Ausgabe 
16.1.1943
 
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Nr. 13 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien)16./17, Januar M3

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wird

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den Kräften, die es auf feine Zerstörung und Verhaltung abgesehen haben.

Verdunkelungszell:

16. Januar von 17.38 bis 7.55 Uhr.

17. Januar von 17.40 bis 7.54 Uhr.

reien. Bei ihrer Durchführung sind noch manchs Schwierigkeiten zu überwinden, da die Tuberkulose und die Bangsche Krankheit unter den Rindern sehr stark verbreitet sind. Eine Gesundung der deutschen Rinderbestände kann nur schrittweise erfolgen. Dahin« gehende Bestrebungen der Verwaltungsbehörden und der Landwirtschaft, die schon seit Jahrzehnten im Gange sind, werden in Zukunft unter neuen, erfolgversprechenden Gesichtspunkten in Angriff geq nommen werden. Soweit Rohmilch aus einwand« frei gefunden Beständen noch nicht zur Verfügung steht, muh den Gefahren durch Erhitzung der Milch in den Molkereien oder im Haushalt begeg­net werden. An einer Verbesserung der Erhitzungsq verfahren in den Molkereien wird ständig gearbeitet.

Don großer Wichtigkeit ist auch Sauberkeit un8 Kühlhaltung der Milch auf dem Wege von bet Kuh bis zum Verbraucher. Auf diesen letzten Punkt wiesen auch in der anschließenden Besprechung be­sonders der Direktor des Hygienischen Instituts, Professor Dr. Haag, und der Direktor der Kinder­klinik, Professor Dr. Keller, hin. An der reger, Aussprache beteiligten sich außerdem Professor Dr. B ü r k e r , Professor Dr. Brüggemann, Direk­tor Wrede, Schlachthofdirektor Professor Dr.- Ke l l e r.

3n einem Schlußwort betonte der Präsident de« Dozenten-Akademie, Pg. Professor Dr. Beller, die Bedeutung dieses ganzen Fragenbereiches fütf die Volksgesundheit, zu dessen Bearbeitung sich dis Professoren Beller, Haag, W. Keller, Standfuß und Vogel imArbeitskreis Milch* zufammengeschlossen haben.

Dieser Tage hielt Pg. Professor Dr. S t a n d f u ß im Rahmen der Veranstaltungen der Dozenten- Akademie Gießen einen Vortrag überMilch und Milchhygiene" als Einführung in den Bereich des ArbeitskreisesMilch" der RSD. - Dozenten-Akademie Gießen.

Der Vortragende wies zunächst auf die große Bedeutung der Milch für die Volksernährung und für die Volkswirtschaft hin. 25 Milliarden Kilo­gramm Milch werden jährlich in Deutschland ge­wonnen, was einem Umsatz von rund 5 Milliarden Reichsmark entspricht. Mehr als ein Drittel des Nahrungsfettbedarfs von 80 Millionen Menschen kann durch die Milch gedeckt werden, und der Gehalt der Milch (auch der sog. Magermilch!) an Eiweiß beträgt das Mehrfache der nach Erhebun­gen des Jahres 1935 in Deutschland in Gestalt von Eiern verzehrten Eiweihmenge.

Aufgabe der M i l ch h y gi e n e ist es, gesundheit­liche Gefahren abzuwenden, die durch Aufnahme von Milch entstehen können, die Krankheitskeime enthält oder die mit Schmutzbakterien durchsetzt ist. Als aus den Menschen übertragbare Tierkrankheiten kommen hauptsächlich die Tuberkulose und in ge­ringerem Umfang die Bangsche Krankheit in Be­tracht. Auch als Zwischenträger von anftecfenben Krankheiten des Menschen (z.B. Typhus) kann die Milch unter Umständen Bedeutung erlangen.

Die hygienischen Abwehrmaßnahmen gegen diese Gefahren bestehen in Schaffung gesun­der Rinderbestände, ärztlicher Ueberwachunq des mit der Milchgewinnung unb -Verarbeitung beschäftig­ten Personals und Erhitzung der Milch in Molke-

Aus dem Ruhestand zur Arbeit zurück

Hochbetagte Arbeiter der Stirn und der Faust eifrig am Werk.

