Ausgabe 
20.1.1943
 
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AUF MÖNCKEBER6

ROMAN VON OLAF BOUTERWEOK

(Nachdruck verboten.)

£9. Fortsetzung.

t. Dai« Aortani, ch, hei« ) Direh er Pr» >r Ober« Jena. - ere ®f )r. phiL &rgffl )arm' len uni n. 1929 er nach Mogik r wuiÄr mäMl ernannt . Er ft- promo* 1932 in n Buch DarsÄ' 2", einet m öd« heftlicha rwunbei ijter, Dr i.o. Pro- trafreO itätOro); rlogie a|

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X St J>ä -tebib Ulten

Dor dem Hafen von Montevideo kenterte Bagger, der Teile des deutschen Panzer«

chiffesGraf Spee" zu heben versuchen sollte. Dabei sind zehn Mann ertrunken.

Riesige Valdbrände in den Kordilleren.

Die Kordilleren an der argentinisch-chi­lenischen Grenze wurden von riesigen Wald- Bränden heimgesucht. In der Nähe des chilenischen Bergsees im Nationalpark Lanin haben sich die Flammen auf über 100 qkm Aaldgebiet ausgedehnt. 3in anderer Brand weiter südlich hat besonders die Iungforste ergriffen. Es wurden Zypressen, Arau­karien und andere, nur in den Kordilleren vorkom­mende Edelhölzer in einem Gebiet von etwa 50 000 Hektar zerstört. Truppen und Gendarmerie wurden .'.ingesetzt, um die Brände einzudämmen. Es wird angenommen, daß sie durch Unvorsichtigkeit von Touristen oder Grenzschmugglern entstanden sind.

Stobbe, Sie haben gehört, was ich gesagt habe!" wandte Raucheisen sich hernach an den Hilfskom­missar. Es sind bereits zwei Beamte unterwegs, die Sie ablösen werden. Bis zu ihrem Eintreffen wollen Sie bitte mit aller Energie darauf achten, daß meine Anordnungen befolgt werden! Sie haben mich doch verstanden, Stobbe! Ist Ihnen alles klar?"

jawohl, Herr Kommissar!" antwortete Stobbe laut, aber er machte dabei seinem Vorgesetzten ein Zeichen, um damit anzudeuten, daß er noch etwas auf dem Herzen habe.

Raucheisen ging zur Tür, Stobbe folgte ihm, und als sie außer Hörweite waren, flüsterte der Hilfskommissar:

Darf er telephonieren?"

Natürlich!" gab Raucheisen leise zurück.Ich habe bereits angeordnet, daß die Leitung überwacht wird!"

Axel tat so, als tib das Ganze ihn nichts mehr angehe. Mit unbewegtem Gesicht knüpfte er seine Schleife. Dann zog er schweigend sein Jackett an, und als Stobbe die Tür öffnete, um den Kom­missar hinauszulassen, schlüpfte er ohne seinen Wächter auch nur anzuschauen schnell hinter ihm her.

Raucheisen sah sehr mißtrauisch zu, wie Axel mit schnellen Schritten an den Tisch trat, von dem Sigrid sich gerade erhob.

Fraulein von Mönckeberg, ich hatte eine große Bitte an Sie: Würden Sie mir wohl trotz des be­dauerlichen Anlasses, der uns hier zusammenführt, die Ehre erweisen, mit mir zu frühstücken?"

Dielen Dank für die Einladung!" sagte Sigrid überrascht.Aber ich weiß nicht recht ..." Sie warf einen unschlüssigen Blick zu Raucheisen hin­über:Der Herr Kommissar bot mir liebenswür­digerweise an, mich in seinem Wagen nachher nach Hause zu bringen und ..."

