen, sondern auch für die freiwillig zum Kriegswirtschaftseinsatz erschienenen Personen. Die Betriebsführer haben sich bereit er­klärt, die Frauen und Mädchen sowie die bettiebs- frembcn Männer sorgfältig anlernen zu lassen, da­mit ihnen die Arbeit leicht gemacht wird. Für alle gesunden und noch irgendwie arbeitsfähigen beut» fch-n Männer und Frauen muß es eine Ehrenpflicht fein, ihre Arbeitskraft in vollem uhnfange der VolksaemeinschFt an den Plätzen zur Verfüg"ng zu stellen, wo Die größte Wirkungsmöglichkeit für unseren Sieg erreicht werden kann: in den Werk­stätten unserer Rüstungsbetriebe!

O e Mitarbeit des Amtsarztes.

Aus der Stadt Gießen.

Don den pflchten.

Von Richard Gerlach.

Wie über dem höchsten Gebirge noch der Adler schwebt, so über der lajroer ersteigbaren Pfticht die rechte Liebe." Dieser Satz Jean Pauls ist uns ein besserer Wegweiser zu den Pflichten als die Drohun­gen und der Zwang, die den Wioerstrebenden gleich» sam mit dem Rohrstock zu dem nötigen, was er nicht gern tut. Es ist für die deutsche Denkungsart be- zeichnend, daß unser größter Philosoph in die Mitte seinerKritik der praktischen Vernunft" die Pflicht stellt. Kant nennt die Pflicht den erhabenen großen Namen und die Bedingung des Wertes, den sich Menschen allein selbst geben können, und er fragt- Hält nicht einen rechtschaffenen Mann im größten Unglücke des Lebens, das er vermeiden konnte, wenn er sich nur hätte über die Pflicht wegsetzen können, noch das Bewußtsein aufrecht, daß er die Menschheit in seiner Person doch in ihrer Würde erhalten und geehrt habe, daß er sich nicht vor sich selbst zu schämen und den inneren Anblick der Selbstprufung ju scheuen Ursache habe?"

Die Pflicht ist uns nichts, was von außen her befohlen wird, wir gehorchen ihr aus innerer Rot- menöigfeit, weil wir nicht anders können, weil wir als freie Persönlichkeiten wissen, was wir zu tun haben. Aus solcher seelischen Haltung beruhte schon früi) in Deutschland die Vasallenpflicht, durch den Ritterschlag wurde der Mann in Eid und Pfliest ge­kommen, und dann hielt er die Treue ohne Rück­sicht, ob ihm Vorteil ober Nachteil daraus erwuchs. Das ist etwas anderes, als in der Pflicht nur die Erfüllung des Schicklichen und Wohlanständigen zu sehen, ein Befolgen der Sitte, weil es firn nun einmal so gehörte, jenes unerbittliche Verhalten, bas bei den Völkern des Altertums das Handeln regelte. Nur darum das Rechte zu tun, weil das Iesetz es forderte, halb widerstrebend und bloß aus Angst vor Strafe, ist nicht ehrenvoll. Erst die frei­willige Bindung an die gemeinschaftlichen Aufgaben chrniedet ein Volk zusammen, so daß jeder feiner Schuldigkeit aus gutem Willen nachkommt.

Kant unterscheidet die Pflicht gegen sich selbst von »er Pflicht gegen andere. Beide müssen zusammen- 'ommen; ein Verwahrloster wird auch gegen andere nachlässig, gewissenlos und ohne Verantwortung »erfahren. Seit dem 16. Jahrhundert wurde das bürgerliche Leben in Deutschland maßgebend, d. h. die Ordentlichkeit und Zuverlässigkeit im Handwerk, die Sorgfalt der Arbeit, die Gediegenheit geschäftlicher gebrauche, und die Gilden und Zünfte sorgten da- iir, daß sich ihre Mitglieder gebührend verhielten, mb daß nach Anstand und Billigkeit verfahren ourbe. Durch lange Hebung ist uns der Pflichtaegriff olbstverstänblich geworden, im Berus wie in der $amUiIe, in dienstlichen, gesellschaftlichen und öffent- .chen Angelegenheiten, und wenn der Bürger den iock des Soldaten anzieht, so bringt er die Festig­et des Willens und die Standhaftigkeit des Cha- :ufters mit. Unter allen Umständen seiner Pflicht etteu zu fein, das entscheidet über den Wert des Menschen. Diese Pflicht kann zuweilen scheinbar nur ms Winzigkeiten bestehen, aus der genauen Er- illung dessen, was der alltägliche Dienst verlangt, :ber bas Bewußtsein, daß auch der einfache Hand- (riff notwendig ist, und daß jeder an seinem Platze las leistet, was er kann, gibt der geringen Verrich- ung ihren Sinn für das große Ganze.

Das WortEinsatz" ist erst in diesem Kriege zu ter allgemeinen Gültigkeit gelangt: es bedeutet, daß bsr dort feine Pflicht tut, wohin er gestellt wurde. >ie taugt nichts, wenn sie nur sauer schmeckt und ter Not gehorchend seufzend getragen wird. Aber die echte Liebe läßt sie nach dem Wort Jean Pauls iber sich selbst hinausgelangen.