Milch und Milchhygiene.

Vortragsabend in der TISO.-Oozenten-Akademie Gießen.

mann unb Reger.

** Vom Theater der Universitäts­stab t G i e ß e n wird uns mitgeteilt: Am Dienstag, 19. Januar, findet die Erstaufführung des Schau- fpielsDas letzte Abenteuer" von Alexander Marai statt. Mit diesem Autor kommt hier erstmalig einer der erfolgreichsten lebenden ungarischen Bühnen­dichter zu Wort. Mit dem AerztedramaDas letzte Abenteuer" hatte Marai in Budapest einen Sensa­tionserfolg zu verzeichnen. Die Gießener Aufführung wird von W. M. M u n d in Szene gesetzt. In den Hauptrollen: August Wilhelm Funke als Professor Petersen, Friedl Gollmann als seine Frau Nora. In weiteren Rollen: Bianca Blacha, Hella Henzky, Herbert Köchling, Karl Dolck.

Gießener Fußball.

Die für den morgigen Sonntag auf dem Wald­sportplatz vorgesehene Doppelveranstaltung läßt sich nicht in der vorgesehenen Form durchführen. Das Spiel Luftwaffe Büdingen findet deshalb auf dem Platz der Spielvereinigung 1900 statt, das Spiel 1900 Reichsbahn wird auf dem Wald­sportplatz ab gewickelt.

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In der Reihe der Kriegsmeisterschaftsspiele im Fußball der Staffel V im Kreis Wette rau-Nord war für den kommenden Sonntag die Begegnung Wölfersheim gegen Luftwaffensportverein Gießen angesetzt. Im letzten Augenblick hat der Staffel­leiter aber eine Änderung vorgenommen und dis Sportgemeinde Büdingen zum Rückspiel gegen die LS V. Gießen nach hier verpflichtet. Infolge Mannschaftsschwierigkeiten mußte Büdingen für einige Wochen um Spielabsetzung nachsuchen, sa daß diese Mannschaft längere Zeit nicht in den Tabellenstand eingreifen konnte. Dieses Aussetzen hat natürlich zur Folge, daß die augenblickliche Spielstärke der Mannschaft auch nicht annähernd bekannt ist. Das Spiel findet auf dem Platz bet Spielvereinigung statt. Es sollte dem Luftwaffen« sportverein möglich fein, mit diesem Spiel weitere; Punkte zu gewinnen.

Handball -Gauklasse.

Die Handballmannschaft des Luftwaffensportver« eins Gießen fährt am Sonntag nach Frankfurt und spiell dort gegen die SA. Das Vorspiel konnten dis Flieger mit 8:3 Toren gewinnen. Ob die Wieder* holung des Sieges möglich ist, muß abgewartet wer* den.

Die neue Reichskleiderkarte vom kommenden Montag ab bis einschließlich Frei­tag nächster Woche in Gießen ausgegeben, wie das Wirtschaftsamt der Stadt Gießen heute bekanntgibt.

** Das nächste Solistenkonzert des Gießener Konzertringes 194 2/43 fin­det am Sonntag, 24. Januar, statt. Professor Johs. Hobohm, der bereits in früheren Konzerten mit Erfolg bei uns gespielt Hot, veranstaltet einen Kla­vierabend mit Werken von Bach, Mozart, Schu«

Oie Front spricht zur Heimat!

Am Sonntag, 17. Januar 1943, 20 llhr, findet in der llniversilatsaula in Gießen eine

Kundgebung der Kreisleitung Wetterau

statt. Es spricht Ritterkreuzträger IHajor 2Neiners über den heldenhaften Einsatz unserer tapferen Infanterie. z

Der Eintritt ist frei. Besondere Einladungen ergehen nicht. Es ist dafür Sorge getragen, daß jeder Besucher der Kundgebung Gelegenheit hat, den Bortraq selbst bei Uebersüllung der Aula zu hören.