Raucheisen nickte ihr ermunternd zu:

9hm, Sie habe» es ja nicht weit nach Hause,

Raucheisen wartete, bis Axel fertig war. Dann schickte er Otto hinaus und wandte sich an den Schriftsteller:

Herr Holm, ich muß ein paar ernste Worte mit Ahnen sprechen: Ich habe jetzt alle etwaigen Mog- üchkeiten untersucht, ohne auch nur den .Schatten tiner neuen Spur zu finden. Sie wissen ja selbst, i> eine Reihe von Anzeichen Sie in schwerer Weise belastet, und da Sie diese Verdachtsgründe nicht m befriedigender Weise entkräften können oder es iid)t wollen!, sehe ich mich zu meinem Bedauern gezwungen. Sie vorläufig festzunehmen und einen Haftbefehl gegen Sie wegen Tatverdachts an der Lötung Professor Beierfelds zu beantragen!--

Sie können diese Maßnahme nur vermeiden, wenn Sie mir jetzt klipp und klar sagen, wo Sie sich in ier vergangenen Nacht während der kritischen Stun­den aufgehalten haben!" , , Ä

Machen Sie, was Sie wollen! sagte Axel trotzig, indem er die mißratene Schleife seiner Krawatte wieder aufzog und sie von neuem zu binden be- I egann.Vorläufig habe ich noch keine Deram losiung, mein begründetes Schweigen zu brechen.

Raucheisen machte eine ärgerliche Bewegung.

Dann haben Sie sich auch die Folgen selbst zuzu­schreiben, Herr Holm! Ich will Ihnen eine letzte Frist bis heute mittag zwölf Uhr geben; bis dahin lönnen Sie sich's überlegen ... Inzwischen dürfen Sie dieses Haus aber nicht verlassen! Ich mache Sie larauf aufmerksam, daß Sie auf Schritt und Tritt leobachtet werden! Auch ein Gespräch Mit Ihrem Diener Dttto ist nicht gestattet; nötigenfalls darf es tut im Beisein eines meinet Beamten erfolgen)

Aus Oer Statt Gießen.

Die wahre Gesundheit.

Von Professor Dr. Karl Kötschau.

Es gibt Menschen, die ihre Gesundheit lediglich danach beurteilen, ob man bei ihnen einen Krank­heitsbefund erheben kann. Diese Menschen haben sich in Abhängigkeit von Befunden begeoen, deren Deutung sie meist selbst nicht yerstehen und die sie nicht selten erheblich in die Irre führt. Wie oft wird nicht eine harmlose Eiweißausscheidung im Urin (orthostatischer Art), oder ein belangloses Herzge­räusch, eine Blutdruckschwankung ober ein Elektro­kardiogramm- oder Röntgenbefund von dem sach- unfunbigen Laien völlig falsch gedeutet und damit der Grund zu einer Lebensauffassung gelegt, die man als Hypochondrie ober Pessimismus bezeich­nen muß. Gewiß sollen ernste Krankheitsbefunde auch ernst genommen werden, darüber darf kein Zweifel bestehen; das gilt besonders für alle an­steckenden Krankheiten, selbstverständlich für die Erbkrankheiten und für die mit Leistungsverlusten verbundenen chronischen Krankheiten. Anderseits kann es nicht angehen, die Gesundheit des deut­schen Menschen nur durch die Brille des Noch- nichtkrankseins zu betrachten. Wo bleibt das Ver­trauen in die eigenen Kräfte des Aufbaus, der Lei­stungsfähigkeit und Gesundheit, wenn wir uns ab­hängig machen wollen van Fieberkurve u. a. Mes­sungen, deren Kenntnis für den Arzt unentbehrlich, für den Patienten aber oft niederschmettench ist und ihn seines Selbstvertrauens beraubt.

Welche großen und starken Kräfte schlummern doch in jedem erb gesund en deutschen Menschen, und wie wenig wird meist dieser Eigen- und Abwehr­kräfte gedacht. Das fängt schon beim Kinde an. Anstatt bestrebt zu sein, die Anlagen unserer Ju­gend voll und ganz zur Entfaltung zu bringen, wird nur darauf geachtet, bas Kind so zu behüten und zu schonen, daß nach Möglichkeit keine Erkrankungs- gelegenheit gegeben wird. Abgesehen davon, daß dieses Ziel auf dem Wege der Schonung nicht er­reicht wird, bewirkt man nur um so größere An­fälligkeit, je weniger man das Kind an die Natur mit ihrer physiologisch-entwicklungsgeschichtlichen Be­lastung heranbringt. Am schlimmsten ist aber, daß die Kinder auf diesem Wege nicht die Entwicklungs­reize erhalten, die sie unbedingt benötigen, um sich zu starken, vollwertigen Menschen entfalten zu kön­nen.