Gictzener 2Bod)enw.arffpreife,

* Gießen, 20. Febr. Auf dem heutigen Wochen- rmrft kosteten: Markenbutter, XA kg 1,80 RM., Satte 30 Rpf., Käse, das Stück 8, Kartoffeln, 5 kg 5, Wirsing, Vi kg 13, Weißkraut 10, Rotkraut 13, jrlbe Rüben 12, rote Rüben 10, Unterkohlrabi 5 bis i Lauch 25, Sellerie 25, Oberkohlrabi 15, Endivien, 115 Stück 25 Rpf.

Verdunkelungszeit:

20. Februar von 18.43 bis 6.58 Uhr. 21, Februar von 18.44 bis 6.56 Uhr.

Bei der Entscheidung über den Arbeitseinsatz wird erforderlichenfalls auch der Arzt zur verantwort­lichen Mitwirkung eingeschaltet. Privatärztliche Be­scheinigungen haben allerdings keine Güttigkeit, allein das Zeugnis des Amtsarztes wird als maß­geblich anerkannt. Für das Arbeitsamt Gießen kommt als zuständige ärztliche Dienststelle das Staat- 111 a u s m e 11 e g u m ö u m c », liche Gesundheitsamt in Gießen, Wilhelmftraße 59, der nächsten Woche ausgegeben, in Betracht. In einer Unterredung mit dem Leiter - - 1 ir. dieses Amtes, Obermedizinalrat Dr. Engau, konn-

Stück auf, Renate!

Roman von Ernst Grau.

2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

..Verzeihung, Herr Doktor", wendete er sich m to bescheidenen Haltung des Privatsekretärs an fyllingratf),Herr Direktor Terbrüggen erwartet toi Ihnen einen Bericht über den Unfall au, 5i)ad)t III, der heute morgen nach Einfahren der pickst gemeldet wurde."

Terbrüggen sah sich überrumpelt und wollte thm J $ ins Wort fallen, doch ein kurzes Aufblitzen m «sinbers Augen hieß ihn schweigen.

Hellingrath sah mit steigender Verwunderung auf ^fes _Spiel, das er nicht begriff. Aber da hatte trbrüggen sich auch schon wieder gefaßt.

^.Der Bericht ... natürlich!" rief er herrisch. Darum habe ich bisher keinen Bericht erhalten?

-Weil ich bis jetzt noch keine Zeit dazu hatte. Die hrberanlage muß bis zum Schichtwechsel wieder n Orbnung gebracht sein."

. -Also bann, bitte, zunächst mündlich, Herr Doktor ^linaräth", eiferte Terbrüggen weiter, nicht ohne ^«lichst viel Ironie In den Titel zu legen.

-och.Hellingrath hatte eine einnehmende Manier, Dinge nicht tragisch zu nehmen. Wie selost- Itündlich zog er einen Stuhl heran und setzte sich -en den Schreibtisch.

ist leider nicht viel zu berichten, Herr Di- ! or", begann er bann sachlich.Seilbruch, wie es öt anders zu erwarten war. Ich habe ja in den en Wochen oft genug darauf hingewiesen, daß - Förderseil in Schacht III unbedingt ausge- Hselt werden muß. Leider fanden meine da.hlN' tenben Vorstellungen kein Gehör bei ber Direk- die sich immer wieder nur für* neue Repa'-a- n aussprach. Nun ist natürlich das Unglück öa, i vir dürfen unserem Herrgott auf den Km en

danken, daß die Leute schon zur Schicht eingefah­ren waren, als das Seil riß, sonst hätten wir jetzt vielleicht Dutzende von Toten hier zu beklagen. So traf es nur den Steiger Wiedecke. Der arme Kerl liegt jetzt mit einem zerquetschten Bein drüben im Krankenhaus."

Der andere winkte ungeduldig ab.

Und nun? Was weiter?"

Nun sind wir natürlich dabei, ein neues Seil aufzulegen."

Ohne meine Anweisung?" fuhr Terbrüggen auf- gebracht.dazwischen.

,^)err Direktor", meinte Hellingrath seelenruhig, und um die hellen, blauen Augen zuckte es schalk­haft,es ist mir natürlich nicht entgangen, daß wir miteinander auf Kriegsfuß stehen ... leider, wie ich ausdrücklich betonen möchte. Aber Krieg ist eben Krieg. Und rm Kriege sind alle Mittel erlaubt, auch wenn ..."

Terbrüggen war außer sich

Unglaublich! Sie haben sich also erlaubt, hier so ganz eigenmächtig ..."

Verändere lächelte.

Ihre Aufregung ist vollkommen überflüssig und zudem auch ohne jeden Grund, Herr Direktor. Selbstverständlich habe ich mir für eine derart kost­spielige Reparatur vorher die Genehmigung geholt."

Lächerlich? Von wem denn? Mir ist bis zu diesem Augenblick nichts davon bekannt."

Oh. das tut mir aber leid", beteuerte Helling raff) treuherzig.Sann hat Herr Hammerkott in ber Eile sicher vergessen. Ihnen davon zu sagen. Vielleicht hat er es auch nicht für wichtig genug ge­halten."