Nicht nur im Behördendienst ober in der Wirt­schaft wird der Arbeitseinsatz der Alten besonders geschätzt, sondern auch in d e m Teile unseres Lebens als Volksgemeinschaft, der als ehrenamtlicher Dienst den vollen Einsatz aller körperlichen Energien und der geistigen Kräfte täglich, gegebenenfalls auch nachts erfordert, nämlich im Reichsluftschutzbund. Wir unterhalten uns mit einem der Gießener Re- viergruppenführer, der 46 Jahre als Staatsbeamter im Dienst war und trotz seiner 71 Jahre immer noch in unermüdlicher Schaffensfreudigkeit für die Auf­gaben des Reichslustschutzbundes arbeitet. Nebenbei bemerkt ist ein anderer Reviergruppenführer in Gießen in ähnlicher Lage, denn auch er hat der Allgemeinheit jahrzehntelang als Beamter gedient, er hat sogar zwei Kriege mitgemacht und ist jetzt im Alter von 66 Jahren unermüdlich im Dienste des Reichsluftschutzbundes mit dabei. Mit diesen Re- viergruppensührern arbeiten viele Amtsträger des Reichsluftschutzbundes zusammen, die als frühere Beamte oder Lehrer nach ihrem Ruhestand zum Tell auch wieder im beruflichen Dienst stehen und außer­dem in den dienstfreien Stunden ihre Kraft für die Luftschutzarbeit zur Verfügung stellen oder die wei­ter als Ruheständler Tag für Tag der ehrenamt­lichen Luftschutzarbeit gerecht werden. Daß es sich

hierbei um ein gerüttelt Maß von Aufgaben Han« delt, die alle mit peinlichster Gewissenhaftigkeit er­füllt werden müssen, erkennen wir in der Unter» Haltung mit dem Reviergruppenführer. Da gibt es z. B. täglich laufende Aufgaben wahrzunehmen, in den Abendstunden oder auch an Sonntagvormittagen Ausbildungslehrgänge durchzuführen und darüber hinaus eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Ver­vollkommnung unseres Luftschutzes in die Tat um­zusetzen. Man erkennt, daß auch diese Männer und mit ihnen die Frauen, die als Amtsträgerinnen des Reichsluftschutzbundes mithelfen, trotz hoher Lebens­jahre Verpflichtungen erfüllen, die namentlich jetzt im Kriege für unsere Volksgemeinschaft von größter Bedeutung sind. Daher können diese Männer ebenso Anspruch auf die dankbare Anerkennung aller Volksgenossen erheben wie die Alten, die im Behör« benbienft oder in der Arbeit der Wirtschaft ihre Kraft für das große Ganze einfetzen.

In der Reihe der Schaffenden der Heimat kommt auch den hochbetagten Volksgenossen als Mitarbeiter besondere Bedeutung zu. Während die jungen Männer vor dem Feinde ober an anderer Stelle der Wehrmacht im Dienst stehen, sind die Alten neben den nach in der Heimat weilenden Männern der jun­gen und mittleren Jahrgänge hervorragende Faktoren der Arbeit. Wie stark erfüllt von dieser Verpflichtung und wie froh diese Män­ner über ihre Aufgabe sind, konnten wir in Unterhaltungen mit einer Reihe von alten Volksgenossen feststellen. Bei diesen Männern handelt es sich um Angehörige der verschie­densten Berufsschichten, die bereits im Ruhe­stand gelebt hatten unb in ben letzten Jahren roieber zur Arbeit zurückgekehrt sind.