Es ist unendlich beklagenswert, zu sehen, was aus erbgefunben Kindern ost so wenig entwickelt wor­den ist. Wie oft geschieht es, baß aus den Kindern nur ein Teil von dem entwickelt wird, was anlage- mäßig möglich ift Unsere Kinder sin keineschwa­chen" und feinearmen" Geschöpfe. Sie sind viel­mehr die Träger reichster Anlagen und Entwick­ln ngsmöglichkeiten von einem Ausmaß, dessen Größe wir im Einzelfall nur ahnend erfassen kön­nen. Wir können aber aus jedem Kinde ein armes, schwaches Geschöpf machen, wenn wir seine erbge- sunden Anlagen nicht zur vollen Entfaltung kom­men laßen.

Wie stolz können gerade wir deutschen Eltern sein, die mir Kinder mit den herrlichen und über­ragenden deutschen Anlagen unter unseren Augen heranwachsen sehen dürfen. Von selbst und unter mangelnder Hebung der anlagemäßig vorgesehenen Kräfte geschieht dies allerdings nicht. So kommt es, baß Kinder, obwohl mit den reichsten Anlagen aus- gestattet, sich kümmerlich entwickeln wie ein Pflanze, die in nicht zuträglichem Klima oder unter ungün­stigen Bobenverh ältnissen nur ein krüppelhaftes Da­sein fristet. Es gibt im Organismus keine Funktion, die durch Schonung stärker würde, und kein Organ bas sich zur vollsten Blüte entwickelte, wenn nicht stete natürliche Beanspruchung vorausgegangen wäre.

Die volle Entfaltung der gesunden Anlagen zu überwachen und durchzufuhren, ist eine Aufgabe von ungleich größerer Bedeutung als das allzu ängstliche Bewachen aller und der kleinsten Besin- densänderungen. Gesundsein heißt, dem Leben und feinen Anforderungen gewachsen fein, und vor allem auch in der freien Natur bestehen können. Wie notwendig es ist, dieses Ziel klar herauszustel­len, lehrt dieser Krieg, der nur von Menschen ge­führt werben kann, die harten Anforderungen ge­wachsen sind.

Wir können meniger denn je auf irgendeinen deutschen Menschen verzichten, der, mit allen her­vorragenden Kräften deutscher Erbanlage ausge­stattet, nicht alles tut, um seine Kräfte voll zu ent­falten. An die Stelle der nur fürsorgerischen Aus­richtung auf Kranke, ober besser neben sie denn cs wird stets Kranke geben muß die Vorsorge, d. h. die Verhütung von Krankheiten oder besser die Weckung und Entfaltung der gesunden Kräfte im Menschen treten. Es gilt, das Vertrauen in die ge- funben Kräfte wieder zu wecken und zu zeigen, daß

der Untoerfität Berlin, Dr. Max Wegener, wurde als o. Professor an die Universität Münster berufen. Der a. o. Professor für Archäologie an der Universität Greifswald, Dr. Erich Boehringer, zur Zeit in Athen, wurde zum o. Professor ernannt. Boehringer wurde 1897 in Hamburg geboren und habilitierte sich 1932 in Greifswald. Der o. Pro» sissor für Botanik an der Universität Marburg, Dr. Peter Claussen, ist auf feinen Antrag von den amttichen Verpflichtungen entbunden worden. Claus­sen wurde 1877 geboren. Er studierte in Freiburg und Berlin, promovierte 1901 in Berlin und Hadi- ütierte sich 1904 in Freiburg und 1908 in Berlin. Haber Dorpat und Erlangen kam er 1922 nach Marburg, wo er auch als Direktor des Botanischen Instttuts und des Botanischen Gartens wirkte. Der a. o. Professor für anorganische Chemie an der Universität Leipzig, Dr. Franz Hein, ist an die Universität Jena berufen worden. Hein wurde 1892 geboren. Er habilitierte sich 1921 in Leipzig, wo er 1923 a. o. Professor wurde. Der o. Pro­fessor für Chemie an der Bergakademie Clausthal, Dr. Lothar Birckenbach, ist auf feinen Antrag von den amtlichen Verpflichtungen entbunden wor­den. Mrckenbach wurde 1876 geboren. Er war lange Jahre Vorstand des Analytischen Laboratoriums der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen und kam 1922 als Ordinarius nach Clausthal. Der Dozent für Völkerrecht an der Universität Ber­lin, Dr. Wilhelm (Breme, ist zum a. o. Professor für Rechtsgrundlagen der Außenpolitik und Völker- rechtspolittk ernannt worden. (Breme wurde 1911 in Hamburg geboren, promovierte dort 1936 und habilitierte sich 1941 in Berlin.