Die überlegene Ruhe des Ingenieurs erboste Ter­brüggen immer mehr.

Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich dazu sagen soll. Sie gehen hinter meinem Rücken ganz einfach zu Herrn Hammerkott, als ob ich hier ..

Hellingrath hob beschwichttaend die Haiid.

Es mar rein zufällig, daß ich heute Herrn Ham- merkott bei seiner Ankunft sprechen und dabei ganz

kurz meinen Vorschlag unterbreiten konnte, den er denn auch für richtig erkannte und sofort guthieß."

Sein Gegenüber nickte ironisch.

Zufällig. Natürlich ..

,^Zch war gerade auf dem Wege zu Ihnen, Herr Direktor, um «.."

Ich verstehe vollkommen, Herr Doktor Helling­rath. Aber haben Sie Herrn Hammerkott bei dieser rein zufälligen Begegnung auch gesagt, was eine derartige Reparatur kostet? Und daß die heutige Geschäftslage solche Ausgaben nicht verträgt? Aber derlei Fragen interessieren Sie weniger, wie ich sehe."

Der andere blieb noch immer ruhig.

Ich durfte wohl annehmen, daß der Besitzer der Zeche derartige Belehrungen von mir nicht braucht. Im übrigen ist die Frage der Sicherheit der unter Tage arbeitenden Menschen allen anderen Fragen vorzuziehen. Auch der Geldftage. Und auch, wenn man in Hammerkott nicht immer nach diesem mensch­lichen Grundsatz handelt."

Ein kurzes ironisches Lachen klang auf.

So ...? Meinen Sie? Nun aut, wir werden schon noch Geleaenheit haben, darüber zu sprechen."

Das kann sofort geschehen, Herr Direktor", fiel Hellingrath ohne Zägern ein.Uebrigens ... wenn ich Ihnen hier unbequem bin, will ich gern gehen, ich finde auch woanders ein Unterkommen."

Bitte, gehen Sie nur ... lieber heute als mor­gen, Herr Doktor Hellingrath, hätte Terbrüggen gern und mit großem Vergnügen geantwortet. Aber gerade jetzt klopfte Meinders wie spielerisch ein paarmal mit dem Bleistift hart auf die Tisch­platte und sah habet flüchtig zu seinem Gegenüber auf. Terbrüggen rückte ärgerlich seinen Stuhl zu­rück und erhob sich. Zehn Hellingraths würde ich mit Freuden in den Kauf nehmen, wenn ich dafür diesen Meinders loswerden könnte, dachte er er­grimmt. Nun mußte er den M-mn. den er selbst eben noch -m die Luft setzen wollte, sogar noch zum Bleien nötigen.

«Solange Ihr Vertrag lauft, Herr Doktor, sind

derlei Redensarten wohl überflüssig", warf er hin, indem er ans Fenster trat und hinuntersah.

Dann kann ich also wieder an meine Arbeit gehen, Herr Direktor?"

Ditte. Und einen ausführlichen Bericht ..."

... werde ich Ihnen heute abend heraufschicken.E Gut!"

Werner Hellingrath ging nachdenklich die Treppen des Verwaltungsgebäudes hinunter.

Er fühlte nach diesem Aufttitt, daß er mit sich selbst nicht recht zuftieden war. Die ewigen Stiche­leien mit Terbrüggen, die er im Anfang in ihrer Harmlosigkeit für übermütige Jungensstreiche ge­nommen hatte, hatten im Laufe der Zeiten Formen angenommen, die ihm heute selbst nicht mehr ge­fallen wollten. Teufel nochmal, man war doch aus den Jahren heraus, die einem zu solchen Späßen ein Recht gaben. Aber eigentlich war das alles wie von selbst gekommen, daß ihm dieser Direktor Terbrüggen nicht besonders grün war, das hatte er gleich in den ersten Tagen gefühlt, als ihre gegensätzlichen Meinungen das erstemal aneinander« geplatzt waren. Und er selbst hatte seither einen inneren Widerwillen gegen ihn empfunden, dessen eigeMliche Ursache sich nicht aufzeigen ließ, eine Ab­neigung, die nach seiner Meinung wohl nur in den grundverschiedenen Charakteren der beiden begrün­det lag und die ihn immer wieder ohne eigenes Zutun zwang, seinen Gegner herauszufordern.

Gewiß, Terbrüggen war ein ausgezeichneter Fach­mann, Förderung und Absatz hatten sich unter seiner Leitung merklich gehoben. Dagegen ließ sich nichts sagen. Man sah und fühlte, daß es mit der Zeche Hammerkott vorwärtsging und hatte seine Freude daran, die eigene Kraft und das eigene Können in den Dienst dieses aufftreberiben Unter­nehmens zu stellen, selbst mitzuhelfen, neue Er­folge zu erringen. Aber die Art und Weise, wie Terbrüggen diese Erfolge erziette, gefiel ihm nicht. Man ?og am gleichen Strang, aber jeder der bei« den Männer sah die Dinge mit anderen Augen.

(Fortsetzung folgt)