Wir sitzen im Büro eines Beamten der Justiz­verwaltung in einem Gerichtsgebäude am Hitlerwall. Unser Gegenüber ist ein Mann, der vor einigen Wochen seinen 70. Geburtstag begangen hat. Nach nahezu 56 Jahren der Arbeit, vyn denen allein fast 35 Jahre auf den Gerichtsdienst bei verschiedenen Gerichten in Hessen in den verschiedensten Dienst­stellungen entfielen, trat er 1934 in den wohlver­dienten Ruhestand, den er in Gießen verlebte. Aber schon bald nach dem Ausbruch des jetzigen Krieges hielt es ihn nicht mehr in der behaglichen Ruhe zu Hause. Er erkannte, daß die jungen Männer bei der Wehrmacht gebraucht und damit erneute Schaffens­möglichkeiten für die Alten erschlossen wurden. Daher rückte er gleich nach dem Feldzug in Polen wieder in fein früheres Amt beim Gericht in Gießen ein, in dem er nun erneut feit über drei Jahren unermüdlich und gewissenhaft Dienst tut. Mit Stolz bekennt er:Ich freue mich sehr, daß sie'mich alten Mann wieder gerufen haben und ich meinen Dienst wieder versehen kann. Dadurch kann ich der Be­völkerung immer noch dienen und vielen Ratsuchen­den behilflich sein." Neben der Leitung des Büro­dienstes sieht es der Hochbetagte als eine besondere Verpflichtung an, durch seine Ratschläge den Volks­genossen auf schiedlich-friedlichem Wege zu ihrem Recht zu verhelfen unb baburch unnötigen Prozessen, der sog. Prozeßhansetei, von vornherein vorzubeu- gen. Im übrigen ist es ihm eine besondere Genug­tuung, daß er gerade auch in der jetzigen Kriegszeit sein Amt zur Zufriedenheit feiner Vorgesetzten fuh­ren kann.

Ein Richter in Gießen, der im Jahre 1937 nach 42jähriger Dienstzeit in den Ruhestand trat, versieht trotz seiner 70 Jahre seit Ende 1939 ebenfalls roieber seinen Dienst. Bei feiner großen körperlichen unb geistigen Rüstigkeit behagte ihm der Ruhestand noch gar nicht. Er stellte sich daher schon bald nach Kriegsausbruch wieder zur Verfügung unb erhielt denn auch kurz darauf seine Wiedereinberufung m ben Dienst. Mit voller Hingabe an das ihm durch langjährige Tätigkeit vertraute weite Aufgabengebiet des Jugend- und Vormundschaftsrichters hilft der verdiente Richter in nie erlahmender Tatfreudigkeit bei ben verantwortungsvollen Aufgaben für unsere Jugend. Wer diesen Mann im grauen Haar und mit seinen gestrafften körperlichen und geistigen Ener­gien kennt, der weiß die ihm anoertraute Jugend in guter Obhut. Er ist kein bürokratischer Feder­fuchser, der über Zwirnsfäden stolpert, sondern er ist ein Mensch unb Jurist, der bei aller Respektie­rung der Gesetze Herz und Verstand immer auf dem rechten Fleck und zum rechten Einsatz zur Stelle hat. Die Freude, trotz seiner mehr als sieben Jahrzehnte des Lebens nun schon feit über drei Jahren wieder mitarbeiten unb dabei auf einem sehr verantwor­tungsvollen Poften stehen zu können, ist dem be­währten Richter deutlich anzumerken. Er spricht sich denn auch sehr zuftieden über seinen Kriegseinsatz an der Heimatfront aus, der es ihm ermöglicht, wieder mit dabei zu fein" und ben Eltern ober aüeinftehenben Frauen mit feinen Erfahrungen und feinem Rate zur Seite zu stehen, damit die zu be­treuende Jugend den geeigneten Weg in das Leben einfchlagen kann.