Lhrenbegräbms für Rudolf huch.

Die Stabt Braunschweig erfüllte einen fes­ten Wunsch des in Bad Harzburg verstorbenen Ru- dolf Huch, einst zurückzukehren in die Stadt seiner Jugend, mit einem Ehrenbegräbnis. So fand der Dichter feine letzte Ruhestätte auf demselben Fried­hof, auf dem Wilhelm Raabe, der einst die Bedeutung Rudolf Huchs als einer der ersten er­kannte und ihm wohlwollende Anerkennung zollte, beigesetzt ift Die Gedenkrede hielt Georg Gra­benhorst, der das Wesen des so lange verkann­ten Dichters, Denkers, Träumers und Kämpfers Umriß, dem er das Gelöbnis der Jetztzeit nachrief, <rll das wieder gutzumachen, was ihm in feinem Leben vorenthalten wurde.

Gerhard Taschner im Rundfunk.

Der namhafte junge Konzertmeister des Berliner Philharmonischen Orchesters, Gerhard Taschner, spielt am 21.1. von 20.15 bis 21 Uhr im Reichs- programm unter Leitung von Generalmusikdirektor Earl Schuricht das Violinkonzert von Johannes Brahms, bas er kürzlich in Gießen in einem von Hermann Abendroth geleiteten Konzert zu Gehör gebracht hat.

Reue Filme.

In den Ufa-Ateliers in Tempelhof wurde unter der Regie von Georg Jacoby mit den Aufnahmen zu dem neuen Ufa-FilmDie Gattin" begon­nen, dessen Drehbuch Thea von Harbou nach den beiden Bühnenstücken Johann von BokaysDie Gattin" und,Hch liebe vier Frauen" schrieb. Jenny 3 u g o spielt die Titelrolle, neben ihr wirken Willy Fritsch, Victor Staat, Hilde von Stolz, Hans Brau­sewetter, Theodor Dannegger u. a.Hütten- wacht", ein Kulturfilm der Wien-Film unter Spielleitung von Karl von Zieglmayer und Pcter Steigerwald, erhielt das Prädikatvolksbildend". Die Aufnahmen stellten Hans Theyer, Bernhard Schmidt und Josef Bucek in schwieriger Arbeit her. Die Musik stammt von Karl von Pauspertl. Als weiterer Kulturfilm der Wien-Film wurde der non Adi Mayer herge stellte FilmEin Tag im Zirkus" mit dem Prädikatvolksbildend" aus-

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gezeichnet. Das Auch schrieb Ernst Henthaler, der Kamera stand Walter Robert Koch.

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Mißglückte Hebeversuche vor Montevideo.

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Theater der Universitätsstadt Gießen.

Alexander Marai: »Das letzte Abenteuer^.

Studienkameraben wieder aufzunehmen. So etwa stellt sich in großen Zügen der Ablauf der drei Akte dar, die darüber hinaus eine unausge- tragene Fülle angedeuteter Spannungen zwischen Beruf und Privatleben, zwischen ärztlichen unb menschlichen Pflichten unb Verantwortungen be, herbergt. Deren Auslegung ober Einbeziehung in den Handlungsablauf muh dem Geschmack und der Neigung jedes Besuchers überlassen bleiben.