In einem Gießener Fabrikbetrieb. Um uns herum sitzen in ihren Arbeitsanzügen im Dienste der Arbeit ergraute Männer, ferner Arbeitskameraden vom Büro, darunter auch ein bekannter früherer aktiver Offizier aus Gießen, der nach in diesem Kriege Wehrmachtsdienst tat, bann aber in den Ruhestand kam, für den er sich jedoch durchaus noch nicht reif fühlte, so daß er nun seine Kraft und feine Erfah­rungen auf geeignetem Posten in diesem Betrieb nutzbar macht. Die Unterhaltung mit dem großen Kreis der Arbeitskameraden ergibt zunächst, daß der Aelteste von ihnen 72 Jahre, der Jüngste 65 Jahre alt ist, die übrigen 67, 69, 70 unb 71 Lebenslenze gezählt haben. Die meisten sind seit nahezu fünfzig Jahren, zum Teil sogar darüber in dem Betriebe tätig. Nach jahrzehntelanger treuester Pflichterfül­lung haben sie einige Jahre im Ruhestand gelebt. Als aber der bedeutende wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland begann, hielt es sie nicht mehr un­tätig zu Hause, und besonders jetzt im Kriege denkt keiner von ihnen auch nur mit einem blassen Schim­mer an das Vertauschen der Arbeit mit dem Ruhe­stand Sie alle fühlen sich in dem täglichen regen Schaffen wohl, unb sie sind sich ihres Wertes als erfahrene Facharbeiter unb in jahrzehntelanger Tä­tigkeit erprobte Werkangehörige burchaus bewußt Mit ihrem fachlichen Wißen unb Können unb mit ihrer körperlichen Leistungskraft stellen sie noch voll unb ganz ihren Mann, dessen Arbeit auch bei der strengsten Prüfung als vollwertig besteht. Unb

Aus der Stadl Gießen.

Steigende Sonne.

Es ist noch nicht sehr zu merken, aber der Auf­merksame stellt es dennoch mit Genugtuung fest: bie Sonne steigt wieder höher. Freilich, in der Frühe muß man schon genau aufpassen, denn bann handelt es sich nur um halbe unb ganze Minuten, daß die Morgenröte im Osten zeitiger erscheint. Am Nachmittag ist die Zunahme spürbarer, besonders an klaren Tagen; es läßt sich ganz gut wahr-- nehmen, daß wir bann das künstliche Licht immer wieder um eine kleine Spanne später anknipsen können. Natürlich sind es noch keine imponierenden Zeiträume, bie dazwischen liegen, im ganzen aber läppert es sich schon nett zusammen. Seit dem dun­kelsten läge, dem 22. Dezember, haben wir bis jetzt wieder eine halbe Stunde Licht gewonnen, und bis zum Ende des Monats beträgt dieser Zuwachs be­reits eine unb eine viertel Stunbe. Dann geht es immer besser vorwärts, bis schließlich im März bie Tag- unb Nachtgleiche roieber erreicht unb damit zu­gleich der Beginn des Frühlings markiert wird.

Vorerst sind wir aber noch nicht so weit. Jetzt verspüren wir erst noch die Wirksamkeit des Ja­nuars. Feld unb Walb scheinen erstorben, unb doch ist draußen nicht alles so tot, wie man meinen möchte. Im Gegenteil, insgeheim regt es sich. Zwar zunächst noch auf ganz stille Weise, aberan Fabian unb Sebastian (20.) fangen bie Bäume zu saften an". Damit ist das Stichwort gegeben, unb immer mehr lassen sich Anzeichen dafür wahrnehmen, daß mitten im Winter Kräfte am Werke sind, die Vor­arbeiten für den Frühling zu leisten.

Um so mehr Bedeutung kommt der steigenden Sonne zu. Wenn sie an Hellen Tagen in ben Mittag­stunden mit ihrer blitzenden Pracht die Landschaft' verschönt, zaubert sie eindrucksvolle Bilder, bie bei allen empfänglichen Gemütern bie choffnungsfreu- bigfeit entfachen. Auch in den Straßen der Stadt, auf den Plätzen und in den stillen Winkeln vermag sie Wunder zu wirken. Die Sonne bleibt das Ele­ment des Lebens, dessen Kraft wir vor ollen im Winter erst recht schätzen lernen. Arn 2. Februar (Mariä Lichtmeß) wurde früher vom Landvolk die eigentliche Winterarbeit beendet.Lichtmessen ist der Winter halb vergessen", hieß es deshalb, unb von diesem Zeitpunkt an stellte man sich bereits allmäh­lich auf ben Frühling ein, bem hier unb ba die Dagelwelt schon Anfang Februar ben ersten Tribut zollt. H. W. Sch.

Zuchtvieh-Absatzveranstattung in Giehen.

Die Landesverbände der Rinder- unb der Schweine­züchter Hessen-Nassaus veranstalteten am gestrigen Freitag in der Zuchtviehhalle Rhein-Main auf bem Diehmarkt in Gießen bie erste bie5-jährige Absatz­veranstaltung von Höhenfleckviehbullen, schwarz-, bunten Niederungsbullen unb Zuchtebern.

Bei der am Vortage durchgesührten Sonder­körung wurden 45 Höhenfleckmehbullen gekört. Ein Bulle (Züchter Konrad Eibt, Schwarz, Kreis' Als­feld) stellte den Spitzenbullen bar, der mit Recht der Wertklasse I zugeteilt werden konnte. Der über­aus gut entwickelte typische Bulle ist ein Sohn des vor drei Jahren in Süddeutschland angekauften StationsbullenBergland" des Züchteroereins für Fleckvieh Obelchessen, dessen Eltern auf Reichsnähr­standsschauen mit ersten Preisen ausgezeichnet waren. Der Bulle verfügt auch über eine sehr gute Milchleistungs-Abstammung. Er wurde von dem Züchterverein Lahn (Geschäftsstelle Der,zuchtamt Limburg) erworben. Einen zweitenBergland"- Sohn stellte der Züchter Lorenz Stieler, Schwarz (Kreis Alsfeld), zum Verkauf, der von dem Züchter­verein für Fleckvieh Oberhessen für die Station Brauerschroend angekauft wurde. Dieser noch nicht vollständig entwickelte Jungbulle verspricht für bie Zukunft sehr viel, er wurde neben 11 anderen Bul­len der Wertklasse II zugeteilt. In Wertklasse III wurden insgesamt 26 Bullen unb in Wertklasse IV 6 Bullen gekört. Bei verhältnismäßig guter Nach­frage wurden 38 Bullen verkauft, .zum Teil zu den festgesetzten Stoppreisen. Dabei wurde eine Anzahl Tiere an benachbarte Zuchtgebiete abgegeben.

Ferner erfolgte bie Körung von 9 schwarzbunten Niederungsbullen, van denen 2 der Wertklasse II, 4 der Wertklasse III unb 3 der Wertklasse IV zu­geteilt wurden Auch diese Bullen wechselten bei lebhafter Nachfrage und guten Preisen ihren Be­sitzer. Der Bedarf' konnte restlos befriedigt werben.

Bei der Absatzveranstaltung von Zuchtebern des deutschen veredelten Landschweins waren die vor­gestellten Datertiere, wie bei den Bullen, überdurch­schnittlich gut. Ein Eber aus der Zucht von Karl Luh, Lang-Göns, wurde der Wertklaffe i zugeteilt und zum höchsten Tagespreis von der Gemeinde Dorf-Güll gekauft. Ferner wurden 10 Eber der Wertklasse II. 16 Eber der Wertklasse III und 6 Eber der Wertklasse IV zugeteilt. 30 Eber wurden bei guten Preisen verkauft, so daß hier ein geringer Üeberftanb verblieb.

Die erste Absatzveranstaltung in diesem Jahre war für die Züchter und die Zuchtleitung ein schö­ner Erfolg. Für den 5. Mörz ist bie große Früh- jahrs-Absatzveranstaltung von Höhenfleckvieh-Lei- stungsbullen und Zuchtkalbinnen, sowie eine Absatz­veranstaltung von Zuchtebern in Gießen vorge­sehen.

(Biefcener Bodienmtirffpreife.

* Gießen, 16. Jan. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, H kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 9 bis 10, Kartoffeln, 5 kg 52, Wirsing, % kg 12 bis 15, Weißkraut 7 bis 10, Rotkraut 10, gelbe Rüden 15, rote Ruben 8, Unterkohlrabi 7, Grünkohl 10 bis 12, Lauch 15 Rpf.

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* * D i e feierliche Immatrikulation der Studierenden des Winterseme­sters 1942/43 findet am Samstag nächster Woche, 23. Januar, 11 Uhr pünktlich, in der Aula der Universität statt.