Das dreiaktige Schauspiel von Alexander M a rat, aus dem Ungarischen übertragen und für die deutsche Bühne bearbeitet von I. P. Toth, hat, wie man erfährt, in Budapest einen psychologisch nicht ganz erklärlichen Serienerfolg erzielt, obwohl es zur Zeit der Dolksröntgenuntersuchungen, die wir soeben absolviert haben einer gewissen Ak­tualität nicht entbehrt. Jedenfalls dürfte es dem normalen Theaterbesucher nicht ganz leicht fallen, aus den verschlungenen und stellenweise ziemlich krausen Handlungsfäden und Gedankenyängen des Autors den tieferen Sinn herauszukrtstallifieren. Der Internist Professor Petersen muh am Tage eines großen beruflichen Triumphes die schmerz­liche Entdeckung machen, daß feine um vieles jüngere Frau ihn zu verlassen beschlossen hat, weil er in der Fülle seiner ärztlichen Geschäfte sich ihr nicht so zu widmen vermochte, wie es im Sinne einer guten Ehe wünschenswert märe. Doppelt schmerzlich, daß auch der erste Assistent Dr. Fabri- zius, dem Petersen in seiner Klinik große Aufgaben zugedacht hat, ihn am gleichen Tage verläßt; da es sich um eine Frau handelt, ist der Zusammenhang klar. Der Fall kompliziert sich ferner dadurch, daß Fobrlzius um der Frau des Chefs willen dessen zweite Assistentin fitzen läßt, die seiner Liede gewiß zu sein glaubte unb sich nun von ihm verraten sieht. Die ganze schreckliche Wahrheit kommt aber erst an den Tag, als Petersen seine Frau nach ihrem niederschmetternden Geständnis perkutiert und röntgt was man in der ersten Uederraschung für eine neuartige seelenärztliche Untersuchungsmethode zu halten geneigt ist; indessen erweist der Befund, daß der Fall vordringlich den Internisten an- geht: die Frau ist unheilbar krank unb hat nur noch ein paar Monate zu leben. Obwohl sie nichts davon ahnt unb schließlich sogar zu bleiben bereit ist, schickt Petersen sie fort, in den Süden, m ein Sanatorium, unb bestellt Fabrizius, der auch nicht ahnte, daß er einer Todkranken verfallen ist, zum ärztlichen Betreuer feiner Frau. Auf diese Weise hofft er den abtrünnigen jungen Kollegen zu seiner Pflicht zurückzuführen. Petersen, völlig geschlagen, diktiert der Assistentin den verhängnisvollen Be­fund, gibt feine Privatpraxis auf, entschließt sich aber zuletzt eine vor vielen Jahren abgebrochene Forschungsarbeit zusammen mit einem früheren

Die Spielleitung des Herrn Mund war offenbar bestrebt, die krassen Wirkungen des Sensations­schauspiels mit den dialektischen Reizen eines Konversations- unb Thesenstückes zu verbinden. Eine möglichst nüchterne Sachlichkeit (unter Ver­meidung gelegentlicher Pathetik) scheint uns, schon um stellenweise bemerkbarer Lachlust der Hörer zu begegnen, der für die Inszenierung derartiger Schau­spiele empfehlenswerteste Sttl zu sein. Herr Löffler hatte für alle drei Akte bas der Um­gebung angemessene, diskret unb elegant ausgeftat« tete Ordinationszimmer einer wohlsituierten Privat» Praxis hergerichtet. Herr Funke spielte den Professor mtt einer der Figur nicht übel anstehen­den Mischung aus Nervosität und Konzentration, aus gesellschaftlicher Kühle, medizinischer Sachli^» keit und versteckter Herzensregung. Friedl Goll« mann suchte der Frau mit bem beziehungsvollen Namen Nora außer der beherrschten Haltung der Salondame die differenzierten Konturen einer rat­losen, mit bem Leben nicht zurechtkommenden jungen Frau zu geben. Herr K ö chling spielte den Fabrizius mit feindlich ablehnender, trotziger und unzugänglicher Verschlossenheit, BlancaBlacha die von Eifersucht, Enttäuschung unb Mitgefühl zer­rissene Assistentin, Hella H e n z k y mit hübsch be­obachteten Zügen die hoffnungslos in den großen Chef verliebte Sekretärin. Herr V o l ck, als kleiner, rühmloser, idealistischer Landarzt, erschien wie das leib hälftige Gewissen aus einer fernen Ibsen-La nd- schaft auf der von menschlichen und medizinischen Katastrophen erschütterten Szene.

Das Haus, stellenweise ziemlich unruhig, dankte zuletzt mit ausdauerndem Beifall unb Blumen« spenden. Hans Thyriot

es auf bem Wege über den Einsatz der Eigenkräfte bester als mit irgendeiner anderen Methode gelingt, die Gesundheit zu steigern und dadurch die Krank- heitsanfälligkeit zu senken. Freilich, Krankheiten wird es immer geben. Es ist aber ein Unterschied, ob man mit gut trainierten Abwehrkräften er­krankt und leicht mit irgendwelchen Störungen fertig wird, oder ob nur geringe, schlecht geübte Abwehr­kräfte zur Verfügung stehen. Die Arbeits- und Lei­stungsfähigkeit wird im zweiten Falle bestimmt wesentlich geringer, die Krankheitsdauer wesentlich größer sein. Auch pflegen Menschen, die stets nur an der Grenze ihrer Gesundheit und Leistungs­fähigkeit arbeiten, unzufriedener und innerlich un­ruhiger zu fein, als solche Menschen, die über ge­nügend Kraftreserven verfügen.

Gesund sein im besten Sinne fetzt allo nicht nur voraus, daß keine Krankheit besteht, sondern daß auch Kraftreserven da sind, daß also alle Organe nicht nur bei Schonung störungsfrei sind, sondern auch bei stärkerer Belastung.

Eine solche Gesundheit ist offensichllich nur bei ständigem Geübtsein an den Kräften möglich, die abwehrstark, hart unb widerstandsfähig machen. Wer von Jugend an so aufwächst, daß alle Organe bestens entwickelt und ihre Funktionen ständig ge­übt werden, der kann als Erwachsener mit Recht von sich sagen, er sei gesund und fräftig.

Offensichtlich ist es lediglich eine Frage geeigneter Erziehung und Lebensführung, um aus unserer erb« gefunden Jugend das zu machen, was uns allen vorschwebt, eine Generation von kraftvoll-selbstbe­wußten deutschen Menschen, die sich durch nichts aus dem Gleichgewicht, bringen ober gar unnversen lassen. Welch gewaltige und schöne Aufgabe über­nehmen Eltern und Epzieher, wenn sie dieses Ziel planmäßig zu erreichen trachten!

Sprechstunde des Kreisleiters.

Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Donnerstag, 21.1., nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, Alicenstraße 10, statt.

Amt für das Landvolk.

Die Sprechstunde des Amtes für das Landvolk findet am Donnerstag, 21.1., nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, Alicenstraße 10, statt.

Köpfe berühmter Männer aus dem Gau Hessen-Nassau.

NSG. Der Gau Hesien-Nasiau hätt sich nicht ohne Grund etwas darauf Zugute, daß in feiner Gauhauptftabt Frankfurt a. M. der größte Dichter der Deutschen, Johann Wolfgang von Goethe, geboren wurde. Irn Glanze einer solchen geistigen Größe mag man leicht dazu verführt fein, viele andere bedeutende Männer, die im Laufe der letzten Jahrhunderte aus unserem Gau hervorgegan­gen find und für Kunst und Wissenschaft Bedeuten­des erreicht haben, zu übersehen.

Das Kriegswinterhilfswerk hat deshalb für dis kommende Gaustraßensammlung am 23. und 24. Ja­nuar Abzeichen anfertigen lassen, die die Köpfe be­deutender Männer aus dem Gau Hesien-Nasiau zeigen. Wir sehen neben dem Kopse Goethes die Köpfe Gutenbergs, des Schöpfers der Typographie, Ulrich von Huttens, des deutschen Vorkämpfers gegen die geistige Ueberfrembung durch die römisch- klerikale Machtentfaltung, den Kopf Lichtenbergs, des scharfsinnigen Sattrikers, die Köpfe Liebigs unb Mercks, der bedeutenden Chemiker, der Gebrüder Grimm, denen wir die Sammlung der schönsten deutschen Märchen zu verdanken haben, des Frei­herrn vom Stein, des großen deutschen Freiheits­kämpfers, und Wilhelm Riehls, der als Erster die soziale Frage des inbuftrietten Zeitalters richtig erkannte.

Jeder von uns wird am kommenden Wochenende mit Stolz das Bildnis eines unserer großen Vor­fahren im Gau auf dem Nockaufschlag tragen. Wer indessen die ganze Serie erwerben will, der dient nicht allein dem Kriegswinterhilfswerk, sondern er wird sich damit gleichzeitig ein kleines Stück deutscher heimallicher Kulturgeschichte zu eigen machen.

Ditaminisierte Margarine.

Don der laufenden Zuteilungsperiode ab wird auch in diesem Winter wieder vitaminisierte Mar­garine in den Verkehr gebracht. Diese Maßnahme ist für die gesunde Ernährung von größter Bedeutung, weil im Winter die Ernährung auch in Friedens- zelten vitaminärmer ist. Unter den Kriegsverhält- nissen muß der ausreichenden Vitaminversorgung

Fräulein von Mönckeberg! Ich an Ihrer Stelle würde in diesem Falle einem Frühstück unbedingt den Vorzug geben!"