** Eine Grimm-Feier der Universi­tät, veranstaltet von der Philosophischen Fakultät, I Abt findet am heutigen Samstagabend "N Kunst­wissenschaftlichen Institut statt. Professor Dr Thier­felder spricht überDie neue Komodie Der

ehrwissenschaftliche JBortrage der Universität. Im Rahmen dieser Veran­staltung spricht am kommenden Donnerstag 21. Ja­nuar, Professor Dr. Schultze überWasch- und Reinigungsmittel im Kriege". Der Vortrag findet , im großen Hörsaal des Physikalischen Instituts, Stephanstraße 24, statt.

** Die Kartoffelversorgung ist Gegen­stand zweier Bekanntmachungen in unserem heuti­gen Anzeigenteil,

jetzt im Kriege sind sie sich besonders bewußt, daß sie den jungen Kameraden draußen an der Front keinen, besseren Dienst leisten können als den, auf ihrem Posten durch unermüdliche Mitarbeit dazu beizutragen, daß die Verpflichtungen der Heimat­front stets pünktlich und vollkommen erfüllt werden. Daß sie aber nicht nur aus Erwägungen des nüch­ternen Verstandes unentwegt bei der Arbeit sind, sondern trotz ihres hohen Alters ihr Schaffen auch aus innerer Freude leisten, geht daraus hervor, daß einer der Arbeitskameraden uns erklärte, wenn er an der Arbeit keine Freude habe, wäre er schon lange nicht mehr in den Betrieb gegangen; ein anderer betonte, er könne einfach nicht ohne Arbeit sein, wieder ein anderer sagte, er fühle sich bei der Arbeit entschieden wohler als beim Spazieren­gehen, alle miteinander sind sich einig in dem Be­wußtsein, daß es gerade im Kriege auch auf sie unb ihr Schaffen gnfommt, und daß sie mit ihrem Ein­satz nur eine selbstverständliche moralische Verpflich­tung gegenüber den im Felde stehenden Kameraden erfüllen. In diesem Geiste gehen sie täglich an ihre Arbeit, und sie wissen dabei, daß ihr Schaffen von der Betriebsführung gebührend gewürdigt wird. Der frühere Offizier, der als Sachbearbeiter für besondere Aufgaben in dem Betriebe wirkt, bemerkt schlicht als eine Selbstverständlichkeit, er bringe es nicht fertig, in dieser Zeit im Zivilleben untätig zu bleiben, seine materielle Versorgung sei auch ohne diese Arbeitsaufgabe durchaus gesichert gewesen, ihm komme es vor allem daraus an, durch die weitere Nutzbarmachung seiner Arbeitskraft mit beizutragen zur' Erfüllung Der großen Aufgaben, die in diesem Kriege von jedem Volksgenossen zur Erringung des Sieges versehen werden mühten. Und ein 67 Jahre alter Mann vom Büro fügt kurz und bündig hinzu, er fühle sich für seine Jahre noch viel zu jung zum Herumbummeln. Aus unserer Unterhaltung mit Persönlichkeiten der Leitung des Betriebs konnten wir die erfreuliche Feststellung mitnehmen, daß der vortreffliche Arbeitsgeist der Alten an maßgebender Stelle des Unternehmens mit dankbarer Anerken­nung vermerkt wird und die Betriebsführung stolz darauf ist, solche Männer in ihrer Gefolgschaft zu sehen, denen bie Arbeit ein ideelles Bedürfnis unb eine mit peinlichster Gewissenhaftigkeit erfüllte Selbstverständlichkeit ist.

An Hand einiger Ausschnitte ist hier in großen Zügen ein Bild des Kriegseinsatzes der Alten skizziert worden, das durch eine große Reihe anderer Beispiele aus vielen Zweigen unseres Gemeinschafts* lebens beliebig erweitert werden kann. Auch diese Volksgenossen bekunden mit ihrem Einsatz, daß sie sich der großen Verpflichtungen bewußt sind, die der Heimat aus den heldenhaften Leistungen unserer kämpfenden Front erwachsen, und daß sie an ihrem Teile gern unermüdlich beitragen zum Sieg unserer Waffen, zur Erringung einer großen Zukunft unse­res Vaterlandes und zur Sicherung Europas vor Nie^