3a dann", sagte Sigrid lächelnd, indem sie Axel die Hand bot,bann nehme ich Ihre Ein­ladung natürlich dankend an, Herr Holm!"

9. Kapitel.

Obwohl Axel gewissermaßen Gefangener in fei­nem eigenen Haufe beziehungsweise dem feines Onkels war, zeigte er sich doch durchaus als Herr der Lage.

Er bat den Diener Friedrichfen, den Frühstücks- ttsch nicht im Speisezimmer, sondern in der Diele zu decken. Auf diese Weise erreichte er, daß der Hilsskommissar Stobbe unauffällig unb ohne Pein­lichkeit für alle Beteiligten seine heikle Aufgabe erfüllen konnte; denn es war selbstverständlich, daß Friedrichsen in diesem Falle auch für Stobbe ein Gedeck mit auflegte.

Während des Frühstücks wurde bas Gespräch fast ausschließlich von Axel unb Sigrib geführt, die liebevoll unb mit leiser Wehmut des Profesiors gedachten.

Stobbe hörte ebenso schweigsam wie aufmerksam zu. Er war allerdings auch der einzige, der wirkliche Eßlust zeigte, denn nach dieser durchwachten langen Nacht schmeckte es ihm ausgezeichnet.

Später nachdem Stobbe durch zwei wort­karge unb sehr energisch aussehende Beamte, den Kriminalsekretär Steputat und den Kriminalassisten- ten Schnitter, abgelöst worden war schlug Axel einen Spaziergang durch den Garten vor, und Sigrid, die ohnehin das Bedürfnis hatte, noch ein wenig überihren" Professor zu plaudern, zeigte sich sofort mit diesem Vorschlag einverstanden. Zudem liebte sie Bäume und Blumen sehr ...

Steputat unb Schnitter hefteten sich zwar sofort an Axels Fersen, aber draußen begnügten sie sich rbamü, auf einer Bank Platz -u nehmen, von der

aus sie den verhältnismäßig großen und park- ä^nlichen Garten bequem übersehen konnten. Der Schriftsteller hätte ihnen nicht entfliehen können, wenn er es auch gewollt hätte.

Eine Weile gingen Sigrid und Axel schweigend nebeneinander her. Als sie aber außer Hörweite der Beamten waren, zeigte Axel auf eine Bank, die im Schatten einer schönen, breitästigen Rotbuche stand:

Wollen wir hier ein wenig Platz nehmen, Fräu­lein von Mönckeberg?"

Gern ...! Uebrigens habe ich schon einmal vor etwa zwei Monaten mit Ihrem Onkel auf dieser Bank gesessen. Wir haben damals hier draußen Kaffee getrunken ... Ich denke gern und oft an diesen wundervollen Nachmittag zurück, denn jene Stunden gehören mit zu den angenehmsten unb glücklichsten meines Lebens!"

Sie setzte sich, unb als Axel schwieg, fügte sie nachdenklich und mit leiser Bitterkeit hinzu:

Wie schrecklich und unfaßbar ist bas: ein Mensch, der gütig, liebevoll und uneigennützig war gestern noch lebensprühend, voller Pläne unb Gedanken, ist heute stumm unb ausgelöfcht, als fei er nie gewesen! Unb nichts bleibt von ihm zurück als sein Werk unb eine schmerzliche und wehmütige Erinnerung an ihn! Wieviel tierische Bosheit, wieviel Verderbtheit und Hemmungslosigkeit gehören dazu, einen solchen Menschen einfach mit einer Handbewegung auszu­löschen!"

Axel war bleich geworden. Er hob aber den Kopf und sah Sigrid ernst in die Augen.

Fräulein von Mönckeberg, feien Sie ehrlich: trauen Sie mir eine solche verachtungswürdige Tat zu?!"

Sigrid faßte unwillkürlich nach Axels Hand.

Herr Holm, um Gottes willen ...! Wer hat so etwas gesagt?" rief sie ganz entsetzt.

.Fommissar Raucheisen", murmelte Axel.

(Fortsetzung folgt!